Crash in Sicht?

29. Juli 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

Mit dem demnächst anstehenden August beginnt die schwächste Börsenphase des gesamten Jahres. Hinweise darauf, was Anlegern diesmal bevorsteht, lassen sich bereits erkennen…

In ungebremster Partylaune scheinen viele Anleger derzeit eine unangenehme Wahrheit zu verdrängen: Statistisch gesehen stehen die beiden schlechtesten Börsenmonate des gesamten Jahres jetzt unmittelbar vor der Tür. Berühmt-berüchtigt ist ja eigentlich der Oktober. Das liegt daran, dass historisch betrachtet im „Schreckensmonat“ die verheerendsten Aktienmarktzusammenbrüche das Börsengeschehen aufmischten.

An das Jahr 1987 mit dem stärksten Tageseinbruch des Dow Jones in der Geschichte werden sich altgediente Anleger noch erinnern. Stolze 22,6 Prozent rauschte der Weltleitindex am 19. Oktober 1987 in die Tiefe. Es war der größte prozentuale Tagesverlust aller Zeiten.

Noch ein ganzes Stück dramatischer waren die Ereignisse im Oktober 1929: Mit dem Platzen einer liquiditätsgetriebenen Spekulationsblase, die in etwa mit heutigen Verhältnissen zu vergleichen ist, begann die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre.

Dass auch die aktuelle Spekulationsblase platzen wird, steht außer Frage. Ob dies jedoch schon in diesem Jahr geschieht, womöglich im Oktober 2017, das ist die 1000-Dollar Frage, die derzeit niemand beantworten kann.

Hinweise auf die weitere Richtung lassen sich jedoch an den Zinsmärkten ausfindig machen:

Sieht man sich die jüngsten Statements der US-Notenbank an, deutet einiges darauf hin, dass die „Währungshüter“ die bei Aktionären so unbeliebte Zinskeule bald wieder einpacken werden, um unangenehme Wahrheiten ein weiteres Mal auf Sankt Nimmerlein zu verschieben. Ob das gelingt, wird sich zeigen. Im folgenden Beitrag heißt es dazu:

„FED-Chefin Janet Yellen hat gerade verkündet, dass die FED den US-Dollar von der Klippe stürzen wird. Zwar hat sie diese Worte nicht benutzt, aber die von ihr benutzten Worte waren nicht weit davon entfernt. …

Yellen hat gerade vor wenigen Minuten vor dem Kongress eine vollständige 180°-Wende gemacht. Sie war handzahm. Nicht nur ein bisschen, ich meine HANDZAHM.

Einfach ausgedrückt: Für die Yellen-FED ist die Straffung [der Geldpolitik] im Grunde erledigt. Und der US-Dollar ist erledigt. Es wird Zeit sich mit Inflationsplänen beschäftigen“.

Eine weitere Geldflut, beziehungsweise deren Fortsetzung, die hier anklingt, würde aber bedeuten, dass der von vielen Anlegern längst herbeifabulierte Crash auch im Oktober 2017 ausbleiben würde.

Sehr viel wichtiger könnte daher die jetzt anstehende Phase sein. Denn grundsätzlich trägt der Oktober seinen schlechten Ruf zu Unrecht. Bemüht man die Statistiken, dann stellt sich heraus, dass die schwächste Börsenphase des gesamten Jahres mit dem August beginnt und erst Anfang Oktober endet.

Die folgende Grafik macht das für den DAX anschaulich: Während die Kurse im Frühsommer nur moderat durchatmen, sorgt nach einem schwachen August insbesondere der September für rote Vorzeichen auf den Kurstafeln.

Ob das auch in diesem Jahr ansteht? An dieser Stelle bietet es sich an, ein wenig um die Ecke zu denken. Denn schwache Börsenphasen kündigen sich oftmals schon einige Zeit vorher durch eine auffallend starke Kursentwicklung defensiver Sektoren an. Die Klassiker sind die Gesundheitsbranche, Pharmawerte und die Energieversorger.

Tatsächlich scheinen einige defensive Sektoren gerade wieder in Schwung zu kommen. Beispielhaft lässt sich das derzeit an den beiden DAX-Schwergewichten RWE und EON verdeutlichen. Bei EON etwa hatten negative Divergenzen bei MACD und RSI schon vor Monaten eine nahende Trendwende angekündigt. Achten Sie auf die beiden roten Linien in der folgenden Abbildung.

Ähnlich hoffnungsfroh ist die Lage bei RWE: Vom gleitenden Zwölf-Monats-Durchschnitt konnte sich die Aktie zuletzt erstmals seit Sommer 2007 (!) deutlich nach oben absetzen. Achten Sie auf die blaue Linie in der folgenden Abbildung. Garniert wird das Ganze von einem starken Ausverkaufsmonat, der schon vor anderthalb Jahren das Ende der jüngsten Abwärtsbewegung markiert hatte (blaue Markierung). Sollten die breiten Märkte demnächst kippen, dürfte sich das Bild bei den beiden Energieversorgern aus dem DAX weiter aufhellen.

Ähnlich interessant präsentiert sich die aktuelle Lage beim Gold. Auch dort ist zu erwarten, dass in einer Börsenflaute wieder verstärkt zugegriffen wird – zumal die eingangs zitierte Marschrichtung der US-Notenbank mittelfristig inflationäre Tendenzen erwarten lässt.

Passend hierzu scheint der Goldpreis seinen gleitenden Zwölf-Monats-Durchschnitt in diesen Tagen wieder anzugehen. Achten Sie auf die blaue Linie in der folgenden Abbildung. Zur grottenschlechten Stimmung unter den Goldanlegern würde eine solche „faustdicke Überraschung“ hervorragend passen:

Die Saisonalität spricht ebenfalls dafür, dass die Edelmetale bald wieder aufwachen: Die stärkste Phase bei Gold und Silber beginnt traditionell im August und endet erst im Februar. Dazu die folgende Grafik:

Nachdem sich in jüngster Zeit Leserzuschriften häufen, die zeigen, dass immer mehr Anleger bei den Edelmetallen allmählich die Geduld verlieren, ist damit zu rechnen, dass die Flaute beim Gold in der Tat ausgerechnet dann zu Ende gehen wird, wenn sich andernorts die Lage eintrübt.

Wie üblich nehmen die Goldminenaktien dieses Szenario bereits vorweg: In dieser Woche ist der Minenindex XAU sehr überzeugend über ein Doppelhoch nach oben ausgebrochen. Besonders anschaulich ist das derzeit auf dem Point & Figure Chart zu beobachten. Die folgende Abbildung zeigt das:

Für Anleger mit Geduld und ist die Lage daher relativ klar: Falls noch nicht geschehen, bietet es sich an, die immer noch laufende Börsenparty allmählich zu verlassen. Eine Beimischung defensiver Titel ist jetzt sicher auch kein Fehler.

Besonders beachten sollte man jetzt allerdings die Edelmetall-Aktien. Dort deutet sich bereits ein heißer Herbst an – der jedoch völlig anders verlaufen dürfte als bei DAX, Dow Jones und Konsorten…

© Andreas Hoose – Antizyklischer Börsenbrief

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