Bund-Future knackt 160: EZB schickt Zinsen ins Jenseits

16. April 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Ein historischer Moment, der 15. April 2015… Erstmals in seiner Geschichte notierte der Bund-Future über 160 Prozent. Diese Marke gilt als so etwas wie der Übertritt ins Jenseits für die Zinsen. Nun sind wir dort angelangt. Hallelujah!

Was? Sie haben davon noch nichts gelesen? Wo sind die Sondersendungen? Wo die Breaking News? Während die Tausender beim DAX bejubelt werden, hat der Rentenmarkt etwas geschafft, was er eigentlich nie geschafft hätte, wenn nicht nachgeholfen worden wäre. Bei 160 Prozent ist nämlich Schluss mit dem Bund-Future und auch Schluss mit lustig. Aber mit Herrn Draghi, dem Geldgott der EZB, ist das früher Undenkbare nun zur Realität geworden – das Durchbrechen einer Schallmauer, vor der sich selbst der Schall fürchtet. (Quelle: Comdirect)

Bundfuture 160

Moment mal.. Bund… was? Fragen Sie mal ihre Nachbarn, Freunde oder Bekannte, was ein Bund-Future ist. Sie haben keine Ahnung und davon eine Menge. Sinnbildlich geht er durch ihre Räumlichkeiten spazieren, ohne dass er auffällt, vergreift sich am Sparschwein und bedient sich aus den Schubladen. Er trägt die Symptome der Zerstörung mit sich herum. Losgeschickt hat ihn die EZB.  

Wie erklärt man so eine Sache? Am besten gar nicht. Es könnte ja auffallen, wie krank und verrückt unser Geldsystem geworden ist. Aber vielleicht ist es dennoch nützlich, das zu verstehen… 

Der Bund-Future ist ein Barometer für den Rentenmarkt, so etwas wie der DAX, eben nur für Anleihen. Dabei handelt es sich um eine theoretische Anleihe mit einem Nominalwert von 100 Euro, einer Laufzeit von zehn Jahren und einem Kupon von sechs Prozent. Was? Es gab mal sechs Prozent Zinsen?

Wenn eine Anleihe zehn Jahre lang sechs Prozent Zinsen abwirft, dann wäre bei 160 Prozent Schluss. Die Rendite stünde dann bei Null. Da der Bund-Future am Morgen weiter über der 160er Marke tanzt, bei 160,15 Prozent, müsste die Rendite im 10-jährigen Bereich jetzt leicht negativ sein. Ist die aber noch nicht und steht bei 0,10 Prozent. Das hängt mit der Laufzeit eines Kontakts und dem Zinsniveau von 0,05 Prozent in der Eurozone zusammen. Es scheint jedoch nur eine Frage von Tagen oder Wochen zu sein, dass auch der 10-jährige Bereich negativ wird wie jetzt auch in der Schweiz, wo das Matterhorn inzwischen schon jodelt. Inzwischen notieren aber alle deutschen Staatsanleihen mit einer Laufzeit von bis zu acht Jahren im Negativ-Bereich. Der natürliche Zins ist unbeachtet von der Öffentlichkeit verstorben unter großem Beifall der Börsen und dem Ächzen der Sparschweine.



Ohne die Master of Zinsdesaster wäre das alles nicht möglich. Sie manipulieren den Zinssatz nach ihren Wünschen und legen damit die Grundsteine für eine künftig völlig verrückte Welt. Während man früher noch Anleihen suchte, die eine bessere Rendite abwarfen, sucht man jetzt solche Papiere, wo man nicht so viel verliert. Oder geht gleich aus dem Euro in die USA, wo das Zinsniveau etwas höher ist. Das wertet den Euro ab. Griechenland bekommt auf diese Art und Weise seine Drachme zurück, die aber Euro heißt. Was für ein Kunstgriff..

Schuldner bekommen heute Geld geschenkt und Sparer verlieren es. Im Geldsozialismus ist alles möglich, selbst das Unmögliche. Und es muss nicht bedeuten wie wir gerade erleben, dass beim Bund bei 160 Schluss ist. Vielleicht fängt die Party erst an? Warum sollte er nicht auf 190 Prozent steigen? Das entspräche dann einer Negativ-Rendite von drei Prozent. Alles machbar. Nur, wer kauft so ein Zeug? Na, diejenigen, die aus Sicherheitsaspekten (!) nur Anleihen kaufen dürfen wie z.B. große Kapitalsammelstellen. Dazu gesellen sich zusätzlich die lustigen Zentralbänker, in deren tiefen Taschen ständig frisches Geld sprudelt und treten als zusätzliche Konkurrenten am „Markt“ auf, was die Kurse am Rentenmarkt weiter steigen und die Renditen weiter sinken lässt. Da das QE der EZB offenbar bis zum Ende durchgezogen wird, also bis September 2016, könnte es durchaus weitere Kursgewinne auf deutsche Anleihen geben, selbst wenn die Rendite schon negativ ist.

Wenn man heute eine deutsche Anleihe mit einer negativen Rendite kauft, findet man sicherlich einen noch größeren Deppen, dem man dieses Papier später zu noch höheren Kursen verkaufen kann. Mephisto würde staunen, denn selbst das hätte er nicht hinbekommen.

Da ist es schon erstaunlich, seit Draghi im neuen Turm regiert, dass Pleiten, Pech und Pannen an der Tagesordnung sind. Im Januar klemmte der Fahrstuhl und er kam zu spät zur Pressekonferenz. Dann gab es auch noch Feueralarm. Neulich musste seine Burg vor der Blockupy-Bewegung geschützt werden, als Sozialisten gegen Sozialisten demonstrierten. Und am Tag, als der Bund-Future über die 160er-Marke gesprungen wurde, sprang kurz nach Beginn der EZB-Pressekonferenz eine Frau auf seinen Tisch und überschüttete ihn mit Konfetti. Kurze Zeit später jagte der Bund-Future auf über 160 Prozent. Was aber, sollte der EZB das Zinsniveau entgleiten und die Zinsen steigen? Ach, das habe ich fast übersehen… So etwas ist heute in Zeiten ausgehebelter Zins-Gesetze unmöglich geworden.

Sind Götter zynisch oder hat die EZB den Rubikon überschritten. Wir wissen es nicht, werden es aber zu spüren bekommen. Wenn der Draghi so weitermacht, und ihm alles glückt, überwindet er auch noch die Lichtgeschwindigkeit und den Tod. Unter seiner Aufsicht ist offenbar nichts mehr unmöglich.


 

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4 Kommentare auf "Bund-Future knackt 160: EZB schickt Zinsen ins Jenseits"

  1. Avantgarde sagt:

    Ja es macht einen inzwischen wirklich fassungslos.
    D ist auf dem sicheren Weg auch bei den 10-jährigen Bonds Geld zu verdienen statt Zinsen zu zahlen – und jetzt auch noch der Draghi, der irgendwas wohin auch immer drücken will.

    Aber der wirkliche Oberhammer die Pointe ist doch, daß in einer Situation in der der Bund fürs Schulden machen sogar noch Geld hinzubekäme…….unsere Oberschlaumaier uns die Schuldenbremse ins Grundgesetz geschrieben haben.
    Das Geld verrottet auf den Konten, die Brücken, Straßen, Schulen….ebenfalls.
    Eigentlich müsste man diese Gelegenheit nutzen um sich richtig zu investieren.
    Aber das ist als ob einer geschriehen hätte: Wollt ihr den totalen Wahnsinn…..

  2. Michel sagt:

    Tja, und den gemeinen Michel interessiert das alles nicht.. Mutti wird’s schon richten 🙂 Es ist wirklich zum Schreien..

  3. Erwin sagt:

    Ein sehr informativer Artikel.
    2 Fragen habe ich:
    1. Ist die Rendite unter Berücksichtigung der Kapitalertragssteuer schon ab 142,25% negativ?
    2. Müssen die erwähnten Kapitalsammelstellen auch Kapitalertragssteuer zahlen?
    Das wäre insofern wichtig zu wissen, da dann ja das Geld verbrennen schon viel früher anfängt!

  4. Guter Artikel, der auf das Erste zwar einleuchtend klingt, aber wenn man dann kurz nachdenkt, einen wesentlichen Punkt außer acht lässt. Und zwar dem Umstand, dass sich Kurse nicht nach rationellen Maßstäben bilden, sondern immer nach Angebot und Nachfrage. Und somit können natürlich, wie auch schon immer geschehen, sich außergewöhnliche und seltsam anmutende Kurse bilden. Genauso wird vergessen, dass aktuelle Kurse immer die Prognosen der Zukunft widerspiegeln. Und Prognosen sind wiederum emotional und psychologisch beeinflußt.

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