Bits, Bytes und die Krise

5. März 2009 | Kategorie: Kommentare

Die CeBIT in Hannover ist in diesem Jahr etwas langsamer angelaufen als sonst. Man konnte einfach so durch die Gänge laufen, ohne von einer Meute überrannt zu werden. Draußen blühen Haselnusssträucher, drinnen die Hoffnungen auf eine bessere Welt… Und schaut man ganz genau hin, blühen andere Gewächse, die einem eher Angst machen sollten…

Die CeBIT war früher ein tolles Geschäft. Die Hoteliers verkauften Räume in Bretterbuden in Peine an der Autobahn für 250 Euro pro Nacht und Nase. Das hat sich jetzt geändert. Unser Hotel wollte nur noch 150 Euro pro Nacht haben, obwohl man dort nicht tot über dem Gartenzaun hat hängen wollen… 300 DM für ein Zimmer, in dem sich das Duschwasser staute, obwohl die Dusche selbst so futuristisch anmutete wie ein plastikartiger Nacktscanner aus den 60er Jahren. Der Föhn hätte mir fast die Haare entzündet und die Heizung rumpelte aus einem Schlitz an der Decke. Es war ein Hort der Heiterkeit. Wir da am Frühstückstisch waren der felsenfesten Überzeugung, es handelt sich um ein Phantom-Hotel, getarnt durch Primeltöpfe am Haupteingang. Vor der CeBIT wird es in Gang gebracht, um in den restlichen Monate zu schlafen…

„Es gibt weniger Beutelratten in diesem Jahr“ sagte eine nette Dame am Stand einer kleinen Softwarefirma. So nennt sie die Besucher, die mit Taschen auf der Jagd nach Kugelschreibern und anderen Geschenken sind. Heute aber schlendert man gemütlich durch die Gänge, auf Ausschau nach Neuigkeiten und entdeckt dabei Leute, mit einer ganz besonderen Sprache, die mir wiederum meine verschlägt.

Ach, liebe Leserinnen und Leser, der Autor dieser Zeilen hat von Software und IT nicht so viel Ahnung, zeigt sich aber lernwillig. Intelligente Küchen, bedient von Leuten, die nicht kochen können, Computer in Kinderzimmern und Überwachungskameras machen ihn nicht wirklich an. Die Produzenten und Designer aus Denkfabriken überlegen, was ein Dummkopf alles gebrauchen könnte, um sich besser und überlegener zu fühlen. Die Welt ist voll von diesen Leuten und wohl deshalb machen Unternehmen noch so gute Geschäfte. Die modernen Menschen von morgen tragen ihre Krankenakte auf einem Chip herum, das Handy ist zu einem weiteren Körperteil geworden und das Internet ist wichtiger als der/die Liebste an der Seite. Zwei Wochen ohne Freundin sind erträglicher als zwei Wochen ohne Netz. Selbst der US-Intel-Chef war sich da nicht so ganz sicher.

In den Unternehmen selbst geht es um Marktführerschaften und vor allem um das Senken von Kosten. Was Software kann, braucht keinen Menschen und auch keine Überweisungsformulare für Löhne und Sozialbeiträge. Es mag dabei sinnvoll sein, auch an die Umwelt zu denken, doch bei Konjunkturprogrammen für die Autobauer spielt das keine Rolle. Dabei ist die weltweite Rezession ein weltweites Klimaschutzprogramm. Warum feiert das keiner?

4.300 Aussteller haben den Weg nach Hannover gefunden, um der Welt ihre Ideen zu zeigen. Alle wollen Geschäfte machen und viele haben einen großen Plan. Das ist übrigens der Lieblingswitz der Götter. So führen die Aussteller teils verblüffende Dinge mit sich. Doch dazu lesen Sie bitte die Fachzeitschriften, bevor ich Sie in die Irre leite. Ich beobachte Menschen…

„Sie können doch der virtuellen Welt nicht einfach den Rücken zudrehen“, sagte eine Frau am Stand von Citrix zu mir, als ich mit einem Gast kurz vor der Schaltung am Rande des Stands wartete. „….oder ist es Ihnen egal, wie Sie künftig leben?“ Dabei wusste die Frau nicht, dass mir die reale Welt auch ganz gut gefällt. Woher auch?

Ich war beeindruckt von einem Vortrag eines Mannes, der Solutions und Applikationen präsentierte, die webbasiert Rechenzentren dynamisch visualisiert, wo der User dann einen enormen Effizienzschub erfährt, weil der Administrations – und Supportaufwand…. Sorry, den Rest habe ich vergessen…. Für mich war es spannend, wie der Präsentator ganz viele fremdländisch klingende Worte aneinander setzte, bis ich mich bei einem Besucher nach der Sprache des Vortrags erkundigte. Niemand wusste es, doch wir waren uns alle sicher, dass er die Welt besser machen will.

Auf der Messe ging es viel um das Thema Kosten in Unternehmen. Mit dem Einsatz von IT und entsprechender Software könnte man diese senken. Doch der Markt bevorzugt gerade ganz alte und einfache Mechanismen. Er füllt die Warteräume in den Arbeitsagenturen. Unternehmen bauen Jobs ab, halten sich mit Investitionen zurück und werfen Leute auf die Straße. Ob ein PC 50 oder 100 Watt verbraucht ist Mister Market im Moment jedenfalls ziemlich schnuppe. Er schubbst „Marktteilnehmer“ aus den Bahnen, die schon lange nicht mehr dort kreisen sollten. Opel wehrt sich noch. Die Schwierigkeiten sind durch die Umstände erst zu Tage getreten, obwohl sie längst da waren. Krisen haben auch ihr Gutes.

Durch den Einsatz von IT werden Geschäftsprozesse schneller. Viele meinen auch, sie werden sicherer. Eine ganze Halle war dem Thema Sicherheit gewidmet. Kameras hier, Chips dort, und Leute, die ganz eifrig an Programmen stricken, die bösen Buben das Leben schwerer machen und gleichzeitig auf Schritt und Tritt überwachen, wenn es entsprechende Interessenten gibt. Ich wusste bis heute nicht, wie intelligent die Überwachungskameras inzwischen geworden sind. London verfügt über eine Million solcher Kämpfer gegen den Terrorismus. Es gibt gerade Versuche, in denen man den Bürger stimmlich auf sein Vergehen hinweist, wenn er einen Kaugummi auf die Straße spuckt oder eine Zigarette auf dem Bürgersteig entsorgt. Da es offenbar nicht so viele Terroristen wie Bürger gibt, kümmert man sich eben um das Wohl des Bürgers.

Ach, da wäre noch eine kleine Geschichte aus der Welt von Intel. Hannes Schwaderer, der Intel-Chef hat sich über eine Stunde Zeit genommen, um mir die Dinge mit den Prozessoren zu erklären. Man arbeitet dort auch an Lösungen für Internetanwendungen im Auto. Solch ein Gefährt hat Intel nach Hannover gebracht und es als Ausstellungsstück vor die Halle 33 gestellt. Ein paar Stunden später klebte unter dem Scheibenwischer ein Knöllchen. Falsch geparkt….

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