Brückengau: Leben aus der Substanz

13. Februar 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Deutschland war 2014 schon wieder Exportweltmeister. Und Deutschland zerbröckelt. Wir wissen nicht, wo die 217 Milliarden Euro Überschuss geblieben sind. In die Infrastruktur jedenfalls floss kaum etwas. Die Schiersteiner Brücke in Hessen gab am Mittwoch ihren Geist auf. Wo ist die nächste Brücke, über die man nicht gehen sollte?

Haben Sie meinen Nachbarn gesehen? Seit mehr als 24 Stunden wird er vermisst. Hat er sich etwa schon wieder in einem Schlagloch verfahren und findet allein auch nicht wieder heraus. Wenn ja, in welchem der vielen Schlaglöcher? Ständig machen neue auf mit Sondergrößen und Niedrigst-Tiefen. Oder steckt er wie derzeit Millionen anderer Hessen im Stau rund um die Schiersteiner Brücke irgendwo zwischen Wiesbaden und Mainz und hat sich gepflegt ins Lenkrad verbissen? Wir wissen es nicht. Außer meiner Nachbarin will das auch niemand wissen. Und sein Handy ist inzwischen ohne Strom. Hätte er sich doch einen Brückentag genommen! Was für ein R(h)einfall!

Im Verkehrsfunk war die Rede davon, dass sich die Wartezeit in dieser Stauparty rund um Mainz etwas erhöht, vielleicht bis Ostern oder bis sich Deutschland im nächsten Jahr wieder als Exportweltmeister feiert. Es heißt, ein Pfeiler der vielbefahrenen Schiersteiner Brücke habe sich geneigt, was angesichts der Warenlast beim Exportweltmeister nicht verwundert. Mit extraschweren Giga-Linern wäre das Defizit sicherlich schneller aufgefallen. Aber die kommen ja erst noch auf die Straßen.

Lange ist schon klar, dass nicht nur diese Brücke auf der A 643 marode ist. Dennoch war es schwierig, die nötigen Mittel aufzubringen, wenn sie anderweitig schon im Nürburgring oder anderswo versickern mussten. Dorthin hat sich neuen Berichten zufolge auch das Vergnügen verzogen. Welche Brücke ist eigentlich noch sicher? Ich weiß es nicht und nehme wohl künftig die Bahn. Und diese fährt… über Brücken. Es soll deutschlandweit 120.000 davon geben. Man könnte auch behaupten, was Gott durch Wasser und Täler voneinander getrennt hat, sollte man nicht mit einer Brücke verbinden. Am einfachsten aber wäre doch, der Dobrindt digitalisiert alle Brücken.

Ach ja, 2013 zahlten Autofahrer 47 Milliarden Euro an Steuern. Der Straßenbau bekam davon 5 Milliarden Euro ab. 42 Milliarden Euro wurden demnach zweckentfremdet. Wahrscheinlich wird das auch mit der Maut passieren. Andere Berechnungen besagen, um alle Brücken in Deutschland neu zu bauen, müssten 33 % eines Bundeshaushaltes aufgewendet werden oder jeder Einwohner in Deutschland ca. 1.000 Euro zusätzlich Steuern zahlen. Das wäre doch mal eine Idee! Oder ein Lockführerstreik?

Meyers Money-Fest: Über den täglichen Wahn und Sinn an den Kapitalmärkten

Wahrscheinlich muss wirklich erst einmal etwas passieren, wenn Giga-Liner die Schwachstellen auf bundesdeutschen Brücken aufdecken. Dann wird vielleicht Geld frei, was ja für andere Dinge dringend reserviert bzw. gezahlt werden musste. Man sollte die Leute, die so etwas behaupten, schleunigst anzeigen!

Es kann auch sein, dass Wiesbaden das Freihandelsabkommen mit Mainz gekündigt hat und die erste Brücke bereits zerstört wurde. Derweil hat sich in Hessen die Zahl der Vermisstenanzeigen binnen weniger Tage verzehnfacht. Der Tatort dreht gerade einen neuen Streifen: „Vermisst im Brückendesaster“. Mainz scheint wie schon vermutet, eine inzwischen Glück, Bahn und Finanzministerium verlassene Gegend zu sein. Man überbrückt nicht nur dort tiefe Täler, sondern auch ein Minus mit einem anderen, also mit einer finanztechnischen Brücke im Haushalt.

Erinnern Sie sich, als in Mainz kein Zug dort mehr halten konnte oder wollte? Jetzt will dort auch die erste Brücke nicht mehr halten. Was folgt demnächst? Logo: Karneval! „Mainz, wie es sinkt und kracht!“ Oder über sieben Brücken musst Du gehen… Lieber nicht!



 

Schlagworte: , , , , , ,

8 Kommentare auf "Brückengau: Leben aus der Substanz"

  1. JayJay sagt:

    Ach, ist doch alles super in Winterwunderland Deutschland, gerade erst wurde gemeldet das letztes Jahr die Wirtschaft um 1,5 % gewachsen ist und im IV. Quartal 2014 durch den überschwänglichen Weihnachtskonsum der deutschen Bürger, das Wachstum 0,7 % betrug.

    Also alles in Butter, wenn interessieren da ein paar marode Brücken oder Straßen, die Leute sollen schneller neue Autos kaufen, ist besser. 😉 (Ironie aus)

    Gold und Silber Ahoi 🙂

  2. stonefights sagt:

    Ach Frank,
    wir sind einfach zu „klein“ um das „GROSSE“ dahinter zu verstehen.
    Das Ganze wird spätestens in 2020 als „Reform zur ‚vorhaltigen‘ Verteidigung“ verkauft.
    Die dahinter liegende Strategie dabei ist, dass die vorrückenden Verbände mit einbrechenden Erfolg den Kindergärten von Sol(l)-Daten mehr Zeit für die Evakuierung geben sollten.
    In soweit wird über die Reform jeder Lemming verpflichtet, früh morgens vor dem Frühstück den Hookline von Jupp Schmitz als Anspielung auf die damalige Währungsreform anzustimmen: „Wer soll das bezahlen“.
    Wer dann während des Singens immer noch nicht das „GROSSE“ Ganze versteht, der bekommt die Mitgliedschaft für die nächsten Geldsystem(e)-Dekaden kostenfrei als Gage fürs schöne Trellern 🙂
    lg, stonefights

  3. Avantgarde sagt:

    Tja: so ist das halt wenn man Exportweltmeister bleiben will und das auch noch selbst bezahlen darf… 🙂

    Da müssen die Löhne noch weiter runter und die Infrastruktur auf Verschleiß gefahren werden und bevor das Zeugs nicht mehr wert ist privatisieren damit die Privaten noch das letzte herausquetschen können.

    Und dabei wäre es für alle doch sehr viel besser wenn Deutschland ein paar digitale Nullen wenigeer auf dem Konto hätte aber dafür eine Italienische, griechische oder portugiesische Firma die besgten Brücken instandgehalten oder neu gebaut hätte.
    ABER NEIIIIIIN….. dann müssten wir ja Importe zulassen welche uns natürchlich vollständig die Bilanz herhageln könnten.
    Und unser schöner Titel wäre vermutlich futsch…..

  4. Martin sagt:

    Nach der Schiersteiner Brücke kommt dann der Euro. Dazu passend das (nur leicht) abgewandelte Motto aus der Nachkriegszeit:
    „Der Euro, der ist bald verreckt, fresst und sauft so lang es schmeckt!“
    Helau aus Mainz …
    LG
    Martin

  5. bluestar sagt:

    Unsere Brücken verrotten, andere ( zu Russland) werden mutwillig zerstört.
    Aber wir sind auf gutem Wege uns vor allem spendabel.
    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/01/08/merkel-gibt-neuen-milliarden-eu-kredit-fuer-ukraine-frei/
    Vielen Dank an alle klugen GROKO-Wähler.

  6. Schubidu sagt:

    Wink mit dem Zaunpfahl! Brücke defekt! Auf allen Euroscheinen sind doch Brücken abgebildet 😉

  7. Roland sagt:

    Na ja, es gibt genügend Menschen und Schreiberlinge (natürlich alles Verschwöhrung) die sehen einen großens Krieg in Europa.
    Da wird sich der eine oder andere sagen,.. warten wir noch ein bischen…..!

  8. Dirk sagt:

    Außerdem ist der Trend zum Geländewagen ja ungebrochen in Deutschland. Hab mich schon immer gefragt, was wollen die Leute damit? Aber langsam dämmert mir der tiefere Sinn..

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.