Böse Pistole

6. August 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Ralph Malisch

Für unsere Heftkategorie „Löcher in der Matrix“ sammeln wir laufend Erstaunliches und Schräges aus der Welt der Medien. Unser wöchentliches Update.

„Nach Amoklauf von München: Große Koalition denkt über Verschärfung der Waffengesetze nach“ (focus.de, 24.7.2016)

„Kampf gegen Terrorismus: Politiker fordern Tschechen auf, Waffen zu tragen“ (radio.cz, 1.8.2016)

Idealerweise sollte Politik praktikable Lösungen für echte Probleme finden. De facto schafft sie heute selbst jene Probleme, für die sie morgen die untauglichen Lösungen durchsetzt, die uns dann übermorgen auf die Füße fallen. Es wäre schon viel gewonnen, wenn Politik die Menschen im Zweifelsfall einfach in Ruhe lassen würde. Die meisten Dinge können „mündige Bürger“ – ein Ideal, das im aktuellen Nanny-Staat ein wenig in Vergessenheit geraten ist – nämlich sehr viel besser für sich alleine regeln als die halb- und gar nicht gebildeten „Generalisten“ der Parteien.

Im Deutschland des Jahres 2016 klingen solche Gedanken inzwischen ziemlich weltfremd, was aber vor allem daran liegt, dass dieses Land von einer weltfremden „Elite“ regiert wird, die das Kunststück fertigbrachte, sich in ihrer Halsstarrigkeit sowohl gegenüber den eigenen Bürgern als auch gegenüber den europäischen Nachbarn in die Isolation zu manövrieren. Das einzige Gebiet, auf dem sie „Erfolge“ vermelden kann, ist die inzwischen auch juristisch abgesicherte Meinungshoheit der eigenen Ideologie – traditionell ein sicherer Hinweis auf totalitäre Systeme.

Eine derart ideologisch geprägte Politik löst auch keine Probleme – sie instrumentalisiert Probleme für ihre eigenen Ziele. Ein Beispiel ist der Amoklauf von München. Weil geschossen wurde, will man uns weismachen, dass die Pistole schuld sei und das Waffenrecht verschärft werden müsse – obwohl Deutschland schon jetzt „eines der schärfsten Waffengesetze der Welt“ hat. Dabei war die Waffe ja lediglich ein Mittel zum Zweck. Wie viel Unheil man selbst mit Alltagsgegenständen anrichten kann, zeigte der Amokfahrer von Nizza. Dennoch käme niemand auf die Idee Lkws zu verbieten. Während die Politik sich also angestrengt auf die Waffe fokussiert, zeigt sie auffallend wenig Interesse an den Hintergründen für das gehäufte Auftreten „psychisch gestörter Einzeltäter“.

Was soll mit einer weiteren Verschärfung des Waffenrechts eigentlich erreicht werden? Der Täter hielt sich bei der Beschaffung ja eben genau nicht an dieses Waffenrecht. Selbst Polizeiverbände sprechen sich gegen weitere Verschärfungen des Waffenrechts aus: „Das Problem liege nicht bei den legal erworbenen Waffen …“ Welche Ziele verfolgt eine Politik, die der Bevölkerung explizit die bewährte Schutzwirkung gesicherter Grenzen versagt und sie zeitgleich auch noch maximal entwaffnet?

In diesem Zusammenhang lassen Entwicklungen aus Tschechien aufhorchen. Als Folge der Terrorakte hat Innenminister Milan Chovanec – wohlgemerkt ein Sozialdemokrat – „bereits veranlasst, das Grenzgebiet zu Deutschland stärker zu überwachen“.

So solle „verhindert werden, dass abgelehnte Asylbewerber nach Tschechien kommen – die noch dazu radikal sein könnten“. Mehr noch, die Stimmen werden lauter, die eine Bewaffnung der tschechischen Bürger fordern. Deutlich wurde Staatspräsident Miloš Zeman – ebenfalls ein Sozialdemokrat:

„Ich finde wirklich, dass die Bürger sich bewaffnen sollten gegen die Terroristen. Ich muss auch ehrlich zugeben, dass ich meine Meinung geändert habe. Früher war ich gegen übermäßigen Waffenbesitz, nach den Anschlägen denke ich aber nicht mehr so.“

Wiewohl es Argumente für und gegen Waffen in den Händen von Bürgern gibt, kann man vor Zeman nur den Hut ziehen. Er versucht wenigstens eine praktische Antwort auf eine neue Form der Bedrohung zu finden. Ein System schließlich, dessen Staatsspitze sich mehr Waffen in den Händen der Bürger wünscht, ist zumindest ganz sicher nicht totalitär.

© Ralph Malisch – Homepage vom Smart Investor

 

2 Kommentare auf "Böse Pistole"

  1. Hermann sagt:

    Politisch vielleicht nicht korrekt, aber immer noch legal, darf ich sagen, dass ich dankend den Nachlass meiner Großmutter entgegen genommen habe, und nunmehr eine Schreckschusswaffe in meinem Auto als auch in meiner Wohnung mein Eigen nennen darf.

    Falls sich die Lage weiter verschärft… das Darknet hilft weiter. Provinz-Exekutive und -Legislative haben offensichtlich noch nicht kapiert, warum gerade TOR eine Sache ist, die sie gerade NICHT planstellenartig kontrollieren können! Darum halte ich bspw. cryptocurrencies auch für völlig unterschätzt was die Gefahr für den Machtmonopolisten Staat anbelangt.

  2. Argonautiker sagt:

    Selbstverständlich hat die Elite Angst, denn das Spiel welches sie spielen, ist hoch gefährlich. Einerseits zerstören sie die Binnenwirtschaft mit dem Geldfluten so sehr, um das Volk zu schwächen und es so besser kontrollieren zu können, und eine Währungsreform einzuleiten, andererseits heizen sie es damit auch auf, um es in geeignetem Moment mittels Schuldprojektion auf einen konstruierten Sündenbock, wie z.B. einen Krieg gegen Putin zu lenken. Und das alles müssen sie so schaffen, als täten sie es nicht, sondern es so aussehen lassen, als wären es widrige Umstände eines Schicksals.

    Äußerst heikle Angelegenheit, denn falls die Allgemeinheit dieses Spiel doch noch durchschauen sollte, und ihre Wut sich nicht gegen den vorkonstruierten Feind richten, sondern gegen die eigentlichen Verursacher, dann wird das nicht lustig für die.

    Dieser Satz :

    „Eine derart ideologisch geprägte Politik löst auch keine Probleme – sie instrumentalisiert Probleme für ihre eigenen Ziele.“

    beschreibt es vortrefflich, und ich würde ihn sogar noch erweitern, denn sie instrumentalisieren mittlerweile nicht mehr nur Krisen, sondern sie erschaffen sie ganz bewußt.

    Ähnlich dem Prinzip wie der Schäfer seine Hunde nutzt. Er läßt sie da kläffen, und somit eine Krise erzeugen, wo die Schafe nicht hin sollen, und treibt sie dadurch in eine Bestimmte Richtung. Klappt bisher hervorragend. Aber eben nur so lange, wie die Schafe sich nicht bewußt sind, wie wenig 5 Hunde gegen 500 Schafe ausrichten können, oder wenn die Schafe anfingen ihre Herde aufzugeben und sich vereinzeln würden, was gerade im Angesicht von Menschen, die nun mal in Wirklichkeit eben doch keine Schafe sind, sehr leicht passieren kann.

    Das Problem mit der Bewaffnung/Entwaffnung halte ich nur für sekundär entscheidend, denn die Kreativität läßt es eben durchaus zu, Mistgabeln wie eine Lanze zu führen, sodaß es unmöglich sein wird, alles zu verbieten, was man als Waffe benutzen oder umfunktionieren kann.

    Viel entscheidender ist das Selbstbewußtsein, sodaß man eben nicht mehr bei jedem Kläffer der Staatsräson davon rennt, sondern sich durchaus der Möglichkeit der eigenen Souveränität bewußt wird, denn der Staat ist nicht die Voraussetzung für den Menschen, auch wenn er gerne so tut, sondern der Mensch ist die Voraussetzung für einen Staat, und die kann ihm jeder Einzelne, wenn dieser kontinuierlich gegen die eigenen Interessen verstößt, eben durchaus auch wieder entziehen. Ein Regierungsmandat ist eben kein Freifahrtschein, sondern ein bilateraler Vertrag, und jeder Vertrag ist aufkündbar.

    Man hat sich eben wieder selbst aufrecht zu machen, und klar auszusprechen, wer wen bezahlt, und wer folglich der Souverän ist, und zwar nicht nur mal eben im Rahmen einer Demonstration, sondern im täglichen Leben. Entscheidend dürfte dabei sein, daß man eben für sich eintritt und nicht per sé gegen den Staat agiert. Wenn Ersteres Zweiteres mit sich bringt, dann ist das eben so. Wenn man nur Zweiteres beabsichtigt, was sollte das für einen Sinn machen?

    Schöne Grüße

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