Bundesbank: Bilanz außer Kontrolle?

(von Frank Meyer) Target-2-Salden haben als Begriff inzwischen Berühmtheit erlangt wie mancher D-Klasse-Prominente aus dem Dschungelcamp. Deftige Schlagzeilen umwehen die Meldungen aus der Eurozone: Bundesbank-Bilanz außer Kontrolle… Target2-Salden im Explosions-Modus… Südländer schreiben im Norden an…
Wahrscheinlich verwechseln die meisten Leute „Target 2“ mit irgendeinem Ballerspiel aus der Computerwelt. Ganz falsch ist der Vergleich mit der digitalen Bespaßung ja nicht. Bei diesem Begriff handelt es sich aber weniger um Spaß, sondern um europäische und elektrische Verrechnungseinheiten in Zeiten, in denen das Geld aus der Steckdose kommt.
In den letzten Monaten wurde über große Verwerfungen berichtet, die damals am sozialistischen Reißbrett der allgemeinen Gleichmacherei in Europa noch nicht vorhersehen konnte. Manch Betrachter der Bilanzen vermutet nicht ganz zu Unrecht, das Fundament europäischer Architektur wurde nicht nur in dieser Hinsicht etwas zuviel Sand gemischt. Nun rutscht der Unterbau und bringt die Verrechnungs-Salden außer Rand und Band. An den Definitionen in monetärer Hinsicht hat sich unterdessen nichts geändert: Die Schulden der einen sind die Forderungen der anderen – unser sogenanntes Geld. Während das eine Land Minuszeichen produziert, drückt es die Forderungsseite in anderen Staaten an die Stubendecke. Der Handel verläuft unausgeglichen.
Es heißt, die schwachen Euro-Länder leben auf Kosten der stärkeren und schreiben dort alles an wie in Tante Emma`s Laden. Einer flüchtigen Betrachtung hält diese, einer bösartigen Stammtischrunde entliehene Expertise, oberflächlich stand. Auf den zweiten Blick aber nicht. So wuchsen Ende Februar die Forderungen der Bundesbank an das EZB-System, also gegenüber der EZB um gewaltige 49 auf nun 547 Milliarden Euro an. (Quelle)
Im aktuell angebotenen Chart der Bundesbank vom 29.2.2012 fehlen noch diese 49 Milliarden Euronen… (Quelle)
Moment! Ordern klamme Südstaaten tatsächlich für 49 Milliarden Euro Waren und Dienstleistungen – und das in einem einzigen Monat? Das Brummen des Export-Motors hätte hierzulande zu kollektiven Tinnitus-Beschwerden geführt. Es muss also mehr dahinter stecken als eine unausgeglichene Handelsbilanz. Der Grund für das Explodieren der Forderungssummen auf der Bilanz der Bundesbank sind in Wirklichkeit vielmehr die Fluchtgelder aus südeuropäischen Staaten.
Target was?
Target-2 ist der Begriff für das europäische Zahlungssystem. Eine kleine Sprachübung sei eingeworfen…
Trans-European Automated Real-time Gross Settlement Express Transfer System.
Alles klar? In diesem System kommt es seit einiger Zeit zu Staus. Die Schulden der Südländer türmen sich hoch wie Tsunamiwellen in der Bilanz der Bundesbank – wartend auf die Scheitelwelle, die nicht in Sicht ist. So lange aber die Euro-Zone zusammenhält, sind diese Target-Salden keine akute Bedrohung, betonen Experten. Und hier liegt wahrscheinlich auch einer der Gründe, warum die alternativlosen Retter in diesen Wochen so alternativlos viel zu tun haben… (Seite 2)
7 Responses to Bundesbank: Bilanz außer Kontrolle?
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Erinnert mich stark an
Gerhard Polt – Quanto Costa
http://www.youtube.com/watch?v=EMzHWfzw9mo
Wir dürfen alles zahlen, früher und heute.
Nicht die EZB ermöglicht die deutsche Exportgauckelei, es ist der sozialistische Rat bestehend aus BUBA, Bundesregierung, deutsche Großkonzerne/Banken und als Anhängsel(!) die EZB.
Der Strudel der sich dreht erfaßt zuerst die Peripherie(Südländer), langsam aber nicht zu stoppen um am Ende in der Mitte(Deutschland) alles in den Abgrund zu reißen.
War so 1918, 1923, 1945 und ?
Ursache ist der nach wie vor vorhandene deutsche Größenwahn Europa gestalten und führen zu wollen.
Die nicht Akzeptanz der natürlichen Unterschiedlichkeit europäischer Völker wird uns wieder einmal das Genick brechen.
D’accord.
Das mit dem Traktor ist nun durch; den Optimismus, wonach die Forderungen an Griechenland oder auch andere den Wert eines Tomatenpfundes hielte teile ich nicht und ich hoffe für Weidmann, daß sein Brief einen Postlauf von mindestens drei Jahren hatte ansonsten er den Beinamen “Der Spätzünder” erhalten sollte.
caw
Pingback: Kleine Presseschau vom 6. März 2012 | Die Börsenblogger
Sauber und verständlich erklärt. Weidmann schiesst nach zwei Seiten:
Nicht nur auf die EZB sondern auch auf den Bundestag, da Frau Merkel ihn schon früher einmal vereinnahmen wollte.
Nicht nur, dass die Target2-Salden ein Mittel zu Erpressung sind,
die Griechen gehen offenbar ganz sicher:
http://www.welt.de/wirtschaft/article13908694/Griechenland-kauft-Waffen-fuer-eine-Milliarde-Euro.html
Da schaut der Deutsche in ein Leo4 Rohr und der Franzose erlebt sein ganz persönliches Mirage.
“das es sich hierbei um ein Systemproblem handelt, das die Deutschen selbst schwer abschaffen können, weil dann die Wirtschaftsillusion Exportmonster zusammenfällt.”
So ist das halt mit unseren “geheiliten Exporten” – kein Opfer ist groß genug.
Eine Dekade hat man die Löhne in D immer schön tief unter dem Produktivitätsfortschritt gehalten um sich Wettbewerbsvorteile zu schaffen.
Dadurch war und ist unser Binnenmarkt auch flach wie ein Brett.
Nun hat man es geschafft und die anderen an die Wand exportiert – Juhuu….
Irgendwie ist das mit dem Target-2 doch so was wie ein bischen ausgleichende Gerechtigkeit.
Wie ich hörte, sollen sich bisher alle aus dem Amt verabschiedeten Bundesbankpräsidenten nicht im wohlverdienten Ruhestand befinden.
Stattdessen finden wir die Herren allesamt gut alimentiert in jenen FED- Banken, die immer gerne gegen gute Zinsen hilfreich Kredite zum positiven Saldieren zur Verfügung stellen.
Schliesst sich hier der Kreis?