Das Anhäufen von Zeit

12. Oktober 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Geld ist besonders wichtig, wenn man keins hat. Wenn man reich geworden ist, dann bedeutet einem Geld nicht mehr viel. Das kann dazu führen, dass man sich leer fühlt. Denn wenn Geld einem nichts mehr bedeutet, was sonst?

Philosophen und Dichter haben sich mit diesem Thema jahrhundertelang beschäftigt. Geld steht für Reichtum. Und Reichtum ist eine Form von kondensiertem Leben. Es misst die Zeit und die Ressourcen, welche investiert und angehäuft worden sind. Und jetzt können sie getauscht werden gegen andere Anhäufungen von Zeit, Vorstellungskraft und Ressourcen.

Eine Person kann ihr ganzes Leben arbeiten, um etwas zu sparen. Diese Ersparnisse sind dann ein Ausdruck des Lebens dieser Personzumindest von dessen wirtschaftlichem Wert.

Die besten Dinge im Leben sind kostenlos“, sagt ein beliebtes Sprichwort. Soweit ich das beurteilen kann, stimmt das. Ein Kuss. Ein Lächeln. Die Liebe von Familie und Freunden. Wer kann das schon mit einem Dollar-Wert beziffern? Scheint nicht die Herbstsonne auf die Gesichter, sowohl eines Bettlers als auch die eines Hedgefonds-Managers?

Und ich habe noch nie ein Kind getroffen, das den Wert des Depots seines Großvaters geprüft hat, bevor es ihn umarmt. Und dennoch wirft sogar auf die besten Dinge Geld seinen Schatten. Wenn man genug Geld für Nahrung, Kleidung und Wohnen hat, um was geht es mit dem Rest? Geht es nicht darum, Zustimmung zu gewinnen und einen selbst würdig für Liebe und Respekt zu machen? Kauft ein junger Mann nicht genau deshalb ein tolles Auto, auch wenn er es sich nicht leisten kann? Um das Mädchen zu bekommen?

Aber hier beginnen auch Täuschungen und Enttäuschungen. Eine Frage – welche von einem erfolgreichen Mann mit Geld angezogen wird – entdeckt bald, dass Geld nicht alles ist. Und dann realisiert der Mann, dass er eigentlich in Wirklichkeit eine Frau wollte, die ihn für mehr wollte als nur für sein Geld! Und der arme Mann, der sein ganzes Leben arbeitet, nur in dem Versuch, genug Geld zu haben, um die Anerkennung seines Vaters zu erhalten.

Er wird wahrscheinlich entdecken, dass

a) Er das niemals wird

Oder

b) Er diese Anerkennung immer schon hatte!

Das Prinzip des abnehmenden Grenznutzens kommt auch hier ins Spiel. Ein bisschen finanzieller Erfolg mag Liebe und Anerkennung bringen. Aber mehr Erfolg bedeutet nicht notwendigerweise mehr Liebe und Respekt. Und zu viel finanzieller Erfolg kann kontraproduktiv sein. Der finanziell erfolgreiche Mann kann das Objekt von Neid, Ressentiments und Opportunismus werden. Seine Ehefrau bleibt nur solange bei ihm, wie das Geld reicht. Seine „Freunde“ sehen ihn als Geldquelle. Und seine Mutter schaut auf ihn herab: Er sei nun „vom Geld besessen“, sagt sie!

Der abnehmende Grenznutzen des Geldes funktioniert also auch in die andere Richtung. Ein verlorener Dollar bringt mehr Schmerz als ein gewonnener Dollar Freude bringt. Ein Mann mit einer Million Dollar wird eine weitere Million begrüßen. Aber die wird wahrscheinlich keine großen Auswirkungen auf sein Leben oder sein Wohlbefinden haben. Stellen Sie sich stattdessen vor, er würde seine Million verlieren! Das ist das Material für eine Tragödie. Er muss sein Haus aufgeben. Er wird depressiv und es ist unmöglich, mit ihm zu leben: Seine Frau verlässt ihn. Sein Auto wird ihm genommen. Und er endet im Obdachlosenheim.

Angesichts dieser Gedanken möchte ich mich nun mit der zweiten großen Entscheidung beschäftigen, die Sie im Leben treffen müssen. Mehr Reichtum kann Sie davon abhalten, da zu leben, wo Sie wirklich sein möchten.

Die Falle des „sich Verbesserns“

Wir wollen nicht unter einer Brücke schlafen. Wir wollen sicher sein, dass wir einen „Plan B“ haben, für den Fall, dass wir Pleite gehen. Ich habe bereits erklärt, dass es eine meiner größten Freuden im Leben war, Dinge selber herzustellen. Mauern, Häuser, Zigeunerwagen – alles Mögliche. Besonders gefiel es mir, die Häuser zu bauen, in denen die Familie lebte. (Link) Besonders früher, als wir gar keine andere Wahl hatten. Später im Leben, als ich das Geld für Handwerker hatte, musste ich meine Bauprojekte mit Architekten, Elektrikern und Installateuren teilensogar mit Dekorateuren.

Das erwies sich als große Enttäuschung; im schlimmsten Fall bezahlte ich Architekten und Bauarbeiter, um ein Haus umzubauen, welches ich selber gebaut hatte. Das Ergebnis? Wir leben jetzt in einem Haus, dass ich nicht designt habe. Ich habe es nicht gebaut. Das haben Profis gebaut. Und das ist jetzt DEREN Haus, nicht mein eigenes.

Eine der selten diskutierten Gefahren von Reichtum ist, dass der einen von den Dingen wegzieht, die man wirklich mag. Wenn man Geld bekommt, ist man versucht, „sich zu verbessern“. Aus der alten Nachbarschaft wegziehen, in eine neue. Aber die neue ist sehr viel teurer. Alles kostet mehr. Nicht nur das Haus, auch die Versicherung, die Unterhaltskosten, die Möbel, die Heizkosten…  Das große Haus – welches man als Trophäe des eigenen finanziellen Erfolges sah – erweist sich als goldene Zitrone.


Quelle: Kapitalschutz Akte
Das Anhäufen von Zeit (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

 

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Ein Kommentar auf "Das Anhäufen von Zeit"

  1. dona Solidad sagt:

    Einen netten Artikel mit viel Wahrheit drin.
    Gruß dona Solidad

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