Börsenpanik und ein „negativer Ölpreis“…

22. Januar 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

Von einem Extrem ins andere. Das Jahr setzt sich so fort, wie es begonnen hat. Doch das Beste kommt erst noch…

Das hat ja mal wieder hervorragend gepasst: Kaum stellt sich einer der so genannten „Währungshüter“ mit entschlossener Mine vor die Kameras und versichert, man werde „alles unternehmen“ um dieses oder jenes zu erreichen, schon machen die Börsianer auf dem Absatz kehrt und vollführen unmittelbar vor dem Abgrund, der sich da vor ihnen auftut, eine Wende um 180 Grad.

Diesmal war es also Mario Draghi, seines Zeichens Chef der Europäischen Zentralbank, dem es gelang, eine veritable Weltuntergangsstimmung an den Börsen binnen weniger Minuten in eine Art Kaufpanik zu verwandeln.

Woher dieser Gesinnungswandel? Nun das Geheimnis des Druiden mit dem Zaubertrank aus dem Frankfurter Elfenbeinturm ist schnell gelüftet: Super-Mario hatte die Börsianer lediglich wissen lassen, dass man wegen der niedrigen Inflationsraten in Europa die Geldschleusen schon bald wieder aufreißen werde.

Nun sind die zwar schon sperrangelweit geöffnet, was eigentlich auch jeder weiß, doch offenbar niemanden stört. Hauptsache es gibt wieder Geld. Oder zumindest die Aussicht auf noch viel mehr Geld. Alles andere wird sich finden. Das glauben jedenfalls die Börsianer und kauften am Freitag „sicherheitshalber“ schon mal jene Aktien zurück, die sie noch wenige Stunden zuvor mit spitzen Fingern aus den Depots geworfen hatten.

Nun ist es natürlich purer Zufall, dass das Statement aus Frankfurt just zu einem Zeitpunkt in die Welt gesetzt wurde, da die Börsen von einem Kollaps nur noch einen Wimpernschlag entfernt waren. Man könnte natürlich auch sagen: Das Timing der EZB war perfekt. Das kann sich nun jeder aussuchen.

Man möchte gar nicht wissen, wie viele kurzfristig agierender Spekulanten da jetzt wieder rausgekegelt wurde, weil sie ihre Stopp-Marken etwa beim S&P 500 in „weiser Voraussicht“ am August-Tief bei 1.865 Punkten platziert hatten und jetzt entsetzt mit ansehen, wie dieser Index, verdammt nochmal, jenes „wichtige Tief“ ohne mit der Wimper zu zucken einfach wieder rausnimmt. Die waagrechte rote Linie in der folgenden Abbildung, dort verläuft sozusagen „Marios Deadline“. Jetzt ist der Markt also wieder drüber.

SPX August-Tief JPG

Unnötig zu erwähnen, dass die Kaufpanik in einer Gegend ausgelöst wurde, da der Pessimismus rekordähnliche Ausmaße angenommen hatte, die selbst das Niveau des Jahres 2009 übertroffen hat. Mein Kollege Harald Weygand hatte das kürzlich anhand der folgenden Grafik illustriert.

Pessimismus WICHTIG

Zusammenfassend können wir festhalten: Die EZB hat ihre frohe Botschaft just zu einem Zeitpunkt platziert, da jeder wusste, und auch jeder sehen konnte, dass jetzt ein Bärenmarkt ansteht. Unter dem Tenor „jetzt regiert der Bär“ finden sich im Internet mit dem Datum dieser Woche vermutlich einige Hundert Statements, alle im Brustton der Überzeugung verfasst, dass ein Bärenmarkt jetzt ausgemachte Sache ist. Tja.

Und natürlich war der EZB-Rettungsanker von dieser Woche mit größter Wahrscheinlichkeit keine Eintagsfliege. Wie das in den kommenden Monaten weiter gehen wird, das hatten wir schon zu Jahresanfang formuliert: Die Geldflut, die in den kommenden Jahren auf uns zurollt, dürfte alles in den Schatten stellen, was wir uns derzeit vorstellen können…

Nebenbei bestätigt der Vorgang die uralte Kontra-Regel, die da lautet: Es macht immer wieder Sinn, gerade in Extremphasen eine der allgemeinen Wahrnehmung entgegengesetzte Position einzunehmen. Achten Sie dabei besonders auf die Statements so genannter Experten. Wenn die sich mit ihren Prognosen besonders weit aus dem Fenster lehnen, ist das Tief (oder auch das Hoch) so gut wie immer in Reichweite. Das war in dieser Woche der Fall…

Ein anderes Beispiel für diese These liefert gerade das Rohöl.

Nach der Talfahrt der vergangenen Monate sprechen einige Analysten nun bereits davon, der Ölpreis könne dauerhaft „negativ“ werden. Nun ist die Vorstellung nur auf den ersten Blick ulkig. An einem Apfelbaum können schließlich auch nicht in einem Jahr minus 100 Äpfel hängen. Und im nächsten Jahr gleicht sich das dann wieder aus: Plus 100 Äpfel ergibt dann überhaupt kein Obst.

Wer sich jetzt vor Lachen kugelt, der verkennt die Problematik beim Öl: Wegen des weltweiten Überangebots fallen die Preise immer weiter. Nun kann man eine Ölquelle bei wachsendem Überangebot leider nicht einfach ausknipsen wie einen Lichtschalter.

Das heißt, die Ölproduzenten sind darauf angewiesen, dass ihnen irgendjemand das Öl abkauft. Spitzt sich das Überangebot aber weiter zu, dann müssen die Produzenten die Abnehmer dafür bezahlen, dass diese ihnen das Öl abnehmen.

In dieser Woche war dies nun erstmals der Fall: Für die Öl-Sorte „North Dakota Sour“ wurden an einer Raffinerie (Koch Brothers) – 0,50 US-Dollar angeboten, um das Öl in der Raffinerie zu verarbeiten. Die folgende Abbildung zeigt das (rote Markierung).

Öl negativ

Werden die Raffinerien also schon in naher Zukunft wegen des Überangebots auch bei den Standardsorten WTI und Brent Geld verlangen, wenn sie das Öl abnehmen?

Für unser ungedecktes Schuldgeldsystem wäre das gelinde gesagt eine Katastrophe mit ungeahnter Sprengkraft. Warum ist das so?

An der von unten immer weiter verfaulenden Kreditpyramide hängen mittlerweile nicht nur die Börsenkurse und die Anleihemärkte. Ganz besonders betroffen sind auch klassische Ölförderländer wie Saudi Arabien, Russland, Venezuela oder auch Norwegen.

Die Rechnung ist ganz einfach: Werden die Ölpreise auf breiter Front negativ, dann sind diese Länder pleite. Mehr noch: Bereits das aktuelle Ölpreisniveau bringt die Ölförderländer in allergrößte Schwierigkeiten. Pikanterweise zeigen dies derzeit vor allem die Bankaktien: Fallen die Vermögenswerte der Öl-Länder weiter, dann stehen die Geldhäuser mit ihren Krediten im Regen – ganz ähnlich wie während der US-Immobilienkrise im Jahr 2008.

Dabei geht es heute allerdings um ganz andere Summen als damals. Und auch eine Staatspleite Russlands oder Saudi Arabiens ist von einer ganz anderen Dimension als der Lehman-Kollaps vor acht Jahren.

Das bedeutet: Das von den weltweit größten Privatbanken am 23. Dezember 1913 durch einen konspirativen Handstreich initiierte ungedeckte Schuldgeldsystem aktueller Prägung steht auf der Kippe wie noch nie zuvor in seiner Geschichte.

Was heißt das nun aber? Interessant ist an dieser Stelle ein Blick auf den US-amerikanischen Öl-ETF mit dem Kürzel USO. Dort kam es am jüngsten Tiefpunkt zu einer markanten Umsatzexplosion, die darauf hindeutet, dass der Ölpreis sein Tief vorerst gesehen hat. Die blaue Markierung macht das deutlich. Auch positive Divergenzen bei RSI und MACD weisen auf eine nahende Trendwende hin (rote Linien).

USO Umsatzexplosion

In Summe passen die Beobachtungen dieser Woche ganz hervorragend zu unserer These, dass die Notenbanken schon bald inflationieren werden, wie es die Welt noch nicht gesehen hat. Denn einbrechende Börsenkurse und einen kollabierenden Ölpreis darf es in unserer Welt schlicht und ergreifend nicht mehr geben. Na dann, herzlichen Glückwunsch!
Andreas Hoose – Antizyklischer Börsenbrief

 

4 Kommentare auf "Börsenpanik und ein „negativer Ölpreis“…"

  1. mistkaeferchen sagt:

    BESSER KANN MAN EINEN KOMMENTAR NICHT SCHREIBEN. DANKE DA WEISS MAN WAS LOS IST.

  2. Argonautiker sagt:

    So zerschellt halt jede Illusion doch irgendwann an der Wirklichkeit.

    Wenn sich wertloses Geld, per Regelsetzung mittels reinen Finanzgeschäften vermehren darf, ohne über die Realwirtschaft zu gehen, dann mehrt das nicht nur das Wertlose Geld, sondern auch die Inhaltslosen Menschen, die sich über dieses System ernähren. Wenn sich Inhaltslosigkeit so an die Spitze der Entscheider setzen, und sich beständig davon nähren, dann kann man absehen wohin die Reise geht.

    Schön erklärt Herr Hoose. Das verstehe sogar ich als Börsen Laie.

    Beste Grüße

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