Das Auto – Nur noch ein barbarisches Relikt?

24. Juli 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Bankhaus Rott 

Der Automarkt in Europa liegt brach. In der Eurozone fielen die Absatzzahlen auf ein neues Tief. Neben dem steigenden Margendruck fällt das sehr unterschiedliche Kaufverhalten der einzelnen Altersgruppen auf. Nicht nur bei jüngeren Menschen in Großstädten sinkt die Nachfrage deutlich. Wer sich öfter in Großstädten aufhält weiß, dass das nicht nur an den Kosten liegt…

Von den insgesamt 11,6 Millonen Menschen, deren Job direkt oder indirekt von der Autoindustrie abhängt, arbeiten immerhin zwei Millionen allein in der Fertigung. Am stärksten exponiert ist Deutschland, wo die Zahl der direkt Beschäftigten mehr als drei Mal so hoch ist wie im Nachbarland Frankreich. Selbst in Spanien, das immer als stark betroffenes „Auslagerungsland“ genannt wird, liegt die Quote der direkt im Autobau beschäftigten Bürger an der Gesamtbevölkerung um 73% tiefer als in Deutschland.

Man wird sich auch in Stuttgart nicht um die kommenden Probleme herumschleichen können.

Auf eine Wende des Konsumverhaltens bei den jüngeren Käufern zu setzen ist eine riskante Strategie, möglicherweise ist es sogar nur die vage Hoffnung einer alteingesessenen Industrie, es möge sich nicht grundlegend ändern. Die strukturellen Veränderungen zeigen sich jedoch bereits vor allem in den gesättigten Märkten, woran auch zyklische Spitzen, wie sie derzeit in den USA zu beobachten sind, nichts ändern. 

(CNN) „With this generation, what owning a car means is completely different from previous generations,“ said Annalisa Bluhm, a spokeswoman for General Motors. „It was a rite of passage. Now the right of passage is a cell phone.“

With the Baby Boomers, Bluhm said three-quarters had obtained early life’s five big rites of passage by the time they were 30 — buying a car, graduating from college, getting married, buying a house and having kids. Now less than 40% of the under-30 crowd has all these things.

What’s more, 30% of Baby Boomers considered themselves „car enthusiasts,“ said Bluhm, buying showcase vehicles like the Camaro, Corvette or Jeep. Less than 15% of Gen-Yers say the same, and they’re flocking to more practical models.

„They have a number of things that validate them,“ Bluhm said. „The car is not their first purchase.“

Dieses nachvollziehbare Verhalten zeigt nicht nicht nur im Ausland. Das Resultat der sich verändernden Einstellung zu Besitz, Status und Zweck eines Gegenstandes zeigt sich auch hierzulande. So wächst der deutsche Markt für Car Sharing in den Ballungsräumen rasch aus den Kinderschuhen heraus.

Besitz belastet ist das neue Motto. Nur noch rund 7% der Neuwagenkäufer in Deutschland sind jünger als 30 Jahre, knapp 58% zählen mehr als 50 Lenze. Das Durchschnittsalter des Neuwagenkäufers stieg zwischen 1995 und 2012 um mehr als viereinhalb Jahre. Die ältesten Kunden hat, wenig überraschend, Mercedes.

Blickt man auf den Gesamtmarkt, so beeindruckt sowohl das Ausmaß als auch die Dauer des Niedergangs der Absätze in Westeuropa. Alleine im Juni dieses Jahres wurden in der EU27 rund 380.000 Fahrzeuge weniger verkauft als zu den besten Zeiten. Das sind rund eineinhalb mittlere jährliche Werksauslastungen, die nicht mehr benötigt werden. In einem Monat.

Niemand sollte von den kommenden drastischen Einschnitten im Sektor überrascht sein. Mit gewerkschaftlichen Aufrufen wird es in den nächsten Jahren nicht getan sein. Durch die kommenden Einschnitte wird ohnehin auch der Einfluss der Arbeitnehmer-Vertretungen weiter sinken, völlig unabhängig von der Frage, ob die stets vorgetragene Solidarität noch als glaubwürdig erachtet wird oder nicht.

Besonders stark war der Rückgang im vergangenen Monat in Irland. Zu den wirtschaftlichen Zuständen in diesem Land muss im Grunde nicht viel gesagt werden. Warum dieses Land immer noch als „ökonomischer Musterschüler“ bezeichnet wird, bleibt ein Rätsel…. (Seite 2)

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4 Kommentare auf "Das Auto – Nur noch ein barbarisches Relikt?"

  1. Reiner Vogels sagt:

    „Vielleicht liegt es aber auch nur an der Kohle …“

    Ich denke, dieser letzte Satz weist den Weg zur Erklärung gerade auch für die „Kaufzurückhaltung“ der jungen Leute. Vielen von ihnen fehlt einfach das Geld.

    Es ist ja nun mal in fast allen Bereichen des Berufslebens so, dass die jungen Leute heute wesentlich schlechtere Berufseinstiegsbedingungen vorfinden als noch ihre Eltern. Nicht umsonst spricht man von der „Generation Praktikum“.

    Hinzu kommt die wachsende finanzielle Repression durch den Staat. – Stichwort: Einmal Soli, immer Soli!

    Und mit der Energiewende und ihren dadurch verursachten ständig steigenden Kosten für Energie hämmert die Politik gerade den letzten Nagel in den Sarg der deutschen Kaufkraft.

  2. Michael sagt:

    Sehr viele Unternehmen kaufen Autos. Das wird möglw. eher das Modell werden. Ein barbarisches Relikt ist ein Auto noch nicht. Aber wir sind weit entfernt vom einstmaligen Kultstatus der Blechschüssel – insbesondere als Neuwagen. Im dem Punkt wurde letzte Dekade ja geurasst auf Teufel komm raus.

    Sie haben die Wahl zwischen gut leben bei hohen Mieten und Auto. Schlecht leben bei hohen Mieten und Auto ist sowieso absurd, selbst ohne Auto.

    Ich mache mir keine Sorge um die Autoindustrie. Wir werden Radlfahren ergänzt um Car Sharing und China wird Auto fahren. Sei es ihnen gegönnt, es ist ihr Jahrhundert. Dann machen die Konzerne Gewinne woanders. Das hilft zwar der Autoindustrie in .de nicht viel, aber den Franzosen genauso wenig. Mit Elektro usw … schauen wir mal.

    In .de wirkt sich vermutlich auf Dauer die Aufgabe der Dörfer aus. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass der Bedarf nach einer Fortbewegungsalternative in einem gewissen Geschwingkeitsspektrum sich maßgeblich ändert. Aber Zug ist besser. Sie können im Zug arbeiten, im Auto schwerlich. Dann haben sie noch Stau der wiederum Stress erzeugt.

    Fernseher müssen sie keinen mehr rumführen, moderne Fernseher je nach Altersklasse des Kunden werden geliefert und eingestellt, wenn überhaupt noch jemand solch ein barbarisches Relikt hat – die paar welche vermutlich MTV als Pay-TV anschauen, der ewigen Jugend willen wahrscheinlich ja:) Wäre beim Fernseher genauso und ist nicht so.

    Jetzt haben wir Arbeit und keiner fährt hin. Pech auch. Aber nicht mit neuem Auto. Wir werden uns die reparierten Altwagen aus Tschechien wieder zurückimportieren. Das sind unsere Autos allein repariert. Versicherungen und Autohändler haben sie ja rausgeführt. Ein gutes Auto um 1000 EUR … möglw. 2, reicht an sich für jemanden der nicht weit fährt. Das Problem ist eher, sie können sich kaum mehr etwas selbst reparieren bei den neuen Autos. Das ist eher ein Fluch auf Dauer. Stehen lassen kann man Autos schlecht … also wenn jemand ein Auto nicht braucht …

    Wenn sie die Argumente aufsummieren, warum man den Lebensstandard für den geringen Vorteil einer nicht mehr vorhandenen Mobilität in einer Stadt aufgibt zugunsten eines Autos. Wenn keiner fahrt stört es auch keinen.

  3. Johannes sagt:

    Dass das Auto als Statussymbol seinen Wert verliert, merke ich auch in meinem Bekanntenkreis immer stärker.

    Im Grunde gibt es keine nennenswerten Unterschieder mehr zwischen den einzlenen Marken. Das Design gleicht sich immer mehr, die Reparaturanfälligkeit ist ähnlich und keiner hat wirklich Lust, in den ersten zwei bis drei Jahren, massiv Geld zu verlieren.

    Ich selbst kaufe nur gebrauchte PKW`s und die in bar. Gefahren werden diese dann, bis knapp vor dem Ende.

    Mein altes Volvo- Tussi- Cabrio mit 14 Jahren und etwas mehr als 250.000 km, macht aktuell keine Anstalten und wird mir hoffentlich noch ein paar Jahre Spaß machen.

    Ich wüßte nicht, was an einem neueren Cabrio so viel besser wäre, wenn man zusätzlich bedenkt, dass die zusätzlich anfallenden Kosten, wie Vollkasko, Service nur beim Fachhändler, etc. massiv Überhand nehmen.

    Ein Kratzer in meiner alten Tussi ist mir einfach nur egal. Ersatzteile werden vorwiegend gebraucht gekauft, Versicherung nur das Nötigste…..

    Kann das Geld für mich besser verwenden, als für ein Auto, mit dem ich auch nur von A nach B komme.

  4. Michael sagt:

    Losgelöst von der Partei (auch bei uns ist Wahlkampf) – in Österreich. Ein 1 Euro pro Tag und Bundesland, 2 Bundesländer Tag 2 EURO und Ganz Österreich 3 pro Tag

    http://www.gruene.at/themen/verkehr-infrastruktur/oesterreich-erneuern-die-gruene-verkehrswende

    Auf jeden Fall selbst als ergänzendes Angebot gedacht.

    Bestätigt meiner Ansicht nach ihre Vermutung, dass die Zeichen der Zeit am Firmament scheinen und die Automobilindustrie zu dumpfem Glockenklang schreitet die Autoindustrie ihrem jähem Ende entgegen. – so schnell wirds nicht gehen.

    Cause at 5 o’clock they take me to the gallows pole. The Sands of time for me are running low. (Iron Maiden, Hallowed Be Thy Name)

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