Dämmert`s schon?

5. September 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Frank Meyer

Die Tage werden kürzer, das Wetter regnerisch. Was für ein treffendes Bild für den aktuellen Zustand in Politik, Wirtschaft und Europa. Wenn Politiker viel planen, dann haben die Götter viel zu lachen – die Bürger dagegen weniger. Und seltsamerweise geht dieser Plan jetzt nicht mehr so reibungslos auf wie früher…

Welcher Plan? Gute Frage! Ach, sie haben gar keinen in Brüssel und Berlin? Nicht doch! Was machen sie da eigentlich, fragte mich eine Bekannte im Supermarkt zwischen einem Haufen Biokarotten und den letzten Glühbirnen. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte.

Unsinn? Nein, würde Sherlock Holmes sagen. Da steckt bestimmt System dahinter. „Aber welches?“, fragt Dr. Watson nach und erntet ein Achselzucken. Angeblich geht es um Europa, warf die Bekannte ein. Sie ist für ihre Späße bekannt.

Man kann sich bei den vielen roten Schlagzeilen und rosa Blasen viele Gedanken machen. Auf eine Antwort wartet man vergebens. Die innere Stimme warnt zaghaft wie Raucherhinweise auf Zigarettenschachteln. Politik kommt inzwischen ganz ohne Volk aus, wie man in Mecklenburg-Vorpommern und auch in Berlin beobachten kann. Von 1,4 Millionen Leuten in MeckPomm hat nur rund die Hälfte ihre Stimme abgegeben. Die andere Hälfte hat sie offenbar noch. Sie wählte am Sonntag auf der Couch zwischen ARD, ZDF, RTL und den Dritten. Da weiß man, was man bekommt. Pünktlich, kostengünstig und zuverlässig.

Die größten Stimmenanteile gingen übrigens wieder auf das Konto der Nichtwähler – 49 Prozent. Viele werden sich sagen, wenn Wahlen etwas ändern würden, wären sie doch verboten. Urne ist übrigens ein seltsames Wort für einen Vorgang, der in einem Lokal durchgeführt wird. Man wirft seine Stimme in eine Urne wie der Kremateur die Asche von Toten und legitimiert die Gewählten für eine gewisse Zeit, tun und lassen zu dürfen, was sie möchten, für gut, richtig oder zielführend halten.

Was würden die 49 Prozent der Leute denn wählen? McDonalds? Früher gab es im Osten sogenannte Blockparteien. Heute besteht der Block aus  CDU-CSU-SPD-GRÜNE-FDP. Letzteres bitte streichen. „Für Schwarz-Gelb gab es eine Watschen“, tönte es aus dem Norden. Klarer Sieger: SPD. Daumen hoch! Am besten beide! Ah, da sind sie schon! Dabei wurde die SPD von gewaltigen 18 Prozent aller Wahlberechtigten gewählt. Die FDP kommt übrigens auf 1,8 Prozent der Stimmen, rechnet man die „Nichtwähler-Partei“ ein. Nach Schadenfreude muss man wirklich nicht lange suchen.

Der Kieler Fraktionschef Kubicki räumt ein, die Marke FDP habe beim Wähler einfach „verschissen“.

Abgewählt

Die Dinge kommen in Bewegung. Wenn es eine Partei gäbe, die sich gegen den Euro und dessen Folgen stellen würde, würde Berlin erzittern? Dann sollte man sich beeilen, schnell noch Tatsachen zu schaffen, Unterschriften für einen Ausverkauf zu geben und sich möglich noch lange im Amt halten. Dann klappt es auch noch mit den Ansprüchen auf Altersvorsorge. Wir sind dann mal weg.

Den Nerv oder gar den Willen des Volkes treffen Parteien gleich welcher Farbe längst nicht mehr. In der SPD und bei den Grünen schachert man heute schon um spätere Bundesposten wie hungrige Urlauber am Mittagsbuffett. Und sollte es demnächst völlig überraschende Neuwahlen geben, hätten einige Händler an der Börse recht bekommen, als sie von „Kanzlerdämmerung“ sprachen. Was würde sich ändern?

Der vorgeschaltete Wahlkampf wäre öde und langweilig wie ein Schluck Wasser aus dem Rhein, weiß man doch, die Parteien wollen nur das Beste: Stimmen, Abgaben, Steuern, eine gute Presse und das Beste für sich. Trotz aller Sonntagsreden und neuerdings auch multimedialer Vernetzung auf Facebook und Twitter will das Werk der Überzeugung nicht gelingen. Doch darum geht es vielleicht auch gar nicht. (Seite 2)

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18 Kommentare auf "Dämmert`s schon?"

  1. Alternativlos sagt:

    Um es mit Michael zu halten:

    Frank, die in diesem Artikel gemachten Aussagen sind zynisch, sarkastisch und böse – aber alle richtig!

    Recht erfrischend der Artikel!

  2. stonefights sagt:

    Ich „liebe“ deine sarkastischen Beiträge.
    Vielleicht die erfüllenste Art, die traurige Realität zu kommentieren.
    Deine in Auszügen erwähnten FTD-Beiträge habe ich im Übrigen selbst so in der WamS (Welt am Sonntag) so gelesen. Erschreckend auch hier wieder die „Gleichschaltung“ des M-Streams.

    Wer weiss, vielleicht fährt unsere EUROTANIC ja wirklich auf diesem Kurs ( handelsblatt.com/politik/international/der-euro-steuert-auf-den-eisberg-zu/4569202.html ).
    Die Zukunft wirds uns mitteilen. Hören wir ihr zu.

    lg, stonefights

  3. DonTrader sagt:

    Ja, das hat mich auch verblüfft. Die „Partei“ der NICHTWÄHLER bei 49% und es ist in den Medien kein Thema. Man spielt einfach sein Kasperletheater runter, die SPD als neuer König gefeiert, die NPD als böses Krokodil verkloppt.

    Es ist etwas faul im Staate Deutscheland!

  4. Reiner Vogels sagt:

    Das Problem ist strukturell in unserem Wahlrecht begründet. Wir normalen Bürger haben ja gar nicht die Möglichkeit, die Abgeordneten für unsere Parlamente zu wählen. Das erledigen für uns die Parteizentralen, indem sie die Landeslisten aufstellen. Über die personelle Zusammensetzung des Parlaments entscheiden also gar nicht wir Wähler, sondern ein paar Parteioligarchien hinter verschlossenen Türen.

    Angesichts dieser Sachlage versetze man sich einmal in die Psyche eines jungen Bezirksvorsitzenden der SPD oder Kreisverbandsvorsitzenden der CDU. Selbstverständlich will er Karriere machen. Und das ist an und für sich ja auch richtig. Er weiß aber, dass er sich nicht mit den Wählern gutstellen muss, wenn er ein Abgeordnetenmandat erringen will, sondern mit seiner Parteiführung. Also wird er sich entsprechend verhalten. Die Meinung seiner Wähler wird ihm mehr oder weniger egal sein, die des Landes- bzw. Bundesvorstands seiner Partei dagegen wird seine Richtschnur sein. So ist es doch nur logisch, wenn die Abgeordneten, wenn sie mal gewählt sind, das genaue Gegenteil von dem beschließen, was sie vor der Wahl gesagt haben, wenn die Parteiführung es so will. (Siehe z.B. die Zustimmung der SPD zur Mehrwertsteuererhöhung nach der Wahl 2005 und die „Energiewende“ von Union und FDP in diesem Jahr)

    Viele demokratische Bürger (ich noch nicht),die dieses Spiel durchschauen, verzichten deshalb gleich darauf, zur Wahl zu gehen, weil Wahlen nach ihrer Meinung ja doch nichts bewegen.

    Wirkliche Demokratie und ein Wiedergewinnen der Mehrheit der Bevölkerung für aktive politische Teilnahme werden daher nur gelingen, wenn das Wahlrecht grundlegend demokratisiert und das obrigkeitlich-bevormundende Landeslistensystem abgeschafft wird. Das jedoch werden die Parteiführungen wohl mit aller Kraft zu verhindern versuchen, weil sie damit ihren Oligarchenstatus verlieren würden.

  5. kneipier sagt:

    Hallo Reiner V.,

    vielen Dank für den Kommentar.

    Es wird seit 1950 hierzulande Wahlbetrug praktiziert. Auf Landesebene bis hin nach Berlin.

    Die Abgeordneten werden von den Parteigranden als Stimmvieh alimentiert, das lediglich aus Parteiraison alles abzunicken hat.

    Warum die „Parteienvielfalt“ hierzulande nur Täuschungsmanöver ist, sehen sie in diesem Artikel:

    http://hintergruende2012.blogspot.com/2010/12/bankster-warburg-wulff-und-die-atlantik.html

    Wenn Sie sich die Mühe des Lesens machten, sollte auch nach dem

    Guttenberg- Dossier Teil 1 und 2

    gegoogelt werden.

    Sie sind auf dem richtigen Weg.

  6. rolandus sagt:

    Jetzt bleibt eigendlich nur noch zu hoffen, dass die einen oder der andere Politiker an diesem Artikel hängen bleibt, und nachts im Bett keinen Schlaf findet, weil er sich nur noch fragt: Was hab ich bloß(nicht) getan?

    Genialster Text und das noch frei Haus anstatt 1,5o für sonst nur viel geschwärztes Papier.

    Ich schliesse mich den Danksagungen selbstverständlich an

    Schön Gruß ins Ried.
    rolandus

    P.s Und was muß ich da über Schulte erfahren…der Blogwart am 14.9 in unserer (einstmals) schönsten Stadt in einem Station, wo sonst Biergläser auf Lienenrichter geworfen werden? Das sieht mir ja nach einer Mini(überteuerten) Edelmetallmesse hier oben aus,-)

  7. askanier sagt:

    Welche Möglichkeiten hat denn das Volk noch, seine demokratischen Grundrechte wahr zu nehmen? In der oberen Parteien-Ebene regiert der Fraktionszwang, auf der unteren Ebene werden unbequeme Petitionen nach Belieben abgeschmettert. Was bleibt von Demokratie in diesem Lande übrig, wenn man mal von den Wahlen absieht? Ist Demokratie ein Mythos?
    Was ist übrig geblieben von der Macht des Volkes? Oder ist das Illusion? Kann es überhaupt eine Macht des Volkes geben, wenn 96% der Bevölkerung das psychologische Moment „Macht“ völlig fremd ist?
    Ich breche hier mal ab. Sind mir zu viele Fragen…

  8. auroria sagt:

    Appropo Edelmetallmesse, man kann sich jetzt kostenlose Eintrittskarten für München besorgen:
    https://www.edelmetallmesse.com/de/voranmeldung.html

  9. timo sagt:

    „Da steckt bestimmt System dahinter.“
    Ich nenne es „Einholen ohne zu Überholen“. Diesen Ostalgie-Spruch kennen bestimmt manche in der Runde hier.
    Perfekt dazu passt die derzeitige Gewinner- und Verliereranzeige beim Dax auf NTV-Telebörse:

    heutige DAX GEWINNER!

    FRESENIUS 70,61 -2,3%
    BEIERSDORF 39,68 -2,7%
    FMC 46,60 -2,8%
    ADIDAS AG 44,92 -3,4%
    DT. POST 9,79 -4,1%

    Wem das zu viel ist, der kann ein bisschen spielen gehen:

    http://www.michas-spielmitmir.de/spieletests.php?id=ueberholen

    „Überholen ohne Einzuholen“, ein Spiel für die ganze Familie 😉

    An einen der wenigen Licht u. Durchblicke am TV-Horizont,
    Beste Grüße
    Timo

  10. Armin sagt:

    Sehr schöner Beitrag.
    Leider sind die Menschen durch die Propaganda der Mainstreammedien völlig verblendet und die Begriffe und Bewertungen so verdreht, dass der „einfache“ Wähler nicht mal merkt, dass die Wahl zwischen Merkel und Steinbrück der zwischen abgestandenem Bier und wurmbefallenem Wein gleicht.
    Echte Alternativen wie Ron Paul oder der deutsche Ableger – die Partei der Vernunft (PDV)- werden von den Mainstreammedien ja totgeschwiegen oder verleumdet.

  11. wolfswurt sagt:

    Eine Wahl zu haben ist prinzipiell gut.

    Noch besser wäre eine unmittelbare Abwahlmöglichkeit von Führungskräften die sich nach ihrer Wahl als unfähig, betrügerisch oder korrupt erweisen.

    Diese Forderung und Umsetzung setzt allerdings bei Wählern und zu Wählenden einen höheren IQ voraus, als der des iberischen Eichelschweins.

    Insofern ausichtslos…

  12. Hans im Glueck sagt:

    „Die Dinge kommen in Bewegung. Wenn es eine Partei gäbe, die sich gegen den Euro und dessen Folgen stellen würde, würde Berlin erzittern?“

    Ich glaube da müssen wir nicht allzu lange drauf warten, wir können nur hoffen das es nicht wie 1933 kommt!
    Wobei im Mecklenburg Vorpommern „die Rechten“ ja ziemlich viele Stimmen bekommen haben und in den NL sieht es ja auch nicht viel besser aus.

    Ich geh eh nicht mehr wählen, diese totale verarsche hier! Die werden ihre „Rechnung“ schon noch bekommen!

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