Das Ende der Welt, wie wir sie kennen

16. Juli 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Bill Bonner

Nicht viel an den Märkten, das meine Aufmerksamkeit erregt. Womit soll ich mich beschäftigen? Wie wäre es mit dem Ende der Welt, wie wir sie kennen? Dies las ich im Wall Street Journal: Es ist Zufall, dass der Chefvolkswirt der HSBC Gruppe, Stephen King, denselben Namen hat wie der berühmte Autor von erschreckenden Geschichten…

…und er wird es vielleicht müde sein, darauf hingewiesen zu werden…

Aber es ist fair zu sagen, dass er sich im finanziellen Äquivalent des Horror-Genres bewegt (…). Vielleicht ist es sogar noch erschreckender, denn sein Thema ist keine Fiktion.

Die These von Mr. King – erläutert in einem Interview im Wall Street Journal – ist, dass wir im Westen vor einem Schock stehen, wenn wir entdecken, dass das hohe Wachstum, an welches wir uns gewöhnt hatten, nicht zurückkommt. In den USA haben wir fälschlicherweise reales Wachstum von 3,5% pro Jahr als gegeben angesehen, da dieses die gesamte zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts erzielt wurde. Aber selbst in den Jahren vor der Finanzkrise, welche Billionen Dollar Reichtum zerstörte, wuchs die Wirtschaft nur noch mit 2,5% pro Jahr.

Vergessen Sie es, dass die USA ähnlich wie Japan ein „Jahrzehnt verlieren“ könnten, wie Mr. King sagt. „Wir haben bereits ein verlorenes Jahrzehnt hinter uns.“

Unter den Gründen für diesen langfristigen Wechsel hin zu niedrigerem Wachstum nennt er das Auslaufen diverser einmaliger Produktivitätsgewinne, welche das Wachstum nach dem Zweiten Weltkrieg antrieben: Der Eintritt der Frauen an den Arbeitsmarkt; die Liberalisierung des Welthandels; eine Verdreifachung der Konsumentenkredite, basierend auf einem nicht nachhaltigen Anstieg der Immobilienpreise; und Bildung.

Diese Zuwächse stehen uns nicht mehr länger bevor, sagt er, aber die Politiker und die meisten Volkswirte sind blind zu den Fakten, und deshalb belasten sie die Volkswirtschaften der USA, Europas und Japans mit langfristigen Schulden.

Ist das so? Wahrscheinlich.

Niemand weiß, was die Zukunft bringen wird, aber ein weiser Mann hofft das Beste, und bereitet sich auf das Schlimmste vor. Niedrigere Wachstumsraten sind nicht das Schlimmste, was die Zukunft uns bringen kann – aber sie sind eine große Herausforderung.

Für den größten Teil unserer Leben lang war Wirtschaftswachstum eine gegebene Größe. Wir hingen davon ab, dass es uns mehr brachte. Mehr Arbeitsplätze. Mehr Staatsausgaben. Und es machte uns reicher.

Das Gesetz des abnehmenden Grenznutzens

In dem Artikel werden nicht zwei weitere Gründe dafür erwähnt, warum hohes Wirtschaftswachstum ein Ding der Vergangenheit und nicht der Zukunft sein könnte. Eins habe ich hier diskutiert. Das andere ist offensichtlich.

Zu Punkt 1: Alles in der Natur gehorcht dem Gesetz des abnehmenden Grenznutzens. Man bekommt Eis zum Nachtisch. Das schmeckt einem. Man bestellt noch eins, und wahrscheinlich bringt einem das weniger Freude. Das dritte Eis macht einen krank.

Ähnlich hatten die reifen Volkswirtschaften – USA, Europa und Japan – in den 1970ern schon den Punkt erreicht, wo zusätzliche Energie den Punkt des abnehmenden Grenznutzens überschritten hatte. Ihnen gefiel das immer noch. Aber es wirkte nicht mehr so stark wie zuvor… (Seite 2)

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3 Kommentare auf "Das Ende der Welt, wie wir sie kennen"

  1. Lotus sagt:

    Die ganze Demografie-Debatte in den letzten Jahren ist eine einzige Fars. Man kann es nicht mehr hören. Einerseits schrumpfen Gesellschaften/deutsche Bevölkerungsanzahl – dass ist schlimm lt. Poltiker und Presse. Andererseits wird einem erzählt, wieder von den selben Leuten, daß unser Globus in immer kürzerer Zeit an Überbevölkerung leidet. Ja, was denn nun?

    Zum Anderen stelle ich mal eine andere Frage. Was ist so schlimm daran, wenn eine Bevölkerung schrumpft? Meiner Meinung nach werden die Probleme in einer Gesellschaft weniger, wenn man von Anfang an, das System darauf eingestellt hätte. Uns wären viele Probleme erspart geblieben.

    Aber die Größen-Wahnsinnigen von Wirtschaft und Geldmonopolen, Kartellen usw. heulten den Politikern die Ohren voll und machten daraus ein Szenario der Übertreibung. Ich denke dann noch an Schirrmachers Buch „Das Methusalem-Komplott“, welches unser Rentensystem in Frage stellte. Die gesamte Debatte damals hatte nur einen Zweck, die Renteneinnahme-Umverteilung zu verheimlichen. Dann kam ein Desaster nach dem anderen.

    Zum Anderen kann in einer kleineren Gesellschaft der Wohlstand viel schneller erreicht und auf Jahrzehnte gehalten werden. Die Geschichte der BRD erlebte diesen Stand schon. Wieso wurde ein System zerstört, was gut lief?

    Ehrlich, mich kotzt dieses Demografie-Gequatsche total an. Zumal jeder weiß, woran es liegt. Die Zukunftsangst und geringe Einkommen verhindern jegliche Lust auf Kindermachen, was sich speziell in meiner Familie ausdrückt. Keine Enkel, nirgends.

    LG

    • markku sagt:

      „Ja, was denn nun?“

      Falsche Frage, denn die beiden Sachverhalte haben nur sehr bedingt miteinander zu tun: man kann die dt. demogr. Probleme nur sehr begrenzt mit Zuwanderung abmildern (zumal diese hierzu -ungerechterweise- nach knallharten Kriterien erfolgen müsste).

      Anders ausgedrückt: es nützt Ihnen gar nichts, wenn Sie sich in Eiswasser stellen, und die Hand auf der heißen Herdplatte lassen.

  2. Michael sagt:

    Das aktuelle staatl. Pensions-/Rentenmodell in Europa funktioniert nicht für mobile Rentner/Pensionisten. Das kann noch eine Challange werden. Soll der Dank für regen Arbeitseinsatz und Wirtschaftstreiben sein, dass man in Regionen mit niederem Preisniveau keine Rente/Pension überwiesen bekommt. Das wird es nicht werden. Mir ist schon klar, es wird in der Pension nach .de kommen, weil es dort so toll wäre …

    Macht es noch Sinn an Substitution als Wegbereiter für die Einkommensumverteilung zu glauben? Richtig bemerkt – Zuwanderung.

    Mir bereitet das soweit keine Sorge, denn Geld ist ja da. Es ist doch vollkommen egal, solange die Menschen bleiben, welche Zentralbank und welcher Staat was auf seine Kappe nimmt.

    Das Wachstum ist ja nicht niedrig, es sind die Raten. Die Basis ist einfach hoch.

    Ich denke eine andere Finanzierungsform des gesamten Wirtschaftens ist gefordert, außer man saugt Menschen aus angestammten Regionen ab und bringt sie nach Mitteleuropa. Österreich macht das erfolgreich, Deutschland ist doch mehr als 10fache der Bevölkerung und Kanada, China und U.S. sind potentiell noch immer attraktiver im Moment.

    Die Umverteilung kann man ganz leicht anpassen, aber da werden weder Gewerkschaften noch Arbeitgeber mitmachen. Kompensation über Zeit und nicht über Geld und Umkehr des Einkommensverlaufs, Lebensarbeitszeitmodell bei man Stunden sammelt und nicht Monate usw. usw … Holland hat mal jüngere besser bezahlt als älter Arbeitnehmer, aber sonst will von Menschenfreundlicher Lebensarbeitszeit- und Einkommensgestaltung keiner was wissen.

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