Das Ende der Welt, wie wir sie kennen

16. Juli 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Es waren fossile Brennstoffe, welche in den Nachkriegsjahren diesen Volkswirtschaften einen Vorwärtsschub gaben. Der Energieverbrauch stieg – auch das Wirtschaftswachstum stieg. Aber dann, in den 1980ern und 1990ern, begann der Energieverbrauch zu stagnieren und sogar zu fallen – besonders in Europa.

Und auch die Höhe des Wirtschaftswachstums ging zurück. Denn die Erträge von Investitionen in Energie zahlten sich nicht mehr so stark aus. Die Leute hatten bereits Autos, Trucks, Maschinen, Anwendungen – alles Notwendige des modernen Lebens. Sie konnten wenig reales Wachstum erzielen, wenn sie mehr davon hinzufügten.

Deshalb sind die neuen Entdeckungen von Erdöl in den USA derzeit nur für die Energie-Industrie wichtig, aber wahrscheinlich nicht für den Rest der Wirtschaft. Die USA hatten nie eine Energieknappheit – sie können die nur nicht mehr effektiv nutzen.

Zombie Demographie

Der zweite Punkt ist die Demographie. Eine Generation – reicher und zahlreicher als die vorige – muss die Kosten für den Unterhalt der Eltern aufbringen. Gesundheitskosten und Rentenzahlungen werden die Hauptposten in den Staatshaushalten…und sie widerstehen Kürzungen am besten.

Diese Systeme, privat wie öffentlich, werden nun durch zurückgehende Geburtenraten bedroht, was zu dem führt, was Ed Hadas eine „Zombie-Wirtschaft“ nennt:

Zombies sind weder lebendig noch vollständig tot. Kinogänger wissen das, aber diese Idee ist auch bei der Demographie und der Volkswirtschaft anwendbar.

Obwohl die wirtschaftliche Zombifizierung wenig Aufmerksamkeit erhält, können ihre Auswirkungen so wichtig sein wie die Geldpolitik, die Fiskalpolitik und strukturelle Reformen.

Die demographischen Trends sind wohlbekannt. In den letzten drei oder vier Jahrzehnten war in den meisten entwickelten Volkswirtschaften die Zahl der Kinder zu niedrig, um die Bevölkerung konstant halten zu können. Japan führt diesen Rückgang an. Die Zombifizierung der japanischen Bevölkerung könnte der dramatischste Wechsel dieser Art in der Geschichte sein, zumindest während einer Periode mit Frieden, Reichtum und allgemein guter Gesundheit.

Natürlich sind Tokio und Osaka nicht mit menschenfressenden Leichen bevölkert. Aber wie in einem Horrorfilm schwindet die Lebenskraft der Nation. Im letzten Jahrzehnt ist die Zahl der Japaner im Alter zwischen 20 und 25 Jahren um 22% gesunken. Da es fast keine Einwanderung gibt, ist die demographische Zukunft leicht prognostizierbar: Ein weiterer Rückgang um 22% in den nächsten 20 Jahren.

Im Vergleich dazu sieht der Rückgang der Eurozone moderat aus: Ein 5%iger Rückgang der Größe der Gruppe der 20-25jährigen im letzten Jahrzehnt. Einige Teile Europas haben relativ hohe Geburtenraten, und die Einwanderung hält die Zahlen oben. Dennoch steht der Region fast sicher ein demographischer Verfall bevor.

Die USA haben dem Zombie-Fluch widerstanden. Die Zahl der 20-25jährigen ist 12% höher als vor einem Jahrzehnt. In den nächsten paar Jahren ist ein Rückgang wahrscheinlich, dank der Auswirkungen eines starken Rückgangs der Familiengrößen nach dem Babyboom der Nachkriegsjahre. Aber danach sollte die Zahl der jungen Bevölkerung fast stabil bleiben. Mit Einwanderung wird sie wahrscheinlich steigen, wenn auch langsamer als in der Vergangenheit.

Quelle: Kapitalschutz Akte
Das Ende der Welt, wie wir sie kennen (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

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3 Kommentare auf "Das Ende der Welt, wie wir sie kennen"

  1. Lotus sagt:

    Die ganze Demografie-Debatte in den letzten Jahren ist eine einzige Fars. Man kann es nicht mehr hören. Einerseits schrumpfen Gesellschaften/deutsche Bevölkerungsanzahl – dass ist schlimm lt. Poltiker und Presse. Andererseits wird einem erzählt, wieder von den selben Leuten, daß unser Globus in immer kürzerer Zeit an Überbevölkerung leidet. Ja, was denn nun?

    Zum Anderen stelle ich mal eine andere Frage. Was ist so schlimm daran, wenn eine Bevölkerung schrumpft? Meiner Meinung nach werden die Probleme in einer Gesellschaft weniger, wenn man von Anfang an, das System darauf eingestellt hätte. Uns wären viele Probleme erspart geblieben.

    Aber die Größen-Wahnsinnigen von Wirtschaft und Geldmonopolen, Kartellen usw. heulten den Politikern die Ohren voll und machten daraus ein Szenario der Übertreibung. Ich denke dann noch an Schirrmachers Buch „Das Methusalem-Komplott“, welches unser Rentensystem in Frage stellte. Die gesamte Debatte damals hatte nur einen Zweck, die Renteneinnahme-Umverteilung zu verheimlichen. Dann kam ein Desaster nach dem anderen.

    Zum Anderen kann in einer kleineren Gesellschaft der Wohlstand viel schneller erreicht und auf Jahrzehnte gehalten werden. Die Geschichte der BRD erlebte diesen Stand schon. Wieso wurde ein System zerstört, was gut lief?

    Ehrlich, mich kotzt dieses Demografie-Gequatsche total an. Zumal jeder weiß, woran es liegt. Die Zukunftsangst und geringe Einkommen verhindern jegliche Lust auf Kindermachen, was sich speziell in meiner Familie ausdrückt. Keine Enkel, nirgends.

    LG

    • markku sagt:

      „Ja, was denn nun?“

      Falsche Frage, denn die beiden Sachverhalte haben nur sehr bedingt miteinander zu tun: man kann die dt. demogr. Probleme nur sehr begrenzt mit Zuwanderung abmildern (zumal diese hierzu -ungerechterweise- nach knallharten Kriterien erfolgen müsste).

      Anders ausgedrückt: es nützt Ihnen gar nichts, wenn Sie sich in Eiswasser stellen, und die Hand auf der heißen Herdplatte lassen.

  2. Michael sagt:

    Das aktuelle staatl. Pensions-/Rentenmodell in Europa funktioniert nicht für mobile Rentner/Pensionisten. Das kann noch eine Challange werden. Soll der Dank für regen Arbeitseinsatz und Wirtschaftstreiben sein, dass man in Regionen mit niederem Preisniveau keine Rente/Pension überwiesen bekommt. Das wird es nicht werden. Mir ist schon klar, es wird in der Pension nach .de kommen, weil es dort so toll wäre …

    Macht es noch Sinn an Substitution als Wegbereiter für die Einkommensumverteilung zu glauben? Richtig bemerkt – Zuwanderung.

    Mir bereitet das soweit keine Sorge, denn Geld ist ja da. Es ist doch vollkommen egal, solange die Menschen bleiben, welche Zentralbank und welcher Staat was auf seine Kappe nimmt.

    Das Wachstum ist ja nicht niedrig, es sind die Raten. Die Basis ist einfach hoch.

    Ich denke eine andere Finanzierungsform des gesamten Wirtschaftens ist gefordert, außer man saugt Menschen aus angestammten Regionen ab und bringt sie nach Mitteleuropa. Österreich macht das erfolgreich, Deutschland ist doch mehr als 10fache der Bevölkerung und Kanada, China und U.S. sind potentiell noch immer attraktiver im Moment.

    Die Umverteilung kann man ganz leicht anpassen, aber da werden weder Gewerkschaften noch Arbeitgeber mitmachen. Kompensation über Zeit und nicht über Geld und Umkehr des Einkommensverlaufs, Lebensarbeitszeitmodell bei man Stunden sammelt und nicht Monate usw. usw … Holland hat mal jüngere besser bezahlt als älter Arbeitnehmer, aber sonst will von Menschenfreundlicher Lebensarbeitszeit- und Einkommensgestaltung keiner was wissen.

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