Das Ende des Euro. Der Tag X rückt näher…

28. Juni 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Schulden, Ärger, Misstrauen… Es geht zu Ende mit dem Euro. Geht es das? Am kommenden Wochenende soll ein weiterer großer Gipfel noch größere Lösungen gegen die Probleme in Europa bringen. Groß ist wahrscheinlich nur das Aufgebot an Kameras. Schon wieder rechnen Experten mit einem großen Wurf. Davon redet auch mein Nachbar, wenn er Lotto spielt…

Mein Nachbar ist harmlos – im Gegensatz zu denen, die sich am Wochenende treffen und wohl mehr tun als nur Kaffee trinken. Die meisten wollen unser Bestes und glauben, mit einem Zins – und Schuldensozialismus den Weg dafür jetzt weiter zu planieren. Nur eine Frau sträubt sich noch – Frau Merkel. Keine Eurobonds. Niemals!

Sie sagte, es gäbe keine Vergemeinschaftung von Schulden, so lange sie lebte. Nun, das ist wagemutig, als ob sie noch sehr lange vor hat, dieses Land zu steuern – wohin auch immer. Vielleicht war dieser Satz auch nur nur Marketing. Könnte sein. Ich traue ihr nicht. Warum sollte ich? Umfallen gehörte bislang zu ihrem Geschäft. Diesmal könnte es aber anders sein. Wird sie standhaft bleiben? Standhaft bleiben können? Standhaft bleiben dürfen?

Ich habe so meine Zweifel, denn ihre Kollegen sind wild entschlossen, dem Rettungsmonster ESM ihre Zustimmung zu geben.  Damit gibt es eine Vergemeinschaftung von europäischen Schulden – das, was Frau Merkel nicht möchte bis ans Ende ihrer Tage. Meinte sie es ernst, würde die Abstimmung über den ESM kurzerhand ausfallen. Hat ihr der Fingerzeig des Bundesverfassungsgerichts ein Umdenken abgerungen? Vielleicht. Es ist heute schwer, zwischen Realität und Marketing zu unterscheiden. Jeder Weg in die Hölle ist gepflastert mit guten Absichten. Mit den längst schon beschlossenen Aktion zur Rettung der Banken sind wir doch längst auf den Weg in die Hölle. Warum umkehren? Ist doch schön warm dort.

Wieviele Leute haben von den aktuellen Dingen überhaupt Notiz genommen? Wäre man ein Schaf, stünde man auf der Wiese und würde den ganzen Tag grünes, welkes oder trockenes Gras in sich hineinstopfen. Ob ein Fuchs einen Hasen nebenan metzelt, ein Habicht eine Maus erlegt oder giftige Pestizide ausgebracht werden, ist dem Schaf gleichgültig – ob die Sonne scheint, es regnet oder donnert. Immer nur fressen und mit großen Augen durch die Gegend schauen. Herrlich! Schaf sein muss schön sein. Solange man nicht das Fell über die Ohren gezogen bekommt. Das dauert noch. Vielleicht noch ein paar Tage, bis nach dem Gipfel..

Das Wort „historisch“ taucht wieder auf. Wird die Kanzlerin nicht sogar Zugeständnisse machen müssen, die auf ein „Mehr vom Alten“ hinauslaufen? Oder wird sie am Wochenende gar zurücktreten, so dass andere diese Drecksarbeit erledigen können? Es gibt sicherlich genügend Interessenten für den Sessel der Macht. Dafür würden sie jeden Kompromiss schließen – im Namen des Volkes – ohne es zu fragen. Oder tritt Mario Monti zurück, wenn es eine Schoko-Bonds gibt? Monti-eu!

Was passiert eigentlich, wenn der Euro am Montag, am nächsten Montag oder an einem Montag einigen Monaten nicht mehr existiert? Ist es wirklich das Ende Europas, wovor die Experten seit Jahren warnen? Es wird hektisch, kompliziert, schmerzhaft, aufregend und vielleicht sogar gefährlich. Damit würde der offensichtlicher Fehler korrigiert. Zudem gäbe es einen Währungs-Konkurrenten für den US-Dollar weniger. War der Euro nicht schon mal auf dem Weg zu einer Welt-Reservewährung?

Besser ist es, wenn man kein Geld mehr auf der Bank hat und seine Euros rechtzeitig in etwas anderes eingetauscht hat, so lange ihm die Leute noch einen Wert beimessen. Vielleicht Gold oder etwas anderes Dauerhaftes und Werthaltiges außerhalb des Finanzsystems? Lieber einen Monat zu früh als eine Stunde zu spät. Dann beginnt die große Rennerei. Schlangen vor geschlossenen Banken. Kapitalverkehrskontrollen. Hamsterkäufe. Limits für Bargeldabhebungen. In welcher Währung eigentlich?

Was sagen dann die Charttechniker zum Goldpreis in Euro, wenn es den Euro nicht mehr gibt?

Was passiert dann mit der Altersvorsorge und allen Versprechen in einer Währung, die es dann nicht mehr gibt? Kommt eine Währungsreform und die alte D-Mark wieder zurück? Laut Umfragen wären darüber viele glücklich wie über einen Sieg der Deutschen bei der Fussball-EM. Die D-Mark 2.0 würde aufwerten. Das Tanken würde billiger. Frau Merkel wäre die Heldin in der Sache. Oder auch nicht.

Wir sind aber nicht bei „Wünsch dir was!“ sondern bei „So isses!“

Frau Merkel würde mit ihrem Nein ein politisches Projekt begraben, was ihr Ziehvater Helmut Kohl begonnen hat. Sie würde den Euro begraben und damit einen Konkurrenten für den Dollar ausschalten. Welche Rolle spielt die Kanzlerin mit ihrem „No!“? Ich weiß es nicht. Niemand weiß es. Aber wir werden es noch erfahren.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass jetzt plötzlich wirtschaftliche Realität und Besonnenheit in die Politik Einzug halten. Vielmehr rechnet man seit Wochen den aktuell auftretenden Schaden aus – und nimmt einen noch größeren Schaden in Kauf – sogar auch das Ende der Demokratie. Die Bundesrepublik haftet laut Handelsblatt bislang mit einer Summe von 310 Milliarden Euro. Ein Ende der Eurozone käme wesentlich teurer. So die einfache Rechnung.

Die meisten werden wohl hoffen, sie bekämen dann die D-Mark zurück und dass verrückte Projekt „Euroland“ mit seinem Euro würde scheitern, ohne dass es Konsequenzen daraus gäbe. Solange die Wiese noch grün wist, sagt sich das Schaf, ist das Leben sorgenfrei, selbst bei dieser Fallhöhe. Welche Fallhöhe?

Wie aktuell der alte Satz von Erich Honecker doch noch ist: „Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf.“ Wetten würde ich darauf nicht. Aber die Märkte würden diese überfällige Bereinigung schaffen, wenn man sie ließe. Nicht dass das ein Spaziergang wird – im Gegenteil. Also muss man Wochenende etwas beschließen, wenn man überhaupt etwas beschließt, und den Märkten den Kampf ansagen. Vielleicht erleben wir dann noch ein paar Jahre europäischen Sozialismus mit all seinen Verrücktheiten, Anweisungen, Vorschriften und Gängelei aus dem fernen Brüssel. Doch irgendwann am Ende wird der Markt wütend alle Mauern und vermeintlich guten Absichten niederreißen. Diese Wette gilt.


Print Friendly, PDF & Email

 

Schlagworte: , , , , ,

8 Kommentare auf "Das Ende des Euro. Der Tag X rückt näher…"

  1. FDominicus sagt:

    Nun am Ende wird uns der Markt vor dem Verhungern bewahren und kein Politiker. Ich habe es trotzdem anders genannt. Am Ende bleibt die „Realität“und diese folgt von Mises „Spruch“:
    „Es gibt keine Möglichkeit, den finalen Zusammenbruch eines Booms zu verhindern, der durch Kreditexpansion erzeugt wurde. Die einzige Alternative lautet: Entweder die Krise entsteht früher durch die freiwillige Beendigung einer Kreditexpansion – oder sie entsteht später als finale und totale Katastrophe für das betreffende Währungssystem. “

    Der ESM besteht aus nichts Substantiellem außer 700 Mrd neuen Schulden auf die noch „beliebig“ drauf gesattelt werden kann. Dazu die Ausfälle bei der EZB und den Zentralbanken mit 310 Mrd, wären wir noch gut „bedient“, daß es dabei bleibe könnte kann mir keiner weiß machen.

    Also ist der ESM nur eins ein weiteres Mittel die Kreditexpansion eine Stufe weiter zu tragen und dammit geht es stramm auf die finale und totale Katastrophe für den Euro zu.

    Aber das ist auch für die FED unumgänglich:
    http://bastiat.mises.org/2012/06/fed-data-since-1915/

  2. ontherock sagt:

    Wie dumm muß man sein, sich vor einen Zug zu schmeißen, der schon durch ist? Wie miserabel ist die Propagandatruppe, die so was steuert?

    Apropos steuert… das ist doch Programm! Oderrr?

    caw

  3. […] Rott & Meyer: Das Ende des Euro. Der Tag X rückt näher… […]

  4. stonefights sagt:

    Frank, vielen Dank für deine Arbeit und Unterhaltung.

    „Keine Eurobonds. Niemals!…, so lange sie lebte…“

    Andersrum wird ein Schuh daraus 😉

    M.E. wurde der nächste Kanzler bereits gebrieft über dem grossen Teich. Für den Plebs benötigt Madam Nö aber erst einen öffentlich wirksamen Strick, ihre eigene suizidale Krise, medial präpariert 🙂

    Es geht bei diesem „Welt-Monopoly“ nicht um Personen oder Geld, Letzteres lediglich von Hardware – Anforderungen eingeschränkt, wie stack-Grössen, Speicher-Blöcken, etc.
    Um in dem Spielebild zu bleiben, am Ende wird gezählt, wer hat am meisten „Strassen und Hotels“, also die Macht über die „Mietkosten des Lebens“.
    Wenn irgend jemand der wirklich Mächtigen, also keine Politiker, am Spieltisch „Rien ne va plus“ spielen wollte, bräuchte er lediglich für realistische Margins bei Derivaten oder sonst der Gleichen zu sorgen. Es gäbe 1000 und eine Nacht der Möglichkeiten. Darum geht es aber nicht. Diese 0 und 1 sind sch… egal, ob billion, trillion, etc.
    Die Finanzkrise ist lediglich ein (gewolltes) Symtom, die Ursache ist die Macht. Und mehr Schulden, um so mehr Macht, das Fieber ist das Symtom, nicht die Krankheit 😉
    Macht wird sich kenntlich machen, z.B. in dem wir ein gemeinsames Präservativ an der Spitze übergestülpt bekommen. Denn nicht der das Kreuz setzt, hat die Wahl, sondern der das Kreuz auszählt, macht die Wahl.

    Und zu uns Schafen fällt mir mein gebliebter Einstein zum Schluss wieder ein:
    „Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muß man vor allem ein Schaf sein.“

    Liebe Grüsse,
    stonefights

  5. […] viaDas Ende des Euro. Der Tag X rückt näher… | Rott & Meyer. Share| Juni 28, 2012 at 7:34 pm by admin Category: Allgemein, EU-Wahnsinn […]

  6. pustebaum sagt:

    Dirk Müller zum Krisen-Gipfel: Ein trauriger Tag für Deutschland

    http://goo.gl/HsG8G

    • Avantgarde sagt:

      Das kann ich nur unterschreiben!

      Und das obwohl ich durchaus sehe, daß Liquidität zu schaffen zwar richtig ist – aber eben nicht SO.
      Gleicher Fehler wie 2008 – man ergreift zwar die richtigen Akutmaßnahmen ändert aber systemisch nichts.
      Noch nicht mal die popelige Finanztrasaktionssteuer haben sie hinbekommen – bzw. ausgerechnet die Daddelmaschinen wurden davon ausgenommen – es ist wirklich zum verzweifeln.
      Schon beschämend, daß ausgerechnet der Gregor Gysi die richtigen Fragen zum ESM an die Regierung stellt – ein Video ist hier ja verlinkt.

      Merkel hat sich feiern lassen weil die angeblich so hart gegen Eurobonds ist – und lässt gleichzeit sehr viel Schlimmeres im Form des ESM zu.

      Nun dürfen die „Märkte“ und mit ihnen die Medien wieder für einen Wimpernschlag jubeln.

      Der Wahnsinn nimmt seinen Lauf.

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.