Crack-up, Boom oder Crack-up Boom?

28. Mai 2015 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

Kommt er oder kommt er nicht? Kein anderer Begriff ist durch das Magazin Smart Investor in den letzten Jahren so populär geworden, wie der das Crack-up-Booms (CuB). Das Konzept geht auf den großen Ökonomen Ludwig von Mises zurück, der diese „Katastrophenhausse“ – so die deutsche Bezeichnung – als erster erwähnte… Diese besondere Form der Hausse ist nicht nur durch stark anziehende Preise gekennzeichnet, sondern auch durch ein Auf- und Auseinanderbrechen von Strukturen. Die wesentliche Triebfeder ist ein dramatischer Wertverfall des Geldes, durch den diese – in der Endphase chaotische – Flucht in Sachwerte ausgelöst wird.

Der Begriff ist aber nicht nur populär geworden, sondern nach wie vor auch höchst umstritten. Ein wesentlicher Kritikpunkt besteht darin, dass man sich aus der heutigen, oberflächlich betrachtet positiven Umgebung gar keinen rechten Übergang in das Chaos des CuB vorstellen kann. Da allerdings dürfen wir auf unseren SIW von letzter Woche und Nassim Nicholas Taleb verweisen. Die heutige Situation ist nach seiner Auffassung fragil und wenn ein „Schwarzer Schwan“ eine zerbrechliche Umgebung trifft, kann es schnell viele Scherben geben. Dennoch sind Zweifel an der CuB-These – wie der Zweifel generell! – im Sinne eines Erkenntnisfortschritts wichtig und berechtigt.

Unterschiedliche Auffassungen zu Eintrittswahrscheinlichkeit und möglichen konkreten Szenarien einer solchen Endphase eines Fiat-Money-Systems finden sich nicht nur unter unseren Lesern, sondern auch unter führenden Köpfen der Österreichischen Schule der Nationalökonomie.

Ein Diskurs, dem wir in den beiden letzten Printausgaben des Smart Investor bewusst Raum gegeben haben. In Smart Investor 5/2015 findet sich ein Gastbeitrag von Michael von Prollius unter dem Titel „Der Crack-up-Boom fällt aus!“. In der Folgeausgabe 6/2015 erwidert Thorsten Polleit mit seinem Beitrag „Zeitlose Krisentheorie“. Beide Gastautoren haben zusammen das Buch „Geldreform: Vom schlechten Staatsgeld zum guten Marktgeld“ verfasst – ein leidenschaftliches Plädoyer für eine wettbewerbliche Geldordnung. Wer auch zwischen den Zeilen liest, wird auch in den beiden erwähnten Gastbeiträgen – trotz ganz unterschiedlicher Akzentuierung – auch einen Grundkonsens zu den Kernthesen der österreichischen Geldtheorie erkennen. Der CuB bleibt also ein spannendes akademisches Thema mit unmittelbarem Praxisbezug.

Edelmetalle

Nach mehr als vier Jahren Baisse sind die Nerven vieler Edelmetallinvestoren mehr als angeschlagen. Vielleicht so stark, dass der ein oder andere Anleger nun die ersten Anzeichen einer Trendwende verpasst. Exakt ein solches Verhalten markiert häufig den Beginn einer Aufwärtsbewegung.

Die Bodenbildung bei den Edelmetallen ist nach unserer Meinung derzeit in vollem Gange. Seit beinahe zwei Jahren testet das Gold immer wieder die Marke von 1.180 USD. Zweimal wurde durch ein kurzfristiges Unterschreiten ein Fehlsignal generiert, dass anschließend wieder behoben wurde.

Beim Silber steht ganz aktuell ein Ausbruch aus einem beinahe drei Jahre währenden Abwärtstrend bevor, kurzfristig hätte der Silberpreis durchaus Potential auf bis zu ca. 18,50 USD. Der jüngste Anlauf wurde jedoch bei knapp unter 18 USD zunächst gestoppt. Mit vermehrt negativen Signalen warten z.B. die Commitment of Traders (CoT)-Daten der Terminbörse Comex auf. Hiernach sind unter anderem die Short-Positionen der sogenannten Commercials (professionelle Edelmetallhändler und Produzenten) mit -62.000 Kontrakten so negativ wie selten zuvor.

Ein klares Indiz für einen kommenden Abwärtsschub, alleine da den Commercials traditionell eine bessere Markteinschätzung als den kleinen und großen Spekulanten zutraut wird.

2015-05-27_Silber

Gleichzeitig zählen zu dieser Gruppe an Marktteilnehmern jedoch auch große Banken, wie etwa JP Morgan. Und genau an dieser Stelle beginnt das traditionelle Interpretationsmuster schwierig zu werden. Denn nach jüngsten Meldungen hat sich exakt diese Bank in den vergangenen Monaten über verschiedene Terminkontrakte größere Bestände an physischem Silber ausliefern lassen. Würde die Bank dies ohne ein langfristiges Interesse tun?

Ein kurzfristiger Anstieg des Preises am Terminmarkt liegt daher wohl nicht im Interesse eines großen Käufers am physischen Markt, die Short-Position könnte daher unter die Kategorie „gezielte Marktpflege“ fallen. Weitere Infos zu den Silberkäufen von JP Morgan und den generellen Entwicklungen an den Edelmetallmärkten finden Sie im aktuellen Smart Investor auf Seite 58 unter der Überschrift „Bodenspannung“.



Zu den Märkten

Der DAX zeigt sich unterdessen noch immer unentschlossen. Der kurzfristige Schub nach oben wurde zwischenzeitlich schon wieder beendet, der Index befindet sich damit am unteren Ende des mittelfristigen Aufwärtstrends. Bricht dieser Trend nach unten, wäre dies zunächst ein massiv negatives Signal. Bereits letzte Woche hatten wir auf das deutlich bessere Abschneiden des DAX in Euro hingewiesen.

Die Hausse der letzten Monate ist maßgeblich durch die frische Liquidität aus den Händen von Mario Draghi und der EZB zurückzuführen. In US-Dollar rechnende Investoren haben dagegen in den zurückliegenden Monaten deutlich weniger von der Aufwärtsbewegung profitiert. Bereits im letzten Weekly zeigten wir Ihnen den Verlauf des deutschen Leitindex in beiden Währungen. In den letzten Tagen hat sich nun jedoch in US-Dollar ein Kurssturz ereignet (siehe Abbildung). Die Gewinne aus zwei bis drei Monaten haben sich für US-Anleger damit in Luft aufgelöst, zum ersten Mal seit Monaten zeigen sich Euro und DAX damit gleichzeitig schwach.

Auch wenn dies noch lange nicht das sofortige Ende der Liquiditätshausse bedeuten muss, für ausländische Anleger ist der deutsche Aktienmarkt damit zumindest im Moment nicht „der“ Markt, in dem sie unbedingt investiert sein müssen. Testet der Euro seine Tiefs aus dem März wird sich dies vermutlich auch so schnell nicht ändern.

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Fazit

Die Diskussion rund um den (möglichen) CuB werden wir weiter intensiv verfolgen. Denn es geht dabei nicht um „Rechthaberei“ sondern aus Anlegersicht um eine elementare Basisfunktion für mögliche Investmententscheidungen. Befinden wir uns bereits in einem CuB, ist die „Rückkehr“ der Edelmetalle nur eine Frage der Zeit – die aktuelle Bodenbildung sieht dabei äußerst vielversprechend aus.

© Ralph Malisch, Christoph Karl – Homepage Smart Investor



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