Chinesischer Neujahrskracher – Oder mehr?

10. Januar 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Von China ausgelöstes Börsenbeben (zu den Folgen nachher mehr), an den Grenzen ihrer Geldpolitik angekommene Notenbanken (das ganze Finanzsystem wackelt bedenklich), Saudi-Arabien kontra Iran (es geht nicht zuletzt auch um Öl), Silvesterskandal in Köln und anderswo einschließlich Versagen der Politiker und der Mainstream-Medien (ein Auswuchs unserer viel zu laschen Flüchtlingspolitik).

Wir haben es also schon zu Beginn dieses Jahres wahrlich mit dicken Brocken zu tun. Sie und weitere Herausforderungen werden in den nächsten Monaten hinzukommen. Dies vorherzusagen, braucht es nur wenig Phantasie.

Ich konzentriere mich in dieser Kolumne zwar im Wesentlichen auf Geldthemen, versuche sie aber im Zusammenhang zu sehen. Dazu nur das folgende aktuelle Beispiel: Die Tage nach dem Skandal von Köln haben in aller Deutlichkeit offenbart, dass in den Sendeanstalten (und anderswo) Schlafmützen das Sagen haben. Denn erst nach Tagen hielt man es dort für nötig, detailliert über kriminelle Handlungen betrunkener Ausländer zu berichten. Dieses Verhalten steht in einem seltsamen Kontrast zur Berichterstattung über Pegida-Demonstranten in Dresden, deren Sprüche nur allzu gern zum Anlass genommen werden, einen „mutmaßlichen rechtspopulistischen Hintergrund“ zu wittern und daraus am liebsten gleich eine Sondersendung zu machen.

Politik- und Medienversagen, finanziert mit unseren Gebühren für ARD und ZDF, da stimmt etwas nicht in dieser Republik. Insofern wird es besonders spannend, wenn die Wähler am 13. März in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt zur Landtagswahl schreiten. Dann dürfte sich in den Wahlergebnissen der ganze Frust gegen die etablierten Parteien niederschlagen. Eine entscheidende Frage bleibt bis dahin allerdings unbeantwortet: mit welcher Stimmenzahl und zugunsten oder zulasten welcher Parteien? Die Antwort wird maßgeblich davon abhängen, inwieweit es den Politikern in Bund und Ländern gelingt, das Flüchtlingsproblem zu lösen.

Nun zum China-Kracher von dieser Woche. Er hat alle großen wie auch die meisten kleinen Börsen der Welt zum Beben gebracht. Das ist nicht weiter verwunderlich, handelt es sich bei China doch um das bevölkerungsreichste Land, um die nach den USA zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Erde und ganz nebenbei um eine für deutsche Schlüsselindustrien wie Auto- und Maschinenbau entscheidende Volkswirtschaft. Aber wie geht es weiter? Dass der Börsenhandel vorübergehend suspendiert wurde, das gab es in der Vergangenheit an verschiedenen Finanzplätzen schon häufiger. Doch dass es dieses Mal in Shanghai und Shenzhen – sogar durch Intervention der Regierung – derart abrupt geschah, das ist neu. Wir müssen uns also daran gewöhnen, dass von China ausgehend ein allgemeines Misstrauen in Aktien einsetzen wird. Das Mindeste, was man daraus ableiten kann, ist eine stärkere Volatilität, also Schwankungsstärke der Aktienkurse. Sie können sie übrigens anhand von Indizes wie VDax (Deutschland) und Vix (USA) verfolgen.

Dazu gleich ein Tipp: Erreicht einer dieser beiden Indizes ein neues Hoch, warten Sie mit Aktienkäufen noch so lange, bis der Index fällt, ohne dem neuen Hoch anschließend nahe zu kommen. Diese Methode hat sich zuletzt bei deutschen Aktien Anfang 2009 und im Spätsommer 2011 bewährt.

Der Goldpreis hat auf die Börsenturbulenzen besonders positiv reagiert. Das ist zunächst nicht weiter verwunderlich, hat er doch kurz zuvor in Dollar, der international gängigen Messlatte, ein Mehrjahrestief erreicht. Hinter seinem jüngsten Anstieg steckt indes viel mehr. Auf einen Nenner gebracht: Gold wird von maßgebenden Großanlegern zunehmend als Schutz vor einem Zusammenbruch des ganzen Finanzsystems angesehen und gekauft, also als eine Art Versicherung. Nur dass die Versicherungsfunktion in diesem Fall nicht mit einer gängigen Police verbunden ist, deren Preis im Lauf der Zeit zulasten des Versicherungsnehmers steigt. Sondern mit einem seit Jahrtausenden auf allen fünf Kontinenten als besonders wertvoll angesehenen Edelmetall, dessen Preis zugunsten seines Besitzers im Versicherungsfall sogar steigt.

Am besten, Sie machen sich diese Denkweise zu eigen, unabhängig davon, ob der Goldpreis kräftig steigt und dadurch zu Gewinnmitnahmen reizt, oder ob er zwischendurch fällt und Gold dann von Bankern zum Verkauf empfohlen wird, damit sie sich günstig eindecken können. In diesem Sinn viel Erfolg mit Ihrer goldenen Versicherung!
Manfred Gburek – Homepage

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