Bonjour aus der Peripherie

6. November 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Bankhaus Rott) Frankreich zählten viele in den letzten Jahren zu den Kernländern der Eurozone. Was politisch begründet sein mag, muss ökonomisch nicht richtig sein. So sehr auch die Regierenden an der Seine den Weg in den Fokus suchen, wirtschaftlich führt der Weg der ehemaligen Grande Nation direkt in die Peripherie…

Die Einordnung Frankreichs in die Kategorie der Kernländer basiert größtenteils auf politischen Einschätzungen. Wirtschaftlich überspringt das Land derzeit den Status eines semi core Staates und gleitet ohne nennenswerten Widerstand ab. Einen Mangel an Freigiebigkeit kann man den Präsidenten jedoch nicht vorwerfen.

Allein die vorläufigen Rettungen des französischen Autobauers Peugeot, der insolventen belgisch-französischen Dexia und des angeschlagenen Finanzierers Caisse Centrale du Crédit Immobilier de France (CCCI) belaufen sich auf zig Milliarden. Angesichts der Größenordnung dieser Eingriffe darf man darüber die Stirn runzeln, wie konsequent weiterhin Teile der deutschen Medien diese Themen ignorieren.

Die Garantien für die CCCI sollen sich anfänglich auf rund €20 Mrd. belaufen. Dauerhaft plant man eine Vollübernahme des Konzerns durch die staatliche Banque Postale. Die für die Dexia bereitgestellten Staatsgarantien summieren sich auf €76,5 Mrd, der Anteil Frankreichs liegt bei €27 Mrd. Woher das Geld stammen soll, ist den Flamen und Wallonen vermutlich ebenso unklar wie den Franzosen.

Klar ist hingegen, dass für die gescheiterte Bank Geld fließen wird, operiert das Institut doch seit geraumer Zeit mit negativem Eigenkapital. Auch für den desolaten Autohersteller Peugeot griff man im Elysee-Palast die Taschen und garantierte in einem ersten Schritt €7 Mrd. Da kommt einiges zusammen. Wie man diese und weitere Hilfen den Konkurrenten in der EU schmackhaft machen will, die sich als fähiger erwiesen haben, gilt es abzuwarten.

Aus der Makroperspektive betrachtet hilft Frankreich auch seine schon jetzt enorme Staatsquote nicht weiter. Mit den altbekannten Methoden des Verschleppens und Verstaatlichens kommt man in Paris nicht mehr von der Stelle. Der massive Druck Frankreichs, der maßgeblich zum Bruch bestehenden EU-Rechts und der regelmäßigen Erweiterung des EZB-Mandates sowie der Vergemeinschaftung der Schulden kann daher nicht verwundern, denn die Lust, für den angerichten Schaden selbst aufzukommen, hält sich in Grenzen.

Verzweifelt suchen die Euromantiker ihr Heil weitehrin in einer stetigen Vergrößerung monetärer Injektionen, die leider in einer Strukturkrise ebenso wenig helfen wie Liquidität in einer Solvenzkrise. Man klammert sich in wachsender Hilflosigkeit an die Mittel, auf die man früher vertraute, die aber nun nicht mehr funktionieren. Während die Krisengipfel sich häufen, steigt davon unbeeindruckt die Arbeitslosigkeit weiter an. Die Gesamtquote liegt wieder über 10% und die Jugendarbeitslosigkeit liegt mit 25,7% schon über dem Durschnitt der EU-Staaten… (Seite 2)

Print Friendly, PDF & Email

 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , , , , ,

Schreibe einen Kommentar