Das Ende des 35-jährigen Anleihen-Bullenmarkts

16. November 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Seit Tagen versuchen Zeitungen, Kommentatoren und Analytiker etwas zu erklären, das nie geschah. Die „Trump Revolution“ erschüttert das Establishment mit „Angst und Schrecken“, sagen sie. Aber es war keine Revolution. Und es gibt nirgends auch nur die Spur von „Angst und Schrecken“. Im Gegenteil. Das Übergangsteam von „The Donald“ ist bestickt mit den üblichen Verdächtigen – Mitläufer, Abgehalfterte und Beltway-Insider…

Bloomberg erzählt uns auch, dass das Alte Regime hinter Trump steht … und freut sich auf Billionen von Dollars von neuen Ausgaben:

„Der Vorstandschef von Goldman Sachs,Lloyd Blankfein, sagte die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten werde aufgrund der geplanten Infrastrukturprojekte und strukturellen Reformen bei der Administration und im Steuersystem gut für das Wirtschaftswachstum sein.

„Die Wahlergebnisse in den USA zeigen, dass Demokratie funktioniert“, sagte Blankfein den Mitarbeitern in einer Voicemail-Botschaft, die Bloomberg vorliegt. „Es bedeutet auch Veränderung, was nicht unbedingt eine schlechte Sache ist.“

Das Wall Street Journal rief eine neue politische Ordnung aus. Ist dem so? Oder gibt es nur eine neue Gruppe von Füchsen im Hühnerstall?

Sie erinnern sich, dass der italienische Ökonom Vilfredo Pareto beschrieb, wie sich ein „Deep State“ entwickelt. Es gibt immer gewisse „politische“ Menschen in einer Gesellschaft. Im Laufe der Zeit finden diese Füchse heraus, wie sie die Kontrolle über die Regierung zu ihrem puren Eigennutz übernehmen.

Manchmal haben sie soziale oder kulturelle Themen auf der agenda; sie zwingen die Menschen dazu, ihre Götter anzubeten. Aber meistens interessieren sie sich nicht für Transgender-Badezimmer … oder Mauern entlang des Rio Grande … oder sogar für Abtreibungsrechte.

Ihnen geht es letztlich ums Geld. Um Ihr Geld, liebe Leser. Und Macht … die Macht, die sie von Ihnen als Wähler bekommen. Sie wollen Regeln, Vorschriften, Lizenzen, Gesetze – um Sie herum aufbauen. Ändert die „neue politische Ordnung“ etwas an dieser Parasitokratie? Werden die Zombies weniger von Ihrem Geld bekommen? Werden die Cronies ihrer Konrakte beraubt? Wird die FDA oder die SEC oder die ATF oder die Bankers Association for Finance and Trade (AFT) …oder irgendein Teil der Bürokratie die Türen schließen und endlich die Lichter ausschalten?

Noch wichtiger ist die Frage, ob „Deep State“ der Saft abgedreht wird.

Die Insider sind abhängig von billigsten Krediten … und dem gefälschten Geld, das von der Fed und dem Bankensystem geliefert wird. Es finanziert ihre Kriege … ihre Bürokratien … ihre aufgeblasenen Programme … ihre Universitäten … ihre Gefängnis-Industrie und ihre überteuerte medizinische Versorgung.

Ihre Lieblings-Sektor – Wall Street – steuert den Fluss dieses Safts so, dass das Meiste davon direkt Ihnen zufließt. Darum stiegen die Gewinne der Finanzindustrie von rund 10% der gesamten Unternehmensgewinne im Jahr 1970 auf fast 40% im Jahr 2007.

Aber es ist nicht nur das Establishment, das von gefälschtem Geld abhängt. Auch Investoren … Haushalte … und ehrliche Unternehmen. Sie wurden alle zusammen bestochen. Jetzt sind sie von der Schuldenlast so verdreht und gebeugt, dass sie nicht aufrecht stehen können.

Deflation … dann Inflation

Nehmen Sie das gefälschte Geld weg und Sie werden eine echte Revolution haben. Darum wird Mr. Donald J. Trump nach Washington gehen, um Deep State nicht zu begraben, sondern um ihn zu retten. Er wird das gefälschte Geld nicht aus dem System nehmen; er wird mehr davon ausgeben. Kurz gesagt, das Problem im Jahr 2008 war: zu viel Schulden.

Die Feds reagierten auf diese Krise, indem sie die Sparer beraubten und Schuldenmacherei leichter und billiger machten als je zuvor. Das konnte letztlich nie funktionieren. Kein Wunder, dass die Schulden der Unternehmen seit Krisenbeginn um 3 Billionen Dollar gestiegen sind. Die US-Regierung hat ihren Schuldenstand um 7,6 Billionen Dollar erhöht. Und private Haushalte schulden $ 1.2 Billionen Dollar mehr. Und dabei ist der Anstieg bei den Hypothekenschulden noch gar nicht inkludiert.

Die Konsumentenschulden stiegen in den letzten zwölf Monaten doppelt so schnell an wie die Konsumausgaben … und unendlich schneller als die Löhne. Da ist kaum ein Anstieg zu verzeichnen, insbesondere nicht in den Staaten, in denen mehrheitlich für Trump gestimmt wurde. Und jetzt hält das ganze perverse System den Atem an. Die Wirtschaft verlangsamt sich. Die Löhne stagnieren. Und zwar für 95 Prozent der Bevölkerung. Eine Rezession kommt. Wahrscheinlich schon im Jahr 2017.

Wird der neue Präsident eine echte Veränderung … eine echte Korrektur zulassen? Werden schlechte Schulden liquidiert? Werden sich die Börsenkurse halbieren? Wird das gefälschte Geld eliminiert, was Deep State dazu zwingt, sich zu verkleinern?

NEIN …

Stattdessen hat Mr. Trump bereits einen Wechsel hin zu einem neuen fiskalischen Stimulus signalisiert. Hohe Staatsausgaben. Defizite. Mauern. Geldverschwendung. Das gefälschte Geld wird weiter fließen. Die Schulden werden steigen. Und dieses Mal wird das Geld in die Konsum-Wirtschaft gehen … mit steigenden Preisen, die bald kommen werden.

Vor ein paar Jahren (wir können uns nicht mehr erinnern, wann), sagten wir der Nation folgende Reiseroute vorher: erst Tokio … dann Buenos Aires; Deflation … dann Inflation. Wir werden langsam, aber dann doch plötzlich untergehen. Es sieht so aus, als würden wir bald eine steigende Inflation und das Ende des 35-jährigen Bullenmarktes in Anleihen sehen. Bleiben Sie weiter angeschnallt. Und bessern Sie unbedingt Ihr Spanisch auf! Wir landen bald in Buenos Aires.

„Deep State“ bleibt im Himmel
von Bill Bonner

„Ich konnte und kann es immer noch nicht glauben,“ sagte ein Freund, dessen Enkelkinder in eine Privatschule im Raum Washington gehen. „Die Schule bietet Trauerberatung an!“

„Trauerberatung?“

„Ja. Anscheinend waren die Schüler wegen Donald Trumps Sieg so niedergeschlagen, dass die Schule dachte, sie sollte psychologische Hilfe anbieten, damit sie darüber hinwegkommen. „

Auch die New York Times schien eine Therapie zu benötigen.

Die Wochenendausgabe war voll mit Schuldbekenntnissen und Sündenböcken. Hillary macht FBI-Direktor Comey für ihre Niederlage verantwortlich. Ein Kolumnist schreibt, dass weiße Amerikaner Rassisten geworden seien.

Ein anderer sagt, dass die Frauen auch auf die Anklagebank müssten.Sie haben Frau Clinton nicht so gestützt, wie sie es hätten tun sollen. „Hinter diesen wütenden weißen Männern stehen böse weiße Frauen“, betonte er weiter. Wenige Tage sind vergangen, seit die Wahlergebnisse bekannt gegeben wurden. Viele Menschen sind immer noch hysterisch. Sie sollten sich beruhigen und einen genaueren Blick auf die Dinge werfen.

Fakt ist, dass wir schon jetzt sehen, wie sich die Punkte miteinander verbinden. Wir sehen folgendes: Das System funktioniert! Das heißt, das System, dessen Hauptzweck es ist, das System zu schützen, existiert immer noch. „The Donald“ kann also immer bereit sein, seinen „Thron „zu besteigen. Aber Deep State – Amerikas „Schattenregierung“ – bleibt im Himmel und zieht im Hintergrund die Fäden.

Zunächst gab Herr Trump in seiner Siegesrede das Signal bekannt, dass billiges und lockeres Geld, von dem die Finanzierung des Systems abhängt, erhalten bleibt. Und zur lockeren und expansiven Geldpolitik wird er einfach eine expansive Fiskalpolitik hinzufügen. Bis zu einer Billion Dollar zusätzlich sollen in die Infrastruktur fließen. Selbstverständlich auf Kredit.

Einer der Trump-Wirtschaftsberater, Anthony Scaramucci, schrieb in der Financial Times an diesem Wochenende:

„Die lockere Geldpolitik hat zu Verschlechterungen bei der Einkommensverteilung geführt; Zentralbanker sind letztlich durch politische Dysfunktionalität massiv eingeschränkt. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als weitere außerordentliche Stimulierung zur Verfügung zu stellen… Geschäftsleute wie Mr. Trump verstehen und wissen, dass man selbst aus exzessiv hohen Schulden herauswachsen kann.“

Unserer Meinung nach wollte er einfach sagen, dass man sich schlicht aus exzessiven Schulden heraus inflationieren kann. Und zwar dadurch, dass man exzessiv mehr ausgibt als man es sich eigentlich leisten könnte. Und das kann man ja machen, wenn der Kongress das „OK“ dazu gibt.

Diese neuen Ausgaben war genau das, was Präsident Obama im Kongress erreichen wollte. Und er bekam kein „Grünes Licht. Es war exakt das, was die großen „Ökonomen“ wie Larry Summers, Paul Krugman und Joseph Stiglitz gefordert hatten. Und jetzt sind es die gleichen Republikaner, die Präsident Obamas Infrastruktur-Ausgabenvorschläge gestoppt haben, die voraussichtlich nun einlenken werden und die Trump-Pläne letztlich genehmigen.

Stahl! Mauern! Beton! Hurra!

Politisch ist dies ein großer Schritt. Es ist exakt das, was Mr. Trump wohl ohnehin tun muss. Es gibt ja kaum mehr Luft für noch mehr Stimulus durch die Geldpolitik. Und es wird wie Honig für die Arbeiterklasse, große Unternehmen, Wall Street und die Establishment sein. Und was noch besser ist, es wird noch Jahre dauern, ehe die Zähne von dem vielen Honig verfaulen werden.

Die Roosevelt-Reagan-Agenda wird dann auch noch mit Steuersenkungen von Trump übernommen. Wir haben noch nie eine Steuersenkung erlebt, die wir nicht mochten; besonders wenn sie für uns dann auch noch positiv ist. Also freuen wir uns, dass das Team Trump versprochen hat, die Steuern zu senken … und möglicherweise sogar die Erbschaftssteuer abzuschaffen. Auf geht`s, Donald!!!

Quelle: Kapitalschutz-Akte
Das Ende des 35-jährigen Anleihen-Bullenmarkts (von Bill Bonner)
„Deep State“ bleibt im Himmel(von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

 

Ein Kommentar auf "Das Ende des 35-jährigen Anleihen-Bullenmarkts"

  1. Avantgarde sagt:

    Es existiert nun mal – dieses bestehende Schlamassel.
    Die Zentralbank kann es nicht lösen – und wenn es so wie bisher (gut) weiter läuft dann werden die ZBs auch in Europa und USA bald die größten Anteilseigner von Aktien und Anleihen seine ohne, daß wir uns von der Stelle bewegt haben.
    Trump kann letztlich nur eine kompromisslose, aggressive Reflationierung angehen ansonsten riskiert vielleicht sogar einen deflationären Kollaps.
    Da ein wirtschaftlicher Kollaps der größten Volkswirtschaft nur in einer noch größeren Katastrophe enden kann gibt es nur den Weg nach vorne.
    Hoffen wir mal, daß er wie Roosevelt den Mumm hat das auch durchzusetzen und daß das was er so in etwa angekündigt hat auch kommen wird. Sprich Massive Ausgaben für die Infrastruktur völlig gleich was es kostet um endlich wieder einen Anschubpunkt zu finden.
    Ansonsten sehe ich tatsächlich schwarz.
    Das mit den Steuersenkungen für die Reichen sollte er allerdings noch mal überdenken.
    Helm ab zum Gebet.

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.