Crash… Crashiger… DAX?

16. Oktober 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Es ist Oktober! Während der DAX dieses Jahr völlig überraschend mit 11,6% hinten liegt, sind diejenigen mit Cash auf der hohen Kante mal wieder fein raus. Sie haben während des öffentlichen Börsenbooms nichts gewonnen, aber auch nichts verloren. Was will man mehr?

Boah! Der DAX! Das sieht nicht gut aus, heißt es. Die Charts sind weg geknackt. Fast alle Einzeltitel notieren unter der berühmten 200er-Tage-Linie. Manche Kommentatoren bekommen bei -100 Punkten spontane Schnappatmung und reden von einem Crash. Kein Wunder, denn drei Prozent Minus an einem Tag gab es schon lange nicht mehr. Deshalb muss es unbedingt ein veritabler Crash sein. Nicht wahr? Sollte der DAX an einem Tag zehn Prozent oder mehr verlieren wie 1987 und 1989, übrigens auch im Oktober, welches Wort benutzt man dann? Das Reicht der verbalen Gigantomanie ist sicherlich unerschöpflich.

Ein Prozent Minus wird heute als Kurssturz bezeichnet und ein Prozent Plus als Hausse. Wie sich die Zeiten geändert haben. Es wird Zeit, dass die Dinge verbal ins Lot kommen. Aber das dauert. Dafür müsste etwas Demut zurückkehren statt der ständigen Quasselei, dass Gelddrucken und Null-Zinsen die Lösung aller Probleme dieser Welt wären. Dann macht doch, wenn es so einfach ist!

Die Musik spielt ohnehin an den Zinsmärkten. Dort greifen die Manipulationen der Zentralbanken und nicht beim DAX & Co. Anders gesehen, als Börsenreporter stehe ich auf dem Parkett inmitten eines Kollateralschadens, ausgelöst durch die Geldpolitik. Und jeder da draußen ebenso. Das soll nur die „Märkte“ betreffen? Ich bitte Sie! Auch wenn heute 10 Euro auf der Bank auch wieder nur 10 Euro geblieben sind. An der Börse wären es nach allem, was man dieses Jahr sehen konnte, nur noch 8,80 Euro. Kein Wunder, dass Börse für die Mehrheit der Leute suspekt bleibt.

Um die Mittagszeit des 16. Oktober gab es tatsächlich einen Crash, und zwar einen nach oben. Der Bund-Future jagte auf über 152,50 Prozent. Die Renditen für 10-jährige Bundespapiere fielen auf das Rekordtief von 0,72 Prozent. Es war ein weiterer historischer Moment. Derer gab es in den letzten Jahren viele und vermutlich werden es künftig weit mehr. Vielleicht fallen die Renditen auf Null? Komplette Zinslosigkeit? Keine Ahnung, aber spannend… (Quelle: Investing)

Deutschland_10-Jahre_Deutschland_10-Jahre_Anleihen_Rendite_-_2014-10-16_22.12.12

Irgendwie tut mir der DAX leid. Sein Stand dient heute als Grundlage und Beweis für allerhand Interpretationen und Unsinn. Manchmal wird der DAX als Wohlstands-Index missbraucht, manchmal als Beweis für die Unfehlbarkeit von Regierung und Notenbank und oft als Indikator für den Zustand einer Wirtschaft. Kann es sein, dass es Zeiten gab, in denen die Wirtschaft besser lief als heute der DAX weit tiefer stand. Und…. es mehr Leuten damals besser ging als heute? Denken Sie mal darüber nach!

Der DAX ist inzwischen weniger von wirtschaftlichen Komponenten abhängig als vom offiziellen Zinssatz der Geldmärkte und den Einstellungen hirntote Daddelmaschinen aus Reich der Algo-Trader. Je nach Ausrichtung sieht es dann nach Boom oder Sorgen aus. Der Rest ist meist dumme Interpretation mit noch dümmeren Rückschlüssen auf das Gesamtbild.

Während Banken für Manipulationen am Zinsmarkt mit Milliardenstrafen belegt werden, werden Zinsmanipulationen der Notenbanken als „Rettung“ bezeichnet. Komisch! Da wird gezeigt, wo der Barthel den Most holt, wer Most holen darf und wer eben nicht.

Sollten die Finanzmärkte wirklich abschmieren, was ja bislang als völlig ausgeschlossen galt im Wunderland der grünen statistischen Knospen, dann wollen die „Retter“ sicherlich wieder gebeten werden. Je länger sie warten, desto sehnsuchtsvoller werden die Rufe nach ihnen und ihren Manipulationen. Oder nennen wir es harmloser „Intervention“ Das ist der feine Unterschied. Dann wird an den Börsen wieder gefeiert. Aber was eigentlich?




 

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