Das große Experiment mit unserem Geld

8. September 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Manfred Gburek) Wie nicht anders zu erwarten, hat die EZB am Donnerstag entschieden, unbegrenzt Anleihen hoch verschuldeter Euroländer aufzukaufen. Damit erweitert sie ihr Mandat auf die Staatsfinanzierung, wodurch eine neue Ära der europäischen Geldpolitik beginnt, die im Lauf der kommenden Jahre mit größter Wahrscheinlichkeit zu höheren Inflationsraten führen wird…

Doch bis es so weit kommt, gilt es, um nahezu jeden Preis die Deflation zu verhindern.

Um Vorwürfe von vornherein abzuwürgen, betont die EZB, nur Anleihen mit Laufzeiten bis zu drei Jahren zu kaufen und das Geld, das sie in Anleihen investiert, anderswo wieder wegzuschnappen – gleich zwei Feigenblätter. Hinzu kommen zwei weitere: die Verpflichtung hilfsbedürftiger Euroländer zu Reformen und die mögliche Einbindung des Internationalen Währungsfonds in die Rettungsmaßnahmen. Zu welchen Reformen? Diese Frage bleibt ebenso unbeantwortet wie manch andere. Was die EZB uns jetzt zur Beruhigung verabreicht hat, ist also in Wahrheit beunruhigend. Das wird sich an den Börsen in starken Schwankungen auswirken, für Besitzer von Aktien und Edelmetallen zum Glück im Zuge eines langfristigen Aufwärtstrends.

Falls Sie sich für ganz kurze Zeit gewundert haben sollten, dass im Gefolge der EZB-Entscheidung die Preise von Gold und Silber nach dem vorangegangenen Anstieg etwas zurückgekommen sind, ist hier die einfache Erklärung: Börsianer hatten diese Entscheidung mit dem Hochtreiben der Preise vorweggenommen, weil 1. EZB-Chef Mario Draghi sich schon vor einiger Zeit entsprechend geäußert hatte und weil 2. das Insiderwissen von 22 Entscheidern aus EZB-Rat und -Direktorium bei deren Treffen am Mittwochabend irgendwie den Weg nach draußen gefunden hat. Die Folge: vorzeitiger Jubel – ein klassischer Fall dafür, dass an Börsen die Zukunft vorweggenommen wird. Am Freitagabend mitteleuropäischer Zeit war der Spuk wieder vorbei; Gold und Silber schossen geradezu in die Höhe.

Lassen Sie sich jetzt von den Preisschwankungen der Edelmetalle und der Aktien nicht ins Bockshorn jagen. Mal tendieren beide gemeinsam nach oben, um danach eine Pause oder eine sogenannte technische Reaktion nach unten einzulegen, mal wechseln sie sich ab. Das Einzige, was nun für Sie als Richtschnur gelten sollte, ist der wieder aufgenommene Aufwärtstrend beider Anlagekategorien.

Warum es im Zuge dieses Trends überhaupt zu Schwankungen kommt, liegt auf der Hand: Draghi und seine EZB-Mannschaft sowie Europas Politiker unter Führung von Kanzlerin Angela Merkel müssen jetzt Taten sprechen lassen, haben aber außer Absichtserklärungen vorerst nur wenig zu bieten. So eine Konstellation hat Börsianer immer schon nervös gemacht.

Dazu hier noch ein paar Details: Die extrem hohen Schulden der meisten Euroländer verhindern, dass es dort in absehbarer Zeit überhaupt zum Wirtschaftswachstum kommen kann. Schlimmer noch, vielfach schrumpft die Wirtschaft derart, dass bereits soziale Unruhen an der Tagesordnung sind. Die zum Teil dramatische Entwicklung trifft mittelbar auch deutsche Unternehmen, die ihre Güter und Dienstleistungen in die Euroländer exportieren. Zum Glück haben sie immer mehr Aktivitäten rechtzeitig in die USA, nach China und in das übrige Asien verlagert. Dennoch ist die eingangs erwähnte Gefahr der Deflation nicht gebannt, solange in mehreren EU-Ländern die Konjunktur rückläufig ist und die Arbeitslosenzahl weiter steigt… (Seite 2)

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6 Kommentare auf "Das große Experiment mit unserem Geld"

  1. stephan sagt:

    Herr Gburek schreibt:

    „Zu guter Letzt: Werden Sie Ihr eigener Finanzplaner und Vermögensverwalter, indem Sie möglichst viele relevante Informationen (aus Internetseiten, Zeitungen und Zeitschriften, Geschäftsberichten, Charts, Statistiken, Diskussionsrunden und -foren etc.) verarbeiten, sich dafür genug Zeit nehmen, die Entwicklung an den Börsen verfolgen, häufiger in andere Länder reisen, regelmäßig auf Ihre persönlichen Verhältnisse zugeschnittene Finanzpläne erstellen und Ihr Vermögen lieber selbst verwalten, als es anderen zu überlassen.“

    Dazu ist die Masse doch schlicht viel zu blöd. Sein eigener Vermögensverwalter zu sein, kostet viel Disziplin, viel Aufwand in Form von Recherche und nicht zuletzt auch die Fähigkeit, die Verantwortung für seine Anlageentscheiduneng selbst zu tragen. Insbesondere muss man sich auch gegen den Mainstream entscheiden können, was wiederum zur Vorasusetzung hat, dass man selbstständig und kritisch denken kann (und deshalb nicht den unintelligenten Empfehlungen z.B. von Systemlingen wie Tenhagen und Bankern folgt). Ich meine, der grauen Masse fehlt es an all diesen Voraussetzungen.

    Da geht man doch lieber Shoppen. Und zwar ganz ohne zu Denken nach den Werbevorgaben der Konsumindustrie. Disziplin muss man dazu nicht haben, denn glücklicherweise gibts ja Kredit.

    Es gibt einen gewaltigen Unterschied zwischen Vermögensverwaltern in eigener Sache und dummen Konsumschafen: Die einen verhalten sich zuerst diszipliniert und kaufen wenn sie einen Vermögenszuwachs haben, die anderen kaufen zunächst undiszipliniert (über ihre Verhältnisse) und müssen sich dann von den Gläubigern disziplinieren lassen (= Schulden abzahlen).

    Da Letzteres die große Masse der Leute ausmacht, wird Herrn Gbureks berechtigter und gutgemeinter Vorschlag nur einen sehr kleinen Widerhall erfahren.

    • gilga sagt:

      Im Grunde könnte es einem ja egal sein… jeder ist seines Glückes Schmied usw.

      Wäre da nicht die demokratisch legitimierte Umverteilungsmaschine (nicht das diese per se Schlecht ist)… Wie war das noch? „Es ist gefährlich recht zu haben, wenn der Staat falsch liegt“, oder so ähnlich. Und natürlich ist der Staat ja das Volk… und da schließt sich der Kreis.

      90% will nun mal so leben (ob sie es auch können steht auf einem anderen Blatt) und wird seinen Willen bekommen. Gern auch auf Kosten derjenigen, die Nachhaltig wirtschaften…

  2. katzbuckel sagt:

    Es gibt eine böse Nachricht zu verkünden. Wenn 10 % der Weltbevölkerung Geld bis zum Exzess drucken, dann ist damit nicht gesagt, dass die restlichen 90 % dieses in gleichem Maße annehmen werden.

    Schon jetzt entwickeln sich Kollateralen beachtlicher Zahl und Lumens, den Rohstoffhandel am Dollar vorbeizuleiten. Der Dollar wird seine Rolle als parasitäre Leitwährung alsbald verlieren, was den Amis klar und sicher einen Krieg wert ist.

    Das wird die Rückkehr der Welt zum Edelmetallstandard oder anderen Alternativen aber nicht aufhalten können. Bald schon wird es heißen: Öl für Gold. Oder wären Sie bereit, ihre besten Waren ständig für Klopapier zu verkaufen?

    Wir -gemeint ist der Westen- täten gut daran, unsere Nabelschau zu beenden. Die wahre Befindlichkeit unserer Währungen dürfte den BRIC- Staaten deutlich vor Augen stehen. Sie werden alles tun, um sich von Dollar und Euro zu lösen. For sure!

    • Futur sagt:

      @ katzbuckel

      Die Politik der BRICS-Staaten ( S=Südafrika) ist verständlich, denn sie wissen, dass auch das viele Klopapier immer wertloser wird.
      Durch eine machtvolle Politik haben es die Amis geschafft, große Mengen des Schwarzen Goldes zu erobern.
      Um die Dominanz der VSA und des $ endgültig zu zementieren, soll auch noch der Iran eingenommen werden.

      Politisch gesehen könnte Europa an sich eine vorteilhafte Position einnehmen:
      Als umworbene Großmacht zwischen den VSA und den BRICS-Staaten.

      Denn eins ist sicher:
      Die BRICS-Staaten werden diejenigen unterstützen, die sich der Dominanz der VSA und des $ widersetzen.

      • katzbuckel sagt:

        Hallo Futur, danke für Ihre Stellungnahme. Inzwischen dürfte allen klar sein, dass der Iran kurz davor steht, angegriffen zu werden. Krieg war schon immer eine beliebte „Ersatzkonjunktur“. Allerdings steht zu befürchten, dass es sich im Falle des Iran um einen Gegner mit einer höheren Schuhgröße handeln dürfte, als etwa beim Irak oder Libyen. Ich befürchte zudem, dass sich Deutschland beteiligen wird und man uns unter Notstands- und Kriegsrecht noch einiges aufs Auge drücken wird, was momentan noch nicht anginge. Zwangshypotheken z. B.
        Gerne lasse ich mich als Schwarzseher betiteln. Wie sagte doch ein weiser Mann: „Rede ich Unsinn, dann rennt nur ein Narr mehr durch die Gegend. Behalte ich recht, dann sei Gott uns allen gnädig“.

        Kaufen Sie tüchtig Silber. Und bleiben wir trotzdem gefaßt. Denn draußen scheint die Sonne. Und das wird sie weiterhin tun.

        • Futur sagt:

          @ katzbuckel

          Nein, ich glaube nicht, dass der Iran angegriffen wird. Das Pentagon und einige hochrangige Generäle streiken,
          das US-Militär ist durch die vielen Kriege ausgelaugt. Deshalb auch der vermehrte Einsatz der Drohnen.
          Wenn der Krieg ohne Einsatz von Soldaten, nur mit diesen seelenlosen Tötungsfliegern möglich sein sollte, dann wäre der Iran wohl schon angegriffen. Ahmadinedschad macht vieles richtig, das zeigte schon die letzte NAM-Konferenz. Noch nie gehört? Haben ja nur 120 Nationen dran teilgenommen, obwohl die VSA zum Boykott aufgerufen hatten. Die Mainstream-Presse schreibt ja lieber über Frau Wulff.

          Meine Hoffnung ist immer noch Obama. Er ist ja nach den nächsten Wahlen eine “ lahme Ente“, dann kann er auch seine Politik durchsetzen, denn seine Reden sind in der Regel gut. OK, ich bin halt ein Optimist.

          Bisher war der Michel brav. Warum sollte also das Notstands- und Kriegsrecht nötig sein, um an seine Ersparnisse zu kommen. Da gibt es doch viel elegantere Wege, z.B. könnte die EZB…ups, das macht sie ja schon, und was passiert?

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