Dämmerung im Abendland

9. Februar 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Das Verhalten der meisten deutschen Parteien lässt sich am ehesten mit politischer Demenz umschreiben. Während die CDU mal wieder versucht, Lösungen für selbst verursachte Probleme als intellektuelle Höchstleistung zu verkaufen hat die SPD offenbar bereits vergessen, an der Schaffung der Schwierigkeiten aktiv beteiligt gewesen zu sein…

Wie in vielen Gerichtssälen heißt es auch in der Politik häufig: „Daran kann ich mich nicht erinnern“. Die Memoiren solcher Menschen werden vermutlich sehr dünn ausfallen. Besonders putzig ist der neue Leitspruch der SPD, die gerade die Ersatzbank durchgewechselt hat. „Zeit für mehr Gerechtigkeit“ lautet der neue Schlachtruf. Na, da ist die 20%-Marke sicher wieder in Reichweite. Etwas holprig dürfte die Begründung sein, warum man diese Gerechtigkeit nun für sich entdeckt hat. In den letzten zwanzig Jahren war die SPD meistens an der Regierung beteiligt. Aber nach der nächsten Wahl wird alles besser! Sicher, sicher.

Mit Zahlen hatte es auch der abgetretene Vorsitzende nicht so, was aber offenbar auch für die „Experten“ des Arbeitsamtes gilt.

(Quelle: WAZ) Die Euphorie ist verschwunden, in den Unternehmen herrscht Ernüchterung: Das Qualifikationsniveau vieler Flüchtlinge wurde überschätzt (…).

Doch hoffnungslos ist die Lage nicht. (…) Das belegen erste Zahlen des Bundeswirtschaftsministeriums zur Integration in den Arbeitsmarkt: „Die vielen Menschen, die nun in Ausbildung und Arbeit sind, zeigen, dass wir trotz aller Schwierigkeiten Erfolgsgeschichten schreiben können, wenn wir uns anstrengen und etwas dafür tun“, sagte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) dieser Zeitung. Er bezog sich auf die Bilanz des von seinem Ministerium geförderten Programms „Willkommenslotsen“: Innerhalb von zehn Monaten wurden 3441 Flüchtlinge in Betriebe vermittelt.

Experten der Bundesagentur für Arbeit schätzen, dass nach fünf Jahren erst die Hälfte der Flüchtlinge einen Job haben wird.

Abgesehen von recht debil klingenden Begriffs „Willkommenslotsen“ klingt das alles nicht sonderlich plausibel. 3.441 Menschen in zehn Monaten und in fünf Jahren wird es die Hälfte der Flüchtlinge sein. Vielleicht sollte man weniger Zeit mit der Schöpfung unnötiger Wortkreationen und mehr Zeit mit den Fakten verbringen. Das ist nicht immer schön, aber es könnte helfen. Dann muss man auch nicht innerhalb von ein paar Monaten alles wieder vergessen, was man dem Volk erzählt hat. 

Die Auflösung der alten politischen Strukturen in Europa und die vor einigen Jahren begonnene Auflösung der Eurozone und der Europäischen Union wird nicht stoppen. Dieser Prozess wird sich eher beschleunigen.

Daran lassen schon die Umfragen und die langfristigen Veränderungen in vielen europäischen Ländern keinen Zweifel. Es handelt sich bei Le Pen in Frankreich, Wilders in Holland, der FPÖ und offenbar auch bei Grillos Movimento 5 Stelle in Italien nicht um die vielbeschworenen Eintagsfliegen sondern offenbar, wie in den USA, um einen poltischen Umbruch.

Die mediale Darstellung mag das kleinreden wollen, das liegt jedoch eher an der Abhängigkeit vom alten System mit seinen Pfründen. Nur so kann man auf die Idee kommen, dass es schlecht für die Pressefreiheit ist, wenn Trump 600 Vertreter der Medien ins Weiße Haus strömen lässt, darunter auch viele unabhängige Blogger, und nicht die ewig gleichen ausgewählten Zeitungen. Wie lange dies bei kritischer werdender Berichterstattung der Unabhängigen aufrecht erhalten wird, muss man abwarten, generell ist aber die Erweiterung des Adressatenkreises das Gegenteil der Einschränkung der Pressefreiheit.

Die kommenden Wahlen in Europa haben das Potenzial, das schon wacklige Gebilde EU an seine Belastungsgrenze zu führen. Die Vison, das Konstrukt könne auch unter den neuen Führungen weiterhin in der bisherigen Form existieren ist grotesk. Um sich dessen bewusst zu werden, genügt ein Blick auf die teils vollkommen unterschiedlichen Ziele und Ideen der neuen starken Kräfte in den einzelnen Staaten.

Natürlich gibt es Schnittmengen zwischen den einzelnen Bewegungen, aber diese finden sich vor allem in der Einigkeit über das Scheitern des Konstrukts „Euro“, in der Abkehr von der aus dem Ruder gelaufenenen political correctness sowie der Forderung nach mehr nationaler Souveränität. Wie man daraus einen Einheitskuchen backen will erschließt sich dem Betrachter nicht.

Die derzeitige Erholung des Euro wird von einigen bereits als Wiederauferstehung gefeiert. Nun ist ein gesunder Optimismus sicherlich förderlich für ein zufriedenes Leben, jedoch schadet auch ein gewisser Faktenbezug selten. Dazu gehört es auch, sich einzugestehen, dass die Bewertung einer Währung schon ohne Auflösung des hinter ihr stehenden Staatenverbundes eine Kunst für sich ist. Wie aber soll man den Euro bewerten, wenn man nicht weiß, welches Land das Korsett abstreift?

Bleibt Deutschland an Bord und Italien tritt aus? Oder tritt Deutschland aus und geht mit Holland, Belgien und Österreich einen eigenen Weg? Schwer zu sagen. Festzuhalten bleibt, die Welt wird auch ohne Euro nicht untergehen und es gibt durchaus viele Möglichkeiten die Währungsräume in Europa neu und sinnvoller zu gestalten, als es mit dem Euro der Fall ist. Möglicherweise dämmert dies ja bereits dem einen oder anderen.

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3 Kommentare auf "Dämmerung im Abendland"

  1. Diederich Heßling sagt:

    Oder auch Götterdämmerung…
    Die westliche Welt ist im Untergang begriffen, das ist unabwendbar. Jetzt werden die Aufdeckungen in den USA beginnen, danach in Westeuropa. Und dann wird das heutige System innerhalb Tagen in sich zusammenfallen. Es wird unermeßliches Leid geben, aber danach kann ein neues Zeitalter beginnen. Eines ohne Demokratie, diese Staatsform wird für immer untergehen. Zu Recht, der Beweis dafür wird in den nächsten Tagen und Wochen erbracht werden. Lernt das beten!

  2. Reiner Vogels sagt:

    Der belgische Althistoriker David Engels hat auf die verblüffenden Parallelen zwischen der heutigen Zeit und dem 1. Jahrhundert v. Chr. verwiesen, in dem die alte römische Republik zerfallen ist, so daß am Ende nach Jahrzehnten der Bürgerkriege das imperialen Kaiserreich unter Augustus zur Macht kam.

    Auch damals gab es eine Globalisierung, die den Mittelstand entwurzelte und verarmte: Aus den vielen eroberten Kolonien strömten billiges Getreide, das die römischen Bauern in den Konkurs trieb (siehe heute die Verlagerung von Arbeitsplätzen in Niedriglohnländer), und in großer Zahl Sklaven ins Land, mit deren Hilfe die reichen Großgrundbesitzer riesige Plantagen mit „Beschäftigten“ im „Niedriglohnsektor den Markt aufmischen und die Bauern ebenfalls in den Ruin treiben konnten. Die entwurzelten und ihrer materiellen Grundlage Beraubten strömten dann als Proletarier in den Städte und bildeten ein wachsendes Heer von Hilfsbedürftigen.

    Und natürlich entstand dann die politische Bewegung der „Populares“ – heute spricht das Ancien Régime von „Populisten“ – die den städtischen Proletariern eine Bodenreform mit Verteilung von Ackerland an die Armen und subventionierte Getreidelieferungen versprachen. Bekannte Namen aus dieser Populistenbewegung sind etwa die Gracchen, Caesar, Antonius und Augustus.

    Natürlich wiederholt sich Geschichte nicht. Aber die Parallelen sind doch frappierend.

    In Rom haben am Ende die alten Eliten verloren und die Populares gesiegt. Allerdings war es ein Scheinsieg. Es führte dann auch zur absoluten Herrschaft eines Kaisers.

    Alles spricht dafür, daß auch heute die sogenannten „Populisten“ den alten Eliten den Garaus machen. Trump ist das erste Beispiel, andere dürften folgen. Daß dann wirklich das Reich der Gerechtigkeit, der Herrschaft des Rechts und von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit anbricht, kann bezweifelt werden. Auf die französische Revolution folgte bekanntlich Napoleon.

  3. Aristide sagt:

    Ich fordere Fähren für deutsche Politiker! Der Fährmann kostet auch nur einen Obolus. 😉

    Aber mal im Ernst. Nicht nur die Politiker leiden an politischer Demenz. Bei den Wählern sieht es kaum besser aus. Oder wie ist sonst die „Begeisterung“ für den Eurokraten Schulz zu erklären, der eine Partei vertritt, die als Mittäter zu gelten hat?

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