Das konnte niemand ahnen (Teil 3267)

4. Oktober 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Die um sich greifende Verflachung der Berichterstattung hat ihren Siegeszug irgendwo zwischen Tutti-Frutti und der deutschen Finanzunterhaltung begonnen. Während Tutti-Frutti von regelmäßig neuem Schrott beerbt wurde, nährt sich die Finanzunterhaltung seit Jahrzehnten vom gleichen Kadaver. Steigen muss es – und wenn es fällt konnte man es nicht ahnen...

Ein überzeugendes Konzept, an dem auch die Realität nicht zu rütteln vermag.

So hieß auf dieser Seite im Artikel „Ein ignorierter Koloss“ im Frühjahr 2015:

Wer nur auf eine Stelle starrt, zudem eine, auf die alle anderen ebenfalls starren, läuft Gefahr andere Dinge zu übersehen. Angesichts der drastisch veränderten Rahmenbedingungen für die Dollarfinanzierung europäischer Banken kann man sich allerdings nur wundern, wenn diese Entwicklung niemanden interessiert. Da es sich bei der Geldmarktfonds-Reform um die wohl umfassendste Reform seit mehreren Jahrzehnten handeln dürfte, darf man wohl ein mangelndes Interesse an Finanzthemen als Ursache für die nachlässige Berichterstattung vermuten. Vielleicht halten viele die Bedeutung der Geldmarktfonds auch für unwichtig. Ein gewaltiger Trugschluss.

Derzeit sind die anziehenden Kurzfristsätze für Dollarfinanzierungen wieder von Interesse. Wie sooft erreichen wichtige Nachrichten die deutsche Wirtschaftspresse gerne einmal ex-post.

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(Rottmeyer, „Ein ignorierter Koloss“, 15.04.2015) Es wäre töricht, davon auszugehen, die US-Manager legten dabei besonderen Wert darauf, sich bis Herbst 2016 Zeit zu lassen um den Europäern einen Gefallen zu tun. Gerade da eine Ausweitung der Risikoprämien zu erwarten ist, wenn zig Milliarden gleichzeitig auf den Markt kommen, fängt auch beim Geldmarktfonds der frühe Vogel den Wurm.

So kam es denn auch. Bereits Anfang 2016 gab es den ersten Verdoppler in den Overnight USD Sätzen. Nach einer kurzen Pause folgte der Anstieg der in der aktuellen Spitze mündete. Solcherart anziehende Kurzfristfinanzierungen fressen sich sofort und täglich in die Erträge.

In einer Antwort auf einen Kommentar von Leser „Lenz“ ergänzten wir:

(Bankhaus Rott, 15.04.2015) Rein technisch sind die Folgen eines Rückzugs von US-Investoren aus der Bereitstellung von Dollar-Finanzierungen für nicht-amerikanische Unternehmen allerdings klar. Es stellt sich lediglich die Frage des Ausmaßes und damit der Händelbarkeit. Die unmittelbaren Folgen eines Ausstiegs der US-Anleger wäre der Zwang für die Europäer (und Asiaten) sich andere Dollarquellen suchen zu müssen und möglicherweise längere Finanzierungen umzusetzen. Das bedeutet steigende Dollar-Refinanzierungskosten.

So einfach sind die kleinen Freuden.

Wer sich nach weiteren Mythen umschaut, wird leicht fündig. Einer der längerfristigen und bei manchen schon von der Software in die Hardware gewanderten Denkabläufe dreht sich um Kurse, Bewertungen und Zentralbanken. Man nimmt der Einfachheit halber an, die Aktienkurse könnten ja nicht fallen, wenn die Zentralbanken das nicht wollten. Bewertungen und wirklich seltene Negativserien mit Ertrags- und Umsatzrückgängen bei den gelisteten US-Unternehmen werden kleingeredet. Die folgende Grafik zeigt die unterschiedlichen Pfade des Kurses des S&P 500 Index (grün) und der entsprechenden Gewinne (blau).

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Nun sind Gewinne natürlich nie unwichtig, es sei denn man kauft die Aktien um sich die Depotauszüge auszudrucken und damit was auch immer zu dekorieren.

Wirklich bemerkenswert ist aber, davon auszugehen, die Zentralbanken haben alles im Griff, während einigen gerade die kurzfristigen Zinssätze um die Ohren fliegen und die Bank of Japan wie im Vollrausch auf der Suche nach dem Heiligen Gral durch den Sumpf zwischen Theorie und Praxis irrlichert.

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