Da sind sie – die Schwierigkeiten

19. Januar 2009 | Kategorie: Kommentare

Nachdem in dieser Woche das Ifo-Institut den Aufschwung offiziell beerdigt hat, und seit ein paar Wochen das Wort aus dem Sprachgebrauch verschwunden ist, machen größere Schwierigkeiten die Runde. Gewinnwarnungen lösen jetzt Rekordergebnisse ab, die Kosten beginnen sichtbar zu drücken, die Preise steigen allerorten, wie die Galle derer, die die Zeche dafür zu zahlen haben. Für Adidas ist die Produktion in China inzwischen zu teuer geworden, sagt der Chef. Der Überflieger Air Berlin ist in Turbulenzen geflogen, hebt die Preise an und dünnt das Streckennetz aus…

Die Versicherungsbranche steht im Feuer. Bei Münchener Rück, Hannover Rück und Ergo brechen die Gewinne weg. Wer ist der nächste? Wetten werden jetzt auf die Allianz angenommen und vor allem auf die deutschen Banken. Die Beteiligung am US-Vermögensverwalter PIMCO dürfte der Allianz keine Freude bringen, schließlich ist PIMCO zu über 50 Prozent im Hypothekensumpf gefangen, erzählen sich die Händler auf dem Frankfurter Parkett. Sie vermuten auch, dass der Kauf der American Re durch die Münchener Rückversicherung ein Fehler war. Hat das Sorgenkind vielleicht nicht nur Masern, sondern sogar Knochenschwund? Hat man hier Probleme, oder hat die weltweite Nummer 2 wie schon damals vor Jahren zu teuer in den Aktienmarkt eingekauft? Oder beides? Man weiß es nicht.

Neu ist, dass der Einzelhandel nun offiziell S.O.S. funkt, trotz der optimistischen Töne im Frühjahr. Metros Real-Märkte fahren Verluste ein. Schlagseite hat der Sommerschlussverkauf. Trotz gestiegener Preise gehen die Einzelhandelsumsätze zurück. Selbst Bier wird weniger getrunken. Der Kreditzyklus ist sichtbar am Kippen, bzw. ist längst gekippt. Das Geldmengenwachstum in der Eurozone nimmt ab. Es wurde mit +9,5% im Juni ausgewiesen und zeigt deutliche Spuren in der Kreditvergabe an Private und Firmen. Die Milch, die die Wirtschaft in Schwung gehalten hat wird sauer.

Zu erwarten wäre, dass neben BMW, Siemens, Infineon und der Deutschen Telekom aus dem DAX bald überall Arbeitsplätze gestrichen werden, auch im Mittelstand. Das wird nicht in den Zeitungen stehen. Vollbeschäftigung ade, wenn überhaupt jemand an der Machbarkeit dieses Vorhabens geglaubt hat. Wer auf die aktuelle Zahl von 3,3 Millionen Arbeitslose vertraut, glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten.

Auch die Bankberater, die Kleinen am Tresen, berichten von einer allgemeinen Verweigerung, sich an der Börse zu engagieren. Wie wollen die armen Bankberater ihre Vorgaben für 2008 schaffen? Banker sagen, wenn gewisse „Ziele“ nicht erreicht werden, wird der Bonus gekürzt oder gestrichen. Heute befürchten die ersten, dass Stühle wackeln, wenn nicht genügend Fonds, Zertifikate und Finanzierungen verkauft werden. Doch mit welchen Argumenten soll man das als Bankberater gerade jetzt tun?

Ach ja, die Schweizer Nationalbank hat im ersten Halbjahr 68 Tonnen Gold verkauft. Insgesamt 250 Tonnen will sie in diesem Jahr loswerden. Die aus dem Erlös gekauften Dollar wollen auch nicht so richtige Freude aufkommen lassen. Doch warum nicht weiter gutes Geld dem Schlechten hinterherwerfen? Seit die Schweiz dem IWF beigetreten ist, strömt das Gold wie süßer Brei aus den eidgenössischen Bunkern. Wer aber diese 68 Tonnen gekauft hat, erfährt man natürlich nicht. Vielleicht erklärt sich daraus auch der Preisrückgang in den letzten Tagen? Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Seltsamerweise fällt der Goldpreis in den letzten Tagen immer gegen 14 Uhr und in einer zweiten Welle am frühen Abend. Ob der Käufer oder der Verkäufer der Klügere ist, das wird man in ein paar Jahren feststellen. Bislang waren die Käufer klüger als die Verkäufer. Doch wo steht geschrieben, dass Notenbanken klug sein müssen?

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