Börsenparadoxon: Nach dem „Renten-Crash“

22. Oktober 2015 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

Spektakulär waren die Vorhersagen des bekannten US-Analysten Martin Armstrong („The Forecaster“) für den Oktober 2015. Je nach Lesart sollte es am 1. bzw. am 17. zu einem veritablen Renten-Crash kommen. Heute, am 21. des Monats, wissen wir mehr….

Der Zusammenbruch der Rentenmärkte hat nicht stattgefunden. Allerdings ist Armstrong bereits im Vorfeld von der harten Interpretation seines Pi-Zyklus (ca. 3.141 Tage = 8,6 Jahre) abgerückt. Das entscheidende Datum, der Übergang vom 30. September auf den 1. Oktober, kennzeichne eher einen Paradigmenwechsel, als ein aktuelles Crash-Datum. Und da sieht es so aus, als sollte Armstrongs „Peak Government“-Prognose ziemlich genau eintreffen.

Der Höhepunkt der sozialistischen Umverteilungspolitik dürfte mit dem geradezu wahnhaften Versuch, den deutschen Sozialstaat auf die Welt auszudehnen, bereits hinter uns liegen. Zum einen formiert sich stetig wachsender Protest im Lande. Zum anderen zeigt der Verlust der Kontrolle über die eigenen Landesgrenzen, dass die aktuelle Politik inzwischen sogar mit den originären Staatsaufgaben – innere und äußere Sicherheit – überfordert ist. Das sind echte Zerfallserscheinungen.

Was eine solche Entwicklung konkret für Staatsanleihen bedeutet, das lesen Sie im nächsten Smart Investor 11/2015, der zum Ende der nächsten Woche erscheint. Unsere Gedanken zur aktuellen Markteinschätzung des Bund-Future finden Sie weiter unten. Das ganze Thema ist im Übrigen kein Vorwurf an diejenigen, die sich entsprechend der in Berlin gesetzten Anreize massenhaft in Bewegung setzen.

Über das für jede (ökonomische) Entscheidung zentrale Thema der Anreize haben wir den weltberühmten US-Ökonomen Arthur B. Laffer in der aktuellen Smart-Investor-Ausgabe 10/2015 befragt. Einen kleinen Vorgeschmack auf das Interview „Ignoranz ist überall“ finden Sie auch auf unserer Website. Die aktuellen Probleme werden also nicht an der Grenze gelöst, sondern dort, wo sie auch geschaffen wurden – im Kanzleramt in Berlin.

Scheitern auf ganzer Linie

Erst in der vorletzten Woche schockte die Deutsche Bank mit einer drastischen Gewinnwarnung zum dritten Quartal, am Wochenende wurden nun drastische Pläne zum Umbau des Unternehmens bekannt. Der neue Vorstandschef John Cryan lässt dabei keinen Stein auf dem anderen, sowohl personell als auch organisatorisch. Dies gab das Unternehmen nach einer Sondersitzung des Aufsichtsrates am Sonntag bekannt.

Im Mittelpunkt des Umbaus steht die Aufspaltung des Investment Bankings, welches künftig in zwei gesonderten Bereichen organisiert werden soll. Neben dem Handelsgeschäft, der Domäne des ehemaligen Co-Vorstandschefs Anshu Jain, wird es nun eine Einheit für Unternehmensfinanzierung und Transaktionsabwicklung geben. Flankiert wird all dies von einem heftigen Personalkarussell, wie es in der Geschichte der Bank wohl einmalig ist. Sämtliche relevanten Resorts sollen zukünftig von Führungskräften ohne „Stallgeruch“ geleitet werden – ein mehr als deutliches Eingeständnis des Scheiterns des Aufsichtsrates.

Denn die treuen Untergebenen des bisherigen Chefs werden nahezu komplett entmachtet. Personen, die zum größten Teil erst 2012 durch den heutigen Aufsichtsrat installiert worden waren. Wie wunderbar passt es da in das Gesamtbild, welches die Öffentlichkeit von Deutschlands größter Bank hat, dass erst diese Woche ein weiterer Skandal publik wurde.

Fat Finger Bank

Fälschlicherweise sollen Mitarbeiter des Konzerns einem Hedgefonds 6 Mrd. USD überwiesen haben, allem Anschein nach ein sogenannter „Fat-Finger-Incident“. Irgendjemand hatte also offensichtlich voreilig auf einen Knopf gedrückt, obwohl zuvor wohl einige Nuller zu viel in das IT-System eingegeben worden waren. Zwar wurde die Transaktion relativ schnell wieder rückabgewickelt, dennoch sagt dies einiges über die Risikomanagementsysteme und die Strukturen der Bank aus. Genau hier hatten wir ja erst in unserem Artikel im Smart Investor 7/2015 (S. 62) angesetzt, in dem wir die Bilanz der Bank und insbesondere die riesige Derivateposition analysiert haben.

Zwar ist diese Position im zweiten Quartal um rund 80 Mrd. EUR gesunken, noch immer macht der Posten jedoch knapp 860 Mrd. EUR oder rund 50% der Bilanzsumme aus. Unsere These der Derivatebombe ist damit vermutlich nach wie vor aktuell, angesichts solch dramatischer Umstrukturierungen vermutlich sogar mehr denn je zuvor.

Auch mit den Abschreibungen im dritten Quartal – so dramatisch diese klingen mögen – lässt sich bisher jedoch noch keine nennenswerte Auflösung der Derivateposition herleiten. Denn dafür sind zum einen die genannten Abschreibungen deutlich zu gering (!), zum anderen beziehen sich diese zu einem großen Teil auf die Postbank und neue Rückstellungen für Rechtsrisiken. Zwar konnte die Aktie der Deutschen Bank nach den jüngsten Meldungen durchaus zulegen, die Kuh ist wohl dennoch noch lange nicht vom Eis.

Zu den Märkten

Wie eingangs erwähnt, ist der von Martin Armstrong prognostizierte Crash an den Rentenmärkten bislang ausgeblieben. Als kleine Ehrenrettung darf angeführt werden, dass der Bund-Future am 2. Oktober – also einen Tag nach dem Stichtag – den Hochpunkt der keilförmigen Erholungsbewegung (rote Linien) erreicht hatte (vgl. Abb., gelbe Markierung). Das kurzzeitige Durchbrechen der oberen Begrenzungslinie des Keils erwies sich jedoch als Fehlsignal mit entsprechend negativen Implikationen. Seitdem hat sich das Bild beim Bund-Future weiter eingetrübt.

si-2015-10-1

Gestern wurde auch die kurze Aufwärtstrendlinie innerhalb des Keils (blaue Linie) nach unten durchbrochen. Und schließlich, wenn man genau hinschaut, dann erkennt man im ganz kurzfristigen Bereich eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation, deren Nackenlinie gestern ebenfalls durchbrochen wurde (grüne Markierungen bzw. grüne Linie). Die Unsicherheiten rund um das Geschäftsmodell der bereits jetzt hoch- und höchstverschuldeten Wohlfahrtsstaaten sind vor dem Hintergrund der Migrationskrise jedenfalls nicht kleiner geworden.

Ein bisschen losgelöst

Geradezu unbeschwert entwickelt sich dagegen das vom Mainstream so verschmähte Gold. Wenn es durch die Zeiten einen Profiteur wachsender Spannungen und Krisen gab, dann war das in der Regel das gelbe Edel- und Fluchtmetall. Das Potenzial des Goldes kann man vielleicht am ehesten daran ermessen, dass es sich über vier Jahre auf Talfahrt befand, während sich an dem um ein Vielfaches größeren Anleihemarkt eine Jahrhundertblase herausgebildet hat.

Ausgerechnet in dieser Situation rollt absehbar eine neue Schuldenwelle auf jene Staaten zu, deren Schuldenberge schon bisher kontinuierlich gewachsen sind. In diesem Umfeld konnte Gold seit den Tiefs im vergangenen Juli erstmals wieder nennenswert an Boden gegenüber Aktien gutmachen. Abb. 2 zeigt einen Relativchart zwischen der Feinunze und dem S&P500-Index. Nach einer ersten scharfen Aufwärtsbewegung konsolidiert der relative Kurs aktuell in einem Kurswimpel (vgl. Markierung).

si-2015-10-2

Die Standarderwartung einer solchen Formation besteht in einem weiteren Ausbruch nach oben.

Fazit

Wer hat also Recht? Während der deutsche Rentenmarkt zuletzt zur Schwäche neigte, erwachte die Deutsche Bank zuletzt aus ihrem Dornröschenschlaf. Rein logisch dürfte es beides gleichzeitig so nicht geben. Während wir noch über diesen Widerspruch nachdenken, läuft sich am Rande schon das Gold warm…

©Ralph Malisch, Christoph Karl – Homepage vom Smart Investor

 

3 Kommentare auf "Börsenparadoxon: Nach dem „Renten-Crash“"

  1. FDominicus sagt:

    Ich glaube nicht an diese punktgenauen Vorhersagen. Und ich nehme auch derartige Aussagen maximal zur Kenntnis. Ich halte mich lieber an generelle Aussagen, und eine davon ist für mich. Weil Geld inflationiert wird müssen irgendwo Preise steigen. Wann und um wieviel weiß ich nicht. Kann man auch nicht wissen.

    Weiterhin kann man durchaus aus der Geschichte Folgerungen ziehen. Bisher ist jede Inflation irgendwann im Untergang einer Währung geendet. Sei es der Übergang von Goldmarkt, der Übergang von alten Franc auf Neue oder auch Währungen die heute noch immer so existieren aber eben nur“ noch 3-4 % Ihres angeblichen ursprünglichen Wertes behalten haben.

    Es gibt nur wenig was über allle Jahrtausende einen Wert behalten hat. Das muß einem m.E. reichen. Mehr ist Anmassung oder gar Vermessenheit.

    Natürlich treffen bestimmte Vorhersagen auffallend treffen zu, nur hat das nichts mit „Wissen“ zu tun sondern ist eine Spekulation die aufgeht. Ich selber habe noch von neimandem gehört der „immer“ richtig lag.

  2. waltomax sagt:

    Ein System, das Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert, sieht für Banken und Investoren den Sozialismus vor und für Arbeitnehmer und Sparer eine Form von knallhartem Kapitalismus. Wir wollen doch bitte differenzieren.

    Ferner ist da noch zu erwähnen, dass Banken, welche von den Zentralbanken billigstes Geld erhalten und dies in die Spekulation stecken, gegenüber potentiellen Anlegern wie mir einen ungerechten Wettbewerbsvorteil genießen. Denn ich muss Kredite recht ordentlich verzinsen.

    Das Gefasel von einem Wohlleben in einem vorgeblichen Sozialismus, in welchem unsereiner angeblich lebe, stinkt mir gewaltig!

    Denn durch irrwitziges Gelddrucken vernichtet man gerade meine Ersparnisse und Rücklagen, um besonders Reichen zu noch größeren Spekulationsgewinnen zu verhelfen.

  3. tini sagt:

    ***edit vom Admin***

    Die Toilette ist woanders, nicht hier.

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