Bundestrojaner: Frisch ausgeschnüffelt?

10. Oktober 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Frank Meyer

Darf man über Bundestrojaner eine Kolumne schreiben? Oder einen Kommentar? Ich weiß es nicht, habe aber mal eine Frage: Wer verschickt Trojaner, die sich gekonnt im Computer einnisten können? Das Innenministerium war es nicht. Habe ich überhaupt einen Trojaner auf meinem Computer?

Und wenn ja, dient er sicherlich unser aller Sicherheit. Danke, dass man so aufmerksam geworden ist. Da wird einem doch gleich richtig warm ums Herz, wenn man weiß, wie sehr man sich um mich kümmert, besser noch als die Familie oder beste Freunde es tun können. Vor ihnen habe ich vielleicht manches Geheimnis, aber damit dürfte auch bald Schluss sein.

Moment… Er darf nicht viel, aber es kann viel mehr. Doch was er wirklich tut, bleibt dem Autor dieser Zeilen rätselhaft und auch denen, bei dem der Trojaner schon zu Hause ist.

Wenn Sie irgend etwas über mich in Erfahrung bringen möchten, wenden Sie sich bitte vertrauensvoll an die zuständigen Stellen, wohin auch immer, die im Auftrag von wem auch immer Auskünfte bereit halten dürften. In Wort, Bild und sogar Ton dürften Sie vielleicht sogar fündig werden, wenn ich als Hochsicherheitsrisiko gesehen werde. Oder warten Sie noch etwas, denn künftig hält man vielleicht noch wesentlich mehr Informationen bereit…

wo ich im Internet surfe
mit wem ich Kontakt hatte und habe
wer unseren Blog liest
meinen Kontostand
meine steuerrelevanten Daten
meinen Standort
welche Kolumnen ich noch nicht geschrieben habe
meine Freunde
meine Bekannten
das Innenleben meiner Wohnung
wie oft ich Bettwäsche wechsele und welche Kleidung ich trage
die Titel meines Bücherregals
was ich wann gekauft habe
wann ich mir in der Nase gebohrt habe
Ach, es ist ein so üppig wärmendes Gefühl, so gut bewacht zu sein.

Überwachung wird oft als Zeichen von Misstrauen gedeutet. Ist unser Staat schon so misstrauisch und hat inzwischen so wuchernde Organe geschaffen, die sich darum kümmern, die Freiheit zu verteidigen? Warum beschafft er sich nicht gleich ein neues Volk oder wählt sich ein Neues? Das, was am Wochenende in der Zeitung stand, erinnert an die DDR, wo der Schnüffler noch auf die Straße musste, sich in Freundeskreisen einnisten oder es der Kollege, Mitschüler oder Vereinskumpel war. Trau schau wem! Heute geht das viel einfacher. Der Besuch kommt, wenn er kommt, ungebeten. Er klopft nicht mal an der Tür.

Die DDR war ein Unrechtssystem, wird in vielen Reden zu diversen Anlässen immer wieder betont. Die Stasi war ein korrupter und menschenverachtender Haufen von Schnüfflern, Denunzianten und Spionen. Heute geht Überwachung viel einfacher – dank des Bundestrojaner, großer Speicherkapazitäten und großzügiger Datenleitungen, durch die alles fließen kann. Das ermöglicht doch sicherlich eine Selektion, wofür auch immer. Wie beunruhigend ist es zudem, dass die Daten auch noch den Umweg über die USA suchen. Im Namen der Terrorgesetze. Im Namen des Volkes, wessen auch immer.

In der DDR wurde Freiheit unterdrückt. Heute wird Freiheit erst einmal ausspioniert, und das in einem immer stärkeren Maße.

Videokontrolle an allen relevanten Plätzen
Videokameras in Bussen und U-Bahnen
Innovative Chips auf Karten und in Geräten
Lauschangriffe auf Telefonleitungen
gläserne Konten
Flugdatenkontrolle
biometrische Daten

Facebook macht das ganz offiziell und bekommt bereitwillig auch alles geliefert… (Seite 2)

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18 Kommentare auf "Bundestrojaner: Frisch ausgeschnüffelt?"

  1. auroria sagt:

    [„Oder bringt mir eine kleine Drohne bei Bedarf ein Taschentuch oder einen Kaffee vorbei?“]

    Das mit den Drohnen ist gerade etwas ungünstig.
    Die US Drohnen Einheit, welche die Dinger (ja, das sind die mit den Raketen an Bord, mit denen man gerne mal (vermeintliche) Terroristen wegbombt) steuert, hat sich gerade einen Computervirus eingefangen …

    “We keep wiping it off, and it keeps coming back,” says a source familiar with the network infection, one of three that told Danger Room about the virus. “We think it’s benign. But we just don’t know.”

    http://www.wired.com/dangerroom/2011/10/virus-hits-drone-fleet/

  2. retracement sagt:

    NeNe Blogwart, die eigentliche Meldung ist ja nicht der Trojaner und die technische Möglichkeit. Es geht ja immer noch um das Vorgaukeln einer möglichen, funktionierenden Instanz, die so was aufdecken kann.
    Haaaaaaah Haaaaaaaaah!

    http://www.youtube.com/watch?v=ATWJcq5_qNA

    Cui Bono?

  3. exb sagt:

    Danke Herr Meyer für Ihren Artikel , der es schafft diesen Wahnsinn in Worte zu fassen.
    Einem nicht ganz so artikulatorisch gewieften Leser wie mir, sind diese Texte ein Ventil im Alltag .

    Wieder ein ganz herzliches Dankeschön!

    Gruß aus der Mainzer Nachbarschaft.

  4. gilga sagt:

    Bezüglich der Frage wie der Trojaner auf die Rechner gelangt ist: Vermutet wird hier immer physikalischer Zugriff (also Trojaner wird „von Hand“ auf dem Rechner installiert). Fast so wie früher in der DDR mit den Wanzen in der Wohnung. 😉

    Und wer sich nach dem Lesen dieser Zeilen etwas sicherer fühlen will, dem sei das Folgende geraten:

    Man nehme ein Billigrechner von der Stange und entferne die Festplatte (ist auch für Laien machbar mit ein wenig Anleitung z.B. im Web). Danach lädt man sich eine von CD startende Linux-Distribution (hier mal eine ganze Liste http://www.livecdlist.com/) und legt diese CD in das dafür vorgesehene Laufwerk ein (bitte regelmäßig mal eine aktuelle Version laden). Der Rechner startet dann von CD und kann keinerlei Daten mehr dauerhaft (sprich über einen Neustart hinaus) speichern, auch keinen Bundestrojaner (bisschen unpraktisch ja, aber wenn es mal geheim sein muss). Für Bankgeschäfte etc. eine halbwegs sichere Sache (zusätzliche Empfehlung: mTAN), wenn niemand die (hoffentlich verschlüsselte) Kommunikation über die Leitung/WLAN belauschen kann (wenn richtig(!) verschlüsselt dann schwer möglich).

    Bleibt die Frage, ob der Frank einen Artikel auch ohne Neustart des Systems schreiben und veröffentlichen kann?! Andererseits Frank, wer nichts zu verbergen hat… (ich HASSE dieses Argument; jeder sollte(!) etwas zu verbergen haben, sonst ist eine Gesellschaft nicht gesund).

    Wir wissen doch alle, dass Du nicht nur beim Schreiben in der Nase bohrst (Wie wäre es mal mit nem passenden Bild als Artikelaufhänger?), sondern liebend gern Kühe beobachtest oder auch harmlosen(?) Gurken auf dem Balkon beim wachsen zuschaust. Außerdem scheint es Dir der Garten Deiner Nachbarin (oder vielleicht auch selbige?) angetan zu haben und Du scheinst ein sehr inniges Verhältnis zur Großmutter zu pflegen (dient in finanziellen Fragen als Leitfaden).

    Woher wir das wissen? Wir Lesen diesen Blog… 😉

    Und nun aber ab entspannen im Urlaub, damit Du uns noch lange erhalten bleibst!!! Vor allem nach dem rund-um-schlag mit den ganzen Interviews in der letzten Woche…

  5. marco sagt:

    Wer wann warum mit wem verkehrt, von wo nach wo wer wie oft fährt,
    wovon wer was und wieviel weiß, wer was wo kauft, zu welchem Preis,
    wohin wer wann und wie verreist, und wie genau sein Passwort heißt,
    was und wieviel wer wo bestellt, wer was bezahlt, mit welchem Geld,
    warum wer wo auf welcher Liste steht, zu wem wer wie oft in den Beichtstuhl geht,
    an wen wer welche Mails verschickt, wie oft sich wer auf welche Seite klickt,
    woran wer wann wie oft erkrankt, wer was und wo und wieviel tankt,
    wie hoch wer wo verschuldet ist, bis wann wer wo geduldet ist,
    seit wann warum und was wer wählt, zu welcher Käuferschicht er zählt,
    wie lange wer und was wer guckt, wieviel wovon wer wie oft schluckt,
    kurzum, wer wo mit wem warum und wann, das geht euch einen Scheißdreck an!

    (Gedicht von Wilfried Schmickler)

  6. holger sagt:

    Naja…

    das Privatpersonen auch interessant werden können oder sind ist ja nicht so wild. Wer von uns ist wichtig. Ich jedenfalls nicht. Aber das man das Zeugs auch in der Industriespionage einsetzen kann und auch wissentlich Dinge beeinflussen/ändern kann, das ist schon Brisant. Selbst das Militär ist ja dadurch manipulierbar. Denken wir in den Zusammenhang nur mal an die Meldung über die verseuchten Drohnen.

    Und wer sagt denn, dass von diesem Dingen nur ein Prototyp besteht. Ich denke solche Institutionen wie das BKA waren selber überrascht. Ich sags ja immer wieder… für ein Gift gibt es immer ein Gegengift. besonders wenn man damit auch noch Finanzdaten manipulieren könnte.

    Mein ja nur.

    (edit) das steht im Spiegel

    „Dies heiße jedoch noch lange nicht, dass die dortigen Behörden den Trojaner tatsächlich eingesetzt hätten, so ein Sprecher Friedrichs. Die Prüfung habe auch ergeben, dass die dem CCC zugespielte Software rund drei Jahre alt sei und damals auf dem „internationalen Markt“ frei zugänglich gewesen sei. Daher sei nicht auszuschließen, dass die Software von Dritten benutzt worden sei.“

    Da kann man ja mal die Frage stellen: „Wer ist denn seit rund 3 Jahren der „internationale Markt“? 😀

    • Bummbumm sagt:

      #das Privatpersonen auch interessant werden können oder sind ist ja nicht so wild. Wer von uns ist wichtig. Ich jedenfalls nicht. #

      Seh ich nicht so. Erstens ist Frank Meyer ein Meinungsmultiplikator, also durchaus interessant. Zweitens kann man eine Statistik über seine Kontakte und Internetleser machen und hat sicherlich eine Personengruppe, bei der man mehr abschöpfen könnte als beim Durchschnitt. Vielleicht könnte man zb. bei einer eventuellen Gold- Silber-Registrierungspflicht, Kapitalverkehrskontrolle HIER recherchieren.

      Irgendjemand muss die Rettungsschirme schließlich zahlen. Alles auf die Häuslebesitzer geht auch nicht.

  7. EuroTanic sagt:

    Wer gegen biometrische Daten im Personalausweis und den Einsatz von „Bundestrojanern“ ist, aber Kunde bei Skype, Facebook, Google & Co ist kann getrost als schizophren diagnostiziert werden.

    • wolfswurt sagt:

      Ergänzend: das Internet generell, Handy, Festnetz, Navi, Bankkonto, Plastikkarten aller Art und zu guter letzt natürlich auch die Sammelkarte für Treuepunkte.

      Das Beruhigende ist: all die gesammelten Daten werden von Menschen mit äußerst niedrigem IQ ausgewertet und eingeordnet.

      Das Sinken des Bildungsgrades, besser Verblödung, macht nämlich auch vor den Überwachern nicht halt…

  8. patrick_schindler_oberstaufen sagt:

    Das ist typisch Merkelsche Regierung, woher kommt sie nochmal? Ach ja aus dem Stasiland, genauso wie unser ach so feine Bundespräsident. Kein Wunder, dass es solche vorgehen gibt. Wir leben nun mal in einem Stasi-Land 2.0, das müsste eigentlich jeder begriffen haben.

  9. Der Danziger sagt:

    Nutzt google über scroogle. 😉

    http://www.scroogle.org/scrapde8.html

    kurz erklärt: http://www.scroogle.org/gifs/scworks4.gif

    läßt sich auch in die Suchleiste integrieren.

  10. matt06 sagt:

    Willkommen in der DDR 2.0,na herzlichen Glückwunsch uns allen!lg Matt06

    • holger sagt:

      matt06

      sehe es doch einfach mal locker… meinste denn, es war früher in der BRD anders? Nur mit dem Einzug der EDV wurde es einfacher. Geldbewegung etc.pp. Nur war mir beim Verhör beim MAD das schon 1989 bewusst. Man die Dienste haben schon immer funktioniert. Auch im Wessi-Land. Wozu sind se denn auch da? Was meinste, was der Vatikan alles weiß. Was meinste, was die LKW Maut Gebühren Stationen oder die Mobilfunkantennen übertragen?

      DDR 2.0 ist das nicht. Wenn du wüsstest, was gewisse „harmlose“ Anstalten über dich, auf der Seite 2 gespeichert haben. Das Netz der Informationen zieht sich immer enger. Geh mal zur Bank und frag nur mal nach dem Goldpreis… was meinst Du wohl, was dann auf Seite 2 stehen wird, wenn Du diese wieder verlässt? Die Praktiken von Creditreform und Schufa sind mir bekannt und auch des elektronischen Geldverkehrs… (Abwicklung/Höhe der Summe) Was meinste wozu die neue „Gesundheitskarte“ benutzt wird? Alle Deine Angewohnheiten sind eh dokumentiert. Du musst ihnen nur den Mittelfinger zeigen. Und einfach nur schreiben: „Ich weiß, dass ihr es wisst“. Ändern kannst und wirst Du da nix. Aufregen bringt auch nix. Das Informationsnetz ist übermächtig.

      Wenns um Kohle geht, hört die Freundschaft auf. Und im Gegensatz zur DDR, gehts in der Marktwirtschaft nur um Kohle. Und da ist jedes Mittel recht. Da war der DDR „Knast“ vermutlich ein Waisenknabe dagegen. Da gings um die Partei, hier und jetzt gehts nur um Kohle.

      • matt06 sagt:

        @Holger…wird mir ja flau in der Magengegend wenn ich deine Zeilen lese.Das wir mittlerweile gläserne Kreaturen für unsere „Machthaber“ sind ist mir schon bewusst geworden, jedoch die Dimension die du beschreibst macht mich ein wenig nervös das wir schon so weit sind.Manchmal stelle ich mir die Frage ,wo ist das Ende ,oder soll das erst der Anfang sein?Deutschland,Östereich,Niederlande, egal wo in der EU,es ist ja menschenverachtend was hier abläuft und kein Schwein in D,Ö oder NL geht auf die Strasse….noch!Eins steht jedenfalls fest,so schlimm wie es sich so langsam aber sicher in Deutschland abzeichnet ist mehr als besorgniserregend!Bleibt zu hoffen das wir irgendwann Licht sehen ,allerdings habe ich die Befürchtung das unser Tunnel sehr,sehr lang ist!Erst wenn die menschlichkeit wieder Oberhand gewinnt wird`s besser…..also lange warten.Ich sehe bei Freunden momentan zwei Extreme,Angst und Hass und wenn das zweite zu stark wird und viele Menschen das gleiche empfinden wird`s spannend.So muss jetzt abbrechen ,es klopft gerade…lg Matt06

  11. EuroTanic sagt:

    Achtung Satire: „Friedrich kommt auch ohne Staatstrojaner zurecht.“ http://file1.npage.de/006690/51/bilder/daslebenderuntertanenfriedrich_2.jpg

  12. mfabian sagt:

    Man kann sich nicht darauf verlassen, mfc42ul.dll über die Explorer-Suche aufzuspüren. Die Datei könnte versteckt sein.

    Am besten deshalb über die Dos-Box ab C:\ suchen:

    C:
    cd \
    dir mfc42ul.dll /s /a :h :s

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