Börse lässt Luft ab. Wo sind die Luftpumpen?

8. August 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Die Börsen lassen Dampf ab. Nichts ungewöhnliches, wenn auch scharf und ganz ungewohnt. 1.000 Punkte Schaden in wenigen Wochen… Geht die Welt unter? Ach was! Doch nicht heute…

Die Händler sehen den DAX weiter fallen, 8700, oder so… Vielleicht auch weniger, vielleicht auch mehr. Gold nimmt gerade den Kampf auf…

Die Expertenschaft zeigt sich irritiert. Schließlich sind wir doch auf einem guten Weg. Nein? Das sagten auch Hänsel und Gretel, bis sie an einem Hexenhaus vorbei kamen. Dabei hatte Gretel verdammt viel Glück. Wird der DAX aus dem heißen Ofen springen können? Je tiefer die Kurse, desto wahrscheinlicher ist das im Zeitalter der Eingriffe in Märkte. So war es zumindest bislang…

Wahrscheinlich werden etliche “Marktteilnehmer” die heiße Küche verlassen und sich abkühlen. Wann, wenn nicht in dieser Woche zeigt sich, dass Buchgewinne keine echten Gewinne sind, sondern erst dann, wenn die Chips vom Spieltisch genommen worden sind? Oder man hat gar keine Chips auf dem Tisch, weil man mit Geld nicht spielt, sagt die Sparkasse. Mit fremder Leute Geld schon. Aber das ist eine andere Geschichte.

Der DAX hat inzwischen mehr als 110 Milliarden Euro abgespeckt. Kurse bestimmen die Schlagzeilen. Leute wollen informiert und auch unterhalten werden. Schön, wenn es den nachbarn trifft… Nur zuvor ging die volkswirtschafliche Zunft und deren angeschlossenen Presseabteilungen davon aus, dass DAX & Co. eine bessere Zukunft vorhersagen, und nicht etwa, dass sie nur die preislichen Schäden einer verrückten Geldpolitik ausweisen. Ich vermute, aus den Ofenrohren der Denkküchen kommt viel neuer Rauch in den kommenden Tagen. Im Hintergrund laufen noch ganz andere Überlegungen…

Es wird nicht lange dauern, dann werden Gedanken die Runde machen, wann die Notenbanken den Börsen beispringen, vor allem, wenn die US-Indizes noch weiter fallen. Schließlich hängt von der Wall Street maßgeblich auch Pensionen und damit das Wohlbefinden einer ganzen Nation ab. Das vermeintliche Wahrzeichen für Reichtum, die Wall Street, sollte besser keinen Schaden nehmen. Im Anleihebereich war man durch das künstliche Senken der Zinsen und das damit künstliche Beschützen und Aufblähen der Anleihekurse sehr erfolgreich. Laut FED liegen in den Pensionsfonds gigantische sieben Billionen US-Dollar herum. Es wäre doch schade. Oder?

 

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Fallende Kurse erhöhen die Wahrscheinlichkeit von geldpolitischen Eingriffen. Zugleich liefern rote Börsen, geliefert in die heimischen Wohnzimmer der Leute das nächste Alibi, vielleicht doch mit der Zinswende zu warten. Meines Erachtens findet die ohnehin nur in den Köpfen der Leute statt. Wie heldenhaft stünden Yellen & Co da, wenn sie das tun, was sich die Leute da draußen nach einer Zeit der Tortour sehnlichst wünschen? Kämpfe erzeugen Helden. Das war früher nicht anders. Wenn die Laufbänder rot werden, der Begriff “Kurssturz” durch die Medien gereicht wird, werden sich viele in Zeiten von Moral Hasard erinnern “Wo die Not groß ist, ist das Rettende auch nicht fern”.

Was tut sich beim Gold? Während Aktien viel Speck angesetzt haben, hat Gold eine dreijährige Diät hinter sich. Vielleicht zeigt es auch noch bulimische Anzeichen. Gold muss es aus eigener Kraft schaffen, bei heftigem Gegenwind. Charts hin oder her. Gold spielt stets seine geldige Karte, was auch die relative Stärke gegenüber dem Silber unterstreicht. Silber ist ohnehin zickiger. Muss man als Freund nicht haben, wenn man damit nicht umgehen kann. Aber diese Lektion dürfte inzwischen klar sein. Wer Gold hat, ich meine echtes Gold und nicht Papierdreck, der hat auch seine Chips vom Tisch genommen, vom ganz großen Tisch der Finanzmärkte. Und kann zusehen…

P.S. Unsere Einschätzungen dazu gibt es wie immer am Samstag als Podcast auf der Metallwoche



 

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2 Kommentare auf "Börse lässt Luft ab. Wo sind die Luftpumpen?"

  1. Helmut Josef Weber sagt:

    …Börsen haben immer eine Lobby; Gold nicht… ???
    Sehr geehrter Herr Meyer,
    wenn Gold eine Lobby hätten, dann hätte auch der Finanzminister ein Auge auf die Kurse.
    Dann würden auch die Kursgewinne besteuert; von der MwSt. auf Gold wollen wir erst gar nicht reden.
    Können Sie sich nur ansatzweise vorstellen, was passieren würde, wenn morgen bekannt gegeben würde, dass ab 2015 auf den Erwerb von Gold MwSt. berechnet wird und die Kursgewinne, für nach 2015 erworbenes Gold, versteuert werden müssten?
    Gold hat wirklich keine Lobby und alle die in Gold investiert sind und noch investieren werden, sollten die Daumen drücken, dass Gold nie eine Lobby bekommt/erhält.
    Ich freue mich ein Loch in den Bauch, dass ich seit 2009, bis aktuell heute, genau 74,99 % Kursgewinne mit meiner Altersversorgung (angelegt in Unkaputtbares) gemacht habe; gut– ich habe mit dem Zeitpunkt „Schwein gehabt“, denn ich konnte meine Lebensversicherung nicht vorher kündigen.
    Und alle Kursgewinne ganz legal steuerfrei.
    Die Kursgewinne von meinen ersten Goldkäufen ab 1986 kann ich hier nicht ausrechnen.
    Zusammenfassend:
    Gold hat keine Lobby, wird nie eine Lobby bekommen und die Menschen die Gold haben, wollen auch nicht, dass Gold eine Lobby bekommt, denn nur so ist es möglich, dass die Zeche nur die bezahlen, die kein Gold haben.
    Viele Grüße
    H. J. Weber

  2. Michael sagt:

    Seien sie froh, dass es Papiergold gibt sonst stünden die Fechter vor der Türe … Die DAX Korrektur ist ein wenig ein Rückgang, bescheiden an sich. Im KDAX unter 4,6k ein wenig ein Halt.

    9000 im DAX ist rein symbolisch. Vermutlich wurde die Kanzlerin aus dem Urlaub gerufen, stieg aus dem Poolsessel wie der Phönix aus der Asche und hob den DAX zurück über die 9000 direkt hinauf zu den Göttern in den Olymp. ‚Schönen Dank, liebe Kanzlerin‘, sagt der Zeus, ‚Jetzt wo ich’s kann beobachten, der DAX scheint zurück, spielt auf wie die Philharmoniker und glänzt doch matt wie der Platin Kola auf meiner Website‘.

    Die Kanzlerin lehnt sich zurück in den Poolsessel und grübelt vor sich hin, ‚Wenn ichs nicht besser wüsste, das war jetzt der Polleit – aber der ist Österreicher – ein Göttervater mit Migrationshintergrund – spannend. Das geeinte Europa, ein Kontinent voller Widersprüche‘.

    Oder? Hat doch einfach der Herr Gabriel, wie schon diese Woche einmal dem Russischen Bären, auch den Bären im DAX die Stirn geboten. War nicht schwer, der war weder der eine noch die anderen da.

    Was sag ich – es wird einer Kommen und dann geht der DAX in die Knie …
    https://www.youtube.com/watch?v=paeNnR33i5Q

    Aber bis dahin … werden noch viele Kerzen leuchten bei der Party, Widerstände gebrochen nach oben und nach unten. Der DAX bricht vermutlich auch zu Seite aus wie der scheue Hengst bis er erschöpft in Stuttgart ankommt, sich mit letzter Kraft die Bayrischen Alpen hinaufplagt. Wo dann der Herr Stanzel mit ihm Schnlitten fährt zu Tal, vorbei am Dirk Müller beim Einkehrschwung. Der reißt die Zubanbox aus dem Anorak, tweetet, ‚Fahrt die Absicherungen hoch der Stanzel gab eine Prognose ab.‘ ‚Jochen – der gehörnte Bär ist nicht der Bulle‘ und weiter gehts Tal abwärts. Der Short Squeeze auf 9 Uhr war die letzte Hoffnung, wenn auch für eine harte so doch eine Landung, aber die Maschinen ebneten unerbitterlich die Piste hinunter ins Tal.

    Während der Frank Meier dort einem obdachlosen Broker von der Wallstreet eine Goldmünze in die Hand drückt und sagt, ‚So tief wie der DAX fällt in der Sozialen Marktwirtschaft keiner‘. Fahren Blitze aus der Wolke auf die Erde nieder, ‚Das Gold steht im Zenith. Doch wie tief sind wir gesunken – der Sozialismus hat gesiegt‘. Europa ist vereint. Es ist noch ein weiter Weg, aber einmal kommt der Tag.

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