Brennende Dächer bei Edelmetallhändlern

8. Juli 2009 | Kategorie: Kommentare

von Frank Meyer

Silber Eagles für 11,85 Euro, Maple Leafs für 11,85 Euro, Philharmoniker bei 11,85 Euro. Da scheint etwas im Busch zu sein, schließlich betrugen die Aufgelder der Ein-Unzen-Stücke zwischenzeitliche 50 Prozent auf den Spotpreis. Jetzt sind es „nur“ noch 20 Prozent. Und in der Tat – es brennt bei einigen Händlern die Hütte…

Ich hatte mich gerade mit Jörg Schuster von Taurus Edelmetalle aus Berlin unterhalten. Er bestätigt meine Vermutung, dass einige Händler Material zu sogenannten Dumpingpreisen verkaufen. Der Markt liegt schief, allerdings zum Vorteil der Kunden. Auch andere Händler, die hier nicht mit Namen genannt werden wollen, berichten von Schieflagen in der Branche. Wen kümmert es?

Auf den Kurstafeln stehen für eine Unze Silber aktuell 9,27 EUR angeschrieben.

Der günstigste Kurs für echtes Silber liegt gerade bei 11,85 Euro/Unze. Das ist ungewöhnlich. Auf den Silberpreis kommen bei Münzen noch 7% Mehrwertsteuer und die Prägekosten. Das bedeutete beim Silber Preise von mindestens 9,92 EUR. Dazu addieren sich die Kosten für das Formen der Silberlinge und das Stanzen der Münzen bzw. das Gießen der Barren und bei Barren 19% Mehrwertsteuer.

Silberbarren und Kilomünzen gibt es zu knapp 400 Euro. Dazu müssen Händler ja von irgend etwas leben. Die Händler machen derzeit offenbar wenig Geschäft, denn viele von ihnen haben sich bei Kursen weit oberhalb der 12 Euro-Marke mit Material eingedeckt, in der Erwartung, dass die Spot-Preise in Richtung 20 Dollar schießen, nachdem der Silberchart über die 16 Dollar ausgebrochen war. Viele der Händler handeln auf Kredit, berichtet Schuster. Das bringt viele in in der Zunft gerade um, zumindest aber dick ins Minus.

Nun, da die Preise gefallen sind, sitzen viele Händler in der Klemme. Sie sitzen auf Material und brauchen Geld. Deshalb werfen die ihre Bestände auf den Markt, der im Sommer meist ausgetrocknet ist. Erst Ende Juli bis Mitte August steigen saisonal bedingt die Preise. So war es jedenfalls in den letzten Jahren.

Inzwischen sind Edelmetallhändler wie Pilze nach einem warmen Sommerregen aus dem Boden geschossen. Viele davon sind neu im Geschäft, das aber einiges an Erfahrung voraussetzt. Schauen Sie mal bei www.goldhandel-henkel.com vorbei. Das Internetportal bietet derzeit Goldbarren von Heraeus für 6.980 Euro an, inklusive der Mehrwertsteuer. Mehrwertsteuer bei Gold? Diese gibt es gar nicht. Hat er/sie keine Ahnung? Ein Schnäppchen? Der reale Preis für ein Kilo liegt bei 22.000 Euro. Der arme Mann und sein glücklicher Anwalt, wäre zu vermuten. Na mal sehen, wie diese Geschichte ausgehen wird. Wir werden berichten…

Schuster berichtet, dass die Käufe meistens bei steigenden Kursen einsetzen. Thorsten Schulte, der „Silberjunge“ wies am Montag darauf hin, dass Silber selten mehr als fünf Wochen im Preis fällt und rechnet in dieser sechsten Woche mit einem Dreh am Markt. Schuster berichtet, dass gerade in den letzten Stunden des Mittwochs die Käufe in fallende Märkte signifikant zunehmen. „Es könnte sein, dass es das Tief heute Abend war“, sagt Schuster.

Man weiß es nicht. Wir werden sehen…



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