Böses Omen: In Gold we F(t)rust?

6. November 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Die EZB meint es ernst mit dem schwachen Euro. Sie dürfte zufrieden sein. Die Leute eher weniger, dass der Euro binnen weniger Wochen von 1,39 auf 1,25 US-Dollar regelrecht abgestürzt ist. Und das Gold gleich hinterher…

Ja, der Euro kann sich etwas erholen, aber erwünscht ist das nicht. Nirgendwo.

Manche sprechen von einer politisch gewollten Lira-isierung der europäischen Einheiz-Währung. Wahrscheinlich ist es eine der letzten Optionen der EZB, die Währung des Eurolands an dessen schwächstes Mitglied anzupassen, um den Laden zumindest monetär zusammen zu halten. Sie hat zudem angekündigt, in den beiden nächsten Jahren 1.000 Milliarden Euro (!) aus dem Nichts zu produzieren, um die ohnehin dünne Währungssuppe noch weiter zu verwässern. Braucht es noch deutlichere Warnungen in Sachen Stabilität und Kaufkraft?

Zehn Prozent Kaufkraftverlust seit Mai 2014 haben schon was! Oder anders ausgedrückt: Von 1.000 Euro Kaufkraft im Mai sind gegenüber dem Ausland jetzt im Oktober noch 900 Euro übrig. Zum Glück bekommt es niemand mit.

Für die Exportindustrie ist ein schwacher Euro von Vorteil, sagen Experten. Ach, Sie persönlich exportieren nichts? Mist aber auch! Sie kaufen Dinge, die importiert werden? Natürlich gibt es für die Exporteure große Vorteile mit einer schwachen Währung auf dem Weltmarkt. Aber das machen die anderen Länder ja auch wie Japan jetzt gerade. Wenn man aber im Ausland dann Waren einkaufen muss, wird es teurer. Diese Kosten kann man zwar notfalls irgendwie statistisch eliminieren, doch die Leute werden es schon bezahlen, aber nicht wirklich merken wollen. Steigende Importpreise würden zudem die Inflation anheizen, was ja auch so toll sein soll, sagen Experten. Für wen nur? Für Sparer sicherlich nicht.



Wie schon in den letzten Monaten geschrieben, bleibe ich dabei: Euros in Stärke verkaufen und überschüssige Baumwolle in etwas Nachhaltigeres und Brauchbares tauschen. Oder auch nicht. Da streiten sich die Experten, auch die im Handelsblatt.

Gold notiert gerade auf eine 4 ½ Jahres-Tief und das Handelsblatt schreibt, man muss es irgendwie loswerden, das tote Zeug. Spekulative Anleger sollten aussteigen. Jetzt. Es habe genau den Wert, welches wir ihm beimessen, lese ich. Euros nicht? Nun gut, aber Oliver Stock lag damals schon richtig, als er vor einem Jahr riet, das Gold in sichere Staatsanleihen zu tauschen. Heute zahlt man einen Aufpreis für diese unverzinsten Schuldscheine. Selbst das schafft Gold nicht. Und das Handelsblatt fügt an (Quelle)

„Der Preis für 31 Gramm dieses merkwürdigen Metalls hat jedenfalls heute mit 1145 Euro rekordverdächtige Tiefen erreicht.

1.145 Euro. Oder US-Dollar? Wenn man sieht, wo es herkommt, sind das ja fast schon rekordverdächtige Höhen. Egal. Macht nichts, ist aber lustig.

Richtigerweise muss es 913 Euro heißen. Ab ins Archiv. Man weiß nie, wann die Meinung dreht. Man kann im Eifer die Maßeinheiten schon mal durcheinander bringen, wobei weder Euro noch Dollar Maßeinheiten sind – höchstens Gramm und Kilo und diese Dingsda-Größen in Kubik. Aber verstehen Sie mich nicht falsch: Ich habe auch keine Ahnung.

Gold in Schwäche kaufen. Und stur bleiben. Aber zum Glück verstehen ja nach dem Handelsblatt immer mehr Menschen, dass, wer Gold besitzt, gleich einen Totenschein für die Wirtschaft miterwerben könnte. Herrlich! Deshalb ist im Edelmetallhandel ja gerade die Hölle los. Aber das treibt das Handelsblatt diesen ollen Goldbugs auch noch aus, wenn sie denn dieses Blatt lesen würden. Ich wette, morgen ist Silber dran, dieses Dreckszeug.

Oliver Stock hat Recht. Mit Gold ist kein Geld zu verdienen. Aber verdientes Geld zu parken, wenn man die Maßeinheit der Papierwährungen nur dann für wichtig erachtet, wenn man für so wenig wie nötig so viele Gramm wie möglich erwerben kann.

Komische Vergleiche

Gold in Euro ist in diesem Jahr 4,5 Prozent teurer geworden. Der DAX hat drei Prozent verloren. Was sagt uns das? Nichts. Gold hat in den letzten zehn Jahren 173 Prozent zugelegt. Der DAX 129 Prozent. Was sagt uns das? Auch nichts. Vielleicht nur eine Kleinigkeit, dass man in dieser Zeit mehr als die doppelte Menge an Euros für eine Einheit DAX oder Gold zahlen musste, was eher an der Geldpolitik als an wirtschaftlichen Aspekten liegt. Gold schafft ja keinen Mehrwert, das faule Zeugs aber auch…

Zu mehr als Sparen taugt Gold wirklich nicht, außer Sie mögen Schmuck oder goldene Zahnfüllungen oder haben Angst vor einem Systemcrash. Schaut man sich in der Finanzpresse um, erinnert der Tenor an die Jahrtausendwende, wo Aktien nur noch steigen konnten und Gold nur noch fallen. Das änderte sich dann bekanntlich. Ist die Finanzpresse ein guter Ratgeber? Oh ja, wenn man das Gegenteil tut von dem, was dort empfohlen wird. Denn es kommen auch wieder andere Zeiten.

Als 2011 eine Unze Gold 1.400 Euro kostete, haben es die großen Blätter auf die Titelzeilen gehoben. Auch das Handelsblatt, neben einiger anderer TOP-Storys wie „Kauft griechische Staatsanleihen!“. Jetzt, wo Gold 40 Prozent billiger zu haben ist, verwundert der Ratschlag und die Häme der Experten wenig.

Auf der Edelmetallmesse in München werde ich sicherlich wieder 100 Mal gefragt, wo ich das Kursziel von Gold und Silber sehe. Ich vermute, das werden diejenigen fragen, die das Metall irgendwann verkaufen wollen, weil es sich dann gelohnt hat … wenn es optisch besser aussieht als heute. Sie haben sich diesen etwaigen Gewinn in Papiereuronen wirklich verdient bzw. erschwitzt. Dann werden sie es eintauschen in… in was?

Die Botschaften aus EZB, FED, BOE und BOJ sind klar: Man wird die Geldmenge verdünnen und die Währungen bis zur Unkenntlichkeit verprügeln. Bislang haben die deutschen Sparer mit der Verwässerung einer Währung wenig Erfahrung im Gegensatz zu unseren südlichen Freunden. Sie haben das Sparen immer schon anders verstanden als wir. Schließlich sind sie den Umgang mit Schwachgeld gewohnt und haben ihre Lira, Drachmen und Peseten schnell ausgegeben. Diese Lektion steht den Deutschen noch bevor und sie werden es lernen müssen – ob sie wollen, oder nicht. Die Frage ist: In was? Noch hat man die freie Wahl.

 




 

Schlagworte: , , , , , ,

13 Kommentare auf "Böses Omen: In Gold we F(t)rust?"

  1. bluestar sagt:

    Super Artikel.
    Was ich immer schon einmal loswerden wollte: Vielen Dank an den Meister, dass er sich mit Handelsblatt und Co beschäftigt und uns über die aktuellen Essenzen des dort verbreiteten Schwachsinns informiert. Dadurch spare ich Zeit, Geld und Nerven.
    Als ehemaliger Leser von FTD, DW, Handelsblatt und meiner Regionalzeitung konnte ich das Niveau dieser Blätter vor einiger Zeit nicht mehr ertragen und meide diese nunmehr konsequent. FTD hat es
    sowieso zerlegt, die anderen Blätter scheinen noch weiter abgerutscht zu sein.
    Gibt es da überhaupt noch Luft nach unten ?
    Vorbei mit der sogenannten 4. Gewalt im Land ohne parlamentarischer Opposition.
    Erinnert mich alles an die letzten Jahre der DDR.

    VG

  2. Michael sagt:

    Jeder Goldpreis ist willkommen, bei konstantem Budget gibt es größere Mengen. Solange die Geldmetalle den Boden suchen gibt es wieder eine gute Gelegenheit nach der anderen. Unifunktionaler Geldersatz muss eh mal verdient werden bevor er auf Geld konvertiert wird.

    Eines Tages und solange dauert es auch nicht ist die Positionierung auch neuer Unternehmen entlang ihrer Marktanteile abgeschlossen. Dann steigen die Preise sowieso. Spätestens 2017 ist es soweit.

    Das Argument vom toten Kapital ist Schwachsinn. Gold ist eine Kapitalreserve oder Reservekapital. Versteuertes Geld wiedereinzusetzen ist Unsinn. Es gibt nämlich einen guten Grund warum ein Packen Tauschmittel bei einem im Finanzvermögen landet, da es keiner *ge*braucht hat. So einfach ist die Welt. Dass dieses Geld jemand bräuchte ist ein anderes Thema.

    Warum soll jemand investieren, wenn er nicht gebrauchtes Tauschmittel liegen hat und er es nicht gebraucht. Er gibt das Tauschmittel halt weiter. Es gibt scheinbar jemanden der das Tauschmittel gebrauchen will. Der Unterschied ist – man entscheidet selbst wer es bekommt.

    Das einzige mir bekannte Tote Kapital ist das gehortete Tauschmittel im Sparstrumpf des Unternehmers. Das Guthaben bei der Bank ist eh nurmehr eine Forderung, wenn überhaupt, ans Finanzsystem. Was macht jetzt ein ehrbarer Unternehmer – er denkt sich, ‚Ein Klumpen Metal ist für mehr Wert als der Wort eines Bankers.‘ Gibt das Tauschmittel weiter und behindert keinen. In dem Moment in dem Finanzsystem wortbrüchig wird, wird der Klumpen Metall zu Geld. Sonst passiert auf der Ebene Kapital gar nichts.

    Gold ist nicht der Feind des unifunktionalen Geldersatzes sondern ein Versicherung gegen gebrochene Versprechen von Angestellten des Finanzsystems.

    Totes Kapital ist eine Ausgabe des Handelsblatts für den einen bevor sie liest und für den anderen nachdem er sie las. Gescheiter wird keiner, wenn er das liest. Der unifunktionale Geldersatz liegt sowieso im Bankensystem. Wie das Bankensystem glaubt grad nach Lust und Laune Darlehen zu verknappen oder nicht … Banken sitzen wie die Glucken am Tauschmittel und versuchen Eier auszubrüten die sie selbst nicht legen können. Eher Liegehühner als Legehühner.

  3. JayJay sagt:

    Gold & Silber Ahoi 🙂

    Mehr gibt es nicht zu sagen.

  4. Skyjumper sagt:

    Ich hab eine Unze von dem gelben Zeug, die hat mich mal 800,- € gekostet. Ich habe auch eine die hat mich 1.200,- € gekostet. Aussehen tun beide gleich, sie wiegen auch genau gleich viel. Genau wie alle anderen Unzen die ich habe und für die ich ganz unterschiedliche Eurobeträge aufwenden musste.

    Das macht mich nicht nervös, es macht mich auch nicht euphorisch. Allerdings: Ich habe auch nie Haus und Hof in das Zeug investiert. Dann würde ich zwischenzeitlich ganz schön schwitzen. Es ist halt mal wieder die Dosis die das Gift oder die Medizin ausmacht.

    • Avantgarde sagt:

      Und ich besitze einige Unzen, die mich etwas weniger als 800 gekostet haben.

      Auch ich bin weder nervös noch euphorisch.
      Nicht alle Eier in einen Korb ist eine Binsenweisheit, die aber einige in den sog. alternativien Foren wohl seit einiger Zeit ausser Acht gelassen haben und anderes propagieren.
      Aber um genau zu sein möchte ich den Tag an dem Gold einige tausend Euro oder Dollar wert sein könnte lieber nicht erleben.
      Und einen Goldstandard halte ich auch nicht für eine sonderlich gute Idee.

      Aber als bekennender Nicht-Austrian würde selbst ich meine Edlelmetalle niemals wegwerfen – ebensowenig wie die Feuerversicherung eines Hauses, die auch jeder Normaldenkende lieber nicht bemühen möchte.

      Wir sind Dank der vorherrschenden Neoklassik auf gutem Weg zur Vorhölle.
      Reaganomics und Thatcherism „sei Dank“……
      Alles läuft wie auf Schienen – Japan ist nun unser Vorbild. 🙂

  5. samy sagt:

    Tja, dann Reihe ich mich einmal ein. Meine Unzen sind ebenfalls -wie hier schon gesagt- die berühmte Brandschutzversicherung.
    Gekauft habe ich im Durchschnitt zu wohl ca. 1000-1100$. Stimmt, die Dosis macht’s.
    Ich habe damit aufgehört als Jim Rogers sagte, dass nun eine satte längere Korrektur kommt. Er kaufe kein neues Gold, verkaufe es aber auch nicht. Er warte noch auf deutlich niedrigere Kurse um die 1000$ und hoffe er sei smart genug, dann wieder zu kaufen.
    Diese Position nimmt er nun gefühlt seit ca. 3 Jahren ein. Spätestens wenn Rogers kauft, kaufe ich auch.
    Beim Silber sehe ich das anders. Silber als Industriemetall taugt zu Spekulationen.
    Aber auch hier konnte man sich mit 10-Euro-Silberzehnern einen gewissen Schutz (nominal) nach unten erkaufen. Machte Sinn, als die Kurse noch recht hoch waren.
    Inzwischen sind die Kurse derart gefallen, dass sie den Produktionskosten relativ nahe kommen.
    Also man könnte sich wieder einige Koalas und Co. zulegen.
    Last but not least finde ich den zeitlichen Anlagehorizont wichtig. Ich bin ca. 40. Selbst wenn die Hausse nun beendet ist, sollte ich die Baise locker „überleben“. Und wenn ich nicht so lange lebe? Dann freud sich wenigstens der Fährmann über ein paar ausgesprochen schöne Münzen 🙂 .

  6. Matrix sagt:

    gelöscht. siehe unten.

    • Avantgarde sagt:

      Copy & Paste aus:
      https://www.boersen-zeitung.de/index.php?dpasubm=all&ansicht=meldungen&dpaid=741176

      Die Kommentare hier waren auch schon mal besser….. 🙁

      Glaub nicht, daß ich hier als Goldpromotor bekannt bin – aber die Gefahr größerer Zahlungsausfälle ist so klein nun auch nicht – und was dann passiert wissen nur die Götter.
      Auch ein weiterer Einbruch der Metallpreise wäre freilich erst mal möglich – aber Haus und Hof wollte ich darauf nicht verwetten.

      • stonefights sagt:

        Sein Avatar soll wohl die blaue Pille darstellen.
        Hatte bisher keinerlei Beachtung dem Inhalt dieses „angestellten Kommentators“ gespendet, da es zu offensichtlich war. Seine Kumpanen auf anderen Blogs sind da schon etwas routinierter und intelligenter aufgestellt, aber „es“ wird auch noch besser werden, das wünsche ich zumindest, sonst macht es keinen Spass 😉
        Aber ich kann auch c&p 🙂
        “This is your last chance. After this, there is no turning back. You take the blue pill — the story ends, you wake up in your bed and believe whatever you want to believe. You take the red pill — you stay in Wonderland and I show you how deep the rabbit-hole goes.”
        lg, stonefights

    • Frank Meyer sagt:

      @ Matrix Kommentar gelöscht. Ohne Quelle aus Börse-Online hierher kopiert.

      • Matrix sagt:

        Tut mir leid!

        Das Zitat entspricht ganz und gar meiner Meinung.

        Wie lange haben wir gehört, dass es einen Crash geben würde, dass die Staatsverschuldung nicht immer weiter anwachsen dürfe, dass Gelddrucken zur (Hyper-)Inflation führen würde, dass Öl und Gas weniger und teurer werden würden, dass Leistung sich lohnt, dass Fachkräfte benötigt werden, etc. pp.?

        Gelddrucken führt aktuell zur Deflation.

        Fracking hat zu einem unglaublichen Anstieg der Ölförderung in den USA geführt, die eventuell die Förderungsspitze der 70er Jahre überschreiten wird.

        Seit Jahren steigen Aktien, ohne jedes Anzeichen von Schwäche. Die Gewinne der Firmen sind enorm gestigen. Der Konsum steigt (wenn auch oft auf Pump).

        In China entsteht eine Mittelklasse, deren Kaufrausch ALLES uns bekannte in den Schatten stellen wird!

        Die hohe Arbeitslosigkeit in manchen Ländern führt – zu nichts. Man hält am alten fest, sogar an den alten Parteien und den Deppen in Brüssel. Nirgends aufbegehren, auch nicht in Deutschland, wo man laut Udo Vetter aktuell eine Stasi 2.0 gründet.

        Kein Wunder, dass in solchen Zeiten, wo es nur Selbstzufriedenheit und nur Gewinner gibt, NIEMAND Gold kauft. Warum auch? Die Dividendenrenditen sind höher. Gold wird nicht steigen, sondern geht einer erneuten 30-jährigen Baisse entgegen.

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.