Brüssel ist gut für Gold

30. Juni 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Manfred Gburek) Wachstumspakt, großzügige Hilfen für angeschlagene Staaten und Banken, einheitliche Bankenaufsicht durch die Europäische Zentralbank und einiges mehr – der EU-Gipfel in Brüssel hat fast alles geboten, was die Schuldensünder in der Eurozone sich erhofft hatten. Also ein Durchbruch in der Staatsschulden- und Eurokrise? Fehlanzeige….

Doch die hat zwei Seiten: eine volkswirtschaftlich problematische und eine für Anleger durchaus positive, vorausgesetzt, sie haben ihr Geld in Edelmetalle und Aktien statt in Anleihen, Sparbriefe und Rentenfonds investiert.

Kommen wir zunächst zur volkswirtschaftlichen Seite: Der noch vor Monatsfrist dominierende Jubel der Erleichterung an den Finanzmärkten, sofern es um jegliche Art von Papiergeld ging, ist verhallt. Und nun? Verfolgen Sie zum Beispiel weiter intensiv den Terminkontrakt Bund Future, um sich ein Bild von der Dramatik der bereits eingetretenen Zinswende zu machen. Er ist der sensibelste Zinsseismograf und fällt überproportional, wenn sich eine Zinswende nach oben anbahnt. Sie finden seinen Preis im Internet (comdirect.de, finanzen.net, onvista.de u.a.) sowie in Spartensendern wie N24 und n-tv.

Dort konnten Sie in den vergangenen zwei Wochen seinen Absturz von über 146 auf unter 141 Punkte verfolgen. Dann wissen Sie, dass die Zinswende in Gestalt des Renditeanstiegs langlaufender Bundesanleihen gekommen ist – ein geradezu klassisches Indiz dafür, dass Insider die Brüsseler Beschlüsse vorweggenommen haben und dass sie mit Bundesanleihen wohl weiter à la baisse spekulieren werden. Dass der zeitweise im Vergleich zum Dollar schwache Euro sich inzwischen wieder gefangen hat, passt in dieses Bild. Denn höhere Renditen in Euro lenken die internationalen Kapitalströme vorübergehend in die Gemeinschaftswährung.

Darüber sollten Sie allerdings nicht die folgenden Aspekte außer Acht lassen: Die Brüsseler Beschlüsse führen zu noch mehr Spaltung zwischen der Eurozone und der übrigen EU einerseits sowie zwischen den Befürwortern und Gegnern von noch mehr Schulden andererseits. Sie bringen quasi aus der Hüfte geschossene Hilfen für Länder wie Italien und Spanien mit sich statt einer langfristig angelegten Euro-Strategie. Und sie werden am Ende auf die dringend erforderliche Neuverhandlung des Vertrags von Maastricht hinauslaufen, der ja dem Euro zugrunde liegt.

Für Kreditnehmer, unter anderem Bauherren und Mittelständler, kommt aus Brüssel auf dem Umweg über den Bund Future das klare Signal, die im langjährigen Vergleich immer noch extrem niedrigen Zinsen jetzt möglichst lange zu binden. Dabei ist im Übrigen ein ganz wichtiger Aspekt zu berücksichtigen: Banken und Sparkassen wollen mehr Sicherheiten haben, bevor sie einen Kredit gewähren. Dazu hier nur ein Beispiel aus dem neuen FMH-Zinsreport:

„Haus- und Wohnungskäufer, die 80% und mehr des Immobilienwerts als Darlehen aufnehmen wollen, müssen mit höheren Aufschlägen rechnen als vor wenigen Wochen. Die Banken verlangen für Kredite mit einem Beleihungsauslauf von 90% und einer Laufzeit von 15 Jahren inzwischen 0,31 Prozentpunkte mehr Zinsen als bei einem Darlehen mit gleicher Laufzeit und einer Finanzierung von 50%. Anfang Juni hatte dieser Aufschlag noch 0,24% betragen.“… (Seite 2)

 

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