Das Auto – Nur noch ein barbarisches Relikt?

24. Juli 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Der Kapitalbedarf des insolventen irischen Bankensektors ist weiterhin immens und die öffentlichen Zaubertricks, wie die Verseuchung der öffentlichen Pensionskassen, sind seit Jahren ausgeschöpft. Aber vermutlich kann der eine oder andere Eurokrat auch aus einem 73,8%igen Absatzrückgang bei den Kraftfahrzeugen auf der Insel noch Honig saugen …

Aber an Sondereffekten mangelt es den geneigten Volskwirten hüben und drüben nur selten. So war vermutlich im Juni der Regen auf der Insel wieder ganz arg, da fährt der Ire nun einmal lieber Rad. Zu allem Überfluss war das Quartal auch noch einen ganzen Tag kürzer als das Vergleichsquartal, so dass ökonomische Effekte astronomischen Ausmaßes unausweichlich waren. Womöglich war es sogar ein Werktag, Grundgütiger! Da heißt es jetzt nicht verzagen, denn nun darf frohen Mutes der gigantischen Nachholeffekte im kommenden Quartal geharrt werden! Allein, es fehlt der Glaube …

Auch Deutschland hat es mit mehr als 8% auf Jahresbasis mittlerweile ganz ordentlich erwischt. Den Vogel schießen neben den Iren jedoch erwartungsgemäß die Niederländer ab. Im Monatsvergleich fielen die Absätze um mehr als die Hälfte, im Vergleich zum ersten Halbjahr 2012 wurden 36% weniger Neuwagen verkauft. Die Krise ist noch lange nicht vorbei, sie beginnt erst langsam im Kern anzukommen. Ein nach der Wahl nicht auszuschließendes Gebrauchtwagenpfand wird daran nichts ändern.

Nicht nur in Europa sinkt der Absatz. Im ersten Halbjahr schrumpften die Zahlen auch in Russland, Japan und Indien deutlich. Brasilien, die USA und China verzeichneten hingegen Wachstum. Wie lange das in Brasilien noch der Fall sein wird, ist fraglich, und in den USA sollte die Dynamik eines von subprime auto loans befeuerten Kfz-Booms in Kürze deutlich nachlassen.

Die Rettung aus den USA zu erwarten ist angesichts der dortigen Marktanteile der deutschen Unternehmen ziemlich ambitioniert. So liegt der Anteil von Volkswagen in den USA bei schlappen 2,6%. In 2012 verkauften die Niedersachsen weniger als 500.000 Autos in den USA, allein im Juni 2013 waren es in Europa trotz Rückgang 286.000 Fahrzeuge. So setzt sich folgerichtig die Top-10 der verkauften Autos in den USA aus Fahrzeugen amerikanischer (Ford, Chevrolet, Dodge) und japanischer Hersteller (Toyota, Honda, Nissan) zusammen. Sechs PKW sind unter diesen 10 Autos, fünf stammen von den genannten japanischen Unternehmen. Der Bi Em Dabbelju ist nicht zu finden, er ist wie andere deutsche Wagen in der Realität amerikanischer Straßen deutlich seltener zu sehen als in Kino- und Fernsehfilmen. Sicher ein Zufall.

Die Krise der Autobranche ist keine zyklische sondern eine strukturelle. Viele Arbeitsplätze im und um den Autobau werden den Strukturwandel nicht überleben. Unterschiedliche Verhaltensweisen und Konsumneigungen der jüngeren Menschen forcieren diese Entwicklung. Das Energie-, Nerven – und Geld verbrennende Vehikel schafft es bei den jüngeren Menschen nicht mehr bis auf den Sockel des Statussymbols. Vielleicht liegt es aber auch nur an der Kohle …


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4 Kommentare auf "Das Auto – Nur noch ein barbarisches Relikt?"

  1. Reiner Vogels sagt:

    „Vielleicht liegt es aber auch nur an der Kohle …“

    Ich denke, dieser letzte Satz weist den Weg zur Erklärung gerade auch für die „Kaufzurückhaltung“ der jungen Leute. Vielen von ihnen fehlt einfach das Geld.

    Es ist ja nun mal in fast allen Bereichen des Berufslebens so, dass die jungen Leute heute wesentlich schlechtere Berufseinstiegsbedingungen vorfinden als noch ihre Eltern. Nicht umsonst spricht man von der „Generation Praktikum“.

    Hinzu kommt die wachsende finanzielle Repression durch den Staat. – Stichwort: Einmal Soli, immer Soli!

    Und mit der Energiewende und ihren dadurch verursachten ständig steigenden Kosten für Energie hämmert die Politik gerade den letzten Nagel in den Sarg der deutschen Kaufkraft.

  2. Michael sagt:

    Sehr viele Unternehmen kaufen Autos. Das wird möglw. eher das Modell werden. Ein barbarisches Relikt ist ein Auto noch nicht. Aber wir sind weit entfernt vom einstmaligen Kultstatus der Blechschüssel – insbesondere als Neuwagen. Im dem Punkt wurde letzte Dekade ja geurasst auf Teufel komm raus.

    Sie haben die Wahl zwischen gut leben bei hohen Mieten und Auto. Schlecht leben bei hohen Mieten und Auto ist sowieso absurd, selbst ohne Auto.

    Ich mache mir keine Sorge um die Autoindustrie. Wir werden Radlfahren ergänzt um Car Sharing und China wird Auto fahren. Sei es ihnen gegönnt, es ist ihr Jahrhundert. Dann machen die Konzerne Gewinne woanders. Das hilft zwar der Autoindustrie in .de nicht viel, aber den Franzosen genauso wenig. Mit Elektro usw … schauen wir mal.

    In .de wirkt sich vermutlich auf Dauer die Aufgabe der Dörfer aus. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass der Bedarf nach einer Fortbewegungsalternative in einem gewissen Geschwingkeitsspektrum sich maßgeblich ändert. Aber Zug ist besser. Sie können im Zug arbeiten, im Auto schwerlich. Dann haben sie noch Stau der wiederum Stress erzeugt.

    Fernseher müssen sie keinen mehr rumführen, moderne Fernseher je nach Altersklasse des Kunden werden geliefert und eingestellt, wenn überhaupt noch jemand solch ein barbarisches Relikt hat – die paar welche vermutlich MTV als Pay-TV anschauen, der ewigen Jugend willen wahrscheinlich ja:) Wäre beim Fernseher genauso und ist nicht so.

    Jetzt haben wir Arbeit und keiner fährt hin. Pech auch. Aber nicht mit neuem Auto. Wir werden uns die reparierten Altwagen aus Tschechien wieder zurückimportieren. Das sind unsere Autos allein repariert. Versicherungen und Autohändler haben sie ja rausgeführt. Ein gutes Auto um 1000 EUR … möglw. 2, reicht an sich für jemanden der nicht weit fährt. Das Problem ist eher, sie können sich kaum mehr etwas selbst reparieren bei den neuen Autos. Das ist eher ein Fluch auf Dauer. Stehen lassen kann man Autos schlecht … also wenn jemand ein Auto nicht braucht …

    Wenn sie die Argumente aufsummieren, warum man den Lebensstandard für den geringen Vorteil einer nicht mehr vorhandenen Mobilität in einer Stadt aufgibt zugunsten eines Autos. Wenn keiner fahrt stört es auch keinen.

  3. Johannes sagt:

    Dass das Auto als Statussymbol seinen Wert verliert, merke ich auch in meinem Bekanntenkreis immer stärker.

    Im Grunde gibt es keine nennenswerten Unterschieder mehr zwischen den einzlenen Marken. Das Design gleicht sich immer mehr, die Reparaturanfälligkeit ist ähnlich und keiner hat wirklich Lust, in den ersten zwei bis drei Jahren, massiv Geld zu verlieren.

    Ich selbst kaufe nur gebrauchte PKW`s und die in bar. Gefahren werden diese dann, bis knapp vor dem Ende.

    Mein altes Volvo- Tussi- Cabrio mit 14 Jahren und etwas mehr als 250.000 km, macht aktuell keine Anstalten und wird mir hoffentlich noch ein paar Jahre Spaß machen.

    Ich wüßte nicht, was an einem neueren Cabrio so viel besser wäre, wenn man zusätzlich bedenkt, dass die zusätzlich anfallenden Kosten, wie Vollkasko, Service nur beim Fachhändler, etc. massiv Überhand nehmen.

    Ein Kratzer in meiner alten Tussi ist mir einfach nur egal. Ersatzteile werden vorwiegend gebraucht gekauft, Versicherung nur das Nötigste…..

    Kann das Geld für mich besser verwenden, als für ein Auto, mit dem ich auch nur von A nach B komme.

  4. Michael sagt:

    Losgelöst von der Partei (auch bei uns ist Wahlkampf) – in Österreich. Ein 1 Euro pro Tag und Bundesland, 2 Bundesländer Tag 2 EURO und Ganz Österreich 3 pro Tag

    http://www.gruene.at/themen/verkehr-infrastruktur/oesterreich-erneuern-die-gruene-verkehrswende

    Auf jeden Fall selbst als ergänzendes Angebot gedacht.

    Bestätigt meiner Ansicht nach ihre Vermutung, dass die Zeichen der Zeit am Firmament scheinen und die Automobilindustrie zu dumpfem Glockenklang schreitet die Autoindustrie ihrem jähem Ende entgegen. – so schnell wirds nicht gehen.

    Cause at 5 o’clock they take me to the gallows pole. The Sands of time for me are running low. (Iron Maiden, Hallowed Be Thy Name)

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