Börsensommer-Wende?

23. Juni 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer  Die Tage werden ab jetzt wieder kürzer. Mit dem Ende der Spargelsaison am Johannistag blüht das Johanniskraut. Daraus werden Stimmungsaufheller hergestellt. Ich vermute, wir werden davon noch viel an der Börse benötigen. Vielleicht schon in den kommenden Tagen…

Ein verrücktes Jahr… Die Sonne hatte noch nicht ihren höchsten Stand erreicht, schon beginnt der Sommerschlussverkauf – nicht nur im Einzelhandel, auch an der Börse. Nur weiß man auf dem Parkett nie, was wirklich Schnäppchen sind. Oft schnappen sie zu wie hungrige Schildkröten.

Der DAX fiel wieder unter 8.000 Punkte. Dabei sollte er doch bei 9.000 stehen, sagten Experten. Ihre Stimmung war vor wenigen Tagen am Sieden wie Quecksilber in Thermometern. Jetzt diskutieren sie über verlorene Worte von FED-Chef Ben Bernanke. Er hat damit 2,2 Billionen US-Dollar an Aktienvermögen ausgelöscht und eine dreiviertel Billion Anleihewert – also Illusionsbeträge, die gar nicht vorhanden wären, hätte man vorher nicht in den Märkten herum gefummelt.

Bernanke wurde so verstanden, dass er die Geldflut in den USA beenden wird. Oh ja! Verbal wird er das sicherlich tun. Wirkliches Ungemach droht aber aus China. Dort friert der Handel unter den Banken ein. Eine Kreditklemme würde weltweit schwarze Schwäne in die Börsentafeln fliegen lassen. Das sollte man im Auge behalten.

Was halten Sie davon, dass auch marode Banken künftig Geld aus dem Rettungsschirm ESM bekommen? Nichts? Früher wären sie abgewickelt worden. Heute aber werden Zombies künstlich am Leben gehalten. Die Schatulle ist mit 60 Milliarden Euro für Bankenrettungen gefüllt – unter Auflagen natürlich. In wenigen Monaten wird das ein ganz normaler Vorgang sein und wir werden staunen, wer sich dann alles noch retten lassen wird. Sollten wir das feiern? Nein? Ich bin gespannt, wann die Summe aufgestockt wird. Die Botschaft heißt schon wieder: Bedient Euch!

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

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