Edelmetalle: Das große Stolpern

18. Februar 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Die Gold – und Silberpreise sind etwas gestiegen. Plötzlich ist Ruhe an der Bashing-Front. Bald kommen auch die Experten nach ihrer 180 Grad-Wende wieder zurück. Sie werden dann sagen, sie hätten es immer schon gesagt…

… und dann erfahre ich auch, warum sie früher nichts haben sehen können und werde lachen.

Ich erinnere mich an so viele Gründe, warum Gold bis auf 1.000 US-Dollar fallen würde, und dann noch viel tiefer. Das ist nur wenige Tage her. Kann ja noch passieren.

Gestern bin ich über zwei Gedenksteine gestolpert. Am 23.6.2013 empfahl der Chefredakteur des Handelsblatts, Gold zu verkaufen. „Es ist deswegen höchste Zeit, den Goldschatz im eigenen Tresor nicht länger nur mit dem Misstrauen eines Spießers zu prüfen, sondern ihn zu verkaufen – und ihn in verzinsliche, sichere Anleihen zu tauschen. Das ist nicht nur sozialer, sondern es ist am Ende auch einträglicher.“ (Quelle: Handelsblatt)

Am 7.1.2014 sendete das Handelsblatt erneut einen Ratschlag. Gold notierte bei 1.231 US-Dollar: „Die Gefahr eines weiteren Preisrutsches ist also keinesfalls gebannt, auch wenn Goldvertliebte das nicht hören wollen. Es heißt jetzt Abschied nehmen.“ (Quelle: Handelsblatt ) Zur gleichen Zeit feuerte dpa viele Beiträge, in denen erklärt wurde, warum Gold nie mehr steigen kann. Diese wurden überall online gestellt. Kurse machen eben Nachrichten.

Ach, die Experten…

Wozu braucht man so viele? Weil es einen Markt dafür gibt. Weil es zu aufwendig ist, sich eine eigene Meinung zu erarbeiten. So holt man sich gerne kostenlosen Rat und Schläge. Zudem ist der Markt ziemlich aufnahmefähig für Unsinn. Eine eigene Meinung kostet Zeit und macht Arbeit. Wer will das schon? Deswegen gibt es wahrscheinlich auch mehr Spekulanten statt Investoren, was aber Vorteile hat. Wer soll sonst oben geben und unten nehmen? Die Spielbälle im Markt haben eine nützliche Funktion. Unten und oben sind sie zudem am lautesten.

Nein, es gibt nichts Neues zum Gold. Sein Preis hat zweimal bei 1.180 US-Dollar gehalten. Es könnte ein Doppelboden sein. Könnte. Mancher verwechselt das jetzt mit zwei Bodenkammern. Viele Papierspieler dürften inzwischen kapituliert haben – und rennen den Kursen jetzt nach oben hinterher. Vielleicht schwitzen sie schon wieder, denn Gold ist heute Morgen etwas gefallen. Wer weiß?

Wie auch beim DAX machen Kurse die Nachrichten – oder die Charts wie in den letzten Tagen. Ist es nicht erstaunlich, dass sich das Metall nicht am Handelsblatt orientieren wollte? Das haben die griechischen Staatsanleihen damals auch nicht. Ja, das goldene und silberne Zeug kann sogar teurer werden, kann sogar die 50er, 100er und 200er Tagesdurchschnitte nach oben schneiden – wo die Trendfolger dem Trend verfolgen. Und dann machen die Kurse schon wieder die Nachrichten.

Beginnt jetzt ein neuer Bullenmarkt beim Gold? Ist der Alte vorbei gewesen? Ich meine, eher setzt sich der Bärenmarkt der Werthaltigkeit digitalen Geldes fort. Die letzten drei Jahre hat das Papiergeld gegenüber dem Gold aufgewertet. Vielleicht waren 1.900 US-Dollar auch nur ein Ausrutscher, ein Aufschäumen und ein Überschwang. Seitdem wurde den preisverwöhnten Metall-Bugs wurde vieles abverlangt.

Neulich wurde ich Zeuge einer erstaunlichen Begebenheit. Neben mir saß jemand, der unentwegt Kurse beobachtete. Er schien zufrieden gewesen zu sein, denn Gold hatte am letzten Freitag etliche Widerstände hinter sich gelassen. Silber stand das erste Mal seit drei Monaten wieder über 21 US-Dollar.

Der junge Mann, das weiß ich, ist schon länger investiert. Es hat ihm aber nicht gut getan. Er sagte, er habe etliches an Papier verbrannt. Dabei hat er nur andere glücklicher gemacht, also diejenigen, denen er ihre Papiere abgekauft hatte. CFD`s waren ebenfalls im Spiel und wenig Glück. Und er tippte und tippte. Es war faszinierend.

Viel faszinierender waren allerdings seine vielen Fragen. Bis wohin kann Silber laufen? Wird Gold weiter steigen? Welche Minenpapiere wären denn empfehlenswert? Oder Bitcoins? Kann man da short gehen? Kursziele… Eigentlich stellen nur Kinder so viele Fragen, wohl deshalb, weil sie erst noch viel lernen müssen und ihre Hausausgaben vor sich haben. Der junge Mann kam offenbar nicht dazu. Er musste lange Zeit die Kurse verfolgen und tippen.


 

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7 Kommentare auf "Edelmetalle: Das große Stolpern"

  1. bluestar sagt:

    Ach ja, das Handelsblatt und dessen tolle Empfehlungen.
    Das Geschäftsmodell Versorgung Menschen ohne eigene Meinung, ohne Wissen und Ahnung läuft bestens. Beim Handelsblatt kommen dann irgendwann die Schläge, die dann wenigstens nur die Ratsuchenden treffen.
    Beim Geschäftsmodell der sonstigen Blätter kommen dann die Wahlergebnisse,
    welche alle treffen.

  2. Michael sagt:

    Preiswert ist gut. Technisch war der Anstieg des Preises von Gold in der letzten Woche eher steil auf meiner 5 Jahresdarstellung. Besser wäre es wenn der Goldpreis sich der Katze gleich auf Samtpfötchen über die nächsten Woche leicht steigend davonmacht. Mir persönlich fehlt ein wenig der heftige Ausbruch wie in den Zwischenrallys im vergangenen Jahr gesichtet. Silber machte so den Eindruck in jüngster Vergangenheit.

    Das Handelsblatt hat auch einen Ruf aus der Vergangenheit zu verteidigen, denn mit Groove in der Gegenwart ist es nicht weit her. Finger weg von Aktien im Moment und insbesondere Anleihen. Es ist besser man kauft sich warme Patschen, eine Decke und ein Wollmütze. Die halt warm, wenn der Ofen ausgeht. Der eine Auszug auf dem dann der vermeintliche Wert abgedruckt ist wird nicht viel helfen.

    Ich bin halt ein Fan von preiswert. Aktien um einen Bruchteil vom aktuellen Niveau. Der Zeiptunkt kommt noch. Das erwarten wir.

  3. Bergmeister sagt:

    Das Handelsblatt ist natürlich ein steter Quell der Heiterkeit. Ich darf an die legendären Beweise ökonomischen Geheimwissens der dort schreibenden Journalistendarsteller angesichts des Griechenland- und Eurodesasters erinnern. „Am Freitag habe ich daher für 5.000 Euro griechische Staatsanleihen geordert.“ Gabor Steingart, Chefredakteur des Handelsblatt. Das Zitat stammt aus einem Artikel des Handelsblatts vom 3.5. 2010. (http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/handelsblatt-aktion-wir-kaufen-griechische-staatsanleihen/3426508.html) Mit dabei war auch Hans Eichel, Englischlehrer und ehemaliger Bundesfinanzminister. Nachlesen! Ich wünsche beste Unterhaltung!

  4. bluestar sagt:

    @Bergmeister
    Vielen Dank für den Link, ach man könnte lachen wenn die Sache nicht so traurig wäre.
    Irgendwie ist die offenbarte Dummheit schon fast peinlich.
    Interessant auch die Zusammensetzung der Unterzeichner.
    Berufspolitiker, Banker, Versicherungsmanager, Mainstream-Journalisten.
    Eine Überraschung gab es dann doch , und zwar Werner Bahlsen.
    Ob ich da noch unbeschadet dessen Kekse essen kann ???

  5. Bankhaus Rott sagt:

    Guten Abend zusammen,

    ja seinerzeit hat das Handelsblatt ein Dokument von geradezu historischem Unterhaltungswert veröffentlicht.
    http://www.rottmeyer.de/entwurf-kurz-notiert-furs-stutzungstagebuch-janner-2012/

    Beste Grüße an die Leserschaft
    Bankhaus Rott

    • Michael sagt:

      Diese doch recht erstaunlichen Worte in der besagen Gazette erblühen in epischer Gewandheit gebettet in epochalem Saum. Wäre verleitet zu denken, solch gewichtiges Wort schlug der Bleibe des Diogenes aller Erwartung zum trotz den Boden aus. Seit an weht ein kühler Wind von Norden durchs Fass mit Spalt gebettet auf wankender Krume.

      Politiker sind haben ein ausgesprochen pragmatischen Bezug zu den gehorteten Früchten der Mitmenschen. In manchen Punkten sind sie wahrlich konsequent und durchaus einer Meinung.

      Wollen sie nicht ein paar Anleihen von der Hypo Alpe Adria oder Herr Eichel. Die sind garantiert mit dem 12fach gehebelten Landesbudget 🙂 Mittlerweile nach Abbau der Risken, der Staat investierte 5 Mrd, ist der Hebel auf das läppische 6 bis 8fache geschrumpft. Für Freunde der nachrangigen Anleihen auf (Baa2, Baa3) und der Garant wurde auf A2 gestuft. Beide hauchdünn unterm Prime Segment vorbeibeschrammt. 🙂 Eine Occasion für Schnäppchenjäger, eine Anleihe mit Pfiff.

      Aber Interessant zu sehen und hautnah mitzuerleben welch einen Hauch von Verderben und Verdorbenheit ein Rating doch zurecht bestätigt. Nach ca. 400 Mio. EUR (so ich mich erinnere) Beraterhonoraren – willkommen in der Anstalt(enlösung).

      Jetzt gibt noch etwas Gebell um die politische Verantwortung. Rauskommen wird nicht viel, wenn überhaupt irgendetwas. Sollte die nächste die Krise kommen, so steht ein bewährtes Muster bereit. Früher hat eine Bankenpleite kaum einen wirklich tangiert. Wäre nicht die erste Bank die pleite ging, wird auch nicht die letzte sein.

      Wäre wirklich interessant, was passiert wenn die Deutsche Bank die Patschen streckte. Ich tue mir etwas hart diese Geschichte mit der Ansteckung so einfach zu übernehmen und ob es nicht Mechanismen gäbe diese auszuschießen im Sinne von Entnetzung. Ob der Bevölkerung in dem Punkt nicht ein Bär wird aufgebunden.

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