Coba libre!

10. Juli 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Bankhaus Rott

Die Commerzbank, treffend auch als „Loch Bless“ bezeichnet, wackelt auf dürren Beinen durchs finanzielle Jammertal. Eine fragwürdige Strategie, wenn es denn eine gab, und das Prinzip Hoffnung reichen kaum fürs Überleben…

In den vergangenen Wochen waberten erneut Gerüchte durch die Straßen, die Commerzbank werde es möglicherweise nicht mehr bis zur Bundestagswahl schaffen. Selbst eine Übernahme durch die Deutsche Bank wurde und wird kolportiert. Diese wäre so sinnvoll wie die Verschmelzung von Solarworld mit Kamps, was aber in der Finanzbranche bekanntermaßen nicht gegen ein solches Vorgehen spricht.

Was käme bei einem solchen Schritt heraus? Ohne gleichzeitige Abwicklung der Immobilien- und Schiffsaktivitäten wäre diese Transaktion wohl nicht zu machen. Die potentiellen Abschreibungen in diesen Segmenten wären für die Deutsche wohl weder wünschenswert noch finanziell tragbar. Die Eigenkapitalausstattung der Deutschen Bank ist bekanntermaßen nicht eben üppig wenn man die Risikogewichtung einmal beiseitelegt. Im Falle von Ausfällen hilft eben diese Risikogewichtung nicht weiter, was zählt ist lediglich das vorhandene Eigenkapital als Verlustpuffer.

Selbst wenn man die genannten Sparten der Commerzbank mit den übrigen Fragmenten des „Nicht-Kern-Geschäfts“ in eine (zweite) öffentliche Abwicklungsanstalt ausbuchen würde, stellt sich die Frage, was die Deutsche Bank mit dem Rest anfangen soll. Klar, die Einlagen nimmt jeder gerne, aber die Filialen? Davon gibt es in Deutschland ohnehin schon mehr als genug.

Mit kostenlosen Girokonten und dem famosen „Kundenkompass“ wird man auch das Bodenpersonal und die Mieten nicht finanzieren können. Das so genannte Investmentbanking der gelben Landesbank ist überflüssig und das, was man gerne mit dem wohlklingenden Namen „Mittelstandsbank“ versieht, trägt bei weitem nicht die aufgeblasene Gesamtstruktur mit insgesamt mehr als 50.000 Mitarbeitern, immerhin deutlich mehr als die Zahl der Beschäftigten bei Henkel.

Wie die Börsen-Zeitung unlängst meldete, hat der Finanzvorstand der Commerzbank nun „Kurspekulanten“ als Treiber des Niedergangs der Aktie ausgemacht. Der Kursrückgang sei fundamental nicht gerechtfertigt. Sollte man das in der Bank wirklich so einschätzen, steht einem massiven Aktienrückkaufprogramm vermutlich nichts mehr im Wege um für die Anteilseigner die verborgenen Schätze zum Schnäppchenpreis zu heben …

Auf die Idee, der Aktie mit der selbstverschuldeten „Mutter aller Verwässerungen“ nicht eben geholfen zu haben, kommt man offenbar auch in den höher angesiedelten Gremien der Bank nicht.

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Zum Thema Selbsteinschätzung und Strategie muss nicht viel gesagt werden, wir lassen daher die Protagonisten selbst zu Wort kommen.

(27.11.2008, zur Übernahme der Dresdner Bank). Martin Blessing, Sprecher des Vorstands der Commerzbank: „Wir beschleunigen die Übernahme und sichern eine schnelle Integration. In den nach wie vor nervösen Finanzmärkten stellen wir so frühzeitig die uneingeschränkte Handlungsfähigkeit her. Davon profitieren Mitarbeiter, Kunden und Aktionäre.“

Schnell, sicher, falsch.

(26.2.2009, Blessing) „Die Commerzbank hat die Dresdner Bank im Januar von der Allianz übernommen. Diese Übernahme ist und bleibt strategisch richtig: Wir bauen die führende Privat- und Firmenkundenbank in Deutschland.

Kleine Banken mit großen Ansprüchen …

(25.11.2009, Blessing) Die Commerzbank hat anlässlich ihres heutigen Investors‘ Day ihre Ziele für 2012 erneut bestätigt. „Wir kommen gut voran und die ‚Roadmap 2012‘ steht unverändert“, sagte Martin Blessing, der Vorsitzende des Vorstands der Commerzbank. „Wir setzen unsere Strategie konsequent und in Teilen sogar schneller um als ursprünglich geplant. (…)

Die Commerzbank erwartet aus der Dresdner Bank-Übernahme jährliche Kostensynergien von rund 2,4 Milliarden Euro, das sind pro Jahr 500 Millionen Euro mehr als ursprünglich geplant. Die Synergien werden ab 2013 in vollem Umfang wirksam.

Immerhin, das Jahr hat noch knapp 6 Monate.

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(CoBa, Pressemitteilung vom 28.7.2010) Die Commerzbank stellt zum 1. August 2010 mehr als 1.000 Auszubildende und Studenten dualer Studiengänge ein (2009: 940). Schwerpunkt dabei ist die klassische Bankausbildung im Privat- oder Firmenkundengeschäft.

Viel Glück.

(CoBa, Pressemitteilung vom 8.11.2010) )“Der erfreuliche Verlauf des Geschäftsjahres belegt die Erfolge bei der Umsetzung der ‚Roadmap 2012‘. Wir haben Risiken und Bestände weiter abgebaut und sind auf unserem Weg zu nachhaltiger Profitabilität sichtbar vorangekommen. (…)

Ah!

(aus derselben Pressemitteilung) Da die künftigen Erträge der Eurohypo somit geringer ausfallen, wird der in der HGB-Bilanz der Commerzbank AG (Einzelabschluss) anzusetzende Buchwert der Eurohypo per Ende 2010 voraussichtlich signifikant niedriger sein als Ende 2009. Daraus ergibt sich im Einzelabschluss ein entsprechender Wertberichtigungsbedarf.

Oh!

28. Januar 2011: Commerzbank: Aktienanzahl nach Kapitalmaßnahmen auf rund 1,34 Mrd Aktien erhöht

Weiter, immer weiter!

(CoBa, Pressemitteilung vom 9.11.2011) Die Commerzbank AG hat den bisher von der UniCredit Bank AG gehaltenen rund achtprozentigen Minderheitsanteil an der Deutsche Schiffsbank AG, Hamburg/Bremen, erworben. Damit hält die Commerzbank künftig 100 % an der Deutschen Schiffsbank, einem der führenden Anbieter für Schiffsfinanzierungen weltweit.

Gerade noch rechtzeitig aus dem Hafen gekommen um den Eisberg noch zu 100% zu erwischen.

(CoBa, Pressemitteilung vom 28.6.2012) 28. Juni 2012: Commerzbank begibt 176.553.636 neue Aktien

Ein déja vu?

(CoBa, Pressemitteilung vom 11.2.2103) Commerzbank: Vorstand beschließt Grundsatzerklärung zum geplanten Stellenabbau.

Im Filialgeschäft der Commerzbank AG erfolgt bis Ende 2015 ein Stellenabbau von 1.800 Stellen. Betriebsbedingte Beendigungskündigungen sollen weitestgehend vermieden werden.

Roadmap oder Highway to hell?

Wer ein wenig Zeit und Muße hat, dem sei eine Lesestunde im Presseportal der Bank nahegelegt. Das Durchstöbern der Geschäftsberichte ist für finanzmarktinteressierte Mitbürger eine lehrreiche Tätigkeit, die mehr bringt als so manche Semesterwochenstunde realitätsferner Wirtschaftskurse… (Seite 2)


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7 Kommentare auf "Coba libre!"

  1. Pichel sagt:

    Ich habe gehört, weil Sie ÜbernahmeGerüchte durch die DBK gehört haben, das im Hintergrund ein Zusammenschluss/Merger als CoBa-Postbank (gehört zur DBK) geprüft/erarbeitet wird.

    Gruß

  2. MFK sagt:

    Da mag aber jemand die CoBa überhaupt nicht 🙂

    • FDominicus sagt:

      Da kann ich Ihnen noch jemanden sagen. Ich war lange Zeit Kunde bei der Coba, genau bis dahin als die Sache mit der „Beteiligung“ dran kam. Ich hatte meiner Beraterin damals gesagt, nehmt Ihr das Geld nehm‘ ich meins. Sie nahmen das Geld vom Staat ich meins und ging auf Odysee. Keine Ahnung was ich das an Zeit und Aufwand reingesteckt habe, es war damals die genau richtige Entscheidung. COBA braucht kein Mensch.

      • MFK sagt:

        Bank“berater“ – gibt es so etwas? Ich kenne jedenfalls nur Verkäufer in den Banken. Ist allerdings bei der jetzigen Gemengelage schwierig vernünftige Anlageempfehlungen zu geben.

        • FDominicus sagt:

          Es gibt so etwas, stellen nur leider fast immer die Minderheit. Nur entlastet das den Kunden überhaupt nicht. Er will es ja möglichst billig haben, auf die Idee zu kommen für eine Finanzberatung ordentlich zu bezahlen, statt sich vom Ausgang „überraschen“ zu lassen wollen die Leute nicht kommen. Es ist schon sehr erstaunlich, das ziehen die Leute wegen irgendetwas von Arzt zu Arzt, geht es aber darum Geld „anzulegen“ schafft man es gerade bis zu nächsten Bankfilliale. Am Besten mit dem „kostenlosen“ Girokonto (wie kostenlos es dann wird, durften die Zyprioten ja erfahren) und Beratung halt nur so.

          Wir haben da ein tolles Angebot ……

  3. ACHIM sagt:

    20% auf Alles oder auf der Suche nach dem „Black swan“:

    PRAKTIKER
    ISIN DE000A0F6MD5 | WKN A0F6MD
    fallend 0,370 € -19,57%

    http://boerse.ard.de/aktien/praktiker-aktie-bricht-ein100.html

    Einer der größten Praktiker-Gläubiger ist die Commerzbank, die sich zu den Informationen nicht äußern wollte.

  4. ACHIM sagt:

    ich vergaß:
    …. ausser Tiernahrung!

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