Crash nach oben!

3. November 2013 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Der Oktober gilt an der Börse normalerweise als Crash-Monat. So auch in diesem Jahr – nur crashte der DAX nach oben. Jeden Tag neue Rekorde dank der lockeren Geldpolitik…

Man hat den Eindruck, an den Finanzmärkten wird kostenloses Essen verteilt, während die Tafeln ihren ganz eigenen Boom erleben. Der DAX gilt al Maßstab und das ganze Blah Blah um ihn herum. Die Experten werden gefragt: Wachsen die Bäume weiter in den Himmel? Jein! Sie tun das, wenn sie weiter gut gedüngt und gewässert werden.

Ach, so so eine „Krise“ hat schon was – zumindest eine Alibifunktion für billiges bzw. bald noch billigeres Geld? Wenn es schief geht, gibt es neue und noch größere Rettungspakete und dann auch noch höhere Kurse. Herrlich! Reiche werden reicher und der Rest bezahlt. Der DAX als Maßstab ist zu einer Fata Börsiana verkommen, zumindest wenn man ihn mit dem gesellschaftlichen Reichtum verwechselt. Die Börsen haben derzeit so viel mit Wirtschaft zu tun wie Ostereier mit Halloween.

Es ist das Geld, was jedes Boot hebt. Manches schneller, manches langsamer. Nein, wir haben doch gar keine Inflation, haben wir in dieser Woche wieder gelernt. Super! Einer weiteren Zinssenkung in Richtung Null steht damit ja nichts mehr im Wege. Vielleicht haben wir nur eine Inflation im Alagebereich, aber wen kümmert`s? Und es scheint sicher, als ebbe diese Geldflut nie wieder ab. 

Geld ist ohnehin eine seltsame Angelegenheit. Es entsteht aus dem Nichts und verschwindet dorthin wieder. Es kommt aus der Wand und aus Steckdosen. Solange das so ist, wird niemand den Ursachen auf den Grund gehen. Natürlich ist die Sache etwas komplizierter.

Geld entsteht dann, wenn sich jemand verschuldet. Ach, sollen sich doch andere verschulden, Häuser finanzieren, auf Pump leben und den Dispo überziehen – so kurz vor Weihnachten für extrem hohen Zinsen extrem günstige Schnäppchen jagen. Hoffentlich bleibt das so, sonst hätten wir ja kein Geld…

Ich erwähne das wegen des am Donnerstag eigentlich nur heimlich gefeierten Weltspartages in einer Zeit, in der sich Sparen kaum noch lohnt. Ohnehin wird es schwerer, mit seinen Einnahmen auszukommen. Die Schulden der einen bleiben die Guthaben der anderen. Es kommt nur darauf an, auf welche Seite man sich stellt – oder gestellt wird.

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)

 

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Ein Kommentar auf "Crash nach oben!"

  1. Michael sagt:

    Klar müssen Zahlungsmittel bereitgestellt werden, wenn ein Kredit vergeben wird. Hört sich nett an ist es aber nicht. Es ist eine Phasenpipeline an deren Ende immer weniger sich immer mehr aufs ‚Sparbuch‘ legen.

    Der DAX ist ein Performanceindex. Hat sich schon mal jemand die Mühe gemacht nachzusehen was Performance heißt … mal von der Definition der Perfomanz abgesehen.

    A performance, in performing arts, generally comprises an event in which a performer or group of performers behave in a particular way for another group of people, the audience.

    Indikator für das Ausmaß des Schauspiels in der Wirtschaft?

    Man könnte noch den Term Leistungsfähigkeit aus der IT bemühen. Wenn man genau überlegt heißt auch in diesem Zusammenhang Performanz nicht zwingend Gutes . Eher – das Potential sich zu plagen.

    Jetzt die Synthese. Der DAX Perfomance Index sagt aus – Wie hoch schätzen die Zuseher das Potential der Schauspieler sich zu plagen in der Zukunft. Es hilft aber nichts, wie sie richtig bemerkten, wenn die Bühne wegbricht.

    China wächst, ob der Preissteigerungen und aus Brasilien sieht man in Euronews seltsame Beiträge über ich denke nicht Karneval, sondern eher eine Performance von Künstlern die Straßenschlachten darstellen. Vermutlich Rio und Sao Paulo.

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