Das Ende der Geldillusion

14. Mai 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Wie beeinflusst die Politik die Börsen? Diese Frage drängt sich ein Mal mehr auf, seit Donald Trump seinen zuvor hochgelobten Geheimdienstchef gefeuert hat. Doch leider muss die Antwort offen bleiben, weil die Hintergründe praktisch allen Börsianern verborgen bleiben.

Man weiß nur: Da muss etwas gewesen sein, das den unberechenbaren US-Präsidenten zur Weißglut gebracht hat. So etwas löste in der Vergangenheit oft größere Kursbewegungen aus. Dieses Mal dagegen neigt man in Finanzkreisen dazu, Trump einfach zu vertrauen – schließlich hat er bislang ja an der Börse für ein Kursfeuerwerk gesorgt.

Szenenwechsel: Diese Art von Vertrauensvorschuss hat auch Frankreichs neuer Präsident Emmanuel Macron erhalten. Schon bei der französischen Parlamentswahl im Juni wird sich indes zeigen, ob zu Recht – schließlich heißt es in gut informierten Kreisen nicht von ungefähr, Macron sei nur deshalb gewählt worden, weil es sich bei ihm im Vergleich zu seiner Widersacherin Marine Le Pen um das kleinere Übel gehandelt habe.

In Deutschland sorgt nach der Landtagswahl in Schleswig-Holstein die in Nordrhein-Westfalen an diesem Sonntag für besondere Spannung. Ein wichtiger Knackpunkt: Hat Hannelore Kraft von der SPD ihren Vertrauensvorschuss während der bisherigen Regierungszeit aufgebraucht? Sollte sich das als richtig erweisen, dürfte die ganze Partei einschließlich Vormann Martin Schulz bei der Bundestagswahl im September darunter leiden.

Bei aller scheinbaren politischen Bedeutung von Trump, Macron und Kraft – die Funktion des Trios als Signalgeber für die finanzielle Zukunft der USA, Europas und Deutschlands ist eher bescheiden: Trump darf weiter poltern. Macron wird sich über kurz oder lang der großen Schar von konservativen Absolventen der französischen Eliteschmieden beugen müssen. Und Kraft ist, auch zusammen mit Schulz, nicht in der Lage, vorübergehende Popularitäts-Rückschläge auszusitzen wie Angela Merkel mit ihrem Kanzlerbonus.

So viel zum Thema, wie sich die Politik nur geringfügig bis gar nicht auf die Welt der Finanzen auswirkt. Gräbt man jedoch tiefer, wird schnell deutlich: Die Politik kann auch Auslöser von Ereignissen sein, die unser ganzes Leben bestimmen. Dazu nur zwei Beispiele:

1. Nach dem Zweiten Weltkrieg entschieden die Besatzungsmächte unter Führung der USA, dass die Bundesrepublik einschließlich West-Berlin als Puffer gegen die Sowjetunion dienen sollte. Das sorgte zusammen mit Finanzspritzen für das deutsche Wirtschaftswunder, verbunden mit einem enormen Anstieg der Aktien- und Immobilienpreise.

2. In den 90er Jahren wurde das Internet, ausgehend vom amerikanischen Verteidigungsministerium, zur kommerziellen Reife entwickelt. Erst danach fand es den Einzug in unser ganzes Leben. Heute ist es nicht mehr wegzudenken – bis hin zur digitalen Demenz.

In diesen Tagen stellen sich viele Börsianer die Frage, welchen Einfluss die Zuspitzung des Konflikts zwischen den USA und Nordkorea haben könnte. Doch so berechtigt diese Frage auch ist, die Diskussion bringt in Bezug auf die Finanzen höchstens die Erkenntnis, dass die USA im Zweifel ihren Verteidigungsetat aufstocken und noch mehr Schulden als bisher machen dürften. Da diese zusätzlichen Schulden jedoch nur einen minimalen Bruchteil des bisherigen Schuldenbergs ausmachen würden, ist kaum vorstellbar, dass von ihnen ein größerer Effekt ausginge.

Damit sind wir bei einer Frage angelangt, die nicht ernst genug genommen werden kann: Wann und von welcher Höhe an haben die öffentlichen und privaten Schulden weltweit einen Stand erreicht, bei dem der Staat eingreifen muss? Längst bekannt ist ja, dass die sogenannte Geldillusion – der allgemeine Glaube an die Funktionen des Geldes als Wert, Tauschmittel und Recheneinheit – nicht ewig anhalten kann.

Wann diese Illusion sich in Luft auflöst, bleibt allerdings verborgen. Zwei Auslöser sind denkbar:

1. eine international zwischen Regierungen, Zentralbanken und Institutionen wie Internationaler Währungsfonds, Weltbank und OECD abgestimmte Aktion;

2. eine von den Finanzmärkten ausgehende, wenig beeinflussbare Kettenreaktion, in deren Gefolge die Staaten wie bereits aus Anlass der Wirtschaftskrise von 2008/09 aufgescheucht planlos intervenieren dürften. Wegen der vielfachen Ignoranz politischer Zirkel im Hinblick auf hohe Schulden ist die zweite Variante wahrscheinlicher.
Manfred Gburek – Homepage

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