Höhepunkt eines angekündigten Spaßes

18. September 2013 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer 

Heute ist also der wichtigste Tag des Jahres, sagen die Experten. Die US-Notenbank wird am Abend darüber entscheiden, ob sie ihr Aufkaufprogramm für Anleihen zur Manipulation der Zinssätze in vollem Umfang weiter führt oder diese reduziert. Und es wird noch einmal ein großer Auftritt von Ben Bernanke. Ich stelle schon mal das Bier kalt!

Um 20 Uhr wird es dann soweit sein. Eine halbe Stunde später tritt der FED-Chef vor die Presse. Was wird erwartet? Dass das  monatliche Aufkaufprogramm für Anleihen um zehn Milliarden auf „nur“ noch 75 Milliarden US-Dollar reduziert wird. Und Rambazamba. Ein paar ausgewählte Journalisten dürfen ein paar ausgewählte Fragen stellen.

Bernanke, ich werde Dich bald vermissen! Ob sein Nachfolger auch so schreckliche Krawatten trägt? Oder Yellen heißt? Der Unterschied dürfte kaum auffallen, aber wir werden unseren Spaß haben. Die Amerikaner lieben diese alten Dinge. Es sind letzte Grüße aus einer früheren aber viel besseren Zeit.

Die FED hat ihre Bilanz inzwischen auf 3,4 Billionen US-Dollar aufgebläht, indem sie den Haltern von Schuldenpapieren ein verlockendes Angebot machte – ihren Müll zu überteuerten Preisen abzukaufen und damit Geld ins System zu werfen.

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Das befeuerte nicht nur die Anleihekurse und drückte die Zinsen. Manche Dummköpfe meinten, es würde die Wirtschaft ankurbeln. Vielleicht hat es das auch andere Dummköpfe verführt, ihre Verschuldung zu erhöhen und damit das BIP. Es wird sich zeigen, wie klug das war.

Gleichzeitig bekamen die früheren Inhaber der Papiere Geld von der FED in die Hand. Wir wissen nicht, was sie damit gemacht haben. Vielleicht haben sie für den Erlös Aktien gekauft? Ein tolles Geschäft! Endet das nun? Der Anleihemarkt meint, die Zinsen werden steigen und die Kurse fallen. Das sollten sie auch, aber da gibt es ja noch die FED…

Nichts scheint die Börsianer mehr zu bewegen, als ginge es um die Zukunft der Welt. Monatelang wurden Sendeminuten vergeudet, Papier verschmutzt und endlos lange Diskussionen darüber abgehalten, ob man sie sich dann reicher oder weniger reich fühlen werden. Verständlich! Im großen Bild geht es ja um Billionen. Bernanke bestimmt ein letztes Mal darüber, wie sich die Börsen am Tag darauf fühlen werden. Meine größte Sorge ist aber die vor den Experten, wenn sie jedes Bernanke`sche Wort nachplappern.

Reich sein

Sich reich zu fühlen oder nicht, liegt ganz allein im Auge des Betrachters. Es gibt keine wirkliche Definition für Reichtum. Wohl deshalb geht es um ein sogenanntes „mehr“, um sich dem undefinierbaren Status anzunähern. Je näher ihm jemand kommt, desto weiter entfernt er sich und die Rennerei der Einfaltspinsel nimmt fahrt auf. Selten trifft man Leute, die von sich behaupten, sie haben genug. Wer „etwas“ hat, will daraus mehr machen, am besten ganz ohne Anstrengung. Ich bin sicher, diese Art von Zynismus können sich nur Götter ausgedacht haben – oder aber die Öffentlichkeitsabteilungen der Notenbanken.

Viele reiche Gestalten haben diesen Mittwoch in ihrem Kalender angekreuzt, wartend auf ein Geschenk für höheren Preise ihrer Anlage – oder eine kalte Dusche, um sich künftig noch mehr anzustrengen zu dürfen. Die Kunst der Geldvermehrung ist zudem heute ein Berufszweig oder Hobby. Geldvermehrung hat weniger mit Fleiß zu tun, sondern mit Charts, Glück oder im großen Rahmen mit Beziehungen.

Seit Wochen schon werfen gewichtige Stimmen aus den Kreisen der Entscheider und die Experten den „Anlegern“ Knochen vor ihre Füße, die sie gierig aufsammeln. Die Möhrchen-Politik der Notenbanken funktioniert. Wird er? Oder wird er nicht? Als Kinder haben sie den Gänseblümchen die Blütenblätter heraus gerissen. Heute lesen sie Zeitung. Tapert er? Oder tapert er nicht? Und dann kommt alles anders und es wird hektisch…

Sekt oder Selters?

Heute Abend gibt es mitten im September eine Silvesterfeier – oder einen ausgefallener Kindergeburtstag. Was passiert dann mit dann den Aktien? Wird Gold teuerer? Bleiben die Renditen da wo sie sind? Oder setzen sie Anleihen ihre Talfahrt fort und die Renditen jagen nach oben? Ich werde mir die Sache mit großem Spaß ansehen, wenn der Chef des US-Dollars etwas vermeintlich Wichtiges bekannt geben wird und die Hochfrequenz-Programme am Abend endlich mal wieder richtig zu tun bekommen. Gibt es wieder eine Börsenpanne?

Ich weiß nicht, ob man heute seine Aktien bis zum Zeitpunkt der Bekanntgabe verkauft haben sollte – oder Calls auf den Die schreiben sollte. Ich habe so wenig eine Ahnung davon wie die, die sich auf diese Wetten eingelassen haben oder diejenigen die vermeintlich etwas entscheiden. Die FED wird das tun, was sie für sich und ihre Freunde für richtig hält. Und ich dann das meinige.

Schwarz oder rot? Bitte setze Sie jetzt!

Das Dumme ist – man ist ihnen ausgeliefert, denjenigen, die vorgeben, Währungshüter zu sein, sich aber weltweit durch eine Gemeinsamkeit auszeichnen – die Zinsen zu manipulieren und sukzessive die Währungen zu zerstören. Die Welt kannte Zeiten, in denen hat der Markt die Dinge geregelt, ohne die Herren mit den komischen Krawatten und der medialen Aufmerksamkeit. Heute werden diese Manipulatoren hofiert, gefeiert und mit Preisen geehrt.

Und nun? Während sich Otto Normal heute Abend versucht, die wichtigen Dinge aus Tagesschau zu erfahren, wird hinter den Kulissen darüber entschieden, was mit der Kaufkraft auch des heimischen Geldes auf den Konten passiert. Niemand kann nicht in einem Markt sein. Deshalb werde ich mir die Show des letzten großen Auftritts von Ben Bernanke anschauen.

Es wird ein großer Spaß – sozusagen eine heute-show am Mittwoch. Und dann werde ich meine Schlüsse daraus ziehen, weil ich (noch) die Freiheit dazu habe. Ich werde nach dem Spektakel über meine Bilanz mit den Ausgaben und Einnahmen nachdenken – und diese eventuell adjustieren. Im Gegensatz zu den US-Amerikanern ist es mir egal, wie sich die Kreditzinsen bewegen, denn ich hasse Schulden. Allein schon aus Gehässigkeit werde ich keine machen, obwohl auch die Ersparnisse von der Rückzahlungsfähigkeit der anderen Schuldner abhängt.

Auge um Auge. Zahn um Zahn. Ich werde nach einem Moment des Überlegens in Ruhe entscheiden, wie ich reagiere. Doch erst einmal, liebe FED, möchte ich meinen Spaß, vor dem andere so zittern. Das wird ein gemütlicher und vor allem lustiger Abend! Wetten?

 

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8 Kommentare auf "Höhepunkt eines angekündigten Spaßes"

  1. Michael sagt:

    Sich reich zu fühlen oder nicht, liegt ganz allein im Auge des Betrachters.

    Selten trifft man Leute, die von sich behaupten, sie haben genug.

    – Deswegen kann Sozialsmus nicht sozial sein und schon gar nicht die Gieskanne. Wollen sie Wohlstand in der Breite, dann müsste mal jemand sagen können – ich hab genug (dafür bräuchte man aber Preisstabilität) und lässt andere nachziehen … dann hätten man eine wesentlich bessere Einkommensverteilung und Vermögensverteilung. Es geht nicht darum, dass alle reich sein – es geht dass alle genug haben.

    Man soll nicht beim Weg des Hortens von Vorräten für den Winter die Kastanien fürs Reh bei der Krippe nicht vergessen. Hingehen muss das Reh schon noch selbst. Aber wo wie der Benji B. die Pferde bei der tränke füttert drängt sich mir der Verdacht auf, dass selbige bereits durch die Wüste ziehen.

    In der heutigen Zeit haben sie beinahe nicht Wahl einfach mal 0

    Zuwachs zu machen, ohne dass sie dafür noch einen ordentlichen
    Aufwand treiben. Die Banker sind ja nicht bös.

    Ich sah Geld als wertloses Tauschmittel. Die Sicht hat sich bestätigt. In der Realwirtschaft arbeitete ich allein
    a) Money Pump für Spekulation …
    b) Selbstständigkeit aus selbem Titel und auch als Alternative für Investition, wenn die Buy and Hold Alternativen schwächeln.
    c) Bindung von Pensionszahlung und Realwirtschaft über den Generationenvertrag.

    Die Private Pensionsversicherung ist ja bereits Ausdruck der Überhang von Finanzierungsmitteln im großen Stil.

    Bei allem ’schüren‘ von Unmut gegenüber der Spekulation. Auf den Finanzmärkten fragt keiner, wer du bist, woher du kommst und was du hast studiert. Früher war das die höhere Gerechtigkeit die man den erfolgreichen Unternehmern zugestand – das wäre noch traditionelle Sicht ‚wertgedeckte‘ Währung. Heute ist das Spekulation, Gold oder was auch immer.

    Ich denke irgendwann wird man mal den Uncle Ben’s Rice umbenennen und unter selbigen Namen Popcorn zum selbst machen vertreiben.

  2. Lickneeson sagt:

    Interessant wäre es, ob es um diesen „angekündigten Spass“ oder besser den „gespielten Witz“ herum einen Anstieg von Kriminalität, Suizid oder absurden Handelsorders gibt.

    Vielleicht sollte die FED in Zukunft lieber auf einen Kraken a la Paul setzen.Frau Yellen sieht übrigens aus wie Claudia Roth mit 70.Brrrr….

    A.Bsurd

  3. samy sagt:

    Der 31. Präsident der USA hieß Herbert Hoover.

    In seiner Rede zu seiner Kandidatur als Präsidentschaftskandidat sagte er 1928:

    „We in America today are nearer to the final triumph over poverty than ever before in the history of any land. The poorhouse is vanishing from among us. We have not yet reached the goal, but given a chance to go forward with the policies of the last eight years, and [sic] we shall soon with the help of God be in sight of the day when poverty will be banished from this Nation.“

    Im Oktober 1929 folgte die „Great Depression“. Eine Verdreifachung der Arbeitslosigkeit, ein Einbruch der Löhne um mehr als die Hälfte, 1000sende Banken ruiniert.

    Nicht Wenige behaupten, der WKII beendete erst die Krise.

    Hoover wird noch folgendes Zitat zugeschrieben, er soll damit die Vorzüge der FED gerühmt haben, wenn, dann offensichtlich vor 1929 ausgesprochen:

    „We shall have no more financial panics…. Panics are impossible….Business men can now proceed in perfect confidence that they will no longer put their property in peril…. Now the business man may work out his destiny without living in terror of panic and hard times…. Panics in the future are unthinkable…. Never again can panic come to the American people. – Herbert Hoover“

    Ich denke mir meinen Teil … ach ja … Ben pumpt weiter … und die Bäume sollten doch wenigstens diesmal in den Himmel wachsen.

    VG

    • Lickneeson sagt:

      “ Panics are impossible“

      Grossartig!Das Wort Panik kann durch allerlei anderes ersetzt werden.
      Politiker oder ähnliche Wesen werden NICHT für ihre Weitsicht oder ihr Wissen gewählt oder bezahlt, sondern aus Sympathie.Oder aus Mitleid???

      Egal, pump up the volume,Ben.

      Wen wunderts, er geht wie er kam – mit Druckerschwärze an den Flossen und verschwurbelten Erklärungen und Gründen.Bald macht dann „Claudia Roth 70“ weiter.

      „Panics in the future are unthinkable….“

      MfG

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