Danke Ihr Zentralbanker! Wo ist meine Kaufkraft?

16. April 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Es ist zum Heulen! Dabei habe ich nur Quittungen sortiert, sollte morgen auch noch die Steuerprüfung kommen. Und dann habe ich ausgiebig geweint. Das ist inzwischen meine Lieblingsbeschäftigung – im Supermarkt, an der Tankstelle, bei Steuern, Abgaben und beim Quittungen sortieren. Zu nah am Wasser gebaut…

Kaum trage ich irgendwelche Brötchen nach Hause, schon sind sie nass. Im Supermarkt rutschen die Leute in meinen Pfützen aus. An der Tankstelle gibt es Überflutungen und wenn ich in den Spiegel schaue, ist meine Tränendrüse auf ein Vielfaches angewachsen, seit ich die Preise verfolge. Offiziell ist die Inflation neulich in den Zahnrädern der Gelddruckmaschinen umgekommen. Doch der Spalt zwischen Schein und Sein ist inzwischen so groß geworden, dass man darin ganze Welten verschwinden lassen könnte. Nur aus Dummheit habe ich damals, ich war noch jung, und brauchte das Geld nicht, etwas Gold gekauft. Die Verbraucherzentralen haben mich eindringlich gewarnt. Doch meine Sturheit siegte.

Die Unze Gold hat sich im Preis verdreifacht. Dem Benzinpreis erging es ähnlich. Das gelbe Zeug konnte das abfangen. Hätte ich den DAX gekauft, bekäme ich heute vielleicht die gleiche Menge an schönen Verpackungen – nur ist dort nur noch ein Drittel drin. Mist! Meine Bank hat mir neulich ein umwerfendes Angebot gemacht: Festgeld für ein Jahr und 1,0 Prozent Zinsen. Das war der Schock des Jahres. Ich wusste vor Tränen nicht mehr wohin, während mein Untermieter die Feuerwehr rief. Und dann habe ich noch etwas Gold gekauft – für die Tankfüllung in einem Jahr. Aber nur, um ihn zu ärgern.

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

 

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18 Kommentare auf "Danke Ihr Zentralbanker! Wo ist meine Kaufkraft?"

  1. pat sagt:

    Jetzt wo Du nach dem Verbrleib der Kaufkraft fragst. Es handelt sich hier um eine großangelegte Verschwörung kriminellen Ausmaßes.

    Es war die Kaufkraft, die in Zahnrädern der Gelddruckmaschinen umgekommen ist. Als sie von den Notenbankern tot neben der Druckerpresse gefunden wurde, haben sie allerdings kollektiv beschlossen diesen Verlust zu kaschieren um nicht selbst als schuldige dazustehen. Deshalb haben die Kaufkraft mit einer gefälschten Identität namens Inflation ausgestattet und so wurde sie auch der öffentlichkeit präsentiert.

    Es tut mir Leid, Dir diese bittere Wahrheit unterbreiten zu müssen, aber von der Kaufkraft musst Du dich verabschieden. Sie wird nicht wiederkommen.

  2. Eigen sagt:

    Apropos Steuern
    neulich kam mir die Idee, ob man nicht bei der nächsten Steuerklärung 1000 € Spenden an religiöse Vereinigungen für das letzte Dolphin U-Boot geltend machen kann. Ich bin mal über den Kommentar des Steuerbeamten gespannt.

  3. EuroTanic sagt:

    Ich kaufe regelmässig die gleichen Grundnahrungsmittel, zwecks Bevorratung. Hier die (billigsten) Supermarktpreise bei mir vor Ort von 2011 und 2012.
    – Mehl (500gr) 2011 29 Cent vs. 2012 45 Cent
    – Zucker (500gr) 2011 29 Cent vs. 2012 45 Cent
    – Öl(IL) 2011 79 Cent vs. 2012 129 Cent
    – Nudeln (500gr) 2011 45 Cent vs. 2012 69 Cent
    – Reis (500gr) 2011 39 Cent vs. 2012 79 Cent
    – Salz (500gr) 2011 19 Cent vs. 2012 16 Cent
    – getrocknete Bohnen/Erbsen/Linsen(500gr) 2011 89 Cent vs. 2012 139 Cent
    – Haferflocken (500gr) 2011 29 Cent vs. 2012 45 Cent
    – Butterkekse (500gr) 2011 79 Cent vs. 2012 99 Cent
    – Zitronengetränk (400gr) 2011 79 Cent vs. 2012 129 Cent

  4. gilga sagt:

    Ich habe da auch eine Tabelle (Teil des Haushaltsbuches) in der ich diese Werte verfolge. Hier komme ich zu anderen Ergebnissen:
    z.B. sind die obigen Preise zu Reis und Nudeln in meiner Beobachtung konstant (und zwar bei der niedrigeren Variante).

    Die Preise für Windeln, Milch (wobei in den letzten Wochen wieder gefallen), Gewürze und Margarine sind in meiner Beobachtung um 10% bis über 50% gestiegen.

    Bis auf Treibstoff und die Kosten für Strom/Heizung ist mein persönlicher Warenkorb jedoch sonst keiner Inflation unterworfen.

    • Avantgarde sagt:

      „Bis auf Treibstoff und die Kosten für Strom/Heizung ist mein persönlicher Warenkorb jedoch sonst keiner Inflation unterworfen.“

      Geht mir ebenso – wobei der Sprit schon weh tut.

      Gleichzeitig eilt der Preis von Natural Gas von einem Jahrestief zum nächsten.
      Schon etwas merkwürdig…

    • Fnord23 sagt:

      Hallo gilga,

      zum Thema Inflation. Wir sollten hier versuchen korrekt zu bleiben, weil die Massenmedien schon genug Verwirrung stiften.

      Inflation ist definiert: Ausweitung der Geldmenge im Verhältnis zu allen Waren und Dienstleistungen im betrachteten Zeiraum.

      Die 2-3 % Geldmengenausweitung interessieren mich nicht, weil das noch gar nichts darüber aussagt, in welcher Assetklasse sich welche Teile des „Mehr“ manifestieren.

      Preissteigerungen kann es auch aus anderen Gründen geben. Erhöhte reale Nachfrage, Rohstoffmangel, erhöhte Abgaben etc.
      Es ist also nicht so einfach eine Preissteigerung bei z.B. Butter auf die Geldmengenausweitung zurück zuführen.

      Das Problem sind nicht die steigende Preise, sondern die Einkommen, die nicht mehr hinter her kommen. Wo das, was uns fehlt, wohl alles landet? 🙂

      Wird das anders gesehen?

      Ich hab auch so das Gefühl, dass es bei Lebensmitteln im Schnitt mehr als 10% Preissteigerungen gab. Heizkosten sind bei mir in den letzten 3 Jahren nicht gestiegen – Peletts.

      VG ins Land

      • gilga sagt:

        Sorry da hast Du natürlich recht. Ich hätte korrekter Weise von Teuerungsrate statt Inflation sprechen sollen.

        Ansonsten war mein Beitrag aber genau so gemeint: Bis auf wenige Ausnahmen (die ich ggf. bis auf Energie, nicht der Ausweitung der Geldmenge sondern den von Dir genannten Effekten zuschreibe) sind die Preise für mich, also in meinem persönlichen Warenkorb, in letzter Zeit erstaunlich stabil geblieben.

        Die Preissteigerung bei Butter schreibe ich nicht der FED/EZB zu. In meinem persönlichen Fall hängt das primär auch mit einer bisher vorhandenen Markentreue bei diesem Produkt (kommt bei mir selten vor) zusammen. Aber ich will ja auch MEINE Kosten verfolgen und nicht einen Verbraucherinflationsindex (mit Ausweichprodukten etc.) erheben.

        Ich würde behaupten wollen, dass die Preissteigerungen bei Lebensmitteln im wesentlichen auf gestiegene Energiekosten zurückzuführen sind. Die „Materialkosten“ sind bei Lebensmitteln in der Regel wrsl. der geringste Anteil an den Gesamtkosten.

        Bei Energie hingegen kann ich mir schon vorstellen, dass sich die Inflationierung der Zentralbanken bemerkbar macht. Warum? Generierung von Nachfrage die es sonst nicht gegeben hätte (gleichzeitig ist die Ausweitung der Produktion und das Ausweichen auf Alternativen nur begrenzt möglich) und relative Abwertung der Währungen (die Energielieferanten sitzen nun mal häufiger außerhalb der Dollar/Euro Währungsräume als die Produktions- und Verarbeitungsketten der Lebensmittelbranche) etc. fordern ihren Tribut. Und das schlägt dann eben auf alle Bereiche durch, da Energie überall eine Rolle spielt.

  5. wolfswurt sagt:

    Der Kaufkraft schwinden eben die Kräfte.

    Kraftvoll kommen nur noch die Steuerabgaben daher.

    Dadurch nimmt der Steuerbetrug zu und zwangsläufig die Maßnahmen der Obrigkeit, diesen zu unterbinden.

    Definition Steuerbetrug:

    „Steuerbetrug ist der strafbare Versuch des Steuerpflichtigen den legalisierten Diebstahl durch die Herrschenden zu verhindern.“

  6. Avantgarde sagt:

    „Mist! Meine Bank hat mir neulich ein umwerfendes Angebot gemacht: Festgeld für ein Jahr und 1,0 Prozent Zinsen.“

    Ja – tatsächlich Mist.

    Bei der IKB gibt es 3,3% pro Jahr für 3 Jahre, 2,5% für 1 Jahr.
    ABN AMRO 2,95% für 1Jahr.
    Barclays 3% pro Jahr auf 2 Jahre.
    und noch ein paar weiter Banken bieten deutlich mehr als 1%
    Oft bringt das Tagesgeld schon über 2%
    🙂

    • gilga sagt:

      Ja, beim Tagesgeld parken in meinem Fall die restlichen 70%… ich denke zumindest momentan nicht die schlechteste Option.

      • Avantgarde sagt:

        Ich denke sogar, daß man 2 oder auch 3 Jahre riskieren kann – Tagesgeldzinsen könnten bald auch wieder sinken.
        3% Rendite müssen die anderen Anlageklassen erst mal bringen – zumal mit z.T. enormen Kursrisiko.

        Der Dax ist auf Jahressicht aktuell schon mal über 5% im Minus.

        Deflationäre Entwicklungen können sehr zäh sein.
        China schwebt noch über uns und und die europäischen Sparprogramme werden in einigen Monaten Wirkung zeigen.
        Eine schnelle Deflationsspirale wäre allerdings heikel für die Banken – nur hat man die inzwischen noch größer werden lassen als zuvor – ein eigentlich unverzeihlicher Fehler – aber jetzt müssen sie die im Krisenfall wirklich (zumindest die Großen) komplett retten.

        • Fnord23 sagt:

          Glück auf!

          Ein undankbarer Job ist es, ein unter ständigem Deflationsdruck stehendes System inflationieren zu müßen.

          Dabei mangelt es nur an Geld. Etwas von Menschen Geschaffenes. Für viele völlig abstrakt. Man muß es nicht mal mehr physisch drucken.

          „Geld muss ausgestreut werden wie Mist.“ Konfuzius ..

          VG ins Land

  7. diefans sagt:

    Irgendwann lohnt sich der Besitz von Kaufkraft nicht mehr, es ist als ob sie wie Wasser in der Hitze verdunstet. Irgendwann lohnt sich auch der Umtausch von Arbeitskraft in Kaufkraft und zurück in (fremde) Arbeitskraft nicht mehr. Beiden Prozessen ist ein staatlicher Kraftdiebstahl (Einkommensteuer und „Mehrwert“steuer) verordnet, der die Benutzung dieser Kaufkraft überflüssig werden läßt.

    Kurz: die Benutzung und der Besitz des Geldes ist sauteuer (in Begriffen wie freier menschlicher Kraft) oder andersherum für den normalen Mensch ist die Benutzung und der Besitz dieses unwirksamsten Wertaufbewahrungs- und Tauschmittels purer Luxus.

  8. Manuel sagt:

    Würde mich freuen wenn ihr mal etwas über die Ignoranz der Saldenmechanik schreibt. Die wird nämlich komplett außer acht gelassen. Besagt viel über unseren schönen Exportwahn (wir überschulden das Ausland) in der letzten konsequenz kommt man da aber dann auch ziemlich schnell auf den trichter, dass Kaufkraftstabilität viel mehr heißt als nur die Preise konstant zu halten.
    Arbeite da auch gerne zu.

    Quizfrage:
    Weltsparvermögen abzüglich Weltkapitalschulden ist gleich? …. Okay ich sags: Null.
    Exponentielles Kapitalwachstum (egal ob M1, 2 oder 3) = Exponentielles Schuldenwachstum. Spannend ! 😀

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