Boom! Erang!

18. April 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow, Zeitlos

von Bankhaus Rott

Wirft man einen Stein in einen See, so fällt er hinein, verursacht ein paar Wellen und sinkt auf den Grund wie einst die Aktie der AIG. Das Schleudern eines Bumerangs hingegen kann dazu führen, dass man nach der Rückkehr des Wurfholzes gefragt wird: “Schöne Zähne. Alle neu?“ Der australische Immobilienmarkt ist in jeder Hinsicht mehr Bumerang als Stein…

Wenn der kreditfinanzierte Boom sich umkehrt und sein hässliches Gesicht zeigt, werden die Probleme nicht sang und klanglos verschwinden und nur ein paar kleine Wellen schlagen. Die Probleme werden die Wirtschaft und die Einwohner des Inselstaates vor massive Probleme stellen.

Bei der Erwähnung der Begriffe Wirtschaft und Australien wird oft sehr schnell abgewiegelt, sobald das Wörtchen Rezession die Runde macht. Das könne nun wirklich nicht sein, die Minen, die Metalle, China, die Teflonpfannen und vieles mehr spreche dagegen. Wenig bekannt ist der entgegen weitläufiger Meinungen nicht sonderlich beeindruckende Anteil der Bergbauunternehmen an der australischen Volkswirtschaft. Rund 90% derselben haben mit dem Minensektor nichts zu tun. Und im Gegensatz zu den noch brummenden Förderunternehmen, bekommt der Dienstleistungssektor langsam Probleme, und das produzierende Gewerbe bewegt sich seit Jahren nicht vom Fleck. Wir wollen heute nicht auf das dünne Eis eingehen, auf dem die Schwergewichte des Bergbaus angesichts der teilweise abenteuerlichen chinesischen Industrie- und Baupolitik wandeln. Diese Branche ist bekanntermaßen extrem zyklisch. Wer hier die Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit munter fortschreibt bekommt sehr schnell Probleme.

Andere Wirtschaftszweige leiden bereits. So melden Hotels außerhalb der wenigen Zentren bereits Leerstände von bis zu 50% und in der Breite nehmen die Klagelieder deutlich an Lautstärke zu. So vermeldete die australische Handelskammer unlängst Zahlen, laut denen mehr als 34% der Firmen die wirtschaftlichen Bedingungen als schwach bezeichneten. Die Zahl der Unternehmen, die von einer Verschlechterung der Lage im nächsten Vierteljahr ausgehen, stieg um fast 100% auf rund 19%. Steigende Zinsen sowie steigende Preise bei Energie und Lebensmitteln fordern ihren Tribut ebenso wie der wachsende Anteil der Zinsbelastung durch die teils massive Kreditaufnahme der letzten Jahre.

Der Rückgang der Neukredite – die folgende Grafik zeigt die beindruckende Entwicklung – lässt viele bereits von einem Käuferstreik sprechen.

Diese Tendenz kann dem Markt sehr schnell das Genick brechen. Was dann folgt, ist ein bekannter Prozess. Die Preise fallen, die Kreditkosten steigen und potentielle Käufer schrecken vor dem Risiko zurück und entdecken plötzlich die Gründe, warum die Immobilien viel zu teuer sind. So ist das, mal kann es gar nicht teuer genug sein, ein bisschen später ist schon der um die Hälfte reduzierte Preis noch zu hoch. Warum heute kaufen, was ich morgen billiger bekomme?

Der Einbruch bei den um reine Refinanzierungen bereinigten Zahlen zur Neukreditaufnahme ist jedenfalls aller Ehren wert. Für jemanden, der dort unten ein Haus mit dem Ziel erworben hat, dieses mit Gewinn wieder zu verkaufen, bedeutet der auf der obigen Darstellung sichtbare Einbruch nichts Gutes. Und das ist vorsichtig formuliert. Es gibt offenbar deutlich weniger gierige Hände, die sich nach der heißen Kartoffel recken. Im Luxussegment zeigen sich schon deutliche Risse, regelmäßig laufen Nachrichten wie die folgende über den Ticker.

April 13 (Bloomberg) — Apartment prices in the luxury beachside Australian town of Noosa Heads have tumbled by a fifth since 2008 as cracks emerge in a housing market that’s so far escaped the rout seen in the U.S., U.K. and Ireland. The median apartment price in the tourism and retiree town 150 kilometers (93 miles) north of Brisbane has slumped 21 percent in three years to A$570,000 ($594,000), according to the Real Estate Institute of Queensland. Sales have more than halved across Queensland state’s Sunshine coast, home to “Crocodile Hunter” Steve Irwin’s Australia Zoo, and the Gold Coast, known for its surfing beaches and casinos.

Von der Einkommensseite kommen ebenfalls keine förderlichen Neuigkeiten. Im Allgemeinen ist die Entwicklung der Gehälter im Verhältnis zum BIP in Australien auf dem gleichen Pfad, wie wir das aus den USA kennen. Der Trend zeigt nach unten. Das reale Wachstum der Gehälter kann schon lange nicht mehr mit den förmlich explodierten realen Schulden der Bürger Schritt halten. Das ist ein typisches Muster im Vorlauf einer ausgeprägten Krise. Sobald das Deleveraging, der Abbau des Kredithebels, einsetzt, geht die wirtschaftliche Entwicklung sehr schnell in den Sinkflug über, weil der Kreditimpuls nicht mehr unterstützend wirkt. —–>

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3 Kommentare auf "Boom! Erang!"

  1. Adeke sagt:

    Hab‘ trotz des – unabänderlichen – Ernstes der Lage wieder herzhaft lachen können, ebenso wie z. B. über das Rating der breaking news von einfach pling bis triple pling in der Kolumne vom Sonntag.

    Vielleicht fällt das Lachen auch leichter, wenn man sich zur Gürtel- und Hosenträgerfraktion zählen darf, als welche die Investoren in physische Edelmetalle im Blog bezeichnet wurden.
    Eigentlich eine gelungene Analogie. Impliziert sie doch, dass jene wohl kaum mit blankem … dastehen werden.

    Let’s face the facts but also, that the whole mess can’t be mopped up and enjoy life as long and as well as we may!

  2. News zu Australien am 25.04.11 sagt:

    […] der Seite rottmeyer.de fanden wir diesen Beitrag erwähnenswert: Bankhaus Rott ? Australien Immobilien » Rott & Meyer Dort heisst es: von Bankhaus Rott Wirft man einen Stein in einen See, so fällt er hinein, […]

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