China-Kracher und Geheimdiplomatie

14. Mai 2015 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

Während der Westen sich selbst bespiegelt, schreitet China in die Zukunft. Die prominente Fondsmanagerin Anna Ho von Nestor Fonds – zuständig für China und den Fernen Osten – referierte auf einer Telefonkonferenz zum Thema „Das Schleusentor ist geöffnet“. Es ging um China und Ho ist der Ansicht, dass man diese spannende Zeit nicht verpassen dürfe…

Der chinesische Aktienmarkt sei heute für alle drei wesentlichen Gruppen von Marktteilnehmern attraktiv. Die Performance der letzten Monate habe vor allem die Momentum-Trader auf den Plan gerufen. Vor dieser Phase waren China-Aktien allerdings über längere Zeit vernachlässigt, weshalb sich hier – und trotz des jüngsten Kursaufschwungs noch immer – ein Nachholbedarf gegenüber dem MSCI Welt-Aktienindex aufgebaut habe. Das locke jene Anleger an, die auf zurückgebliebene Märkte setzen.

Index ist zudem ein gutes Stichwort, denn mit der Verschiebung der wirtschaftlichen Gewichte werde auch der Anteil Chinas am Welt-Aktienindex weiter ansteigen. Damit kommen auch indexorientierte Anleger nicht am Reich der Mitte vorbei. Aber auch fundamental gibt es einige hochinteressante Entwicklungen. Etwa das gigantische Projekt einer „Neuen Seidenstraße“ das China mit Russland, Europa und der arabischen Welt verbinden soll – ein gewaltiger Treiber für künftige wirtschaftliche Prosperität.

Auch die erst jüngst aus der Taufe gehobene Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB) sei ein gewaltiger Schritt nach vorne. Inzwischen wollen hier 58 Länder teilnehmen – darunter auch Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Von den Großen stehen hier nur die USA abseits. Die Mischung aus unablässigem Reformwillen und zunehmendem wirtschaftlichen Einfluss werde China aus der Rolle eines nur „peripheren Marktes“ herauswachsen lassen.

Die in der Vergangenheit relativ schwächere Entwicklung des chinesischen Aktienmarktes im Vergleich zum chinesischen Wirtschaftswachstum führte Ho zum Teil auf die mangelnde Liberalisierung der chinesischen Märkte zurück. Mit Hinweis auf das Japan der 1970er Jahre zeigte sie, welche Schätze am chinesischen Markt noch gehoben werden können, wenn die Pekinger Führung die Weichen in Richtung Deregulierung und Liberalisierung stellt. Allerdings – so muss man kritisch anmerken – endete das japanische Börsenwunder viele Jahre später in einer beispiellosen Blase und einem langjährigen Kursrückgang. Eine solche Entwicklung ist aus heutiger Sicht freilich noch in weiter Ferne. Insgesamt kann man aber feststellen, dass es China seit vielen Jahren gelingt das stürmische Wachstum klug zu managen und für das riesige Land eine echte Perspektive zu entwickeln.



Erstarrter, „reicher“ Westen

Während die chinesische Politik Wachstum und Zukunft managt, verwalten weite Teile des Westens inzwischen nur noch ihre Vergangenheit und den eigenen schleichenden Niedergang. Eine der wohl dümmsten Politparolen lautet „Deutschland ist ein reiches Land“. Auch wenn die Aussage hinsichtlich einiger Kennzahlen noch immer richtig ist, Zukunftsfähigkeit erwächst sicher nicht aus einer solchen Geisteshaltung satter Selbstzufriedenheit.

Bezeichnenderweise hört man Selbsteinschätzungen wie „Wir sind ein reiches Unternehmen“ aus der Wirtschaft praktisch nicht. Es ist die typische Haltung eines Politikers, den der Wählerwille für einige Jahre an die Fleischtröge gespült hat, ohne dass er selbst Nennenswertes zum Reichtum des Landes beigetragen hätte. Wenn die Aussage dann auch noch zum Anlass genommen wird, eine Vielzahl ökonomisch unsinniger Maßnahmen zu rechtfertigen, „weil wir uns das ja leisten können“, dann ist sogar eine Beschleunigung des Abstiegs vorgezeichnet. Dazu muss man kein Prophet sein, sondern einfach nur die Augen öffnen.

Der europäischen Politik fehlen erkennbar tragfähige Konzepte, weshalb sie sich klugerweise nicht länger anmaßen sollte, „Zukunft zu gestalten“. So erwies sich der konkrete Versuch, die Völker Europas mit einer Einheitswährung zu einen, schon jetzt als Desaster, obwohl die Schlussrechnung noch nicht einmal präsentiert wurde. Längst überwunden geglaubte Gräben wurden quer durch den Kontinent aufgerissen und das ganze Konstrukt kann ohnehin nur durch intensive Tricksereien am Leben erhalten werden.

Am Montagabend erwähnte Martin Armstrong (vgl. Titelstory des aktuellen Smart Investor 5/2014) am Rande einer Vorführung des Films „The Forecaster“ in München, dass noch im Mai ein Geheimtreffen der Finanzminister und Notenbankchefs stattfinden werde, bei dem erneut drastische Maßnahmen anstünden. Mehr dazu im nächsten Smart Investor 6/2015.

Erneuter Schwächeanfall

Auch der DAX liefert aktuell keinen Anlass zu überschäumender Begeisterung. Die Euphorie der letzten Monate wird gerade „normalisiert“. Im Chartbild (vgl. Abb.) zeigen sich zwei wichtige Formationen – mit allerdings gegensätzlichen Aussagen. Zum einen ist da der blau gezeichnete Aufwärtskanal, der im Rahmen der jüngsten Korrektur zwar während einer Sitzung angekratzt wurde, auf Schlusskursbasis aber bis heute hielt.

2015-05-13_DAX

Allerdings markierte der erste Ausbruch aus diesem Kanal im März – damals noch nach oben – den Keim für die heutigen charttechnischen Schwierigkeiten. Rückblickend bildete sich seinerzeit nämlich bereits die erste Schulter („S“) einer Schulter-Kopf-Schulter-Formation, die als eine der bedeutenden charttechnischen Umkehrformationen angesehen wird. Das eigentliche Verkaufssignal ergab sich dann, als der Kurs die gedachte Verbindung der Tiefpunkte zwischen den Schultern, die sogenannte „Nackenlinie“ (rot), nach unten durchschlug.

Im Ergebnis hatten wir ein relativ frisches Verkaufssignal und(!) einen noch intakten Aufwärtstrend. In der Regel wird das frische Signal höher gewichtet. Und wer den vorhandenen Trendkanal schon einmal gedanklich abhakte, bekam heute im späten Handel Recht. Das „Niemandsland“ des gelben Bereichs zwischen Nackenlinie und unterer Begrenzung des Aufwärtskanals wurde nach unten verlassen. Theoretisch besteht noch die Möglichkeit eines Fehlsignals und eines schnellen Zurückschnalzens des Kurses. Auch bedeutet ein solcher Trendbruch nicht zwangsläufig einen Abwärtstrend. Typischer wäre zunächst eher nur eine Auffächerung und Verflachung des Aufwärtstrends. Das würde bedeuten, dass die aktuelle Abwärtsbewegung schon bald von einer Aufwärtsreaktion abgelöst wird.

Man sollte daher in den nächsten Tagen auch das Umsatzverhalten genau beobachten – Volumen geht mit dem Trend. Im kommenden Smart Investor 6/2015 werden wir noch einmal die aktuelle Lage der Aktien abklopfen und dabei neben der nach wie vor sehr positiven Geldpolitik auch die Entwicklung des Euro, den Einbruch am Rentenmarkt und die Marktstimmung analysieren.

Fazit

In aller Regel beruht die Einmischung der Politik in das Wirtschaftsgeschehen auf der „Anmaßung von Wissen“. Dennoch muss man feststellen, dass der chinesische Entwicklungsplan für das Land bislang durchaus erfolgreich war. Ein Kompliment, das man der europäischen Wirtschaftspolitik nicht ernsthaft machen kann – einer der Gründe, warum Europa relativ zurückfällt. Deutsche Aktien konnten sich nach dem Rückgang der Vorwoche wieder etwas stabilisieren, erlitten heute aber im späten Handel einen erneuten Schwächeanfall.

Ralph Malisch, Christoph Karl – Homepage Smart Investor



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4 Kommentare auf "China-Kracher und Geheimdiplomatie"

  1. stefan sandor sagt:

    Ja, tatsächlich ist Deutschland reiches Land! Es ist reich an Massenverdummung, reich an Betrug und Willkür der Geschäftsführung (selbstgenannt „Bundesregierung“), reich an Kriegshetze und Lügen, reich am Gewinn vom globalen Völkermord.
    Die Reichen brauchen Kriege (die sie als Frieden für ihre willenlosen Sklaven umdeuten), damit sie auch immer schön lange reich bleiben…

    Der Papst hat es wunderbar bei den 7000 italienischen Kindern erklärt, jedoch davon hört man in Main-Shit-Medien nichts….

    • bluestar sagt:

      @stefan sandor
      Die Papstrede fand ich auch sehr aufrichtig und zutreffend. Sollte man eigentlich dringend in allen Schulen verbreiten und diskutieren.
      Aber interessiert das wirklich die Massen in Deutschland ? Das Niveau befindet sich doch mittlerweile auf konsumierendem Hausschwein-Niveau. Solange der eigene Futtertrog voll ist,
      es Unterhaltung und Spiele gibt, ist die Welt in Ordnung und man vertraut weiterhin den Blockparteien. Selbst Akademiker sind zu ahnungslosen, unterwürfigen und obrigkeitshuldigenden Trotteln verkommen. Ronald Gehrt beschrieb die Situation einmal „Affen mit smartphones“.
      Deutschland – früher ein Vasall der Besatzungsmacht- ist heute zu einer reinen Kolonie verkommen, die ihren streng überwachenden Kolonialherren unterwürfig auch noch als Freund und Verbündeten bezeichnet. Diese Mischung aus tagtäglich öffentlich verbreiteten selbstzerstörendem Gehorsam, Lügen, Verdummung, Propaganda, Trägheit, Selbstlob, Anmaßung und Selbstüberschätzung ist unerträglich geworden.Nach meiner Einschätzung gibt es hier mittlerweile höchstens noch 5-10% wirklich gebildete Menschen mit eigener Meinung, Freiheitsliebe, Mut, Unternehmergeist, Verantwortungsbewusstsein und Nationalstolz. Dazu kommt eine korrupte und teilweise kriminelle Elite, deren Machterhalt um jeden Preis und gegen jegliche Vernunft das Land in Chaos und Diktatur führt.
      Deutschland hat mit dieser Konstellation keine Zukunft, leider ist es meine Heimat und ich liebe sie trotzdem…
      Und verehre die klugen und aufrichtigen Zeitgeister wie Rott, Smart Investor, Wimmer, Elsässer, Meyer, Müller, Jebsen, Hellmeyer und viele weitere wertvolle Menschen mit Geist und Mut.
      Sie sind die Hoffnungsträger der Nation.
      VG aus Sachsen

  2. MFK sagt:

    Seltsamer Artikel.
    1) Der Autor setzt den Satz „Deutschland ist reich“ mit Zukunftsfähigkeit in einen Zusammenhang. Erstens ist ein Land nicht reich, sondern Teile seiner Bevölkerung und zweitens können auch Menschen in einem Land ohne Zukunftsfähigkeit reich sein. Ob es künftige Generationen noch seien werden, steht auf einem anderen Blatt.
    2) Die Einmischung der Politik in das Wirtschaftsgeschehen beruht nicht auf der Anmaßung von Wissen. Die Politik operiert hier immer mit der Forderung von dem Primat der Politik gegenüber Märkten. Dies ist aber ganz etwas anderes als das Anmaßen von Wissen. Hier geht es um die Bedienung von Klientelwünschen die auch gegen den Markt durchgesetzt werden sollen. Auch die Wirtschaft ist sich übrigens nicht zu schade, dieses Spiel mitzumachen, wenn es ihr nutzt und missbraucht die Politik genauso wie es andere Lobbygruppen tuen.
    3) Wer länger in China gearbeitet hat, weiß dass die Chinesen auch große Zocker sind. In dem chinesischen Aktienmarkt werden sich noch viele eine ganz blutige Nase holen. Die boom and bust Zyklen werden dort viel größer ausfallen als in allen anderen Märkten. Auch sonst wiederholt China die Fehler des Westens, insbesondere was das Geldsystem und Verschuldensmechanismen angeht. Dieses bekommt hier in D aber kaum jemand mit. Also viel Spaß beim Zocken im chinesischen Aktienmarkt.

  3. normalo sagt:

    Reich ist Russland (mit seinen Bodenschätzen) aber nicht Deutschland wenn man Zukunftsorientiert denkt. Papiergeld kann man in der jetzigen angespannten Lage nicht als Reichtum bezeichnen.

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