Das geht ja runter wie Öl

12. Januar 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Nach dem starken Rückgang der Ölpreise sind viele Anleger noch auf der Suche nach den möglichen Ursachen. Unabhängig davon, wie erfolgreich sich diese Suche gestaltet, sollten Investoren die technischen Auswirkungen auf Ölinvestments nicht verdrängen. Solche Nachlässigkeiten kosten am Finanzmarkt in der Regel Geld.

Schon mancher Rohstoff-Fonds-Anleger hat sich in der Vergangenheit gewundert, wieso er trotz steigender Preise Geld mit seinen Fonds verlieren konnte. Die ersten Gedanken münden oft im beliebten Vorwurf der „Abzocke“ der Fondsanbieter. Bei allem berechtigten Ärger mit der Branche sollte man nicht ausblenden, wie oft sich Anleger schlichtweg selbst abzocken, da sie ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben. Da die aktuelle Situation am Ölmarkt erneut viele Chancensucher aufgeweckt haben dürfte, soll an dieser Stelle an eine oft unterschätzte Eigenart bestimmter Anlagen erinnert werden.

Die gängigen Anlageprodukte, die Privatinvestoren und kleineren Institutionellen eine Anlage im Rohstoffmarkt ermöglichen, sind börsengehandelte Vehikel, wie ETPs. Diese sind lediglich die Hülle der zugrundeliegenden Investments. Die Anlagen selbst erfolgen am Terminmarkt über Futures, da die Fonds keine Tanks für Rohöl vorhalten.

(USO) United States Oil Fund LP is a Delaware limited partnership incorporated in the USA. The Fund’s objective is to have changes in percentage terms of its unit’s net asset value reflect the changes of the price of WTI Crude Oil delivered to Cushing, Oklahoma, as measured by changes in percentage terms of the price of the WTI Crude Oil futures contract on the NYMEX.

Alternativ werden Produkte angeboten, deren Erträge über Swaps an einen Indexertrag gebunden sind. Die zugrundeliegenden Indizes basieren ihrerseits auf Futures.

(Bloomberg) Crude Oil Subindex Total Return (DJUBCLTR), the index is a single commodity subindex of the Bloomberg CI composed of futures contracts on crude oil. It reflects the return of underlying commodity futures price movements only and is quoted in USD.

Das alles ist kein Hexenwerk sondern schlichtweg eine Möglichkeit sich als Anleger den Ölpreisen zu widmen, ohne das Öl physisch zu lagern. Allerdings müssen Anleger bedenken, dass die Veränderung des Ölpreises beie einer Anlage am Terminmarkt nur einer von zwei maßgeblichen Faktoren bei der Preisbildung ihrer Fonds ist. Der zweite Faktor, die Veränderung und Struktur der Terminkurve, kann die Auswirkungen der Ölpreisveränderung deutlich in den Schatten stellen. So kann man in bestimmten Situationen relativ einfach auch bei steigenden Preisen mit einer Long-Position Geld verlieren.

Die folgende Grafik zeigt den bekannten Verlauf des Ölpreise (WTI Crude).

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Der unten stehende Chart enthält die Terminkurve der Öl-Futures zum Zeitpunkt A und am 9.1.2015.

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Wer nun bei der aktuellen Terminkurve (blau) einen Future long geht (sprich Öl auf Termin kauft), der rollt mit seiner Position die Terminkurve herunter. Da Terminpreis und Spotpreis zur Fälligkeit des Futures konvergieren, verliert ein Long-Position im Öl-Future bei unverändertem Spotpreis logischerweise Geld. Um Geld zu verdienen, muss der Spotpreis über das Niveau des Terminpreises steigen. Angesichts der aktuellen Steilheit der Terminkurve bedarf es somit einer deutlichen Steigerung. Beim März 2016er Kontrakt läge der benötigte Preisanstieg bei 16%. Steigt der Preis weniger, verliert der Anleger Geld.

Der untere der beiden Charts zeigt wie unterschiedlich die Situationen vor und nach dem Preiseinbruch sind. Die Terminkurve vor dem Preisrutsch war nahezu flat und im kurzen Laufzeitbereich sogar leicht fallend. Gebracht hat dies den Käufern natürlich wenig, denn angesichts der erfolgten Preisbewegung war die leicht fallende Terminkurve natürlich eine Marginalie.

In der aktuellen Situation würde es sich für einen Anleger eher lohnen, sich einen vollen Tanker samt Liegeplatz zu mieten und die Ladung am Terminmarkt zu verkaufen. Eine ähnliche Situation gab es zuletzt 2009/2010. Eine dritte Alternative ist es, sich die Entwicklung nur anzuschauen. Das ist sogar kostenlos.

 


 

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3 Kommentare auf "Das geht ja runter wie Öl"

  1. MH sagt:

    Ja, fiese Situation. Da liegt der Braten vor einem und man darf nicht zugreifen. Sollte man zumindest nicht, wenn man den Zeitfaktor bei Derivaten nicht genau berechnen kann. Und dann haben die Emittenten ja auch noch Spielraum bei der Kursberechnung. Da gibt’s oftmals lange Gesichter auf der Käuferseite.

  2. gilga sagt:

    Ich weiß noch etwas was man kostenlos (aber nicht umsonst) bekommt: Interessante Denkanstöße vom Bankhaus Rott… Vielen Dank! Wie sieht es diesbezüglich mit ETCs (Exchange-traded Commodities) aus? Also z.B. DE000A0KRKM5 oder DE000A1AQGX1. Wenn ich mir deren Kursverlauf und den Verlauf des Ölpreises (Brent) anschaue, sieht die Sache eigentlich recht passend aus… Wenn ich es richtig verstanden habe dürfte es davon abhängen, wie das Investment abgebildet wird (Futures oder direkt der Rohstoffe; z.B. bei Silber und Gold das Metall selbst).

    Insbesondere langfristig scheinen mir aber bei nicht-physischen Varianten die dann unvermeidlichen Rollverluste sowie Front-Running gewisser Akteure (man weiß ja wann die ETFs/ETCs rollen werden) problematisch zu sein.

    Vielleicht ist es daher doch besser auf einen breit streuenden Aktien-ETF im Ölsektor zu setzen, so man denn auf steigende Ölpreise (und Gewinne bei den davon betroffenen Firmen) setzen will. Wobei man einen steigenden Ölpreis ja nicht zwingend mit einem höheren Erfolg dieser Firmen gleichsetzen kann.

  3. samy sagt:

    N’Abend,
    mal ein längerer Auszug aus folgendem lesenwerten Artikel:
    http://www.usatoday.com/story/money/columnist/bartiromo/2015/01/11/bartiromo-saudi-prince-alwaleed-oil-100-barrel/21484911/
    „…
    Q: What about the theory of the pressure on the Russians? There’s a theory that the U.S. and the Saudis have agreed to keep prices low to pressure Russia because of what Putin has done in Ukraine.
    A: Two words: baloney and rubbish. I’m telling you, there’s no way Saudis will do this. Because Saudi Arabia is hurting as much as Russia, period. Now, we don’t show it because of our big reserves. But I’ll tell you Saudi Arabia and Russia are in bed together here. And both are being hurt simultaneously. Ad there’s no political conspiracy whatsoever against Russia. Because we are shooting ourselves in the foot if we do that.
    Q: You said the price of oil will dampen the shale revolution in America. How?
    A: Shale oil and shale gas, these are new products in the market. And we see big ranges. no one knows for sure what price is the breaking point for shale. Wells have a higher production cost. And very clearly these will run out of business, or at least not be economical. At $50, will it still be economically feasible? Unclear. This is a very much developing story.
    …“

    Interviewt wurde übrigens Prince Alwaleed bin Talal. Lt. wikipedia: „Prinz al-Walid ibn Talal Al Saud (arabisch ‏الوليد بن طلال بن عبد العزيز آل سعود‎, DMG al-Walīd b. Ṭalāl b. ʿAbd al-ʿAzīz Āl Saʿūd, oft auch Alwaleed Bin Talal Alsaud geschrieben; * 7. März 1955 in Riad[1]) ist ein saudi-arabischer Investor. Er steht mit einem Vermögen von 20 Mrd. Dollar auf Platz 26 der Forbes-Liste der reichsten Personen der Welt (Ausgabe März 2013)[2] und ist der reichste Araber.[3] Prinz Walid führt die Kingdom Holding. … “

    Na, das trifft es doch. Unklar ob und wie lange shale oil+gas mithalten kann. Somit unklar wo die Preise landen. Und somit ebenfalls unklar, welche Aktien wie stark abgeben, wenn die Gewinne fallen oder sich Verluste ergeben. Russland scheint unwichtig. Jeder gegen jeden, es geht um Absatzmärkte.

    Die Aktienfrage erinnert mich übrigens ein wenig an den Goldpreis und die Mineure. Solange der nicht deutlich steigt, werden auch die Aktien der Minen nicht steigen.

    Insgesamt würde ich Pulver trocken halten … hups, wenn ich Vollpfosten ich trockenes Pulver hätte … 🙂 🙂 🙂 … und warten, ob die 40$ kommen.

    Interessant wäre auch, ob das Gold dem ÖL folgt (Gold/Öl-Ration von ca. 17 im Durchschnitt), dann würde Gold nochmals unter 1000$ fallen.

    LG

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