Caramba in Villarriba und Villabajo

3. Juli 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Hola, ¿qué Tal? Hallo, wie geht es? Super! rufen die Spanier. Bei 25,9 Prozent Arbeitslosigkeit und einer Rekord-Verschuldung kurz vor der Billion kann es ja nur bergauf gehen. Vor allem, nachdem die Spanier aus der WM geflogen sind…

Die Spanier haben jetzt nicht nur einen neuen König mit einer Schwester, die der Korruption bezichtig wird, sondern auch so viele Schulden wie noch nie. Da passt es gut, dass das Ende der Krise auf meiner Lieblingsinsel wie abgesprochen inmittern meines Urlaubs fällt.

Inzwischen haben Statistiken, Prophezeihungen und Propaganda auch hier in Spanien die Wirkung einer Predigt in der Kirche überholt. Glauben kann man das alles wohl, allerdings spricht die Realität eine andere Sprache. Wer in die Zukunft schauen möchte, sollte sich in der Vergangenheit umschauen.

Spanien war schon mehrfach pleite. Damals war es noch einfach, sich der finanziellen Lasten auf einfache Art und Weise zu entledigen. Erst inflationierte man den Schuldenberg, zerschmetterte danach die Kaufkraft der Peseta und zahlte dann nicht.

2010 durfte man die Schulden nicht wie üblich ausbuchen, sondern nur umbuchen. Die armen Banken als Gläubiger hätten ja Schaden nehmen können. Zudem übernahmen die zur Zahlung verpflichteten Nachschuldner die finanziellen Lasten. Jemand zahlte, notfalls die EZB. Als Gegenleistung für die Schuldengarantie ging die spanische Wirtschaft erfolgreich vor die Hunde, was gar nicht nötig gewesen wäre, wenn man das Thema „Geld und Kredit“ verstanden hätte. Folglich stiegen die Schulden nur noch stärker.

Der Peseta ist Geschichte. Der Euro passte nicht zu Spanien. Den Rest dieser Geschichte kennen Sie ja. Auch der Euro soll weicher werden, was dem gleichen Prinzip der spanischen Peseta folgen sollte. Es trifft uns vereint dann alle, aber erst später. Es geht ja erst richtig los, nach allem, was man lesen kann – mit einem Italiener an der Spitze der EZB und der Mehrheit der Stimmen im EZB-Rat von denen die sich mit Schulden auskennen.

Und jetzt sagen die Häuptlinge der Iberer, die Krise sei vorbei! Was habe ich gelacht. Und gefeiert. Ich glühe vor Optimismus. Die Spanier sicherlich auch. Alles wird gut. Quatsch! Noch besser! 

Zwar ist Spanien entgegen aller Erwartungen kein Fußball-Weltmeister geworden, dafür aber in die Riege der Schuldenweltmeister aufgenommen worden. Der spanische Leitindex IBEX hat in diesem Jahr 11 Prozent zugelegt. Wenn das kein hinreichender Beweis für einen Aufschwung ist. (Quelle)

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Zudem leiht sich der spanische Staat Geld zu rekordverdächtig niedrigen Konditionen dank der EZB. Für 2,74 Prozent auf zehn Jahre oder 0,46 Prozent für zwei Jahre liegen die Zinssätze inzwischen unter denen der USA. Die Zinssätze haben eine ähnliche Wirkung wie der Biss einer spanischen Fliege. Sie verführen zu Halluzinationen und Verwirrung im Denk – und Sprachzentrum. Hier die Renditen für 10-jährige Staatspapiere (Quelle)

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Und dann wachsen die Schulden auch noch doppelt so schnell, wie die Wirtschaftsleistung. Es ist fast wie früher und wird sicherlich noch besser. Spaniens frühere Aufschwünge waren ohnehin auf neuen Schulden aufgebaut. So wird es dann künftig wieder sein. Aufschwung ist Aufschwung. Diesmal aber europaweit… (Seite 2)



 

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7 Kommentare auf "Caramba in Villarriba und Villabajo"

  1. Helmut Josef Weber sagt:

    Solange Spanien den Euro hat, wird die Verarmung immer weiter fortschreiten.
    Ein Land, dessen Strukturen der Verwaltung aus dem Mittelalter kommen und wo der König (heute Ex) wie in Afrika, auf Elefantenjagd geht, während Teile der Bevölkerung hungern; wo selbst Mitglieder der Königsfamilie sich die Taschen mit Geldern der Mafia vollstopfen, kann nur mit einer eigenen Währung leben und nicht mit dem Euro, den auch gleichzeitig der Exportweltmeister benutzt.
    Aber ich denke, es wird erst noch viel mehr Blut fließen müssen, bis die Mafia in Brüssel ein Einsehen hat.

    Viele Grüße
    H. J. Weber

    • sunshinegeorge sagt:

      also ist spanien schuld ? und am deutschen wesen soll die welt genesen, lächerlich

      • FDominicus sagt:

        Wer ist denn für das Elend der Spanier schuld? Das sind doch wohl offensichtlich die Spanier selber. Das es dort auch eine Handvoll Hanseln gibt, die das alles nicht wollten, wird in diesen demokratischen Staaten unter den Teppich gekehrt. Wer hat die Spanier gefragt ob Sie diese EU wollen? Wer hat uns gefragt ob wir diese EU oder den EUR wollen? Vielleicht sollten Sie sich mal überlegen, wer uns den ganzen Schlamassel eingebrockt hat. Das ist weder irgendein „Normal“spanier noch irgendein „Normal“Deutscher. Die ganze EU stinkt nach purem nackten Sozialismus, Etatismus und Verbrechen ohne Beispiel…

  2. Helmut Josef Weber sagt:

    Ich lebe seit 14 Jahren in Spanien.
    Wer wissen will, warum die Leute in Spanien nicht auf die Beine kommen, sollte mal in Spanien ein Haus bauen, ein Auto in die Werkstatt bringen oder einen Kundendienstmonteur im Haus haben.
    3 Jahre warten wir nun auf die Bescheinigung die zum Erstbezug des Hauses; es ist alles in Ordnung; nur die Gemeinde sagt: Seit 2011 sind neue Gesetze in Kraft getreten, die müssen wir erst studieren.
    Nach *jedem* Werkstattbesuch, mussten wir am selben oder am nächsten Tag den Abschleppwagen anrufen, selbst ein Rad haben wir bei der Fahrt verloren.
    Kundendienst bestellen heißt: Es kommen 2 bis 3 Monteure, die längere Zeit beratschlagen um dann festzustellen, dass dieses Gerät nicht mehr repariert werden kann.
    Da Steuerhinterziehung (bis 100.000 Euro) in Spanien keine Straftat ist, fragen selbst Angestellte an der Kasse, ob man mit oder ohne MwSt. zahlen möchte.
    Ich bin Handwerksmeister; wenn ich die Leute arbeiten sehe, die sich Spezialisten nennen, bricht mir der Schweiß aus.
    Viele Grüße
    H. J. Weber

  3. bluestar sagt:

    Es wird noch lustiger in der Verbrecher – EU. Jetzt buhlt man um Moldawien, Georgien und die Ukraine. Dagegen ist Spanien ein prosperierendes, steinreiches, bestens organisiertes Emirat. Mittlerweile freue ich mich über solche genialen Entscheidungen, wird es doch den Zerfall diese abartigen Bürokratie – Monsters beschleunigen. Danach ist vielleicht Platz für ein friedliches Europa freier Völker, vor allem souverän gegenüber den USA.

  4. wigo sagt:

    Hab mich nur wegen dieses Spanien-Bashings angemeldet.
    Lebe seit fast 20 Jahren auf ihrer „Lieblingsinsel“ und glaube mich etwas auszukennen. Habe hier gearbeitet, alle Abgaben bezahlt und bin inzwischen Rentner. Und ich bin froh hier leben zu können, weil in Alemania würde meine Rente (inkl. der aus Deutschland) nicht reichen. Hier schon.
    Es gibt so einiges was hier besser ist. Weder zahl ich Krankenkasse noch Steuern. Habe ein Haus mit gut 200qm fuer 400€ + ca. 70 € NK gemietet – gibts in Alemania wohl nicht.
    Und die Spanier wissen ganz genau Bescheid über die Situation und auch wer daran Schuld ist. Dem Ex-König nur die Elefabtenjagd zuzugestehen ist billig. Immerhin hat er Spanien zur Demokratie geführt. Er ist einer der ganz wenigen Könige, der tatsächlich etwas für sein Land getan hat. Für den missratenen Schwiegersohn kann er nichts. Und dass seine Tochter eher auf den hört, als auf ihn kenne ich von meiner Tocher nur zu gut. Also alles ganz normal. Wenn die Infantin schuldig sein sollte, wird sie auch bestraft werden. Ob das auch in Deutschland so wäre?? Und wieviel Schulden hat Alemania aktuell? waren das nicht etwas über 6 Billionen ?
    Zum Schluss noch: Den Palmrüssler gibts seit ich hier lebe.. also nichts Neues.
    Vielleicht sollten sie einfach mal die Ballermannszene verlassen und die restlichen 99% der Insel besuchen? Danach können sie auch glaubwürdig von ihrer Lieblingsinsel sprechen.

    • Frank Meyer sagt:

      Ein paar kleine Korrekturen, wenn Sie erlauben:

      Der Palmenrüssler ist seit 2006 auf der Insel. Vielleicht haben Sie ihn früher mit Schmetterlingen verwechselt.

      Der Schuldenstand des deutschen Staates liegt offiziell bei zwei Billionen Euro.

      Innerhalb der letzten zehn Jahre ist mir die Insel durchaus bekannt, bis auf die von Ihnen mir unterstellte „Ballermann-Szene“. Die habe ich nun wirklich noch nicht besucht. Aber bitteschön, Herr Nachbar. Wenn Sie es brauchen…

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