Das falsche Geldsystem ist das wahre Problem

13. Februar 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Auch heute wollen wir hier im Tagebuch den Familiennamen des neuen Anführers der Amerikaner nicht niederschreiben. Nichtsdestotrotz sind wir so fasziniert von diesem Phänomen, dass wir in den letzten Tagen und Wochen kaum an den Aktienmarkt gedacht haben. Vermutlich ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um uns wieder mit den Grundlagen, dem Fundament für den Aktienmarkt auseinanderzusetzen. Niemand kann Ihnen seriös sagen, in welche Richtung die Aktienmärkte gehen werden. Man kann nur sagen, welche Richtung sie einschlagen SOLLTEN.

Der Marktwert der amerikanischen Unternehmen sollte einhergehend mit der Entwicklung der Realwirtschaft steigen oder fallen.

Wenn diese Person, über die wir nicht reden wollen, es tatsächlich schafft, Amerika wieder groß zu machen, sollten die US-Aktienmärkte steigen. (Es sei denn, sie wären schon jetzt viel zu teuer.) Amerika wieder groß zu machen heißt aber, das Wirtschaftswachstum wieder auf das Niveau der 1950er- bzw. 1960er-Jahre zu hieven. Damals war Amerika wirklich „groß“.

„Das wahre Handels-Problem von Mr. President ist Geld“, so lautete jüngst eine Schlagzeile im Wall Street Journal. Wir sind wahrlich erschrocken über diese Schlagzeile: es ist das erste Mal, dass wir eine solche Schlagzeile in der Mainstream-Presse gesehen haben.

Es ist falsches Geld, das unsere Handelsungleichgewichte verursacht. Es liegt nicht an den Chinesen oder den Mexikanern oder schlechten Handelsverträgen oder am Mangel an Handelsbarrieren.

Die USA können so viel Geld drucken wie sie wollen, um die Importe zu bezahlen. Das „settlement“ läuft über frisch gedrucktes Geld, nicht über eine festgelegte Menge an Gold ab.

Wir freuen uns noch mehr, dass John D. Mueller vom Ethics and Public Policy Center endlich folgendes schreibt:

„Die Wirtschafts- und Handelspolitik von Herrn T. (dem Ehemann von Melania ) wird scheitern, wenn er für folgendes Dilemma keine Lösung findet: nämlich die inhärente Unvereinbarkeit der Innenpolitik eines Reservewährungslandes mit der internationalen Währungsordnung.“

Wir wissen zwar nicht, was Herr Mueller damit genau meint. Aber wir glauben, dass er letzlich mit uns einer Meinung ist. Denn er fährt wie folgt fort:

„Ein Goldstandard verhindert die Finanzierung der Haushaltsdefizite durch das Geldsystem.“

Das ist der springende Punkt: echtes Geld, Gold, repräsentiert reale Ressourcen, die immer begrenzt sind. Echtes Geld zwingt der Regierung und ihren Cronies Grenzen auf. Handelsdefizite, betrügerische Kriege, Zombieprogramme, nepotistische Verträge und „Deep-State-Alimentation“ sind dann nicht mehr (so leicht) möglich.

Auch Herr „T“ ist kein Alchemist. Also, unter einem Goldstandard-System wäre er stark eingeschränkt. Und zwar bei der entscheidenden Frage, wie viel Geld ihm und seiner Administration zur Verfügung steht. Er könnte nur das ausgeben, was er aus seinem Steuervolk herauspressen kann. Und wenn er an der Steuerschraube zu hart dreht und die Steuern erhöht, könnten die Steuerschafe revoltieren.

Dieses „Problem“ wurde aber bereits im Jahr 1971 gelöst. Präsident Nixon beendete die direkte Konvertierbarkeit von Dollar in Gold. Seitdem geht es mit diesem ungedeckten Geld wild zur Sache. Die Insider haben privilegierten Zugang zu diesem ungedeckten Falschgeld. Die Feds und Wall Street können es sich zu ultra niedrigen Zinsen ausleihen. Die Zinsen machen nicht einmal die Hälfte dessen aus, die Sie auf ihre Hypothek berappen müssen.

Die Insider werden reicher und reicher … und der Otto-Normal-Amerikaner, Joe Sixpack, weiß nicht, was mit ihm passiert.

Aber lassen Sie uns nicht im Detail verheddern. Kehren wir lieber zurück zur entscheidenden Frage:

Was macht eine Wirtschaft groß?

Wir haben eine einfache Methode entwickelt, das herauszufinden.

Wie macht man Amerika wieder groß?
von Bill Bonner

Woher wissen wir eigentlich, ob neue Programme der Wirtschaft helfen, oder nicht? Hier stellen wir Ihnen hier im Tagebuch unsere einfache Formel vor:

W = rv (w-w – w-l)

Das heißt, Reichtum entspricht dem realen Wert von „Win-Win-Transaktionen“ abzüglich des Verlusts von „Win-Lose-Transaktionen“ Ja, liebe Leser, es ist so einfach. Es ist wie bei einem Holzschnitzer, der an einem Stück Holz arbeitet. Wir haben fast alles „abgeschabt“; es bleibt fast nichts mehr übrig außer dem essentiellen Kernholz. Und jetzt nutzen wir diese Formel, um zu sehen, wie die von Präsident Trump veranlassten Veränderungen die Wirtschaft beeinflussen werden.

Der neue Präsident machte einen Schritt in die richtige Richtung, als er den Trans-Pacific Partnership (TPP) Handelsvertrag verwarf. Er machte einen weiteren Schritt, als er die weitere Umsetzung von Obamacare suspendierte. Nach einem Bericht im Wall Street Journal hat er jede Maßnahme eingefroren, die „Einzelpersonen, Familien und Versicherer“ belasten würde. Das ist auch ein Schritt in die richtige Richtung.

Ja, liebe Leser, kurz auf den Nenner gebracht, gibt es nur einen einzigen Weg, um Amerika wieder groß zu machen: nämlich den Sumpf trockenzulegen. Wir hörten auch, dass der neue Präsident plant, die Finanzierung für die Vereinten Nationen zu reduzieren. Ein weiterer guter Zug.

Wenn Macht und Reichtum der durchschnittlichen, normalen Amerikaner zuzunehmen soll, muss die Macht und der Reichtum der Sumpflebewesen abnehmen.

Reichtumsformel

Sie werden sich an die obige Formel erinnern: es gibt nur zwei Möglichkeiten, um das zu bekommen, was Sie wollen. Ihre erste Option ist, einen „Win-Win-Deal“ mit einem anderen abzuschließen. Da bekommen Sie im Austausch mit dem anderen genau das, was Sie wollen. Ein einfaches Beispiel dafür ist folgendes:

Sie haben eine Kuh. Ihr Nachbar hat ein Huhn. Sie geben dem Nachbarn Milch. Ihr Nachbar gibt Ihnen die Eier.

„Kapitalismus“ ist am Ende nur eine verfeinerte Ausarbeitung dieses Austausches. Und jegliche Regierungspolitik – QE (Quantitative Easing), Dodd-Frank, Handelszölle und Steuersätze – kann daran gemessen werden. Und in dem Kontext stellt sich folgende Frage:

Erleichtert die Politik „Win-Win-Transaktionen“ oder macht sie diese schwerer?

Der andere Weg, just das zu bekommen, was Sie wollen, ist schlicht die Sache einem anderen abzunehmen. Und zwar ohne dafür etwas im Gegenzug zu geben. Folgendes Beispiel dafür:

Sie erschießen die Kuh des Nachbarn und braten sie zum Abendessen. Der Nachbar beschwert sich dann; daraufhin erschießen Sie ihren Nachbarn.

Das ist ein „Win-Lose-Deal.“ Sie gewinnen. Er verliert (auch noch sein Leben).

Perverse Anreize

„Win-Lose-Deals“ schaffen nicht Wohlstand; sie übertragen diesen nur. Die Mathematik ist einfach … Ein Sieg ist ein Plus. Ein Verlust ist ein Minus. Ein zu einem Minus addiertes Plus ergibt Null. Der Wohlstand der Welt nimmt nicht zu. Das kann auch nicht der Fall sein, weil der Gewinn des einen zu Lasten des anderen geht.

Natürlich gibt es Transaktionskosten und perverse Anreize. Bleiben wir beim Nachbarn mit der Kuh. Der Nachbar, der fürchtet, dass Sie ihre Kuh umbringen, schert sich nicht weiter darum. Aber er kann auch hergehen und eine hohe Mauer bauen, um die Kuh vor Ihnen zu schützen. Oder er kann seine Kuh töten, damit sie nicht vorher von Ihnen erschossen wird. Oder er kann Sie töten.

All diese Dinge zerstören Reichtum. Die Menschen bekommen weniger als das, was sie wirklich wollen. Wir bleiben an der Sache dran und werden ihnen demnächst hier einige „böse“ Beispiele von „Win-Lose-Transaktionen“ präsentieren….

Wie geht es am US-Aktienmarkt weiter?
von Bill Bonner

Was ist denn da los? Der Dow Jones kletterte über die 20.000 Punkte-Marke letzte Woche. Es könnte noch viel höher gehen. Oder niedriger. Wir sind nicht sicher, wohin es kurzfristig gehen wird. Aber unsere Vermutung ist, dass er auf dem aktuellen Niveau nicht lange verharren wird. Ähnlich verhält es sich ja, wenn man auf eine klitschige Stange klettert. Man verharrt nicht lange am selben Fleck. Das ist im übrigen alles andere als angenehm. Außerdem kommt gerade etwas Wind auf.

Boom oder Crash? „Ich denke, es wird einen Boom für eine Weile geben“, sagt Yale-Professor Robert Shiller. Die US-Aktienmärkte sind zwar hoch bewertet, gesteht er, „aber sie sind noch nicht EXTREM hoch bewertet. Im Jahr 2000 lag das Shiller-Kurs-Gewinn-Verhältnis (Berechnungsbasis für das KGV ist der inflationsbereinigte mittlere Gewinn der letzten zehn Jahre) bei über 45. Wir könnten eine Wiederholung dieser Entwicklung sehen.“

Aktuell liegt das Shiller-KGV bei etwa 25. In den vergangenen 130 Jahren lag es nur drei Mal höher – in den Jahren 1929, 1999 und 2007. Danach folgten IMMER große Kurseinbrüche.

Denken Sie auch daran, dass die Fed noch immer auf der Seite der Investoren steht. Die prognostizierten kurzfristigen Zinserhöhungen sind kaum der Rede wert – nur 25 Basispunkte pro Quartal. Wenn überhaupt. Die Fed wagt es nicht, die Zinsen schneller und schärfer zu erhöhen. Sie will keinesfalls am Pranger stehen und die neue Adminstration dadurch in ihrer Handlungsfähigkeit unterminieren. (Bewußt erwähnen wir heut den Namen des neuen Anführers der Amerikaner nicht. Uns ist schlicht etwas bange davor, die aktuelle Leserbriefwelle diesbezüglich noch weiter anzuheizen. Aber das sei nur am Rande erwähnt.)

Apropos Notenbanken, das Wall Street Journal berichtet, dass eine Umfrage von Zentralbankern ergab, dass 80% von ihnen planen, mehr Aktien zu kaufen. Aktien mögen zwar recht teuer sein. Aber wenn Sie jede Menge Geld selbst drucken und damit Aktien kaufen können, spielt es keine Rolle mehr, ob Aktien teuer oder günstig sind.

Andererseits könnten wir vor einer Phase großer Ernüchterung stehen. „Budgetpläne bereiten die Bühne für Machtkämpfe innerhalb der Republikaner“, so lautete jüngst eine Überschrift im Wall Street Journal. Die Republikaner kontrollieren zwar den Kongress. Aber die berechtigte Frage lautet: wer hat die Kontrolle über Republikaner?

Wir werden es herausfinden. Wenn die Person, deren Namen wir heute nicht erwähnen wollen, es schafft, die Republikaner so zu bearbeiten, zu bestechen und einzulullen, dass sie hinter ihm stehen, wird sich das als gigantische Leistung herausstellen. Aber es ist auch so, dass schnelle Maßnahmen, Steuersenkungen und Ausgabensteigerungen, Lebensgeister der republikanischen Sumpftiere wecken könnten.

Also, Prof. Shiller zeigt auf, dass es noch etwas Platz bis zum Ende der Bewertungsstange gibt. Aber die Stange ist sehr klitschig. Und vieles könnte schief gehen. Wenn der Kongress und das Weiße Haus sich in einer handfeste „Budget-Schlägerei“ verkeilen und die versprochenen Steuersenkungen und Infrastrukturausgaben nicht kommen, besteht die große Gefahr eines massiven Akiencrashs. „Sobald die Dinge schief gehen, fürchte ich, dass es sehr schlecht für die Märkte werden kann“, so Prof. Shiller im Gespräch mit dem Telegraph aus London.
Quelle: Kapitalschutz-Akte
Das falsche Geldsystem ist das wahre Problem (von Bill Bonner)
Wie macht man Amerika wieder groß? (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

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