Bundesbank & EZB: Die Zeche zahlt…

13. Juli 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Die Bundesbank und die deutsche Finanzaufsicht BaFin streiten sich mit der EZB um die Aufgabenverteilung, dieses Mal besonders heftig. Na und, werden Sie jetzt fragen, was bedeutet das für mich? Unmittelbar gar nichts, mittelbar dagegen sehr viel…

Der Knackpunkt ist, dass die EZB mit ihrer Niedrigzinspolitik tief in das Geschäft der Banken aller Euroländer eingreift. Für Bundesbank und BaFin bleiben da zwangsläufig nur die sprichwörtlichen Brosamen übrig.

Es gibt eine ganze Reihe von Gründen für die neuerliche Aufregung. Greifen wir aber gleich den entscheidenden heraus, eben die Zinsen – und wie die EZB mit ihnen umzugehen gedenkt:

Noch bis Ende 2016 soll der Leitzins der Eurozone gemäß Mario Draghi auf dem jetzigen extrem niedrigen Niveau verharren. Der EZB-Chef betonte in einem Interview mit der niederländischen Zeitung „De Telegraaf“ schon vor drei Wochen, diese Aussage sei „ein Signal“. Man kann das auch so interpretieren: Banken dürfen weiter an den Kapitalmärkten spielen; verzocken sie sich, kommt „moral hazard“ zum Zug, in der Konsequenz: die Rettung zulasten der Steuerzahler.

Draghi sagte in dem Interview noch viel mehr, und das hat es in sich. Greifen wir nur zwei Sätze heraus. Nummer eins:

„Der Schuldenabbau, der in weiten Teilen der Eurozone von großer Bedeutung ist, wird durch niedrige Inflation erschwert.“

Daraus spricht geradezu ein Herbeisehnen der Inflation; aus dem Sehnen wird über kurz oder lang Realität, dafür wird Draghi schon sorgen. Nummer zwei:

„Eine quantitative Lockerung kann nicht allein Staatsanleihen, sondern auch Kredite des privaten Sektors umfassen.“

Was sich hinter solchen Krediten verbirgt, bleibt bis auf Weiteres im Dunkeln. Jedenfalls ließ Draghis Andeutung im Führungsgremium der auf Geldwertstabilität ausgerichteten Bundesbank die Alarmglocken schrillen.

Wie die Niedrigzinspolitik der EZB auf dem Umweg über negative Realzinsen (Nominalzinsen abzüglich Inflationsrate) mittelbar zur Teilenteignung der Sparer einschließlich der in Kapitallebensversicherungen engagierten Anleger führt, ist ja schon – auch an dieser Stelle – hinreichend diskutiert worden. Weniger dagegen, wie sich ein solches Phänomen bisher im Zeitablauf ausgewirkt hat; es hat nämlich eine lange Geschichte mit viel Auf und Ab.

Negative Realzinsen, bezogen auf Tagesgeld und kurzfristige Spareinlagen, gab es bereits in einer langen Phase von Mitte der 60er bis Mitte der 80er Jahre, danach weniger lange Mitte der 90er Jahre, dann von 2002 bis 2005 und zuletzt seit 2010. Dafür waren früher nicht so sehr niedrige Nominalzinsen, sondern eher die im Vergleich zu heute höheren Inflationsraten ausschlaggebend. Dieses Bild hat sich bekanntlich gewandelt; jetzt zehren in erster Linie die niedrigen Nominalzinsen am Ersparten, während die Inflationsrate niedrig bleibt.


Mit der Wandlung müsste die EZB den Schwerpunkt ihrer Geldpolitik konsequenterweise von den Zinsen auf die Inflation verlagern, indem sie diese mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln fördert. Das klingt zunächst verrückt. Doch das aktuelle Ziel der EZB besteht ja nicht darin, den Geldwert stabil zu halten, sondern den hoch verschuldeten Euroländern aus der Patsche zu helfen: Indem sie ihnen ermöglicht, Schulden mit entwertetem Geld zurückzuzahlen.

Damit hat die EZB allerdings ein großes Problem. Denn im Gegensatz zum Leitzins, den sie mal eben ändern kann, wenn es opportun erscheint, ist ihr Einfluss auf die Inflation begrenzt: Sie kann sie herbeizureden versuchen und alle erdenklichen Psychotricks anwenden, um Inflationsmentalität zu erzeugen.

Doch etwa die Bevölkerung der heterogenen Eurozone mit all deren Konjunkturproblemen zwingen, mehr zu konsumieren und die Preise in die Höhe zu treiben, das kann sie nicht. Ebenso wenig gelingt es ihr, internationale Konzerne im Zeitalter der Globalisierung zu Investitionen in Griechenland oder Portugal zu bewegen, solange Bulgarien, Rumänien oder gar Vietnam dafür günstigere Voraussetzungen bieten.

Wenn Draghi in aller Öffentlichkeit mit dem Gedanken spielt, den Leitzins bis Ende 2016 auf extrem niedrigem Niveau zu belassen, sollte man ihm das also nur so lange abnehmen, wie der Einfluss der EZB auf die Entwicklung der Inflation begrenzt bleibt.

Sobald sich jedoch andeutet, dass die Inflationsrate – egal, ob mit oder ohne EZB-Einfluss – nachhaltig steigen könnte, dürfte erst das allgemeine Zinsniveau und danach auch der Leitzins in die Höhe gehen. Spätestens dann sollten Sie sich von allen langlaufenden Anleihen wie auch von den meisten Aktien getrennt haben.

Manfred Gburek – Homepage

 

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3 Kommentare auf "Bundesbank & EZB: Die Zeche zahlt…"

  1. Midas sagt:

    Na, ich muß schon wundern über die These, die einen geringen Einfluß der EZB auf die Inflation postuliert. Natürlich kann die EZB mit ihrem Falschgeldregime soviel Inflation erzeugen wie sie will. Sie gibt den Geschäftsbanken ohne Hereinnahme von wirklichen Sicherheiten soviel Kredit wie sie will. Die Geschäftsbanken können mit dem praktisch geschenkten Geld kaufen was sie wollen, ohne ernsthaft Rechenschaft ablegen zu müssen. Wenn die Geschäftsbanken gnädig sind, kaufen sie auch Staatsanleihen. Dann kann der Staat das praktisch geschenkte Geld für die Alimentierung von Millionen Hilfsbedürftigen nachfragewirksam über den Markt ausschütten. Da steigt die Nachfrage ohne jegliche Gegenleistung. Da wurde nicht ein Brötchen mehr gebacken, nicht ein Auto mehr montiert. So geht Inflation und auch Hyperinflation. Das ist für eine Zentralbank wirklich kein Problem.

    • Argonautiker sagt:

      Da stimme ich zu, „natürlich kann die EZB mit ihrem Falschgeldregime soviel Inflation erzeugen wie sie will“.

      Ich denke auch, da liegt der Hase im Pfeffer begraben. Es wurde einfach schon viel zu viel „Falschgeld“ herausgegeben, und die, die es bekommen haben, haben es weiterhin dazu benutzt, damit an der Börse zu investieren. Final ist das Problem entstanden, daß es einfach viel zu viel Geld auf dem Markt gibt, welches nach Zinsen schreit. Solange es jedoch keine Menschen gibt, die noch in der Lage sind mehr zu tun, und mehr zu konsumieren, ist das Wachstum längst an ihr natürliches Ende gekommen, und das Finanzsystem hat sich von der Wirklichkeit abgespalten.

      Teile der Geldindustrie mögen das einfach nur nicht glauben. Und weil es eben sehr viele Menschen gibt, die ihren Reichtum ausschließlich aus ihrer hohen Kreditwürdigkeit eines beständigen Wachstums beziehen, müssen sie weiterhin dieses Scheinwachstum erzeugen, weil sie sonst ganz einfach Pleite sind. Also investieren sie eben weiter in Wachstum anstatt Schulden abzubauen.

      Prinzip Bauernwirtschaft.
      Kühe werden immer leistungsfähiger gezüchtet. Ich glaube wir sind von „normalen“ 20Liter Kühen, mittlerweile bei 60Liter Kühen angelangt. Die Betriebe werden optimiert, rationalisiert, mechanisiert, und irgendwann, sieht man auch die Kuh auch nur noch als Milchmaschine, und nicht mehr als Kuh, und versucht sie weiterhin mit Optimierung, Rationalisierung, etc., zu mehr Umsatz zu bewegen, ohne dabei noch wahrzunehmen, daß sie eben keine Maschine ist, die man einfach mal so größer baut oder die Leistung erhöht, weil sie ihr eigenes Maß in sich trägt.

      Dieses Prinzip hat auch vor dem Menschen nicht halt gemacht. Wir sollten alle am besten 5 Mal so viel fressen und arbeiten wie wir es jetzt schon tun, und damit aber 10 Mal so viel Milch geben, damit wir das System Derer erhalten, die ständig über ihr natürliches Maß hinausschießen wollen. Also die, die das Prinzip Schuld zur Erzeugung ihres Überflusses eingesetzt haben. Die, die immer glauben sie sind was Besseres, und hätten mehr verdient, wie das, was sie wirklich schaffen. Schlichtweg die Betrüger.

      Und da gibt es derzeit zwei Sorten. Die „armen“ und dummen Investment Milliardäre. Die, die den 9/11 nicht verstanden haben, und wirklich glauben, die eierlegende Wollmilchsau würde schon noch geboren, und es ginge weiter mit unbegrenztem Wachstum. Und es gibt die klugen Milliardäre, die sich längst mittels des billigen Geldes aus den Börsenaktivitäten herausgezogen, und sich sicher in realen Werten positioniert haben.

      EZB Chef Draghi spielt dazu derzeit den Dirigenten dieses Stückes. Hebt er seinen Zauberstab an, und läßt damit den Leitzins steigen, ja dann, ja dann,…, Crescendo Finale. Natürlich drückt er die Finanzjongleure damit dazu, ihrerseits wiederum die Regierungen in einen Krieg zu drücken. Denn nie laufen die Förderbänder der Fabriken schneller als zu Zeiten des Krieges. Immerhin geht es dann um Leben und Tod. Ob er damit noch bis 2016 warten kann? Ich glaube nicht, denn dieses System erfährt ja derzeit durch die Bestrebungen der BRICS eine Erschütterung in ihrer Allmacht. Wagen sie es doch ein eigenes Stück mit eigenem Dirigenten mit ins Spiel zu bringen.

      Leider will auch er, daß wir alle am besten 5 Mal so viel fressen und arbeiten wie wir es jetzt schon tun, und damit dann 10 Mal so viel Milch geben. Ätsch, zu früh gefreut. Je nach dem, wie schnell die BRICS also in ihren Bestrebungen vorankommt, wird auch das Westliche System in Zugzwang kommen das Alte zusammenbrechen zu lassen um etwas Neues hervorzuzaubern.

      Das all dies natürlich nichts mit Leben zu tun hat, versteht sich glaube ich von selbst. Das eine ist Funktion, Leben jedoch, ist Emotion.

      Gruß aus Bremen

    • Skyjumper sagt:

      @Midas

      Das sehen Sie meines Erachtens nach viel zu undifferenziert. So können die Geschäftsbanken eben nicht beliebig Kredite herausgeben. Denn es kommt nicht nur auf die Liquidität an, sondern auch auf die Solvenz. Genau daran hapert es vielen Möchtegernkreditnehmern. Deswegen kommt es ja auch trotz überreichlicher Liquidität aktuell zu einer eu-weiten Kontraktion des ausstehenden Kreditvolumens.

      Und auch der Staat „kann“ die Inflation derzeit nicht treiben. Die von Ihnen beschriebene Alimentierung gibt es ja schon seit Jahren. Eine Fortschreibung dieser Alimentierung schafft keine zusätzliche Nachfrage sondern erhält lediglich den Status Quo. Erst eine deutliche Ausweitung könnte hieran etwas ändern.

      Und last not least wird unterschätzt wie die klassische Teuerung früher eigentlich entstand. Einer gesteigerten Nachfrage stand ein gleichbleibendes Angebot gegenüber = Variante 1. In Varinate 2 bleibt die Nachfrage konstant, aber das Angebot reduziert sich. Beide Varianten sind heute zwar nicht unmöglich, aber deutlich unwahrscheinlicher als früher. Das Angebot der Konsum- und Verbrauchsgüterindustrie kann (mit sehr geringen zeitlichen Versatz) auf fast jede gestiegene Nachfrage reagieren. Deswegen spielt sich die bisherige Teuerung auch vorzugsweise in den Bereichen ab, wo dies nicht der Fall ist. Kunstgegenstände, Immobilien, Grund- und Boden, Aktien.

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