Chinas Boom. Was, wenn er kippt?

1. März 2014 | Kategorie: Gäste

von Prof. Thorsten Polleit

Die Zeichen verdichten sich, dass sich die chinesische Wirtschaft verlangsamt. Vor allem scheint sich der chinesische Häuserpreis-Boom merklich verlangsamt zu haben…

Der Einkaufsmanager-Index fiel im Februar auf ein Siebenmonatstief von 48,2; Werte unter 50 signalisieren einen Rückgang der Produktion. Die verfügbaren Daten zeigen, dass sich die Preiszuwächse in vielen Häusermarktsegmenten abflachen (Abb. 1).

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Nicht selten folgt auf einen (Häuserpreis-)Boom ein Bust. Er ist bekanntlich schmerzlich, vor allem für das Banken- und Finanzsystem, das unter einer anschwellenden Last von Problemkrediten zu leiden hat.

Der chinesische Aufschwung wurde bislang durch eine starke Kredit- und Geldmengenausweitung angetrieben, und nach wie vor wächst das Bankkreditangebot mit relativ hohen Raten (Abb. 2 (a)).

Allerdings zeigt sich nun ein Abflachen der Wachstumsraten für Kurzfristkredite – eine Entwicklung, die für wachsende Spannung im Markt für die Refinanzierung fällig werdender Kredite stehen könnte.

Gleichsam hat sich das Wachstum der Geldmenge M1 drastisch verlangsamt. Die Bargeldhaltung, die Bestandteil von M1 ist, wuchs zwar im Januar um 22,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Jedoch dürften Bankkunden ihre kurzfristigen Giroguthaben bei chinesischen Banken merklich abgebaut haben – möglicherweise aufgrund von Zweifeln an der Kreditwürdigkeit einiger Geldhäuser.

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Weil die Geldmenge M1 Teil der „breiten Geldmenge“ M2 ist, schwächt sich jetzt auch M2 merklich ab. Die Wachstumsrate von M2 in Höhe von 13,2 Prozent im Januar 2014 fiel dabei immer noch relativ hoch aus.

Das chinesische Banken- und Finanzsystem ist in den letzten Jahren nicht nur überaus stark gewachsen, sondern es ist auch bereits sehr groß geworden relativ zum Bruttoinlandsprodukt. Dies wiederum kann beim Platzen einer Spekulationsblase, die insbesondere mit Kredit finanziert wurde, langanhaltende gesamtwirtschaftliche Anpassungen erforderlich machen.

Bekanntlich lässt sich der Zeitpunkt, wann ein „Boom“ in einen „Bust“ um-kippt, ex ante nicht exakt bestimmen. Dazu spielen zu viele Faktoren eine Rolle; und richtig zu prognostizieren ist eine Gabe, keine Wissenschaft.

Der Blick auf die Häuserpreis-, Konjunktur- sowie die Kredit und Geldmengen-entwicklungen könnte das Bild eines (um-)kippenden, bislang stark kreditgetriebenen Booms andeuten.

Eine zunehmende Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe – ausgelöst durch zum Beispiel Zweifeln am Fortgang des Booms – könnte bestehende kon-junkturelle Abschwungtendenzen verstärken.

In einem solchen Szenario drohen dem Banken- und Finanzsystem mitunter er-hebliche Verluste – insbesondere dann, wenn ein Häuserpreis-Boom tatsächlich in einen Bust umkippen sollte.

Allerdings sollten die (Kreditausfall-)Gefahren für das internationale Geld- und Kreditsystem, die von Problemen im chinesischen Banken- und Finanzsektor ausgehen könnten, vermutlich nicht überschätzt werden. Denn… (—> Seite 2)


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