Crashtest für die Produktion

18. Juli 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Bankhaus Rott) Der Kern der Eurozone fault weiter vor sich hin, während in der Peripherie der Sinn von Steuerzahlungen von vielen offen angezweifelt wird. Die Nachfrageeinbrüche zeigen sich weiterhin vor allem bei hochpreisigen Konsumgütern. Für die europäischen Automobilhersteller braut sich der perfekte Sturm zusammen und in Frankreich hat die Regierung nichts Besseres zu tun, als zusätzliche Segel in den Wind zu hängen …

Der fortschreitende Einbruch der Autoabsätze ist für die beiden größten Volkswirtschaften der Eurozone von besonderer Bedeutung, ob man Autos mag oder nicht. Sehr viele Menschen sind immer noch bei den Fahrzeugherstellern direkt oder bei Zulieferern beschäftigt. Die bereits jetzt bestehenden Überkapazitäten in der Branche lassen sich weder schnell reduzieren noch sind sie flexibel anderweitig einsetzbar. Mit bestehenden Überkapazitäten in eine Rezession mit fast beispiellosen Umsatzrückgängen zu segeln ist ein gefährliches Abenteuer.

Besonders hart dürfte es in dieser Regatta um das ökonomische Überleben neben den deutschen Herstellern die Franzosen erwischen. Die PSA Peugeot Citroen Gruppe reagierte unlängst auf den drastischen Einbruch des Automarktes. Bedenkt man, dass die Rezession in Europa erst begonnen hat, so kann man sich vorstellen, was noch an weiteren Schritten auf die Autoindustrie zukommt.

In der Pressemitteilung von PSA heißt es:

(psa-peugeot-citroen.com)To restore its competitiveness and secure its future, PSA Peugeot Citroën presents a project to reorganise its French production base and redeploy its workforce

  • Sustained contraction in European demand: down 8% in 2012 and down 23% between 2007 and 2012
  • Worsening overcapacity in the Group, with the European plants running at 76% utilisation in first-half 2012
  • The Group will report a net loss for first-half 2012
  • Reorganisation of the manufacturing operations and redeployment of the corporate workforce

Das klingt selbst in der üblichen Behördensprache nach einer ernstzunehmenden Schieflage im Hause PSA. Die Aktionäre wissen das schon länger. Angesichts solcher Entwicklungen dürfte man sich in den kommenden Jahren auch über eine Insolvenz nicht wundern. Aber die französische Regierung dürfte vor dem Kollaps des Unternehmens noch einige Male tief in die Taschen der Steuerzahler greifen.

Die Gewerkschaften werteten die Umstrukturierungserklärungen in gewohnter Manier als „Kriegserklärung“. Ob man in diesem Lager annimmt, das Unternehmen hätte mit Absicht weniger Autos verkauft? Mit Lohnerhöhungen wird man das Problem der Überkapazitäten jedenfalls nicht lösen. Wie auch immer die Schlachten verlaufen werden, spätestens mit einer Insolvenz endet auch dieser der Krieg.

Spannend ist die Situation auch für Anleihebesitzer. So wird Peugeot selbst bereits seit längerem als non-Investment-Grade eingestuft. Die Tochter Banque PSA hingegen wird nach wie vor besser bewertet und befindet sich somit in zahlreichen Depots von Pensionskassen und Versicherungen. Sollte ein Downgrade dieses Emittenten in das High-Yield-Segment erfolgen, so würde es zu einem weiteren sell-off dieser Papiere kommen. In Zeiten extrem geringer Liquidität am Corporate Bond Markt sollte diese Bewegung deutlich ausfallen. Der daraus resultierende Renditeanstieg käme zur Unzeit und wäre für die Firma ein weiterer schwer verdaulicher Brocken.

Neben der seit Jahren desolaten Finanzausstattung der in Frankreich ansässigen Fahrzeughersteller werden sich die fatalen Fantasien des Monsieur Hollande als weiterer Sargnagel herausstellen. Besonders hervorzuheben ist die Forderung, Entlassungen sollen so teuer gemacht werden, „dass sie sich für die Unternehmen nicht mehr lohnen“. Das heißt im Umkehrschluss, der Verlust aus der Weiterbeschäftigung soll tiefer liegen als die staatlich verordneten „Entlassungsgebühren“. Geht es dem Unternehmen dann noch schlechter und die Verluste pro Mitarbeiter steigen, müssten die Strafkosten weiter angehoben werden. Chapeau!

Eine absurde Idee, schließt man so völlig unabhängig vom Geschäftsverlauf einen Stellenabbau per Dekret aus. Egal ob sie eine Million oder fünf Millionen Autos herstellen, die Anzahl der Angestellten darf nicht sinken. Aus einem Arbeitsplatz wird ein Art Ehe zwischen Firma und Arbeitgeber, die entweder mit der Insolvenz des Unternehmens oder mit dem Ableben des Angestellten endet. Das scheint einer jener feuchten Träume salonkommunistischer Prägung zu sein, die schon das Wort Gewinn mit Sklaverei gleichsetzen. Dummerweise aber wenig überraschend wird kein Vorschlag mitgeliefert, wie man die Belegschaft aus den auflaufenden Verlusten entlohnen soll.

Unternehmen werden in einem ersten Schritt Entlassungen vornehmen, bevor derartige Gesetze in Kraft treten. Besser später nochmal jemanden einstellen, oder – was wahrscheinlicher ist – weitere Prozesse auslagern. Sollen sich doch andere mit den politischen Theorien herumschlagen. Die Verlagerung wird natürlich bei herrschender Gesetzeslage nicht innerhalb Frankreichs geschehen, denn dort wären alle Unternehmen betroffen.

Mit Neueinstellungen werden sich die Firmen fortan schwerer tun als dies im rezessiven Umfeld ohnehin der Fall ist. Zudem werden Unternehmen rasch vor existenzielle Probleme gestellt, wenn zum Beispiel – was gerade passiert – der globale Automarkt vor einem drastischen Einbruch steht. Weniger Einnahmen bei stabilen Kosten, da klopft schnell mal der Insolvenzverwalter. Vermutlich aber hat Monsieur Hollande schon ein weiteres Patentrezept zur Hand und verbeamtet alle Angestellten der Autounternehmen.

Auch in Deutschland wird man sich dem zyklischen Sog schrumpfender Autoabsätze nicht entziehen können. So bemerkenswert auch viele Forschungsprojekte in der Fahrzeugindustrie sein mögen, die Frage ist, wer braucht den ganzen Schnickschnack und wer kann ihn sich dauerhaft leisten? Die implizite und explizite staatliche Förderung des Sektors durch allerlei Maßnahmen von der Abwrackprämie bis zu dubiosen „Umwelt“-Gesetzen, die lediglich zu häufigeren Neuwagenkäufen zwingen sollen, wird scheitern. Bleiben werden wie bei jeder Fehlallokation massive Überkapazitäten. Mit ihren horrenden Fixkosten geraten da auch vermeintlich stabile Dickschiffe der Branche schnell ins Schlingern. Wer weiß, wem in zehn so manch deutsche Automarke Jahren gehört und wo die Wagen zukünftig zusammengeschraubt werden.

So langsam dämmert auch der deutschen Industrie das drohende Ungemach, und folgerichtig ist die optimistische Fata Morgana in sich zusammengebrochen. Wie in Deutschland üblich war für die Graustufen zwischen Jubel und Depression auch diesmal kein Platz.

Der schlagartige Rückgang der Hosianna-Rufe ist wenig erstaunlich. Wundern darf man sich bestenfalls, warum es immer ein halbes Jahr dauert, bis auch in Deutschland der Wecker klingelt. Die zeitliche Verzögerung, mit der ein Exporteur auf eine ernstzunehmende Rezession in seinen Abnehmerstaaten reagiert, ist beileibe keine neue Erkenntnis.  Der deutsche Export lief in den letzen Jahren wie der Coyote aus den Roadrunner Cartoons über die Klippe hinaus einfach weiter. Allzu lange dürfte die heiße Luft nicht mehr tragen.

Nach dem vermeintlichen XL-Aufschwung kommt nun der reale XL-Kater. So hat der deutsche Einkaufsmanagerindex im Juni gleich mal ein frisches Dreijahrestief markiert. Nicht nur die Auftragseingänge verbreiten eine bemerkenswerte Trübsal. Mittlerweile bewegen sich die meisten Wirtschaftsindikatoren wieder in Regionen, die an den Beginn der akuten Krise erinnern. Das war vor allem für produzierende Betriebe kein Zuckerschlecken, viele Beschäftigte werden sich noch an den ungewohnten Zustand als Kurzarbeiter erinnern.

Es geht nun wieder von vorne los, nur dass in der Zwischenzeit die öffentliche Schuldenstände noch einmal drastisch gesteigert wurden und kein einziges strukturelles Problem gelöst wurde. Der Bankensektor ist noch kaputter als er es vor vier Jahren war und vor lauter Milliardenversprechen, weiß im Grunde niemand mehr, wo das Geld eigentlich wirklich einmal herkommen soll. Die neuen Wellen der Krise werden somit leider auf wesentlich weniger seetaugliche Schiffe treffen. Es wäre in diesen Zeiten schon viele gewonnen, wenn nicht vor lauter Panik auch hierzulande der neue „französische Weg“ beschritten würde, denn das Scheitern derartiger Fantasien wird nicht lange auf sich warten lassen. Es wird sehr teuer werden.


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19 Kommentare auf "Crashtest für die Produktion"

  1. Johannes sagt:

    Vielen Dank, Bankhaus.

    Hatte ich „damals“ also doch recht, als ich so ziemlich als einziger der Meinung war, Deflation/ Rezession sollte nicht ausgeschlossen werden. Da haben alle nur noch von Inflation gesprochen und wie hoch diese werden wird.

    Für mich stellt sich nun die Frage, zu welchem Zeitpunkt ich mein verkauftes Silber wieder rückkaufen soll.

    Ein „charttechnischer Ausbruch“ nach oben scheint mir zumindest fundamental nach diesem und anderen Berichten, derzeit unwahrscheinlich.

    Ich werde daher in kleinen Schritten wieder kaufen, den absoluten Tiefpunkt erreicht man eh nie.

  2. markku sagt:

    Weitere Quantitative Maßnahmen werden folgen

    Falls die Prognosen des Artikels zutreffen und die Wirtschaft in Euroland tatsächlich derart abkühlt, werden die Notenbanken und /oder der ESM eingreifen. Dies wird einen Boom am Edelmetallmarkt auslösen und ggf. eine Atempause für der Realwirtschaft erzeugen.

    In diesem Geldsystem sind diese Maßnahmen notwendig, um einen deflationären Kollaps zu vermeiden. Keine Regierung wird dieses Risiko eingehen und auch die Notenbank bzw. der ESM hat an diesen Aktionen ein vitales Eigeninteresse.

    Unklar ist also nur, wann diese Maßnahmen kommen: zu erwarten wären sie spätestens (!) wenige Wochen nach Einbruch der Märkte (DAX < 5000), aber sie können auch vorher kommen (FED: Ankündigung Ende Juli?)
    Es ist auch eine weitere Variante vorstellbar, nämlich dass die Maßnahmen zugunsten höherer Ziele bewusst zurückgehalten werden. Idee: Weichkochen der Bevölkerung zur Errichtung der EUdSSR. Dies ist aber nur Spekulation 😉

    P.S.: Mag sein, dass dies den Kollaps nur verzögert und nicht verhindert, aber es wird weiter gekämpft werden (auch wenn der "Krieg" bereits verloren ist). Das Problem ist nämlich, dass dieses Bewusstsein der Bedrohung noch in keinster Weise bei den Menschen vorhanden ist. Würde man also jetzt zu echtem (d.h. gedeckten) Geld zurückkehren, so hätte dies keine Chance, denn der Wohlstand auf Pump ist deutlich bequemer als die Realität. Ergo: erst ein inflationärer (!) Kollaps des FIAT-Moneys kann zu einem Umdenken führen, das auch von der Bevölkerung angenommen wird. Hoffen wir, dass dieser Kollaps nicht alles hinwegfegt.

    P.S.(2): Auch ein Exit Deutschlands aus dem Euro (so wünschenswert das auch wäre, alleine um Entscheidung & Haftung wieder zu vereinen) würde unser Schicksal nicht nachhaltig ändern, denn dann würde nur der USD und die Rest-Eurozone noch eher per Inflation hinweggefegt. Diese Ereignisse würden vermutlich auch in Deutschland alles zusammenbrechen lassen.

    • Otschi sagt:

      Ich stimme Ihnen völlig zu, Markku.

      Wenn – wie dieser wie immer bemerkenswerte Aufsatz von Herrn Ponzi prohezeit – der point of no return überschritten ist, ist es, das wird in den meisten Kommentaren übersehen, völlig einerlei, wieviel Schulden Deutschland hat (noch macht), oder mit wieviel es für wen auch immer bürgt. Denn wenn alle Schulden weg sein werden, werden auch Deutschlands Schulden weg sein.

      Wenn das also richtig ist (point of no return überschritten), dann geht es nur noch darum, Zeit zu gewinnen. Zeit unter anderem auch dafür, denjenigen, die das durchschauen, die Gelegenheit zu verschaffen, ihr Vermögen entsprechend neu zu ordnen. Denn das Vermögen dieser Leute wird nach dem Neustart dringend benötigt, damit Europa erfolgreich in die Gänge kommt.

      Herzliche Grüße

      Otschi

  3. mfabian sagt:

    Auf den ersten Blick erscheint es sinnvoll, angesichts sinkender Umsätze Arbeiter zu entlassen.
    Aber gehen wir gedanklich mal weiter. Es kommt zur Rezession – Tiefpunkt und in ein paar Jahren dann zum nächsten Aufschwung.
    Nun müsste PSA die zuvor entlassenen Arbeiter wieder einstellen.
    Aber sind die noch verfügbar? Und neue Arbeiter auszubilden kostet viel Geld.
    Stellt sich also die Frage, was günstiger ist: Die Arbeiter durch die Krise zu füttern oder sie zu entlassen und später neue auszubilden?

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo mfabian,

      in konjunkturellen Dellen mag es sinnvoll sein, Fachkräfte zu halten. In einem Strukturwandel funktioniert das nicht. Stellen Sie sich einmal vor, in Deutschland hätte man – mehr als dies ohnehin geschehen ist – alle Kohlearbeiter dreißig Jahre finanziert. Ein solcher Ansatz zielt immer auf den Erhalt des status quo ab und lebt von der Hoffnung, dass die Umsätze einer bestimmten Branche nur temporär aber nicht dauerhaft fallen können. Das mag menschlich sein, funktioniert aber nicht dauerhaft.

      Einmal abgesehen davon stellt sich die Frage, wer das Ganze finanziert? Peugeot kann es nicht zahlen. Der Konzern verbrennt seit Mitte 2011 pro Monat(!) 200 Millionen Euro und das bei wachsenden Überkapazitäten. Das Unternehmen ist so auf dem besten Wege in die Insolvenz.

      Die Autohersteller in Europa sollten sich damit anfreunden, dass die Branche in der bestehenden Größenordnung vor Ort nicht zu halten ist.

      Beste Grüße
      Bankhaus Rott

  4. Wollen sagt:

    Entlassen Ala dreißiger Jahre, wo die Kaufkraft derartig nach unten sackt..,nene falsche Optionen.
    Wenn man ehrlich ist, Neckermann Otto sind veraltete Strukturen,online Shopping völlig verschlafen.Manche Konzerne sind schlicht zu groß gewachsen..
    Wenn man neuen wirtschaftlichen Wohlstand möchte, gehört es dazu vorher auf ein mindest Maß zurückzuregulieren, ohne dabei die Mehrheit der Menschen zu schädigen,denn sie haben ja den bisherigen Wohlstand auch erwirtschaftet
    glaub nicht wirklich das Es den Menschen hier in Deutschland materiell schlecht geht,wenn dann sind es verzehrte Wandbilder, die gemalt werden, ach mir geht ja so schlecht hab einen Arbeitsplatz,Auto ,Familie , Wohnung, Kinder kleinen Kredit am laufen..,keine Ahnung.
    Uns geht es gut, nur der Neid ist groß anscheinend gegenüber andern.
    Wenn die Kaufkraft eliminiert wird durch den Niedriglohnsektor braucht sich niemand wundern, wenn keiner mehr richtig einkaufen geht.
    Die Politiker scheinen es ja besser zu wissen,denn Sie sind es die Grundlagen dafür schaffen, wie Menschen in ihrem Land leben…

  5. Stuelpner sagt:

    @Otschi
    „Wenn – wie dieser wie immer bemerkenswerte Aufsatz von Herrn Ponzi prohezeit – der point of no return überschritten ist,…“
    Ich denke der Punkt ist nicht erst seit heute überschritten.
    „…ist es, das wird in den meisten Kommentaren übersehen, völlig einerlei, wieviel Schulden Deutschland hat (noch macht), oder mit wieviel es für wen auch immer bürgt. Denn wenn alle Schulden weg sein werden, werden auch Deutschlands Schulden weg sein.“
    Und nur so ist Witschaft-Politik zu verstehen, ob ich nun mit 300Mrd. oder 3Bio. in die Pleite gehe ist relativ egal. Bin mir nur nicht sicher ob man die „Bürgenschaften“ so einfach mit in dieses Loch schmeißen kann, m. E. sind die irgendwie immer übrig geblieben.
    „denjenigen, die das durchschauen, die Gelegenheit zu verschaffen, ihr Vermögen entsprechend neu zu ordnen“ Wie denn denn das? Der Normalo wird kein Vermögen mehr haben und solche wie Zumwinkel werden ihr Vermögen wohl kaum zum Wohl der Allgemeinheit wieder einsetzten, wenn dann nur bei neuen Zockereien. Wo steht das EU erfolgreich in die Gänge kommen soll, für Nachhaltigkeit bzw. Vorsorge wurde ja nun überhaupt nicht getan.

    @Wollen
    „Die Politiker scheinen es ja besser zu wissen,denn Sie sind es die Grundlagen dafür schaffen, wie Menschen in ihrem Land leben…“
    Die Menschen interessieren die einen Dreck, für sie mit ihrem lobbyistischgestützen Rückrad, ist es entscheident wie sie sich zur „untergewichtigen jungen Dame“ für die Wirtschaft machen, die wiederum selbst keinen Plan haben, wenn man sieht welchen Schei… die verzapfen.

    @Johannes
    in eine Deflation hinein sollte man, glaube ich gar kein Zeug zurückkaufen, da doch in der Situation Bargeld am wertvollsten ist. Wenn die Inflation kommt (die laut Ihnen) nicht kommt, dann kann man anfangen zurück zukaufen. Ergo keine Inflation -> kein Rückkauf
    „Ein “charttechnischer Ausbruch” nach oben scheint mir zumindest fundamental nach diesem und anderen Berichten, derzeit unwahrscheinlich. “
    Denke ich auch, wäre für eine Deflation eher untypisch, also wieder kein Grund zum Rückkauf.

  6. MARKT sagt:

    hier wird wieder einmal Wohlstand mit der gestiegenen Bereitschaft Kredite aufzunehmen verwechselt.

    Aber nennen Sie es Wohlstand, bedenken Sie aber dabei das der keine Zinsen kostet. Und unser (Schein) -Wohlstand kostet enorme Zinsen.

    Und zwar auch für die, die derzeit keine direkten Kredite aufgenommen haben.

    Aber einfach mit dem Elementaren unseres Kreditgeldsystemes beschäftigen, dann bestehen noch Chancen.

    @Stuelper

    doch ein Rückkauf kann auch unter annahme deflationären Tendenzen durchaus Sinn machen, wenn mann nicht auf den schnellen Kursgewinn aus ist, was ich eigentlich bei „richtigen“ physischen Investoren voraussetze.

    Denn weder schliesst eine deflationäre Phase eine inflationäre „Endphase“ noch eine spätere Währungsreform aus. Und somit kann ein Vermögenserhalt über diesen Weg durchaus angestrebt werden. Aber nur mein Gedankengang.

  7. Stuelpner sagt:

    @Markt
    vollkommen richtig, mit jeder Rolle Klopapier was wir kaufen bezahlen wir die Zinsen der anderen mit und uns wird wieder etwas genommen für die Reise von unten nach oben.

    „Denn weder schliesst eine deflationäre Phase eine inflationäre “Endphase” noch eine spätere Währungsreform aus.“
    Nicht ich bin der Meinung das keine Inflation kommt, sondern Johannes. Deiner gemäßigten Darstellung stimme ich durch aus zu. Gleichwohl ich eher eine inflationäre Deflation für wahrscheinlich halte (oder wie man diese Qualität nennt) Viele Sachen werden teuer z.B. Energie andere wie gehabt billiger z.B. Konsumgüter vielleicht sogar ein Teil der Lebensmittel.
    „Und somit kann ein Vermögenserhalt über diesen Weg durchaus angestrebt werden.“ Wieder so ein gemäßigter Satz 😉
    Man sollte schon in Sachwerte investieren, wenn man eine Inflation (die kommen muss) für möglich hält. Entweder kauft man 100 Kühlschränke und verkauft sie später wieder oder eben das Zeug das mit der Zeit schwarz anläuft, igit. Manche zählen sogar Aktien hinzu, da sollte man aber noch ein Mindestmaß an Vertrauen in Banken aufbringen oder muss direkt kaufen und das echte Papier heimschleppen.

    „Aber einfach mit dem Elementaren unseres Kreditgeldsystemes beschäftigen, dann bestehen noch Chancen.“
    Das ist ja laut Henry Ford schon ein Aufruf zur Revolution, zur Störung unserer „freiheitlichen Demokratie“ 😉

    • MARKT sagt:

      ja richtig.

      ich oute mich hiemit etwas.
      Ich bin Honorarberater und ein (ganz kleiner) Fondsmanager.
      Mein Mandantenkreis liegt überwiegend im Einkommensbereich 50.000-250.000,- € Haushaltseinkommen.
      Die Leute interessiert (leider) das System überhaupt nicht.
      Sie orientieren sich am unmittelbaren Umfeld und am Mainstream. Selbst dann, wenn ihnen ihr Gefühl etwas ganz anderes sagt.
      Deshalb bin ich auch überzeugt davon, dass , sollte eine Revolution tatsächlich irgendwann einmal kommen, Sie sich gegen den oder das Falsche (n) richten wird.

      Im übrigen bin ich wohl hier neben Avantgarde, wohl einer der wenigen, der eine lange deflationäre Phase mit kurzen Unterbrechungen schon sehr lange für das wahrscheinlichste Szenario in den kommenden Jahren hält.
      Mußte dafür auch schon einiges an Kritik einstecken, auch vom Chef.
      Aber nichts für ungut, habe ja ein dickes Fell.

      • Avantgarde sagt:

        „Im übrigen bin ich wohl hier neben Avantgarde, wohl einer der wenigen, der eine lange deflationäre Phase mit kurzen Unterbrechungen schon sehr lange für das wahrscheinlichste Szenario in den kommenden Jahren hält.“

        Ja -wir beide und @Fnord.

        Wenn man das Kreditgeldsystem ernst nimmt und es nicht mit einem Papiergeldsystem verwechselt kann man meiner Meinung nach auch nur zu dieser Ansicht kommen.

        Es sei denn die Fed oder EZB würden tatsächlich Banknoten drucken und diese direkt ohne Gegenleistung in die breite Bevölkerung verteilen – dann müsste ich meine Meinung revidieren.
        🙂

  8. markku sagt:

    Hi Markt,

    die Annahme einer deflationäre Phase klingt für mich nur teilweise plausibel, denn man muss zwischen Konsumgütern und Investments (Immobilien, Gold, mit Einschränkung auch Rohstoffe, Aktien, …) unterscheiden:
    – Konsumgüter (bis auf Rohstoffe) bleiben b.a.w. billig
    – Investments werden schubweise teurer, nämlich genau dann, wenn weitere quantitative Maßnahmen ergriffen werden oder die Konjunktur (scheinbar) wieder anspringt. Diese Maßnahmen müssen wie Drogenkonsum immer wieder und in höheren Dosen durchgeführt werden, sonst bleibt der gewünschte Effekt (Vermeidung Depression) aus.

    Daher kann ich mir für Investments keine längere deflationäre Phase (>1Y) vorstellen. Da ich mich aber auch irren kann, halte ich zur Sicherheit mindestens 50% meines Anlagebetrages in Tagesgeld/Cash.

    PREISFRAGEN:
    1. wie lange können der Staat und die Notenbanken mittels quantitativen Maßnahmen diese Stagflation noch erhalten?
    [das kann m.E. lange gehen, vgl. Japan. Wichtig hierzu wäre, dass die beteiligten Regierungen wenigstens so tun, als wollten sie sparen]

    2. Ist eine (längerer) Preisverfall bei Investments momentan denkbar? Was müsste hierzu passieren?
    [m.E. nicht möglich, denn sobald die Preise einbrechen wackelt das Finanzsystem, sodass die EZB jeden geforderten Betrag liefern wird]

    3. was muss passieren, damit die Teuerung auch merklich auf die Konsumgüter überspringt (=> Beginnende Hyperinflation?)?
    [Idee: auch D kappt alle seine Sparziele und weitet den Staatskonsum auf Pump aus (das Geld hierzu kommt direkt oder indirekt von der EZB); dann wäre nach wenigen Jahren die Hyperinflation da!?]

    4. Kommen wir da ohne Reset wieder raus?

  9. Stuelpner sagt:

    @Markt
    „(ganz kleiner) Fondsmanager“
    Dir werde vorrübergehend Gnade gewährt 😉

    „Die Leute interessiert (leider) das System überhaupt nicht.“
    Wieso auch, sie wurden nicht dazu erzogen und mit selber denken und beobachten wird es schwierig, wenn man sich im Hamsterrad mehr Arbeit -> mehr Kredit -> mehr Arbeit und zischen durch Steuern sparen abhetzt. Wer sich das als Lebensziel gestzt hat sieht und merkt nichts anderes mehr. Upps Geldentwertung, aber jetzt erst recht mehr Arbeiten ->….

    „Deshalb bin ich auch überzeugt davon, dass, sollte eine Revolution tatsächlich irgendwann einmal kommen, Sie sich gegen den oder das Falsche (n) richten wird.“
    War das bis jetzt nicht immer so, es nur die erwischt die vorne standen, die wirklichen Schuldigen machen munter weiter.

    „Im übrigen bin ich wohl hier neben Avantgarde, wohl einer der wenigen, der eine lange deflationäre Phase…“
    Nö ganz oben Johannes ist auch ein Deflationist. Die Frage ist doch, wie ist die Definition von „kommenden Jahren“. Das sie kommt ist so sicher wie der nächste Weltkrieg. Kann mir nicht vorstellen das es „viele kommende Jahre“ geht, ist den eine Deflation nicht auch mit Profiteinbußen in der Wirtschaft und bei den Banken verbunden?!
    Sollten wir nicht 2016 die Talsohle erreicht haben? Dann gehts wieder aufwärts, für die die es überlebt haben.

    @markku
    „4. Kommen wir da ohne Reset wieder raus?“
    Das war aber jetzt rein rhetorisch oder? Der 60-70Zyklus läuft doch, bei 70Jahren sind wir bei 2015 ist ziemlich nahe an 2016, also für mich Gesetz. Vielleicht kommt Sylvester 2015/2016 der Reset und Kontratieff hats uns wieder gezeigt.

    • markku sagt:

      Hallo Stuelpner,

      kannst Du uns bitte erklären, warum Du Dich gerade auf 2015/2016 festlegst? Ich kann beim besten Willen nicht abschätzen, ob das noch 3 oder 13 (oder gar 33?) Jahre gut geht.

      Ich sehe, dass die Lage ziemlich verfahren ist: dass viele Strukturen nicht mehr passen, Fehlanreize wohin man schaut, Überregulierung (=> Millionenheer an Arbeitnehmern, die unsinnige Tätigkeiten verrichten) etc, etc. Dazu noch die ganze Verschuldung & Zinsmanipulation sowie eine Bevölkerung, die, entweder aus Unkenntnis oder aus Angst vor dem Crash, die „Rettungsmaßnahmen“ noch gut findet.

      Aber warum sollte das nun genau in 3 Jahren an die Wand fahren?
      Was ist Deiner Meinung nach das Endszenario?

  10. Stuelpner sagt:

    @markku
    „…kannst Du uns bitte erklären, warum Du Dich gerade auf 2015/2016 festlegst?“
    Einerseits würde sich das mit dem Kontratieff Zyklen decken (das Jahr ist wiedermal rum und es ist kalt und Zeit zum Reset) und andererseits gibt es auch weitere „Dinge“ die das Jahr 2016 nennen. Für mich ist das Fakt, für andere sicher nicht, genau wissen wird es ohnehin keiner ausser die die ihren „Anteil“ dran haben (z.B. Fabian)
    Aus heutiger Sicht ist das vielleicht auch nicht zu verstehen, weil es uns ja noch so „gut“ geht, wir sollten aber auch bedenken das sich die Sache exponentiell entwickelt und immer mehr Fahrt auf nimmt.

    • markku sagt:

      Überzeugt mich noch nicht; d.h. mir fehlt das entscheidente Argument, warum das nun innerhalb von 3 Jahren gehen sollte.

      Die Sache mit dem exponentiellen Schuldenwachstum ist nämlich auch nicht ganz so einfach, denn hierzu müsste der Zins konstant (!) sein. Derzeit sehen wir aber, dass die Notenabnken alles daran setzen, die Zinssätze zu senken sodass das exponentielle Wachstum immer mehr abflacht (zumindest in USA, CH, D, J, …). Man darf auch nicht vergessen, dass die Zinsen der Bonds, die die Notenbanken selbst kaufen, bei den Notenbanken landen, sodass der Staat für diese Staatsanleihen gar keine Zinsen an externe Gläubiger zahlen muss (auch in den USA bilden die FED und der Staat eine Art Symbiose!).
      Insofern handeln die Notenbanken aus ihrer Sicht sehr klug (Zinssätze senken, wohl dosierte QE Maßnahmen= zinslose Darlehen!) um ihre Überlebenszeit zu maximieren.
      Ich komme also wieder zum Schluss, dass ich keine Ahnung habe, ob das noch 3 Monate oder 13 Jahre gut geht…

      Liefert die Kontratieff Theorie ein zwingendes Argument?

  11. Lickneeson sagt:

    Monsieur Hollande ist die Führungsfigur, die der Linken in Deutschland fehlt.Mit derlei Kommentaren, „Entlassungen zu verbieten“ qualifiziert man sich für den Posten des Fidel Castro der Wirtschaft.

    Augen zu und durch.Vielleicht könnte man die Angestellten ja in Neuwagen bezahlen. Oder mit gedrucktem Geld.

    Ähnlich der anderen „Global Player“ in anderen Segmenten setzt sich langsam das Gefühl durch, das Outsourcing in Billiglohnländer(Adidas + Co.) zwar die Kosten senkt, gleichzeitig aber die Binnennachfrage drastisch wegbrechen lässt.Turnschuhe, die für ca. 15 Euro in Indien oder Vietnam zusammengeschustert werden landen hier für 150 Euro auf den Gabentischen.

    Der Bedarf für Autos aus Europa sollte dank der Neureichen u. Staatsangestellten in China, Russland und anderen EM-Ländern weiter anhalten, bzw. zunehmen.Solange aber die breite Masse der Bevölkerung zunehmend mit Zweitjobs ihre Hypotheken/Mieten zahlen und aufgrund der Schuldenproblematik sicher nicht 70000 Euro in einen neuen BMW investieren, dürfte neues Wachstum in weite Ferne rücken.

    Vielleicht sollten die Angestellten/ IG Metall mal überprüfen, ob sie in den letzten 20 Jahren nicht völlig überbezahlt wurden, vor allem im Vergleich mit anderen Branchen, denen eine ähnlich starke Lobby fehlt.

    @markt

    „Die Leute interessiert (leider) das System überhaupt nicht.“

    In der Tat.Eine menschliche Eigenschaft.Hauptsache es gibt weiterhin Römer und Wildschweine.

    So, erstmal ein Auto kaufen…

  12. Stuelpner sagt:

    @markku
    „…exponentiellen Schuldenwachstum ist nämlich auch nicht ganz so einfach, denn hierzu müsste der Zins konstant (!) sein.“
    Zinsen bewirken doch in erster Linie auch, dass sich die Geldmenge steigert, also im Grund nichts anderes als frisches ungedecktes Geld zu drucken.
    Außerdem habe ich n i c h t von „exponentiellen Schuldenwachstum“ oder „exponentielle Wachstum“ gesprochen, sondern „die Sache exponentiell entwickelt“ und mit Sache meine ich eher die gesamte Situation mit ihren Problemen, die schließlich zum Reset geführt werden (kein Schreibfehler) oder vielleicht nochmal ein neuer Versuch einer Weiterentwicklung, um dem ewigen Resetzyklen zuentkommen.
    Ich halte es auch eher für unwahrscheinlich, das die Politik, die FED, die EZB und … mit ihren „wohl dosierte QE Maßnahmen“ und ähnlichem (Definition von wohl dosiert !?!) in der Lage sind („ihre Überlebenszeit zu maximieren.“) auf 13 Jahre. Der Rettungsschirm kann bald nicht mehr so schnell größer gehäkelt werden wie benötigt.

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