Warnungen der Machtlosen

3. April 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Google findet inzwischen 183.000 Einträge, in denen die Bundesbank vor etwas warnt. Die Suchmaschine findet zudem 299.000 Treffer, in denen die früheren D-Mark-Hüter etwas kritisieren. Man fragt sich durchaus, welche Aufgabe die Bundesbank heute überhaupt noch hat, nachdem sie ihre Kompetenzen an die EZB abgegeben hat.

Die rund 10.000 Mitarbeiter verbrauchen viel Papier und Zeit, während die EZB die geldlichen Belange dieses Kontinents auf die italienische Art steuert – und das mit zunehmend abenteuerlichen Methoden. Als der Leitzins abgeschafft wurden, hatte die Bundesbank übrigens kein Stimmrecht. Aber als Alarmglocke leistet sie aber gute Arbeit.

Die Bundesbank warnt jetzt vor einer Immobilienblase und damit direkt vor der Geldpolitik der EZB, die zu Preisblasen führt.

Null-Zinsen verzerren auch den Immobilienmarkt. So stieg 2015 die Summe der Immobilienkredite auf rekordhohe 1,3 Billionen Euro. Früher oder später muss das Geld zurückgezahlt werden. Zudem haben viele Leute etwas finanziert, was sie unter normalen Umständen nicht getan hätten.

Viel Glück bei immer weniger Planungssicherheit! Viel Spaß im eigenen Heim, das eigentlich der Bank gehört und dessen Preise auch fallen können.

Jetzt befürchtet die Bundesbank auch noch Minuszinsen für Sparer. Was kann die Bundesbank dagegen tun? Nichts.

Als Nächstes werden wohl erst einmal die Kontogebühren steigen. Dann, nach einer Phase der Gewöhnung an den Irrsinn, zahlt man dann auch Strafzinsen für Guthaben. Was für eine verrückte Welt, die noch viel verrückter und auch so enden wird. Aber die Bundesbank hat ja gewarnt.

Tja, das ist so, wenn man in Sachen Geld nichts mehr zu sagen hat bzw. von den anderen überstimmt wird. Ohne die macht über das Geld bleiben lediglich Warnungen und Kritik übrig. Ausbaden müssen es andere. Wie immer.
© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

 

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4 Kommentare auf "Warnungen der Machtlosen"

  1. M.Schmidt sagt:

    Habe gerade mal nachgesehen: Die Bundesbank, die scheinbar nix mehr zu sagen hat, hat derzeit 33 Jobangebote … „Warner“ werden da nicht gesucht, sondern die Angebote „klingen alle sehr kompetent“ ….. lach!

  2. Avantgarde sagt:

    Die Systemischen Zwänge nehmen ihren Lauf – Bye Bye Bargeld
    http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=57628
    Und danach kommt dann die moderne Geldpolitik – alles kein Geheimnis mehr.
    https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Reden/2015/2015_01_28_thiele.html
    Aber wenigstens hat man mal gewarnt. Das geht auch als zahnloser Tiger

  3. cubus53 sagt:

    Diese Warnungen sind wenig hilfreich. Auch in der Politik wird vor vielem gewarnt, die Frage ist nur, was ich als Normalbürger mit diesen Warnungen anfangen soll.

    Wir haben nicht genügend Geld, um die innere Sicherheit zu gewährleisten, also warnen wir die Bürger vor Einbrechern? Haha!

    Besonders zu erwähnen ist die Warnung von Obama, Terroristen könnten eine Atombombe bauen. Er sitzt doch selber drauf und hat solche Waffen auch noch in Deutschland stationiert. Spielt es eine Rolle, ob mich ein Atompilz von den „Guten“ oder den „Schlechten“ zerstrahlt?

    • Ulrich sagt:

      Die Warnungen sind insofern hilfreich, als dass der Warner, wenn die Karre dann endgültig vor die Wand gefahren ist, sagen kann, er habe schon immer davor gewarnt.
      Hätte der Warner Courage oder salopp ausgedrückt „Eier“, würde er aktiv etwas dagegen unternehmen oder den Bettel hinwerfen. Da das nicht passiert, können wir uns alle einen Reim darauf machen.

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