Crash in Athen! Vorboten des Schuldenschnitts?

10. Dezember 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Was für ein veritabler Börsencrash in Athen! Am Dienstag kippte der griechische Aktienmarkt 12,9 Prozent ab. Es war der stärkste Einbruch seit 1987. Viele virtuelle Milliarden Euro sind einfach so verdampft. Vorboten für einen Schuldenschnitt?

Die Rendite für zehnjährige Anleihen jagte auf 8,11 Prozent nach oben. Kann die EZB nicht alles aufkaufen? Letzte Woche hieß es, die EZB kaufe alles, außer Gold.

Dabei machte noch am Tag zuvor „B5aktuell die 6-Uhr-Nachrichten auf mit: „Griechenland verabschiedet erstmals ausgeglichenen Haushalt“. Im zweiten Satz hieß es dann „nahezu ausgeglichen“. Einen Satz später, es war noch gar nicht 6:01 Uhr, rechnete die EU-Kommission mit einem weiteren Loch von 2,5 Milliarden Euro. Hurra! Wie das langweilt! Auch die „technische Verlängerung“ der Hilfszusagen um zwei Monate. Man braucht mehr Zeit… Blah…

Ein Land mit 11 Millionen Bürgern und 322 Milliarden Euro Schulden braucht keine Zeit und keine „technische Verlängerung“, es braucht einen Schuldenschnitt. Ein solcher ist aber das Letzte, was Griechenland gewährt wird. Aus gutem Grund: Die Gläubiger würden Verluste erleiden. Und dann gibt es ja noch eine reiche Tante:

Wenn der Markt weiß, dass Du Dir bei Deiner reichen Tante jede Zeit Geld zu günstigen Zinsen leihen kannst, dann ist der Markt sehr wohl bereit, Dir Geld zu vernünftigen Zinsen zu geben…

…erklärt der griechische Ökonom Nikos Wroussis. Darauf wird es hinauslaufen, auf lange Zeit, wenn nichts dazwischen kommt.

Reibach für die EZB

Einen großen Teil der griechischen Staatspapiere hat die EZB aufgekauft. Im Jahr 2012 hat sie damit 555 Millionen Euro Gewinn gemacht. Im letzten Jahr waren es 427 Millionen Euro. Tolles Geschäft! Von wegen, das Geld bekommt Griechenland! Bei einem Schuldenschnitt müsste die EZB ihre griechischen Anleihen wertlos ausbuchen und bräuchte als Zentralbank dann selbst eine Geldspritze. Komisch, nicht wahr?

Neuwahlen?

Anlass für den Crash war die Nachricht, dass die Präsidentschaftswahl auf den 17. Dezember vorgezogen wird. Sollte man nach drei Versuchen keinen Präsidenten gefunden haben, gäbe es Neuwahlen. Diese würden nach aktuellem Stand den amtierenden griechischen Ministerpräsidenten Antonis Samaras aus dem Amt pusten und die linke Syriza-Partei in die Schaltzentrale bringen. Dann käme der nächste große Schuldenschnitt. Es könnte auch den Rauswurf der Troika aus dem Land bedeuten oder das Ende des Euros und die Rückkehr der Drachme. Eine Katastrophe, warnen Finanzmarktexperten. Für wen? Für die Finanzmarktindustrie und weniger für die Griechen, wenn ihre Schulden gestrichen würden? (Quelle: finanzen.net)

Athex_20

In Griechenland wählt nicht das Volk, sondern das Parlament den Präsidenten. Mit Stavros Dimas steht ein Präsident aus der alten Garde zur Wahl. Er arbeitete zunächst in einem Anwaltsbüro an der Wall Street und für die Weltbank und hatte verschiedene Ministerämter inne wie Handel, Landwirtschaft und Industrie, bevor er 2004 bis 2009 EU-Umweltkommissar wurde. Er hat Jura und Wirtschaft in Athen studiert, was auf diesen Posten nichts heißen muss.

Ach, die Griechen

Es heißt, 240 Milliarden Euro habe Griechenland bislang bekommen. Das ist natürlich Unsinn. Die Griechen haben gar nichts bekommen, außer einer wirtschaftlichen Tracht Prügel und tiefe Einschnitte. Und kein Ende ist in Sicht. Oder doch?

Nicht nur Stammtisch-Rudi und Kaffeeklatsch-Elsa sind sich lange schon einig: Die Griechen haben alles verprasst und verfressen gerade Rudis und Elsas kleines Häuschen. Üble Stammtisch-Parolen in Abwesenheit von Intelligenz und unter dem Eindruck bunter Hauspostillen mit großen Buchstaben und halbnackten Frauen im Mittelteil stärken diese Meinung. Dabei floss Rudis und Elsas Geld nur durch Griechenland hin zu denen, die die griechischen Schuldenpapiere in ihren Büchern hielten, Hedgefonds nicht zu vergessen.

Der statistische Bruttolohn eines Arbeitnehmers liegt bei 1.037 Euro. Knapp 40 Prozent der Leute verdienen weniger als 750 Euro. Dabei ist das Leben dort nicht viel billiger als hierzulande… (Seite 2)

 

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17 Kommentare auf "Crash in Athen! Vorboten des Schuldenschnitts?"

  1. Michael sagt:

    Schätze bald werden die Griechen Frankfurt überrennen. Ein Soldat wird sich aufbauen vor dem Mario Draghi. Der blickt empor und mit strenger Stimme verlautet er, ‚Stören sie nicht meinen Schöpfungsakt‘. Der Grieche wird zu Werke schreiten. Im Anschluss vernimmt man dann allein die dumpfes Flüstern, ‚Im Kontext der Geschichte sind wir jetzt quit‘. Und Quit wird der Knopf sein, den die Griechen dann drücken.

  2. tantris sagt:

    Ich stimme dem Beitrag voll zu und stelle folgende Frage. Im Beitrag heisst es, ein Land wie Griechenland mit 11 Millionen Bürgern und 322 Milliarden Euro Schulden bräuchte einen Schuldenschnitt. Umgerechnet wären das ca. 29250 Euro Schulden pro Kopf. Deutschland hat ca. 80 Millionen Einwohner und ca. 2000 Milliarden Euro Schulden. Umgerechnet wären das ca. 25000 Euro Schulden pro Kopf. Bei einer Differenz von schlappen 4000 Euro … wer rettet eigentlich mal UNS ? Allein das Wort „UNS“ wäre wohl vielen zu patriotisch …

    • JayJay sagt:

      Uns rettet keiner, das ist schon beschlossene Sache und die politische Kaste weiß das auch. Wenn es hart auf hart kommt sind die weg und der Bürger wird bluten müssen, also eigentlich wie immer.

      Aber der Bürger will es ja so, wenn interessieren noch die PIIGS um Frankreich oder irgendwelche Billionen Rettungspakete, keinen.
      Da alle immer wieder die selben Blockparteien in die Volksammer zu Berlin wählen.

  3. bluestar sagt:

    Der Nonsens ist die Regel geworden, die sich ständig wiederholenden Lügen das Tagesgeschäft. Wen interessieren noch die Milliarden ? Heute hat die Ukraine schon mal weitere schlappe 15 davon als Bedarf bei den Putschregisseuren angemeldet. Natürlich geht es nach der Zahlung an die armen Oligarchen wirtschaftlich dann steil aufwärts. EU und GROKO zahlen gern und werden dafür vom Wähler als mündiger „Souverän“ gewählt.

  4. Eber sagt:

    „Crash in Athen! Vorboten des Schuldenschnitts?“

    Noi noi, des ischt Quatsch! – Griecheland ischt auf einem guatä Wääg !!!
    Wolfgang Schäuble

  5. Stammtisch Rudi sagt:

    sachte! Klar ist das Geld nicht bei den Griechen geblieben. Aber verprasst haben sie es, nicht die Hedge Fonds. Es hat sie niemand gezwungen Aufzuschulden. Immer diese Relativierungen bei der Schuldfrage. Jeder ist für sein Handeln selbst verantwortlich. Wer Schulden macht muss auch die Schuld beim Versagen übernehmen. Nicht die böse Bank, nicht die bösen Hedger, nicht die bösen Deutschen. Dass es da eine gewisse Unmoral bei einigen Finanzspielern gibt, steht auf einem anderen Blatt.
    Schade dass Sie mir Intelligenz absprechen, ich glaube schon, dass ich mich mit Ihnen messen kann.

    • samy sagt:

      N’Abend,

      stimmt im Prinzip. Aber das Prinzip kennt zwei Seiten. Niemand hat die Banken, Hedger und ZB’s gezwungen den Kredit zu gewähren. Niemand sie davon abgehalten zu einer anderen Bonitätseinschätzung zu kommen.

      Schuldner können Pleite gehen, nicht erst seit gestern.

      Jeder muss daraus lernen und seinen Verlust hinnehmen und bitte nicht klagen.

      So sollte der Kapitalismus funktionieren. Risiken sollte der Zins u.a. abbilden. Tut er aber nicht mehr und wird er ohne Reset nicht mehr.

      VG

      • Stammtisch Rudi sagt:

        Verstehe Ihre Argumentation nicht ganz. Meinen Sie: wenn ein Schuldner nicht mehr zahlen kann, Pech gehabt lieber Kreditgeber. Hättest ja 200% Zinsen nehmen können? Jetzt ist der Schuldner aber ja ein Staat. Der ist ja gar nicht pleite, der hat schon noch jede Menge Assets. Er will nur nicht mehr zahlen. Und gegen jemand der nicht zahlt soll mam dann also nicht mehr klagen? Na dann brauchen wir ja auch kein Vertragsrecht mehr. Einfach Verträge abschaffen, dann regelt sich alles von selber, oder?
        Ich will übrigens auch nicht mehr meinen Kredit zurückzahlen. Ich geh morgen gleich zur Bank und sag, sie kriegen nix mehr, hätten ja mehr Zinsen nehmen können. Und sie sollen gefälligst nicht klagen, sondern das unter Erfahrung verbuchen.

        • Avantgarde sagt:

          Ich hingegen kann die Argumentation sehr gut verstehen.

          Kann ja nicht sein, daß eine Korrupte und vielleicht mafiöse Regierung (womöglich zum eigenen Vorteil) dem Land Schulden aufdrückt und die Bürger dann im Stich lässt.
          Der Kreditgeber muss auch einschätzen können, ob eine realistische Chance auf Rückzahlung besteht – sehr teuer bezahlte Bänker beschäftigen sich schließlich damit.
          Etwas Riskmanagement darf man da wohl erwarten.

          Außerdem ist es halt schlicht Lebenswirklichkeit, daß Staaten ab und zu pleite gehen – ob es einem gefällt oder nicht.
          Hier mal ne interaktive Karte der Staatspleiten nur ab 1800 – Frankreich z.B. zwar Null war zuvor aber häufiger Bankrott.
          http://www.spiegel.de/flash/flash-27324.html

          Ach und noch ein Punkt…..
          Egal wie digital die Welt ist, wie sich die Zeiten doch ändern, und auch wenn man glaubt man hätte dieses Mal alles im Griff
          Schulden auf Waren und Dienstleistungen können immer nur mit Waren und Dienstleistungen bezahlt werden – und niemals mit digitalen Nullen – das ist immer nur eine temporäre Lösung.
          Das wird bei aller Moderne auch in 1000 Jahren noch so sein.

          • Stammtisch Rudi sagt:

            „… korrupte … mafiöse …“ ach bitte, nach all dem was in der Presse stand:
            – bevorzugt Zahlmethode der Griehcen „beleglos“ (auch heute noch)
            – auf der Gehaltsliste von Verwaltungen stehen, aber nie am Arbeitsplatz erscheinen
            – Renten für längst Verstorbene kassieren
            – Dorf voller Blinder
            – Zugführer mit exorbitant gutem Gehalt
            uvm. (und das sind nur die Sachen, die an die Öffentlichkeit kamen und davon nur die, an die och mich auf die Schnelle erinnere).
            Kutzum: da hat jeder seinen Schnitt gemacht, auf die ein oder andere Weise.
            Und die Regierung – das waren doch auch Griechen – irgendwie? Und gewählt wurden sie auch von Griechen, oder?
            Daraus jetzt ein „die armen ehrenwerten Bürger wurden von den ehrlosen Politiker Mafiosis in die Sch… geritten“ zu machen ist ja mal grob realitätsfremd.
            Und zum Rest: klar gehen Staaten pleite. Manche früher und öfter, manche später. Aber es ging um die Frage „achselzuckend hinnehmen“ oder „verklagen und auf sein Recht pochen“. Und da lautet mein Antwort nun mal klar: verklagen, egal was dabei rauskommt (irgendwas kommt immer raus, sieht man z.B. bei Argentinien).

  6. Midas sagt:

    ….Der statistische Bruttolohn eines Arbeitnehmers liegt bei 1.037 Euro. Knapp 40 Prozent der Leute verdienen weniger als 750 Euro….
    Ja, haben die in Griechenland keinen Mindestlohn? Warum verordnet die Finanzindustrie den Bewohnern Griechenlands keinen Mindestlohn von wenigstens 100 Euro pro Arbeitsstunde (45Min)? Das würde die Kaufkraft stärken, die Steuereinnahmen ebenso erhöhen, wie die Kreditaufnahme. Die Preise würden steigen, die Wirtschaft brummen und die Bewohner Griechenlands könnten mit ihrem vielen Geld die maroden Straßen in der BRD sanieren.

  7. Slavisa sagt:

    Die armen Griechen. Zuerst wurden sie durch den Zinsmechanismus, der dem gemeinsamen europäischen Währungsraum innewohnt, in die Schuldenfalle getrieben (es gibt tolle Papers dazu, z.B. von Prof. Reiner Maurer), jetzt wird das Land komplett ausgeschlachtet.

    Schade, das solche Stimmen untergehen, die Wahrheit hat nicht mehr die Kraft, um aus dem Morast der einschlägigen Presse herauszuwachsen.

    Die goldene Regel, wenn es ums Geld geht: Immer, wenn man zuviel davon hat, ohne dafür gearbeitet zu haben, stimmt etwas nicht. Einer zahlt ja immer… Also liebe User, wenn ihr noch weiterhin gute Presse haben wollt, unterstützt das bitte. Denkt daran, Werbung bekommt man dann bezahlt, wenn man Sie aufruft:-).

    In diesem Sinne,

    alles Gute,

    Slavisa

  8. rene sagt:

    Tja,,,,
    ich lebe in einem kleinen Land einer Karibikinsel.
    Weil so klein spricht sich eigentlich vieles schnell rum.
    Und so laeuft das hier mit den Schulden:
    die sind ein prima Geschaeft fuer alle aussern dem Volk natuerlich.
    Die Weltbank bietet da einen 100 Millionen Dollar-Vorsroge-(JA so heisst das) kredit an, fuer den Fall ein Hurrikane blaest ueber die Insel.
    Die Parlamentarier die den Kredit absegnen bekommen schonmal eine Provision von der Bank. Wer nicht mitmacht wird von den Kollegen geschnitten, gilt dann als Spion (des Volkes sozusagen) und wird bedraengt doch mitzumachen, den alle machen es.
    Wenn der „Rest“ der dann noch uebrig ist abrufbar ist, bekommen Freunde und Verwandte die Auftraege die damit bezahlt warden. Dabei geht nochwas von der Kreditmasse „verloren“.
    Am Ende wird dann ggf. mit 50% des Kredites effektiv was getan. Heisst das Volk sieht mehr oder weniger ein Ergebnis.
    Aber, und hier kommt der Clou: auf immer und ewig zahlt das Volk fuer 100% des Kredit die Zinsen die heute vielleicht 5% sind aber nach der Zinsbindung auch 8% sein koennen und das in einer Fremdwaehrung die morgen schon 20% teuer sein kann.
    Warum zahlt das Volk fuer immer und ewig?
    Weil niemand Kredite zurueckzahlt sondern nur velrengert oder umschuldet (zu einer anderen Bank). Aber Zinsen fallen IMMER an, fuer immer.
    Das das nicht lange gutgeht ist wohl einleuchtend.
    IN JEDEM FALL IST DAS VOLK IMMER VERRATEN UND VERKAUFT, das ist ein Prizip der Demokratie. Ich denke unser Kaiser Willhelm war der letzte Staatslenker der Interesse an seinem Volk hatte. Danach kamen nur mittelmaessige bis schlimme Scharlatane.

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