Christliches Miteinander – in Theorie und Praxis

4. Oktober 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

vom Smart Investor

Erwartungsgemäß ließ das Parlament den Zungenbrecher passieren, der dem dauerhaften Genickbrecher ESM (European Stability Mechanism) lediglich vorangehen soll. Wie wenig die Parlamente bei der aktuellen Ermächtigung noch mitzureden haben, zeigen zwei Schlaglichter: Vor der Abstimmung im österreichischen Parlament (die am Freitag stattfand) las man dort in der Zeitung den verräterischen Satz: „Heute stimmt das Parlament dem Rettungsschirm zu.“ Eine ergebnisoffene Abstimmung sieht anders aus…

Pofalla fällt aus der Rolle

Auch das Verhalten gegenüber „Abweichlern“ – das sind Abgeordnete, die so unabhängig entscheiden, wie es das Grundgesetz eigentlich vorsieht – ist geradezu entlarvend. Schon mehrfach konnten wir dies im Umgang mit dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler studieren. Nun musste auch Wolfgang Bosbach (CDU) am eigenen Leib erfahren, wie es sich anfühlt, nicht mit den Wölfen zu heulen:  Im Gegensatz zu vielen Abgeordneten, die – das zeigten Nachfragen – häufig nicht wirklich verstanden haben, was sie da eigentlich beschlossen, hatte Bosbach die Vorlage doch so genau studiert, dass er zu einem abweichenden Urteil gelangte.

Gemäß der bekannten Steigerung „Feind, Erzfeind, Parteifreund“ nahm Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (ebenfalls CDU) dies zum Anlass für üble Schmähungen des „Abweichlers“. Gut, dass der Papst schon wieder in Rom weilte; er wäre möglicherweise überrascht gewesen, über das christliche Miteinander in einer christlichen Partei. Wie demokratisch demokratische Parteien sind, dafür gibt es gerade in jüngster Zeit reichlich Anschauungsunterricht: Einpeitscher trifft Abweichler.

Alternativentwurf

In der vergangenen Woche besuchten wir den GO AHEAD! Business Summit 2011 in Wien. Der Kongress zur Österreichischen Schule der Nationalökonomie stand im dritten Jahr seines Bestehens unter dem Motto „Die Kernschmelze des Finanzsystems“. Hochkarätige Experten erläuterten ihre Sichtweise und gaben Handlungsempfehlungen. Bemerkenswert, dass trotz des bedrohlichen Themas, die anwesenden „Österreicher“ weder ängstlich noch verzagt wirkten. Sie besannen sich vielmehr auf ihre Kerntugenden: Mut und Verantwortung, mit denen sich – so ihre Überzeugung – auch diese Krise meistern lässt. Im Gegensatz zur heute praktizierten Wirtschaftspolitik, die vor allem dem Staat die Lösung von Problemen zutraut, wollen die Vertreter dieser Denkrichtung wieder den einzelnen Menschen und insbesondere den Unternehmer im Mittelpunkt sehen.

Menschliches Maß, Mut und Verantwortung sind jene Konstanten „österreichischen“ Wirtschaftens, die ganz ohne ideologischen Überbau zu der Nachhaltigkeit und Stabilität führen, die die aktuelle Politik der Intervention und Entmündigung der Bürger ebenso verzweifelt wie vergeblich sucht. In Smart Investor 11/2011 werden wir ausführlich über diesen Kongress berichten. Freuen Sie sich darauf. In Ergänzung dazu sei auch auf den Artikel „Krisen-Quintessenz – Die wichtigsten Punkte zur Finanz-, Wirtschafts- und Staatsschuldenkrise aus Sicht der Österreichischen Schule“ verwiesen, den Sie hier abrufen können.

Poker statt Markt

Die Märkte sind weiterhin von größter Unsicherheit geprägt. Obwohl die Aufstockung des EFSF von fast allen Parlamenten wunschgemäß abgenickt wurde, hielt die Verunsicherung an. Die Slowakei ist der letzte Wackelkandidat. Ähnlich wie in Deutschland steht allerdings auch hier die „Opposition“ bereit, das EFSF-Gesetz nötigenfalls durchzuwinken, falls die Regierung keine eigene Mehrheit „ertüchtigen“ können sollte. Die wirtschaftlich vernünftige und geradezu österreichische Argumentation des wackeren Parlamentspräsidenten Richard Sulik findet im Politikbetrieb des Landes wenig Gegenliebe. Welt.de berichtet etwa davon, dass die slowakische Premierministerin der Bundeskanzlerin „versprochen“ habe, den „widerspenstigen“ Sulik „auf Linie zu bringen“. Es scheint, dass sich nicht nur unsere Regierungschefin mit der Demokratie schwer tut… (Seite 2)

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Ein Kommentar auf "Christliches Miteinander – in Theorie und Praxis"

  1. rolandus sagt:

    Für alle die Herrn Suliks klare Worte nicht im ÖR gesehen haben…

    http://www.youtube.com/watch?v=7BLkQaUA-Vc

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