Carl Menger zwangsverpflichtet. Widerstand zwecklos.

24. Januar 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Ein schriller Ton liegt in der Luft, eine Art von Protest. Er scheint von Carl Menger zu stammen. Wer kann es dem Ökonom verdenken, jetzt, da sein Name für einen Preis herhalten muss…

An einem Menger-Preis ist ja nichts zu bemängeln, nur von wem er kommt und vielleicht auch, an wen er geht. Hier findet eine Art von Umwidmung statt. Willkommen in einer neuen Zeit.

Da wird ein Preis eines „Marktwirtschaftlers“ von Leuten vergeben, die „Märkte“ bekämpfen und sich monetär zwischen die Fronten werfen und sich wahrscheinlich selbst Marktwirtschaftler nennen. Carl Menger würde vermutlich seinen Namen nie in Verbindung mit den heutigen Notenbankern mit ihren „blasendbildenden Maßnahmen“ genannt wissen wollen. Aber Menger kann sich ja nicht wehren. Vielleicht gibt es ja bald einen Eduard Zimmermann-Preis, vergeben von der Mafia…

Meyers Money-Fest: Über den täglichen Wahn und Sinn an den Kapitalmärkten

Die meisten kennen seinen Namen nicht, bringen ihn vielleicht mit „Mengenlehre“ in Verbindung und verwechseln einen „Mengerianer“ mit einem Außerirdischen. Dabei war der Mann ein kluger Ökonom – einer der die Schule der Österreichischen Nationalökonomie in den Grundfesten mit erbaute, vor mehr als 100 Jahren. Menger hat es mit seiner „Grenznutzentheorie“ später zu Berühmtheit geschafft. Er würde den Markt regieren lassen und niemand anderes.

Das nenne ich schrill. Ihm zu „Ehren“ wird jetzt ein Preis ausgelobt, eben ausgerechnet von Notenbanken, den Hütern des Papiergeldes und den Meistern auf der Zeitachse monetärer Kunst. Ich bin mir nicht mal sicher, ob Menger nicht böse Schriften gegen Notenbanken veröffentlichen würde. Notenbanken schalten heute die Märkte, indem sie den Zins ausschalten und aus dem Markt einen Zombie machen, könnte Menger anmerken.

Und so ist es doch erstaunlich, wenn die Österreichische Nationalbank, die Bundesbank und die Schweizer Nationalbank einen Menger-Preis vergeben. Wobei… ÖNB und BuBa haben wegen des Verlustes ihres Geldmonopols maßgeblich gar nichts mehr zu entscheiden. Witziger wäre doch, wenn die EZB diesen Preis verleihen würde. Oder die japanische Notenbank. Oder die FED… posthum an Ludwig von Mises…

Ja, ich sehe schon die Vegetarier Wurstpreise verleihen – und Laktoseopfer Milchschnitten. Warum nicht? Schließlich bekommt Hermann van Rompuy den Karlspreis und der US-Präsidenten wurde mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Das ist heute so. Die Elite feiert sich selbst.

Sind Sie geeignet?

Leben Sie in Europa? Sind Sie unter 45 Jahre alt? Dann rufen Sie an! Nein, das war etwas anderes. Außerdem wird man nominiert. Der Preis wird vergeben für hervorragende Forschung in den Bereichen der monetären und internationalen Makroökonomie, heißt es in der Pressemitteilung. Deutsche Bundesbank, Schweizer Nationalbank und die Österreichs Nationalbank spendieren 20.000 Euro als Preisgeld. Viel Geld, morgen schon weniger wert als heute. Preise für eine Sache entspringen ja dem Einzelnen während seiner Überlegungen und Handlungen, so Menger stark verkürzt. Der Preis ist mit einem Forschungsaufenthalt bei einer der beteiligten Notenbank verbunden.

„Alle Dinge stehen unter dem Gesetze von Ursache und Wirkung.“, höre ich ihn sagen. Vielleicht ließe sich die Angst vor Inflation und Deflation in einer Zentralbank ohne Geldmonopol ergründen – vor einer Folge, dessen Ursache die Zentralbank selbst ist.

Menger bleibt nur der hilflose Blick auf eine große Feierstunde im Herbst und etwas Schaum vorm Mund. Da oben, sollte er sich dort aufhalten, würde John Maynard Keynes versuchen, ihm Trost zu spenden, während Kurt Richebächer mit den Fäusten auf die Tische haut.

Von Menger stammt folgendes Zitat…

„Die bisherigen Versuche, die Eigenthümlichkeiten der naturwissenschaftlichen Methode der Forschung kritiklos auf die Volkswirtschaftslehre zu übertragen, haben denn auch zu den schwersten methodischen Mißgriffen und zu einem leeren Spiel mit äußerlichen Analogien zwischen den Erscheinungen der Volkswirthschaft und jenen der Natur geführt.“

Er hat Recht.

In der Pressemitteilung heißt es, dass gerade die vergangenen Jahre gezeigt haben, wie wichtig die Forschung in denjenigen Bereichen ist, die für die Stabilität der Finanzmärkte relevant sind, denn viele Aspekte der offenbar hinter und liegenden „Krise“ haben auch zu Kritik an der Rolle der Wirtschaftswissenschaften geführt.

Man brauche innovative Forschungsansätze, um die Wirtschaftspolitik zukunftsorientiert zu fundieren, sagte Peter Mooslechner, der Direktor der Österreichischen Nationalbank. „Die Finanzkrise hat Geldpolitik und Geldtheorie vor neue Herausforderungen gestellt“. Es gibt eigentlich nur einen Kandidaten für den Carl Menger Preis: Menger selbst.

Was hat Menger mit diesem Preis zu tun? Wir wissen es nicht, aber ich vermute, hier liegt eine Verwechslung vor. In den Telefonbüchern gibt es viele Menger oder Derivate seines Namens. Nein, das kann alles nur ein Missverständnis sein, was sich hoffentlich bald aufklärt.



Meyers Money-Fest: Über den täglichen Wahn und Sinn an den Kapitalmärkten

 

Schlagworte: , , , , ,

2 Kommentare auf "Carl Menger zwangsverpflichtet. Widerstand zwecklos."

  1. wolfswurt sagt:

    Mengenlehre war gut.
    Im Zitat von Menger drückt sich auch die Ursache klar aus.
    Je entfernter von der Natur umso größer die Mißgriffe.

    Da die weit Entfernten ohne Einsicht nicht zurück finden werden, rollt der Zug bis zum bitteren Ende.

  2. VickyColle sagt:

    „Es gibt eigentlich nur einen Kandidaten für den Carl Menger Preis: Menger selbst.“ …
    wie wahr wie wahr und Du weisst ja genau wie ich dazu stehe.
    Fast könnte man meinen es wäre ein Skandal, wie Du richtig schreibst, wenn da nicht,
    da nicht diese …. efft efft ….,vielleicht erleben wir ja wirklich noch Zeichen und Wunder und der Preis, von genau diesen, mit genau diesem Namen kommt zur rechten Zeit …? 😉

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.