Bulettenbrater auf der Flucht

17. Dezember 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Ralph Malisch

Für unsere Heftkategorie „Löcher in der Matrix“ sammeln wir laufend Erstaunliches und Schräges aus der Welt der Medien. Unser wöchentliches Update…

„Auslandssitz wird von Luxemburg nach London verlegt: McDonald’s flieht vor Steuerermittlungen der EU“ (bild.de, 9.12.2016)

Was wurde den armen Briten im Vorfeld ihrer Brexit-Abstimmung nicht alles angedroht, falls sie nicht spuren. Nun, sie spurten nicht und London steht noch immer. Auch der große Exodus aus dem Vereinigten Königreich blieb bislang aus…

Wurde der britischen Finanzdrehscheibe nicht das baldige Ende vorausgesagt, jetzt, wo sich die Insel aus jener großen Bewegung für Frieden und Fortschritt herauskatapultieren will, die verkürzend als EU bezeichnet wird? Aber warum eigentlich?

Tatsächlich wird der Finanzplatz London zu den schon vorhandenen hervorragenden Strukturen nun bald auch noch ein weiteres Alleinstellungsmerkmal bekommen: Er wird sicher kein Teil der sozialistischen EU-Bankenunion werden. Schließlich werden es nicht alle als Nachteil empfinden, dass sie dort nicht mit ihren Spragroschen solidarisch in die „europäische Verantwortung“ für die Misswirtschaft der Festlandsbanken genommen werden.

Das Bankkonto in London könnte perspektivisch also ein echter Hit werden. Das sind im Übrigen keine „anti-europäischen Reflexe“, sondern rationale Erwägungen. Aber selbst die stehen inzwischen ja unter Generalverdacht.

Nun also der US-Fast-Food Gigant McDonald’s, der seine Auslandszentrale ausgerechnet in das abtrünnige London verlegen will. Die neue Anziehungskraft der Insel bringt den EU-seligen Mainstream einigermaßen in Erklärungsnot.

Und weil gerade Steuerermittlungen gegen den Konzern laufen, konstruiert man eine – nur kindisch zu nennende – Kausalität: Bulettenbrater auf der Flucht, weil ihm EU-Ermittler auf den Fersen sind, so als ob eine künftige Sitzverlegung Einfluss auf ein aktuelles Verfahren hätte.

Bevor nun wohlmeinende Mitmenschen reflexhaft aktiv werden, um auch diesem Flüchtling den Weg in die neue Heimat zu ebnen, ein Wort der Warnung: Steuerflucht ist jene Flucht, die selbst in der EU nicht gerne gesehen wird. Das gilt zumindest, wenn sie aus dieser, oder – nennen wir das Kind beim Namen – aus Luxemburg herausführt.

Denn gerade Luxemburg, dessen früherer Premier Jean-Claude Juncker nun als EU-Vortuner den Steuergerechtigkeitsapostel mimt, entwickelte das Anlocken von Steuerflüchtlingen zu einer wahren Kunstform und einem ziemlich einträglichen Geschäftsmodell.

© Ralph Malisch – Homepage vom Smart Investor

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Ein Kommentar auf "Bulettenbrater auf der Flucht"

  1. Aristide sagt:

    Juncker als Verfechter von Steuergerechtigkeit ist ungefähr so, als würde man Marc Dutroux zum Präsidenten des Kinderschutzbundes machen.

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