Crash-Variationen

30. Mai 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Kaum schalten die Aktienkurse den Rückwärtsgang ein, heißt es unter Börsianern: Der Crash kommt. Angesichts der aktuellen Höhe der Kurse und der fundamentalen Überbewertung der meisten Aktien spricht in der Tat einiges dafür, dass es zur Kurswende nach unten kommt…

Doch ein Crash ist mehr, er ist eine finanzielle Katastrophe für die Mehrheit der Anleger, wie weltweit von 1929 bis 1932 oder von 2007 bis 2008. Er kann aber mehr oder weniger auch als Eintagsfliege daherkommen, wie am 19. Oktober 1987. Oder als sogenannter Salami-Crash, wie über mehr als zwei Jahrzehnte lang von 1990 bis 2012 in Japan.

Die Hauptursachen reichen von der Weltwirtschaftskrise zu Beginn der 30er Jahre bis zum Absturz der japanischen Immobilienpreise in den 90er und Nullerjahren. Hinzu kommen Nebenursachen und Ursachen-Verquickungen. So fiel der 1929 begonnene Kurseinbruch deshalb besonders dramatisch aus, weil Großanleger zuvor mit wenig Eigenkapital auf Kredit spekuliert hatten. Und der Absturz der Aktienkurse 2007/08 begann schon im Februar 2007 mit der Kursschwäche an der Börse von Shanghai, bis er mit der Pleite der Bank Lehman Brothers vom Oktober 2008 in sein Finale mündete.

Aus alldem folgt: Der nächste Crash – wann immer er einsetzen und wie dramatisch er ausfallen mag – wird sich erst dann nach Ursachen und Wirkungen erklären lassen, nachdem er stattgefunden hat und zum Abschluss gekommen ist. Das sollte uns allerdings nicht daran hindern, im Vorfeld über mögliche Ursachen nachzudenken:

Von der Überbewertung der Aktien war bereits die Rede. Aktuell hat das amerikanische Trump-Theater das Zeug in sich, die Aktienkurse drüben und in deren Gefolge auch in Europa und Asien nach unten zu ziehen. Abgesehen von weiteren politischen Konflikten, wie dauerhaft im Nahen Osten, wie USA/Nordkorea wegen der Raketentests oder Japan/China wegen der Inselansprüche fernab der chinesischen Küste, gibt es auch ernst zu nehmende wirtschaftliche Auseinandersetzungen.

Man denke nur an die Neiddebatten um den deutschen Exportüberschuss, unter anderem angefacht vom Internationalen Währungsfonds, in dem die USA das Sagen haben. Erinnert sei ferner an die zum Platzen verurteilten Träume des neuen französischen Präsidenten, an den nicht rückzahlbaren Schuldenberg Italiens, aber auch an die explorierenden finanziellen Lasten Deutschlands wegen der hierher strömenden, schlecht bis gar nicht ausgebildeten und von Hartz IV lebenden Ausländer aller Couleur.

Es gibt also zur Genüge mögliche Crash-Auslöser. Besonders deren Zusammenwirken ist fatal, weil unberechenbar. Und weil jeder Crash eine Eigendynamik entwickelt, kann man sein Ausmaß nicht abschätzen. Doch abgesehen von der Kurskatastrophe aus Anlass der Weltwirtschaftskrise und vom langjährigen japanischen Kursverfall ging bislang jeder Crash spätestens nach zwei Jahren zu Ende. Der vom 19. Oktober 1987 einschließlich weniger Wochen zuvor und danach war der kürzeste.

Was bedeutet das alles aus heutiger Sicht für Anleger, deren Vermögen zum größten Teil aus Aktien besteht, und was für Anleger, die nur wenige oder gar keine Aktien besitzen? Zwar ist eine pauschale Antwort nicht möglich, weil jede Aktie ein Unikat ist.

Aber es gibt Indikatoren, die allgemeine Überbewertungen widerspiegeln, wie ein hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bei fundamentaler Betrachtung, wie das mögliche Ende der lockeren Geldpolitik aufseiten der monetären Faktoren oder wie eine fast senkrecht steigende Entwicklung aus kurstechnischer Sicht. Doch das KGV mag noch so hoch sein – solange die Geldpolitik locker bleibt und ein nahezu senkrechter Kursanstieg nicht zu erkennen ist, lässt der Crash auf sich warten.

Wer viele Aktien besitzt, kann sich von der einen oder anderen überbewerteten trennen, ohne allerdings gleich in einen Verkaufsrausch fallen zu müssen. Gewinne laufen lassen, sagt man dazu an der Börse.

Und wer nur wenige bis keine Aktien besitzt? Da es sich bei diesem Typus erfahrungsgemäß um risikoscheue Anleger mit wenig oder gar keiner Börsenerfahrung handelt, seien sie vor Aktienkäufen auf dem aktuellen Kursniveau trotz der Möglichkeit kurzfristig weiter steigender Kurse dringend gewarnt. Das gilt im Übrigen ganz besonders für ETF (Indexfonds), für die sich die Zeitschrift Finanztest in ihrer aktuellen Ausgabe auf einem Dutzend Seiten stark macht.

© Manfred Gburek – Homepage

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